Marktgemeinde Ottobeuren
Marktplatz 16
87724 Ottobeuren
T. +49 (0)8332 9219-50
F. +49 (0)8332 9219-92
info@ottobeuren-macht-geschichte.de
www.ottobeuren-macht-geschichte.de




05.02.1926 - Warnung vor Zuzug nach München


   Download

Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren 1926 alles andere als gut. Wo heutzutage die Landflucht als Allheimlittel gesehen wird - mit allen Folgen (Slumbildung, Ausbeutung), wurde dies in Bayern damals bewusst erschwert. Eine dringende Warnung im Ottobeurer Volksblatt vom 05.02.1926 macht dies deutlich. Landwirtschaftlichen Arbeitern wurde darüber hinaus keine Hoffnung gemacht, außerhalb ihres erlernten Berufes eingestellt zu werden. 

Hier der Wortlaut der Zeitungsmeldung (unter Lokales auf Seite 3):

Warnung vor dem Zuzug nach München!
Der öffentliche Arbeitsnachweis München warnt ländliche Arbeitskräfte aller Art vor dem Zuzug nach München. Es besteht keinerlei Möglichkeit, zugezogene Arbeiter in absehbarer Zeit irgendwie zu beschäftigen. Insbesondere werden landwirtschaftliche Arbeiter darauf hingewiesen, daß ihnen keineswegs Arbeit außerhalb ihres Berufes zugewiesen werden kann.

Vier Tage darauf, am 09.02.1926 schrieb das Ottobeurer Volksblatt auf Seite 3:

Unverantwortlicher Leichtsinn.
Der Städtische Nachrichtendienst München erläßt mit dieser berechtigten Überschrift eine eindringliche Warnung davor, daß Eltern auf dem Lande ihre jungen Töchter ohne weiteres in die Großstadt schicken, „damit sie sich eine Stelle suchen“. Dabei trafen im Jahre 1925 auf je 100 stellensuchende junge Dienstmädchen nur 77 offene Stellen und inzwischen haben sich die Verhältnisse noch erheblich verschlechtert. Die schlechten Zeiten haben es mit sich gebracht, daß viele Familien sich überhaupt keine Hilfe mehr leisten können. Wenn nun die Mädchen Glück haben, kommen sie zu den öffentlichen Arbeitsnachweisen, wo dann wenigstens dafür gesorgt ist, daß sie baldmöglichst wieder in die Heimat zurückkehren. Oft bleibt nichts anderes übrig, als die Unterbringung im Asyl für Obdachlose. Aber auch die älteren Mädchen tun gut daran, nicht planlos den Städten zuzustreben. Vor dem Zuzug zu den großen Städten kann nur dringend gewarnt werden.

In derselben Ausgabe wurde gleich anschließend ein Artikel über die Klage des Bäckereihandwerks über die Zunahme des "Brothausierens" berichtet.