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1633 - Hondius, Henricus: Karte von Oberschwaben


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Der lateinische Originaltitel der Karte lautet Nova Alemanniae sive Sveviae Superioris Tabula. In einer englischen Publikation wurde sie 1633, in der deutschen Ausgabe 1636 veröffentlicht: „Atlas, Das ist Abbildung der gantzen Welt mit allen darin begriffenen Ländern und Provintzen: Sonderlich von Teutschland, Franckreich, Niderland, Ost- und West-Indien: Mit Beschreibung der-selben ; [gewidmet: Georg Wilhelm, Marggraff zu Brandenburg].“. Die Karte ist ca. 48 x 36 cm groß und zeigt Ottobeuren als „Ottenbeurn“, auf den beiden Textseiten über Schwaben kommt auch Ottobeuren kurz vor.

Zwischen den Alpen, dem Bodensee und Augsburg ist das baden-württembergisch-bayerische Grenzgebiet zu sehen. Doch befindet sich der Norden nicht am oberen Rand der Karte, sondern rechter Hand. Diese Ausrichtung nach Westen war auf Karten im 17. Jahrhundert kein ungewöhnliches Phänomen. Ebenso wenig wie die künstlerische Ausgestaltung mit ornamentalen Textkartuschen, die Titel, Meilenzeiger, Legende und Herstellerangaben enthielten.

Der Band liegt in der „Herzogin Anna Amalia Bibliothek“ und wird von dort als Download angeboten (ganzer Band). Auf Seite 224 (die Karte selbst = Doppelseite 222 und 223) „VON OBER SCHVVABENLAND.“ heißt es:

„…  An der Iler besser hinauff gegen Orient ligt die statt Kempten / welche sehr alt ist / und Campidunum vorzeiten soll geheissen haben. Sie hat einen luftigen prospect, und ist allda ein reiche Abtey welche Hildegardis Keyser Caroli Magni Gemahl hat gestifftet / und mit der Grafschafft Hillarmont begabet. Diese statt ist newlicher zeit von den Keyserischen / nachdem sie die Schwedischen eine zeitlang hatten innen gehabt / widerumb stürmender Hand eingenommen / und jämmerlich ruiniret und verderbet worden. Obgemeldte Keyserin Hildegardis hat eine Schwester gehabt mit Namen Adelinde, welche Graf Otto von Kesselberg im Blanckenthal bey Biberach zur ehe genommen / und nach seinem tode das Jungfrawenkloster Buchaw / das am Buchawer oder Federsee ein meyl oberhalb Biberach ligt / hat gestifftet. Memmingen ein Reichsstatt ist schön und fäst / und hat vorzeiten zum Grienenwerd geheissen / wird von wolhabenden Bürgern und Kauffleuten bewohnet / und fleust durch die statt ein schöner / heller / klarer und lauterer Bach / der nimmer nicht gefrieret. Die statt ist mit schönen luftigen spatziergängen umbgeben / und auff der einen seyten wird sie von einem riet oder Moraß wohl befästiget / treibet einen grossen Barchet und Leinwath handel. Umb die statt herumb auff ein meyl wegs oder zwo ligen viel Schlösser und Klöster / als Ottenbeuren / Munchrot / Ochsenhausen / Wyblingen/ Buchsheim / item die Schlösser im Ilerthal / als Kronburg /Marstetten / Lautrack / Eroltzheim / Kelmüntz / Dietenheim /Bellenberg / Wertinge / Zelb / Kirchberg an der Iler / ac.   Mündelheim an dem Wasser Mindel / ist ein schönes wolerbautes stättlein / und darob ein Fürstlich Schloß den Freyherrn von Frundssperg zugehörig. Was für dapffere Helden aber die Herrn von Frundssperg / Georg und Caspar Vatter und Sohn gewesen / und wie trewlich sie Keyser Carolo V in Italien gedienet / erweisen die Historien gnugsamb. Burgaw / unterhalb welcher die Mindel sich in die Donaw ergeust / hat der gantzen Markggrafschafft den namen gegeben. Es ist aber das geschlecht der Marggrafen von Burgaw vorzeiten ein Fürstliches gewesen / und hat gedachte Marggraf. welche 8 meyl weit und breit ist / in seinem besitz gehabt / welche nunmehr den Ertz Hertzogen von Oesterreich ist unterworfen. In dieser Marggrafschafft ligen viel Flecken und Klöster / als Wetenhausen / Kndringen / Hetingen / Reisenspurg / Friesach / Ziematzhausen / Zußmarshausen / Seifersberg / Wallerhausen / Thierdorff / Gesterhausen / Rautenbach / Schönfeld / Osterbach / Aurbach / ac.

Das Donawer Thal

     Das Donawerthal ertreckt sich von der Donaw ursprung biß an die Lech hinunter / und ist trefflich wol erbauwet / mit Dörffern / Schlössern und Stätten /welche nacheinander zu beyden seyten an der Donaw hinunter ligen / die haben alle notturfft von Korn / Habern / Fische / Vögel / Wildprät / Obst / Weyde / Vieh / Ackerbaw / Holz / Feld / den eintzigen Weinwachs außgenommen / dessen die in mangel stehen / und denselben doch damit ersetzen / daß er ihnen gnugsamb vor andern orten wird zugeführet. Simringen ein stättlein der Grafen von Hohenzollern. (…)

http://ora-web.swkk.de/digimo_online/digimo.entry?source=digimo.Digitalisat_anzeigen&a_id=7879&p_ab=0

und

http://ora-web.swkk.de/digimo_online/digimo.entry?source=digimo.Digitalisat_anzeigen&a_id=7880&p_ab=0

Für das Ottobeurer Geschichtsprojekt zur Verfügung gestellt wurde dieses Original von Notar Christian Braun. Kartenscan und Textabschrift: Helmut Scharpf, 02/2013

Eine weitere Karte (Sammlung Scharpf) ist hier im Ausschnitt eingestellt. Sie stammt etwa von 1720 und zeigt Ottobeuren als Klosterstandort „Ottenbeuren“. An sich zeigt die Gesamtkarte das Gebiet der Herrschaft Mindelheim.