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1937 - kompletter Jahrgang der Ottobeurer Heimatblätter


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Die Heimatblätter waren eine Beilage zum Ottobeurer Volksblatt (bis 1909 Ottobeurer Wochenblatt). Hier der Jahrgang 1937, der neben heimatkundlichen Dingen drei Artikel zu den Orgeln enthielt. 1937 erschienen die vierseitigen Beilagen alle zwei Wochen; insgesamt sind 26 Ausgaben mit zs. 104 Seiten erhalten. Die Gesamt-pdf hat 38 MB!

Der Jahrgang enthält erstaunlich wenig Propaganda, abgesehen von Ausgabe 10 über die Griechen und Römer, die früher wegen ihrer „nicht mehr bezweifelbare Rassenverwandtschaft“ mit den Germanen überwiegend „blond und blauäuigig“ waren. Hier bricht der NS-Rassenwahn voll durch (s. Textausschnitte weiter unten).
Das Titelbild über die Ziege als Nahrungs- und Rohstofflieferant ist ein Beispiel, wie man sich auf allen Gebieten der Landwirtschaft und im häuslichen Bereich auf die "Erzeugungsschlacht" vorbereitete.
Die Genealogie hatte mit der Aufzählung sämtlicher Geburten, Trauungen und Sterbefälle ihren festen Platz (wie bereits in den Ausgaben 1936) und sollte die Abstammung der Bewohner dokumentieren - um die Angaben später für eigene Zwecke missbrauchen zu können:

Sterbefälle (Ausgabe 1, 2, 3, 4, 5, 7, 8, 10, 13, 16, 22, 23) 1930, 31, 32, 33, 34, 35, 36, 37
Trauungen (Ausgabe 5, 7, 8, 10, 13, 16, 22, 23) 1937
Geburten (Ausgabe 5, 7, 8, 10, 13, 16, 22, 23) 1937
ab Ausgabe 7 als monatliche Berichte für 1937

Interessant ist der Jahrgang v.a. wegen der Artikel von Hermann Köbele, die er der zum Thema Orgeln, Riepp und Holzheu (bzw. Holzhey) verfasste - hier in  zusammenfassenden pdf-Dateien abrufbar, ebenso vereitelte Pläne zum Abbau der Orgeln nach der Säkularisation (s.u.).

Einen kleinen harmlosen Text habe ich abgeschrieben:
Ottobeurer Heimatblätter, Ausgabe 6 vom 18. März 1937:
Türkheim, 26. März (1912).
Ein gelungenes Idyll erlebten kürzlich die Passagiere des Frühzuges von Türkheim-Markt nach Türkheim-Bahnhof. In dem Augenblick als der Zug bereits zur Abfahrt fertig war, kam im schnellsten Tempo noch ein Passagier nur mit Hemd und Hose sowie Socken bekleidet, Schuhe und übriges Gewand in den Armen tragend, angestürmt und sich einen Platz im Wagen suchend. Hier nun begann unter lautem Halloh der übrigen Mitreisenden die vollständige Toilette. Der gute Mann hätte sonst den Anschluß nach Wörishofen, wo er in Arbeit steht, versäumt, würde er sich nicht auf diese originelle Weise geholfen haben.

In Nummer 4 vom 19.02.1937, in einem weiteren Artikel von Hermann Köbele, findet sich Interessantes über medizinische Bücher, aber auch über die Druckerei des Ottobeurer Wochenblatts. Die Umbenennung in „Ottobeurer Volksblatt“ hatte vermutlich damit zu tun, dass Benedikt Baur ab dem 1. März 1909 den Ganser’schen Verlag übernahm.

In Ausgabe 8 vom 16.04.1937 wird erwähnt:
Vier Aufführungen des Ritterschauspiels „Otto von Wittelsbach“ von Pater Kaspar Kuhn (im April 1912) durch den Radfahrverein; „schönes vaterländisches Schauspiel“.
(Die Bayerische Staatsbibliothek hat ein Exemplar, vermutl. auch das Klosterarchiv.)

Ausgabe 10 enthält einen Artikel zur „Rassen-Frage“: „Blond oder braun?
„Es ist kein Zufall, daß die große Kultur des klassischen Altertums, die hellenische, auf den nordischen Menschen einen so tiefen Eindruck macht. Mehr als nur ästhetische Neigung liegt hier vor, nämlich die heute nicht mehr bezweifelbare Rassenverwandtschaft zwischen Griechen und Germanen. (…)
Ganz ähnliche Entdeckungen wie bei den Griechen kann man auch bei den Römern machen. Auch hier ist eine ursprünglich blonde Rasse vor etwa 4000 Jahren von Norden her in die Apenninenhalbinsel eingedrungen. Vorher war diese von Angehörigen einer dunkelhaarigen Mittelmeerrasse bewohnt, die, wie zahlreiche Orts-, Fluß- und Bergnamen zeigen, auch in Frankreich und Spanien verbreitet war. Von 81 berühmten Römern waren nur 18 dunkel, dagegen 63 blond und ähnlich ist auch das Verhältnis der blonden zu den dunklen Göttern. Also auch die Römer oder besser gesagt die Italer waren einmal blond.

Wie kommt es nun aber, so muß man doch fragen, daß die dunklen Typen heute bei beiden Völkern überwiegen? Dieses Rätsel löst die moderne Erbforschung. In Griechenland wie in Italien traf die blonde nordische Rasse auf eine dunkelhaarige Urbevölkerung. Die Geschichte lehrt, daß zunächst die Eroberer allein herrschten und die Vermischung mit den Unterworfenen vermieden. Das ging bis zur völligen Entrechtung der Mischlinge, die von der Erbfolge und von den Staatsämtern ausgeschlossen wurden. Später jedoch wurden diese strengen Bestimmungen gelockert, und nun mußte die dunkle Urrasse die andere unaufhaltsam überwuchern. Dunkle Haare uns braune Augen sind nämlich „erbdominant“, d.h. wenn eine blonde Frau einen dunklen Mann heiratet oder ein blonder Mann eine dunkle Frau, so werden von vier Kindern drei jedesmal dunkel sein und nur eins blond. - Der dunkle Typ vermehrt sich also als Typ erheblich schneller als der blonde. Im Laufe von vier Jahrtausenden mußten deshalb helles Haar und blaue Augen in Rom und Griechenland fast aussterben.“
Kommentar hierzu s. Einleitung!

Bericht zur Gründungsfeier des Josephsvereins am 10.06.1877 in Ausgabe 13 vom 25. Juni 1937, S. 1

Ausgabe 17 vom 20. August 1937, S. 1 f. (Fortsetzung in Nummer 18 vom 03.09.1937, S. 1 f.) von Hermann Köbele
Pater Theodor rettet die Große Orgel in Ottobeuren.
Ein Attentatsplan auf die Orgeln Riepps.

Ein weiterer Artikel (in Ausgabe 19 vom 17. 09. 1937, S. 1 f.) von Hermann Köbele ist lesenswert. Er beschreibt die Einsamkeit des Kosters, wenn nach dem Sommer die Touristenströme aus Ottobeuren verschwunden sind und Kirche und Kloster eine gänzlich andere Wirkung entfalten.
Das einsame Kloster.

In Ausgabe 20 vom 01.10.1937 (S. 1 f. mit Fortsetzung in Ausgabe 21, S. 1) schreibt Hermann Köbele über die Riepp-Orgeln und bezieht sich dabei auf einen Artikel von Hermann Meyer-Ansbach in der Zeitschrift „Schwabenland“ vom August 1937.
Die Riepp-Orgeln in Ottobeuren.
Meinungen und Urteile.

Mit Artikeln zum Orgelbau in Ottobeuren ging es in Ausgabe 22 vom 29.10.1937, S. 1 f. (mit Fortsetzungen in Ausgabe 23, S. 1 f. und 24, S. 1 f. sowie 25. S 1 f.)  

Die Orgelbauerfamilie Holzheu und ihre Wohnungen.
Ein Beitrag zur Ottobeurer Häusergeschichte.

Zusammenstellung und Abschrift: Helmut Scharpf, 03/2013

Die Heimatblätter wurden von Heidi und Hans Kraft zur Verfügung gestellt, von der Buchbinderei Müller in Erkheim in Einzelseiten zerlegt, von Helmut Scharpf nach München gebracht, dort von der Firma Pixelprint gescannt.
Sie erschienen letztmals am 30. Mai 1941 (bis zur Einstellung des Ottobeurer Volksblatts; nachfolgend alleinige Berichterstattung durch den Allgäuer Beobachter - bis 18.04.1945).

Hinweis:
Die Abb. erfolgt als zeitgeschichtliches Dokument! Sie ist zwar gemeinfrei, eine missbräuchliche Nutzung ist dennoch untersagt! Die zeitgeschichtlichen Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus werden nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungs- feindlicher Bestrebungen, der wissenschaftlichen und kunsthistorischen Forschung, der Aufklärung oder der Berichterstattung über die Vorgänge des Zeitgeschehens gezeigt und sind in keiner Weise propagandistisch, insbesondere im Sinne des § 86 86a StGB zu benutzen.