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1957 - Übersiedlung der Fa. Berger nach Ottobeuren


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So sahen die Anfänge eines heute weltumspannenden Konzerns aus. Auf dem Foto sieht man das Goggomobil eines Mitarbeiters vor dem neuen Gebäude (Architekt Willy Hornung) in der Egerländer Straße 7 in Ottobeuren.

Alois Berger kam im Alter von 13 Jahren mit seiner Familie* als Heimatvertriebener 1946 aus dem südlichen Böhmerwald (aus Paseka, vormals Passeken, zu Nové Hutě bzw. Neugebäu gehörig; westlich von Vimperk, vormals Winterberg), 10 km östlich der deutschen Grenze, nach Krautenberg und begann in Ottobeuren eine kaufmännische Lehre bei der 1941 gegründeten Schraubenfabrik Fallscheer (heute: SFB Babenhausen). Als sich diese Firma in Ottobeuren auf dem Gelände der Kaserne nicht weiter entwickeln konnte, zog sie nach Babenhausen um - und mit ihr Alois Berger, der sich 1955 jedoch in Neugablonz mit zwei angestellten Facharbeitern in einer 105² großen Werkstatt selbständig machte, da dort die Schmuckindustrie schon nach Facondrehteilen verlangte. Kurz vor Beginn eines Erweiterungsbaues hatten es die Mitarbeiter (der Mechaniker Georg Abröll und Georg Bäuerle), denen die Distanz vom heimatlichen Ottobeuren nach Neugablonz zu weit war, gemeinsam mit der Gemeinde erreicht, an ein Grundstück in der Egerländer Straße zu gelangen, auf dem schließlich der neue Firmenstandort entstand. Dies war nicht so einfach, da die hiesigen Gewerbetreibenden (z.B. Raith oder Schaber) um das Lohnniveau fürchteten und möglicherweise auch Angst hatten, Arbeitskräfte zu verlieren.

Die Zahl der Mitarbeiter lag anfangs noch im einstelligen Bereich, wuchs aber schon sehr bald. 1959 begann die Ausbildung von Lehrlingen. Im Jahr 1969 nahm das Unternehmen den ersten Sechsspindler-Drehautomaten in Betrieb. Der Standort in Ottobeuren wurde schnell zu klein, so dass er zwischen 1970 und 1973 ständig ausgebaut werden musste. Der Firmensitz in Ottobeuren sollte auch danach noch erweitert werden, es fanden sich hierfür aber keine gemeindlichen Gewerbegrundstücke, Privatflächen waren zu teuer. Der damalige Memminger Kämmerer Rudolf Jurczok erkannte die Chance und bot 1986 ein Gelände in der Neuen Welt an. Sohn Oswald Berger baute den Standort auf. Vom Produktionsstart im September 1989 bis etwa 1992 wurde von Memmingen aus ausschließlich das Werk in Ottobeuren beliefert, dann wurden die ersten eigenen Kunden akquiriert. Am Standort Memmingen mit 720 Mitarbeitern (davon 47 Auszubildende) und einem Jahresumsatz von 100-110 Millionen Euro feierte man am 20.09.2011 das 25-jährige Bestehen des Standorts. Die Leitung der Berger-Gruppe übernahmen Oswald Berger und seine Schwester Karin Berger-Haggenmiller, Memmingen wurde 2000 zum Firmensitz. Die Gruppe mit 1.600 Mitarbeitern betreibt 12 Werke in sechs Ländern - neben Deutschland in Polen, Kanada, der Schweiz, den USA und China. Nach wie vor werden Präzisionsdrehteile für die Automobilindustrie gefertigt, Kunden aus dem Maschinenbau werden immer wichtiger. 2014 vollzog sich laut Homepage der Firma mit der Übergabe der Geschäftsführung der Berger Holding ein Generationenwechsel, von Alois Berger an seine Kinder Karin Berger-Haggenmiller (kaufmännisch) und Oswald Berger (technisch).

Die Auswertung des Interview mit dem Firmengründer und Ottobeurer Ehrenbürger Alois Berger steht noch aus ...
Zum 80. Geburtstag titelte die Memminger Zeitung am 20.06.2013 auf der Seite „Allgäu-Wirtschaft“: Vom Flüchtlingskind zum internationalen Unternehmer.
Der Memminger Kurier berichtete am 19.10.2013 über die Geburtstagsfeier in der neu errichteten Halle seines Werks in Ummendorf: Alois Berger feiert mit Mitarbeitern.
Für die Memminger Zeitung berichtete Volker Geyer am 11.09.2011 „Berger seit 25 Jahren in Memmingen

Am 18.08.2018 druckte die Memminger Zeitung einen längeren Abriss über die Familien- und Firmengeschichte (Bei Berger bleibt es in der Familie). Zur Leistungsfähigkeit der Firma heißt es da z.B. „Tag für Tag verlassen 1,5 Millionen Teile allein die deutschen Berger-Werke.“

Das Foto stammt aus der Sammlung von Helmut Scharpf. Es wurde von Südwesten aufgenommen. Links neben dem Fabrikgebäude sieht man den (heute nicht mehr existenten) Stadel von Landwirt Franz Hölzle sen. Das Betriebsgebäude verdeckt die Sicht Richtung Fröhlins. Der Verwaltungstrakt ist heute höher gelegt und nur über Stufen erreichbar.

*Im Buch Fink, Reinhold: Advokat und Zuckerbäcker: Handel und Gebwerbe und Industrie im Böhmerwald, 1930 bis 1940, Books on Demand GmbH, Norderstedt, 02/2005, 316 S., ISBN 3-8334-2552-0 sind auf S. 136 Johann und Anna Berger aus Neugebäu aufgeführt.