Marktgemeinde Ottobeuren
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09-1937 - Die neue Herbst- und Wintermode im Modehaus Karl Specht


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Eine eingehende Recherche zum Modehaus von Karl Specht fehlt zwar noch, die vier Doppelseiten mit der Werbung für die Herbst- und Wintermode 1937 sind jedoch einfach zu schön, um sie Ihnen länger vorzuhalten. Das Geschäft war durchaus mondän. Gegenüber dem Eingang befand sich eine Wendeltreppe, die zu weiteren Verkaufsräumen in den 1. Stock führte. Es gab eine große Zahl von Angestellten. Frau Frisch sagte am 13.07.2015: Wenn man mit der Mutter mal ins Modehaus Specht gehen durfte, dann war das etwas ganz Besonderes!

Karl Specht taucht in den Einwohnerbüchern von 1931 (hier nur als Gemeinderat genannt) und 1937 nicht mit Adresse auf. In einer Zeitungsnotiz von vermutl. Anfang 1930 wünscht die Redaktion seinem Sohn Karl Specht jun. und einem weiteren Auswanderer in Südamerika viel Glück.
1926 wird Karl Specht sen. als „Kaufmann“ in der Bahnhofstraße 117 aufgeführt (seit 1951: Hausnummer 2).
Karl Specht war 1930 Mitglied des Gemeinderats (insb. „Friedhofskommission“). Bei der Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr im März 1930 legte er den Kassenbericht vor. Anfang Juni 1930 berichtete das Memminger Volksblatt von der Generalversammlung des „Darlehenskassensvereins Ottobeuren“, dem Karl Specht vorstand. Beim „11. Schwäbisch-Bayerischen Bundesschießen“ in Memmingen - ebenfalls Anfang Juni - gewann er einen Preis. Ebenfalls beim Freischießen der „priviligierten Feuerschützen-Gesellschaft Ottobeuren“ im Oktober 1930.
In einem kurzen Bericht über die Marktgemeinderatssitzung vom 20.08.1931 hieß es im Memminger Volksblatt vom 21.08.1931 (S. 6):
In der gestern Donnerstag abends stattgefundenen Sitzung des Marktgemeinderats wurde Herr Karl Specht, Kaufmann, zum 2. Bürgermeister gewählt. Von 15 abgegebenen Stimmen fielen auf den Gewählten 9 Stimmen, die anderen Stimmen waren zersplittert. Da Herr Specht bisher schon dem Marktgemeinderat als Mitglied angehörte, rückt der 1. Ersatzmann vor und wird somit Herr Glasermeister Alexander Wegmann, der bei der letzten Gemeindewahl 671 Stimmen auf sich vereinigte, in den Marktgemeinderat eintreten. Von beiden genannten Herren steht die Zusage über die Annahme des Amtes noch aus.
[Hinweis: vermutlich als Nachfolger vom bisherigen 2. Bürgermeister Max Pfalner]

Specht erklärte (als Kaufmann und 2. Bürgermeister) mit vielen weiteren Unterzeichnern im Memminger Volksblatt im Rahmen eines Zeitungsinserates vom 22.01.1932 (als Bollwerk gegen Bruderkrieg und Umsturz, den Weg zur Freiheit und Ehre der Nation): „Wir wählen Hindenburg!

Das Memminger Volksblatt vom 11.01.1933 kündigt einen Inventurverkauf an (S. 72):
Ottobeuren, 11. Jan. Inventur-Verkauf. Die Fa. K. Specht veranstaltet laut Anzeige im Inseratenteil in der Zeit v. 12. bis 26. Januar einen Inventur-Verkauf, worauf auch an dieser Stelle hingewiesen sei.
In der Ergänzungswahl zum Industrie- und Handelsgremium am 04.01.1933 wurde Specht für das Bezirksamt Memmingen neu gewählt (S. 87).

Nach dem Rücktritt des 1. Bgm. Adolf Fergg am 09.04.1933 übernahm Specht kurzzeitig die Amtsgeschäfte (S. 70; 1933_2). Allerdings nur bis 11. April, denn dann trat auch Specht zurück.

Am 21.04.1933 meldete die Zeitung die Wahlvorschläge wie folgt: Specht an 1. Stelle für die Bayerische Volkspartei an (S. 144; s. auch 272).
644: Dienstjubiläum Judith Negele für 50 Jahre im Dienste der Familie Specht.

(S. 229): Ottobeuren, 3. Mai. Besuch aus Amerika. Hr. Karl Specht jun., ein Sohn von Hrn. Kaufmann Specht dahier, der seit ca. 3 Jahren sich in Santiago (Chile) in Stellung befindet, trifft am 15. ds. Mts. auf einer geschäft­lichen Reise in einem deutschen Hafen zu einem Besuche in der Heimat ein.

Die Firma machte immer mal wieder Prospekt-Werbung, die den Zeitungen beilag. Das Memminger Volksblatt vom 22.10.1930 erklärte:
Hinweis. Der Gesamtauflage der heutigen Nummer des „Ottobeurer Tagblatt“ liegt ein Prospekt des Kaufhauses Karl Specht - Ottobeuren über „Bleyle-Kleidung“ bei, den wir der Beachtung unserer verehrl. Leser empfehlen.

Im Straßenverzeichnis von 1951 steht unter der Adresse Bahnhofstraße 2 nur noch „Karl Spechts Erben“.
Das Haus ist seit ca. 2004 im Besitz von Wolfgang Maier.

Der hier abgebildete Prospekt (gedruckt bei einer Firma aus Essen*) hat vier Doppelseiten (Format 44,5 x 30,3 cm); auch die Preisliste ist erhalten geblieben. Wolfgang Joachim aus Ottobeuren stellte das Faltblatt dankenswerterweise zur Verfügung. Der Scan wurde von Helmut Scharpf im Juli 2015 aufwändig nachbearbeitet. Abgebildet sind zunächst die vier Doppelseiten sowie die Preisliste. Der letzte Reiter ermöglicht Ihnen einen Download als Gesamt-pdf (ca. 8 MB).
Wenn Sie als Leser dieser Seite etwas zur Geschichte des Modehauses beitragen können, bitte auf den Kontakt-Button klicken! Die Tradition des Unternehmens geht auf das Jahr 1810 zurück. Die Expansion begann 1935, als Karl Theodor Specht den Stoffhandel Wagner mit vier Mitarbeitern von Erwin Wagner übernahm. Nach dem Krieg entwickelte sich das Kemptener Modehaus zum Platzhirsch. Ob der Nukleus der späteren Specht-Gruppe (mit Henschel & Ropertz) in Ottobeuren oder in Kempten lag, ist noch unklar!

*Über die Firma von Wilhelm Girardet (* 14. Juni 1838 in Lennep; † 4. Mai 1918 in Honnef) gibt es eine eigene Wikipedia-Seite.