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1717 - Errichtung eines Grenzsteines an der Grenze zu Memmingen


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Nach einem Grenzabkommen zwischen dem Reichsstift Ottobeuren und der Reichsstadt Memmingen wurde 1717 ein Grenzstein gesetzt, um gemeinsam hier die Gemarkungslinie vom Nordwestrand des Riedes zum Haienbach nach Nordosten beim Überschreiten der Straße Memmingen-Ottobeuren nicht nur zu markieren, sondern denkmalhaft zu kennzeichnen.

Der frühere Memminger Heimatpfleger Walter Braun (1905 - 1977) berichtete im Spiegelschwab (der Heimatbeilage der Memminger Zeitung) vom März 1971 von der Neusetzung des Steines, nachdem von dem 1717 gesetzten Stein nicht mehr viel übrig geblieben war: „Der damals gesetzte Stein ist leider in den letzten zehn Jahren zweimal bei Straßenarbeiten bzw. beim Rohrlegen so bös beschädigt worden, daß von den schönen alten Wappen auf beiden Seiten nur mehr ein kleines Eckle der Memminger Seite erhalten geblieben ist. Es hat sich dabei um den allerletzten künstlerisch gestalteten Grenzstein um Memmingen herum gehandelt, so daß es Ehrenpficht der Stadt (und der Heimatpflege) Memmingen war, das historische Kunstwerk zu ersetzen.“

Bis etwa 1971 verlief hier am Riedbach (östlicher Rand des Benninger Riedes) die Straße von Benningen nach Memmingen. Sie wurde etwas nach Osten versetzt und ist heute als Staatsstraße 2013 ausgebaut. Der Grenzstein (nördlich der Hausnummer 83 der Benninger Straße, Memmingen, beim Platz des Vereins für deutsche Schäferhunde) markiert die tatsächliche Ortsgrenze Benningen - Memmingen und bildete bis 1803 die „Staatsgrenze“ des Ottobeurer Gebietes zur „Freien Reichsstadt Memmingen“. Finanziert wurde der 1971 neu gesetzte Stein von der Stadt Memmingen, gestaltet hat ihn der Ottobeurer Steinmetz Max Josef Holzmann (10.05.1908 - 16.12.1989). Dieser verwendete (lt. Steinmetz Walter Noller) den gelblichen, witterungsbeständigen „Travertin“ , der bis 2007 in der Gegend von Bad Cannstatt abgebaut wurde. (Heute gibt es dort den „Travertinpark“.)
 
Der Stein zeigt auf beiden Seiten die Jahreszahl 1717, auf der Südseite das Ottobeurer Wappen (das Ottobeurer Doppelstifts-Wappen mit der Rosette des Konvents und dem Adler des Reichs, darüber der Abtshut und als Symbol der geistlichen und weltlichen Macht den Abtsstab und das Schwert der Hochgerichtsbarkeit sowie unten das Wappen des Abtes Rupert Ness II, unter dem der heutige barocke Klosterbau entstand), auf der Nordseite das reichsstädtische Memminger Wappen (den Reichsadler und - als Symbol für den Marktfrieden - das Kreuz).
Braun berichtete in seinem Artikel, der im Wesentlichen die Anekdote des Pflasterzolles wiedergibt, nur wenig über den alten Grenzstein. Es habe immer „auch einige Grenzstreitigkeiten“ gegeben, er nennt aber keine Einzelheiten oder eine Quelle zum erwähnten Grenzabkommen mit Memmingen. Zum erneuerten Stein schreib er:
„Absichtlich ist der Torso des alten, fast ganz zerstörten Steines im Boden geblieben, ist er doch ein rechtskräftiger Vermessungspunkt, auf dessen Erhalt das Vermessungsamt verständlicherweise großen Wert gelegt hat. (...) Wir hoffen, daß der jetzt, nach der Straßenverlegung wohl nicht mehr gefährdete Grenzstein unversehrt bleibt, eine Erinnerung an uralte Grenzen und Zeiten und ein künstlerisch wohlgelungenes Werk der neuen Zeit, für das der Stadt Memmingen und dem Ottobeurer Meister Max Holzmann besonderer Dank gebührt.“

Das Bild des Steines stammt vom 19.07.2015. Eine Signatur von Holzmann ist heute nicht (mehr) erkennbar. Auch jetzt könnte der Grenzstein wieder eine Generalüberholung vertragen!
Bilder, Abschriften, Recherche: Helmut Scharpf, 10/2015