Marktgemeinde Ottobeuren
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18.09.2015 - Ausstellung [kunst]³ mit Werken von Rosa Zahn, Karl Heinz Klos und Fritz Demmel eröffnet


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Den Abschluss der Kunstausstellungen, die jeweils die großen Ottobeurer Basilikakonzerte begleiten, bildete vom 18. - 20. September 2015 ein weiterer Künstler-Dreiklang: [Kunst]³ von und mit Rosa Zahn (Tonobjekte), Karl Heinz Klos (Malerei) und Fritz Demmel (Holzskulpturen). Bei der Vernissage im vollbesetzten Kursaal im Haus des Gastes sprach Bürgermeister a.D. Bernd Schäfer die Laudatio.

In seiner Begrüßung ging Bgm. German Fries darauf ein, dass dies heuer die dritte Vernissage „mit jeweils 3 x 3 Ottobeurer Künstlern an den drei Konzertwochenenden“ sei. Das belege die künstlerische Vielfalt des Ortes Ottobeuren. Er führte aus: „Karl Heinz Klos – Malerei, zweidimensional, Fläche, Leinwand, Licht und Schatten, Farbe, Konturen, Tiefe andeutend, Rosa Zahn und Fritz Demmel, Tonobjekte, Holzskulpturen, dreidimensional, gegenständliche Kunst, hebt sich aus der Fläche, in den Raum. Kunst² wird Kunst³.“
Alle drei Künstler hätten in Ottobeuren jeweils auch ein Atelier, wo man sie nach den Ausstellungstagen auch besuchen könne. Der Bürgermeister verriet, dass Karl Heinz Klos am 2. Oktober in Pfronten mit dem „Pfrontener Kunstpreis 2015“ geehrt werde.
Ottobeuren habe sehr viel Kunst zu bieten. Herr Fries verwies in diesem Zusammenhang auf die gleichzeitigen Ausstellungen im Kloster [20.06. - 01.11.2015: Alexander Dettmar: „Heilige Orte und spätgotische Figuren“] und im Kunerth-Museum [Diether Kunerth: „Das Gesicht“; 01.04. - 31.10.2015].

Die Laudatio von Bernd Schäfer:
Herr Bürgermeister, sehr geehrte Gemeinderäte, Herr Kraus mit Ihrem exzellenten Team, lieber Günter [Schwanghart], hochgeschätzte bildende Künstler, verehrtes Auditorium.
Falls Sie erwarten, dass ich nun von jedem der drei ausstellenden Künstler seine Vita und die künstlerischen Meriten, die sich in Ausstellungen, Einzelausstellungen und Auszeichnungen und Preisverleihungen ausdrücken, wie die Ordensspange von verdienten hochrangigen Soldaten vortrage, dann möchte ich Sie enttäuschen. Fritz Demmel, Rosa Zahn und Karl Heinz Klos sind in unserem Raum bekannt und wie ich meine, wenn ich in ihre große Schar von Vernissage-Gäste blicke, auch beliebt. Entsprechend gehe ich davon aus, dass die Ordensspangen der Einzelnen Ihnen bekannt sind.
Für mich ist das Interessante dieser imposanten Schau, dass die drei zusammen ausstellen und nicht auf Einzelausstellungen, die jeder leicht auf die Beine stellen könnte und die als weiteres Sternchen in der persönlichen Ordensspange glänzen könnten, erpicht sind. Es ist die Natur von engagierten Künstlern, dass egomanische Züge vorhanden sein müssen, um gut zu sein. Umso erstaunlicher für mich, dass der gemeinsame Weg nicht nebeneinander beschritten wird, sondern in gelebter Symbiose, die von einer gemeinsamen Preisliste bis zur Vereinigung von Werken zur Gesamtschau aufblüht.
Kubik-Kunst nennen sie diese gemeinsame Ausstellung. Wurde die Bezeichnung geschaffen, weil zweidimensionale Bilder im vereinten Auftreten weit über Leinwandrahmenauswüchse hinaus Raumcharakter durch die Symbiose mit Skulptur und Plastik gewinnen?
Vereint die Künstler nur der gemeinsame Schöpfungsort Ottobeuren oder hat der Dreiklang tiefere Zusammenhänge? Lassen Sie uns auf gemeinsame Suche gehen!
Fragt man die Künstler, dann war für sie die Ästhetik das Hauptmotiv der gemeinsamen Ausstellung. Jeder schuf seine Werke für sich, die Annäherung erfolgt in dieser Schau. Karl Heinz Klos zeigt Werke der letzten Jahre, Rosa Zahn hat extra für die Ausstellung die Figurengruppe in der Mitte des Saales geschaffen, die leider beim Aufbau durch einen Unfall um vier Persönlichkeiten vermindert wurde, und Fritz Demmel bringt Werke des heurigen Jahres zur Ausstellung.
Obwohl die Werke in gänzlich verschiedenen Werkprozessen entstehen, erfolgt der kreative Schaffensprozess nach sehr ähnlichem Archetypus: Aus unserer hochentwickelten Kultur, Gesellschaft und Technik heraus streben die Künstler nach der Anwendung von ausgefeilter und hoch spezifischer Methodik eine Archaik des Ausdrucks ihrer Werke an. Gelungene Archaik spricht die Muster unseres Unbewussten an, provoziert Ästhetik und damit ein Gefallen bei uns, dem Publikum und bei potentiellen Käufern.
So beginnt der Maler Karl Heinz Klos mit einer möglichst einheitlichen Fläche, meist aus Acrylfarbe hergestellt, die er oft mit Kohlestrichen teilt, zerreißt, illustriert. Übermalt sodann die aufgeteilten Flächen mit anderen Farben, möchte sich aber bei diesem und folgenden Prozessen so beherrschen, dass er nicht alle Ideen und Gefühle, die ihn beim Schaffensakt bedrängen, im Werk manifestiert. Weitere Arbeitsgänge dienen oft der Reduktion von Bildelementen, um einen prägnanten Gesamtausdruck des fertigen Werkes zu erreichen. Aus einem sehr komplexen Kreativ- und Fertigungsprozess entsteht ein Werk, das zur Archaik der Bildkultur zurückfindet. Ich konnte diese Bildkultur im Frühjar bei einer Australienreise sehr gut erleben, als wir Jahrtausende alte Felsmalereien der Aborigines betrachten konnten. Mein Reisegefährte und Handwerker-Maler [Reinhard Zettler] erklärte mir die uralten Techniken. Als realistischer und intellektueller Mensch findet man so besser in die Kunst und insbesondere in moderne Kunst hinein als wenn man unbedacht auf sie stoßen würde.
Wenn man weiß, dass die Anfänge des Schaffens von Karl Heinz Klos vor 30 Jahren bei der aquarellierten Landschaftsmalerei lagen, kann man verstehen, wie mental aufwändig der Reduzierungsprozess vom Künstler gestaltet wird.
Fritz Demmel fand über die handwerkliche Arbeit mit Holz zu seiner Kunst. Er verwendet heute nicht nur Holz, sondern auch den modernen Werkstoff MDF; das sind mitteldichte Faserplatten, zur Ausarbeitung seiner Skizzen und Ideen. Die aus diesem Material gefertigten Skulpturen haben klare, prägnante, oft auch abstrakte Formen, bekommen dann aber Fassungen, bei denen sich der Künstler Hightech-Farben der neuesten Entwicklung bedient, um die Archaik der Form mit dem Ausdruck der modernsten Gestaltung zu vereinen. Anders arbeitet er mit dem Naturstoff Holz. Demmel sieht sich hier einem perfekten natürlichem Material, das seit Millionen von Jahren den Ausleseprozessen der Evolution ausgesetzt und entsprechend vollendet geschaffen ist, gegenüber, das keine Firnis mehr braucht. Der Künstler beschränkt sich darauf, Skulpturen zu formen und ab und an die einzigartige Oberfläche des Urmaterials durch mechanische Bearbeitung herauszuheben, damit sie die Aufmerksamkeit des Publikums findet.
Rosa Zahn wiederum bedient sich archaischer Techniken, um den Werkstoff Ton in Skulpturen umzusetzen, die modern erscheinen und auch sind, aber in ihrer Formensprache und bei Figuren in ihrem Charakter doch sehr nahe am Urgrund der Kultur stehen. Die Köpfe entstehen nach Formung und Politur im Kapselbrand. Dies ist eine uralte Brenntechnik, bei der das Formstück in einer Ton- oder Metallkapsel auf brennbarem Material oder Salzen gelagert und dann im Ofen gebrannt wird. Nach dem Brand finden sich Schmauchspuren und Färbungen des Materialbettes auf den Keramikobjekten. Die Körper baut die Künstlerin in Engobetechnik auf. Dabei wird flüssiger farbiger Ton auf den fertig geformten Leib in mehreren Schichten aufgetragen und immer wieder poliert. Diese Technik sorgt für die spezifische und individuelle Färbung des Körpers nach dem Brand. Obwohl im kreativen Prozess sehr ausgefeilte, aber auch traditionelle Technik zielgerichtet verwendet wird, wirkt auch der Zufall bei der Entstehung der Plastik mit. Das Ergebnis bleibt aber bei den meisten Zahn'schen Werken eine klare, archaisch anmutende Figur.
Die Künstler beweisen uns hier in diesem Saal, dass ihre Werke verwandten Geist atmen und sie entsprechend gut harmonieren. Ob nun eine Skulptur durch die gleiche Farbigkeit mit einer Fläche des dahinter aufgehängten Bildes verwandt wird oder Werke in höchstem Dreiklang bei der Installation von Bildern, Skulptur und Köpfen zusammen klingen, wie dort zwei Wächter von Rosa Zahn, die Nr. 10 von Fritz Demmel und Jakaranda von Karl Heinz Klos. Durch die hohe Zahl von Besuchern heute Abend kann man das nicht so erleben, aber in dem Moment, in dem sich der Raum auftut, entstehen Beziehungen zu den Werken in einer von mir noch nie so stark gespürten Harmonie. Aus den Werken der drei Künstler ist hier eine Gesamtschau zu erleben, die ein Einzelner nie zeigen könnte. Unsere drei Künstler beweisen hier wie Qualität durch Zusammenarbeit noch stärker zur Wirkung kommt und wir als Publikum haben das Dilemma, zuhause kaum den Platz zu finden, um einen solchen Dreiklang nach Erwerb entsprechend platzieren zu können. Doch lassen Sie sich deshalb nicht entmutigen, greifen Sie bei einem der Künstler zu! Sie werden erleben, wie das Werk nach Ergänzung durch die Anderen rufen wird.
Ich gratuliere den Künstlern zu ihrer wunderbaren Ausstellung und wünsche ihnen viel Erfolg und Publikum an den folgenden zwei Schautagen. Heute Abend haben sie einen guten Start erleben dürfen, dank Ihres zahlreichen und interessierten Besuches, liebe Gäste. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend und danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Bernd Schäfer, Kursaal, Haus des Gastes Ottobeuren, 18.09.2015
(Der Redebeitrag wurde dankenswerterweise für das virtuelle Museum zur Verfügung gestellt.)
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Bernd Schäfer hat es während seiner Amtszeit zur Tradition gemacht, dass die Künstler nicht nur kostenlos ausstellen dürfen, sondern darüber hinaus zu den großen Basilikakonzerten eingeladen werden. Außerdem werden regelmäßig Werke der ausstellenden Künstler durch die Marktgemeinde angekauft.
Im Namen der Künstler bedankte sich Karl Heinz Klos stellvertretend für die Wertschätzung durch die Gemeinde und erklärte die Ausstellung für eröffnet. Die musikalische Umrahmung lag in den bewährten Händen von Günter Schwanghart (Klarinette).

Die Werke - das Copyright liegt bei den jeweiligen Künstlern - sind über die Reiter unten oder über die einzelnen Links in Druckqualität abrufbar. Hinweis: Durch die künstliche Beleuchtung kann es im Vgl. zum Original zu farblichen Abweichungen sowie zu einer nicht gleichmäßigen Ausleuchtung der Kunstwerke kommen. Aufgrund der Fülle der Bilder werden die Reiter unten teils ohne Vorschaubild angezeigt.
Zusammenstellung und Repros: Helmut Scharpf, 10/2015

Das Startbild zeigt auf der Bühne des Kursaals Werke der drei Künstler nebeneinander. Es folgen dann:

Rosa Zahn
Objekt Nr. 2: Paar
Objekt Nr. 1: ZWEI und DREI
Objekt Nr. 3: ohne Titel
Objekt Nr. 6: weis(s)e Eulen
Objekt Nr. 7: Schaf
Objekt Nr. 9: Freundschaft

Karl Heinz Klos
Bild Nr. 37: Cocktail 2
Bild Nr. 19: Rushhour (Großformat)
Bild Nr. 27: F114
Bild Nr. 26: U114
Bild Nr. 29: N114
Bild Nr. 33: A114
Bild Nr. 35: D114
Bild Nr. 21 und 22: Abschied der Rosen 1 und 2

Fritz Demmel (Nachtrag Lebensdaten: 14.04.1961 - 15.06.2017)
Hinweis: Die Skulpturen sind auf den Gesamtansichten mit abgebildet.
Skulptur Nr. 18: Gesicht
Gesamtansicht 1
Gesamtansicht 2
Gesamtansicht 3

Günter Schwanghart
Bild auf der Bühne

Redetext Bernd Schäfer
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Die drei Künstler gemeinsam
Bild auf der Bühne
Preisliste

Die Memminger Zeitung berichtete am 19.09.2015 über die Ausstellung. Der Besuch war nicht nur während der Eröffnung hervorragend: Insgesamt kamen knapp 1000 Besucher. Es wurden auch etliche Verkäufe getätigt.