Marktgemeinde Ottobeuren
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10.06.2018 - Offizieller Abschluss der Sanierung der Hungerbrunnen-Quelle


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Eine bedeutende Infrastrukturmaßnahme fand mit der Einweihung und Segnung der neu gefassten Hungerbrunnen ihren offiziellen Abschluss. Bedeutend waren auch die Kosten: Die Sanierung kostete 1,4 Mio Euro, 700.000 Euro waren für den Leitungsbau fällig. Die Quellsanierung hat das „Geotechnische Büro Bosch“ vollständig konzipiert, geplant und ausgeschrieben und als Bauoberleitung mit der Scharpf GmbH umgesetzt.

Die Veranstaltung für geladene Gäste fand um 10 Uhr statt, die Bevölkerung war von 13 - 17 Uhr zu einem „Tag der offenen Tür“ eingeladen. Etwa 350 Interessierte nutzten die Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen der Wasserversorgung zu schauen.

„Es ist nicht so, dass man dich zum Leben braucht. Du bist das Leben.“ Mit diesem Eingangszitat von Antoine de Saint-Exupéry begann Bürgermeister German Fries im Zelt am Hochbehälter Schießen den Begrüßungsreigen.

Die Chronologie im Kurzabriss: Der Gemeinderat hatte die Sanierung im Frühjahr 2014 beschlossen, die Geologen Udo Bosch und Herr Lindt (?) erkundeten die Möglichkeiten, das theoretische Konstrukt wurde von den Planern (Herr König und Herr Stiefenhofer vom Ingenieur-Büro Fassnacht) umgesetzt, Theorie und Praxis miteinander verzahnt. In Vertretung von Matthias Scharpf (Scharpf Wasserbau, Dirlewang) war Herr Kleinschmidt anwesend, Herr Schmied von der Fa. Hydro-Elektrik (Ravensburg; Bau der Überwachungseinrichtungen). Ausgeführt wurde alles „unten der wachsamen Augen des Landratsamtes“ (Frau Willburger), vom Gesundheitsamt in Mindelheim (Herrn Straub) und vom Wasserwirtschaftsamt Kempten (Dr. Michael Procher), die – noch ausstehende – Berechnung des zukünftigen Wasserschutzgebiets wird von Herrn Hieb vorgenommen.
Eine besondere Hervorhebung galt den Familien Adä und Schneider, „die der Gemeinde als Grundstückseigentümer vertrauensvoll und fair entgegengekommen sind“. Die Organisation der Veranstaltung lag in den Händen der Feuerwehr Haitzen und des Bauamtes der Marktgemeinde.
Nachdem die sognenannte Hochdruckzone in Ottobeuren von Wasser der „Woringer Gruppe“ versorgt wird, waren viele Mitglieder dieses Zweckverbandes anwesend: Verbandsvorsitzender Herbert Rabus (ehemaliger Bürgermeister von Lachen), in Begleitung der Herrn Wechsel, Lutz, Prof. Dr. Dieter Buchberger, und den Bürgermeistern Hermann Gromer (Kronburg) sowie Josef Diepolder (Lachen).

Am häufigsten ist seitens der Woringer Gruppe, Ing. Markus Wassermann, in Ottobeuren („das technische Herzstück der Wasserversorgung“), vor Ort dabei ist der Ottobeurer Wassermeister Gottfried Wilhelm Pfister.
Die Fäden der Wasserversorgung in der Gemeinde laufen bei der Geschäftsleiterin Katharina Mösle, bei Kämmerer Manfred Endres und beim Bauamt zusammen. Das Bauamt mit Alois Spöttle an der Spitze ist dabei das verbindende, koordinierende, aber auch kontrollierende Element. Die Gesamtorganisation der Veranstaltung oblag dem Bauamt mit dem gesamten Team (Sandra Bader, Angela di Sarno, einschließlich Herrn Florian Brader, dem Leiter des Bauhofes).
Unter dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ bedankte sich German Fries bei den Vertretern der Medien: Brigitte Unglert-Meyer (für die MMZ) und Johannes Wiest (für den Memminger Kurier).

Die Feuerwehr Haitzen hatte Parkplätze, Zelt und Verkehrssicherung vorbereitet.

Der Bürgermeister abschließend: „Solche Großprojekte sind immer nur eine Momentaufnahme, denn was nutzt es, wenn die Trinkwasserversorgungsanlage dem Stand der Technik entspricht, dann aber durch alte Leitungen mit hohen Wasserverlusten zum Verbraucher geführt werden muss. Wir haben die Verpflichtung, mit dem Gut Wasser sorgsam umzugehen und an dieser Stelle die nächsten Jahre und Jahrzehnte weiterzuarbeiten.“

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Segnung der Quelle durch den Ortspfarrer der Basilika, Pater Christoph Maria Kuen und den Pfarrer der Erlöserkirche, Werner Vogl.

Pfarrer Vogl las zunächst aus dem Buch „Exodus“ (17, 3-6: Moses gewann Wasser aus dem Stein)

3
Das Volk Israel dürstete nach Wasser und murrte gegen Mose. Sie sagten: Warum überhaupt hast du uns aus Ägypten hierher geführt? Um uns, unsere Söhne und unser Vieh verdursten zu lassen?
4
Mose schrie zum Herrn: Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig und sie steinigen mich.
5
Der Herr antwortete Mose: Geh' am Volk vorbei, und nimm einige von den Ältesten Israels mit; nimm auch den Stab in die Hand, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, und geh!
6
Dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen. Dann schlag' an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen und das Volk kann trinken. Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels.

Pfarrer Vogl: „Wasser ist das Element, das wir seit Jahrtausenden zum Leben brauchen. Ohne Wasser gibt es kein Leben, nur Wüste. In der Taufe haben wir begriffen, dass Wasser gefährlich sein kann. Ein paar Menschen waren klug genug, sich mit der Arche Noah zu retten, während andere starben. Auf der anderen Seite: Taufe heißt „untertauchen und neu werden mit Gott“ - auch hier ist Wasser mit im Spiel. Wasser hält uns am Leben, gefährdet uns und hilft uns zugleich.
Dass wir damit verantwortlich umgehen, hat Gott uns beauftragt, den Menschen das Wasser auch über den Glauben zu geben – das Wasser des Lebens. Wenn wir also hier eine Segnung durchführen, dann heißt das, dass die Menschen das Wasser, also Leben in Fülle haben sollen. Es ist gut, dass wir – im Gegensatz zu anderen Ländern wie z.B. Nepal – hier so viel Wasser haben.“

Pater Christoph: Gepriesen bist du, Herr, unser Gott.

Alles, was du geschaffen hast, ist gut.             Wir loben dich, wir preisen dich.
Du hast den Menschen deine Schöpfung anvertraut.    Wir loben dich, wir preisen dich.
Aus deiner Hand kommt jede gute Gabe.            Wir loben dich, wir preisen dich.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist.    
Wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit, Amen. Lasset uns beten:
Herr unser Gott, wir preisen dich für das Wasser, ohne das wir nicht leben können. Es erfrischt und erfreut, es reinigt und belebt. Segne diese Brunnenrinne, sie möge nie versiegen. Gib uns Dankbarkeit für deine guten Gaben. Lass das Wasser für uns zum Zeichen des Heiles werden und lenke unseren Sinn von den irdischen Dingen zu den Gütern, die du uns bereitest hast. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn, Amen.
Also, die Brunnenquelle ist jetzt gesegnet. Das heißt aber nicht, dass Ottobeuren mit Weihwasser versorgt wird – nur damit das klar ist!

Pfarrer Vogl: Lasst uns beten. Wir beten zu unserem Herrn und Gott und rufen zu ihm in unseren Anliegen.
Allmächtiger Gott, segne alle, die sich um die Dienstbarmachung dieser Quelle bemüht haben.
Wir bitten dich, erhöre uns.
Wecke in allen Menschen die Verantwortung für die kostbaren Gaben der Natur.
Wir bitten dich, erhöre uns.
Bewahre unser Land vor Trockenheit und Überschwemmung.
Wir bitten dich, erhöre uns.
Lasst uns beten, wie der Herr Jesus und selbst zu beten gelehrt hat.
Vater unser im Himmel, …

Pater Christoph: Großes Gott, du bist reich an Erbarmen. Schenke deinen Dienern die Fülle der Liebe. Gib ihnen Sicherheit durch deine Hilfe und stärke sie durch deinen Segen, damit sie dir alle Zeit danken und dich in Ewigkeit preisen. Darum bitte wir durch Christus, unseren Herrn, Amen.
Der Herr sei mit euch. Und mit deinem Geiste. Es segne euch der allmächtige Gott: der Vater, der Sohn und der heilige Geist, Amen. Gehet hin in Frieden. Dank sei Gott dem Herrn.
Pater Christoph abschließend auf Schwäbisch: „Fetig“.

Auf einer Infotafel am Zaun hieß es: Das Wort „Wasser“ kommt 684 Mal in der Bibel vor, das Wort „Quelle“ 53 Mal.
Auf einer weiteren Tafel („Hätten Sie's gewusst?“) weitere Fakten zum Thema Wasser:
Um unseren täglichen Trinwasserbedarf zu decken, reichen rund vier Liter Wasser aus. Unsere tägliche Nahrung dagegen „schluckt“ zwischen 2.000 und 5.000 Liter. Eine Milchkuh muss rund 60 - 100 Liter Wasser trinken, um 15 Liter Milch zu erzeugen.
Zwei Drittel des menschlichen Körpers bestehen aus Wasser. Der Mensch kann etwa einen Monat ohne Nahrung überleben, aber nur max. fünf bis sieben Tage ohne zu trinken.
Zur Produktion eines Liters Bier benötigt man 10 Liter Wasser, für die dazugehörige Dose 25 Liter.
Ein Kilogramm Frischzellfaserpapier „kostet“ 250 - 700 Liter Wasser, ein ganzer Pkw 200.000.
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Dipl.-Geol. Udo Bosch (Geotechnisches Büro, Markt Rettenbach)

Jetzt ist alles fertig, alles gut und wunderbar. Das war nicht immer so. Auslöser war, dass es – hauptsächlich aus hygienischer Sicht – in der Ottobeurer Trinkwasserversorgung zu Problemen kam. Bei der Gelegenheit kamen unsere wachsamen Behörden auf die Idee, um zu schauen, ob dort, wo unser Wasser herkommt, alles in Ordnung ist. Im Zuge der Auftragserteilung im Februar 2013 wurde klar, dass sowohl die Motzenbach-, als auch die Hungerbrunnenquelle einwandfreies Trinkwasser liefern. Auch das Wasser, das aus den alten Quellfassungen ist in Ordnung und kommt sicher und sauber beim Ottobeurer Verbraucher an. Gewisse Probleme bereitet die Verteilung, was zwischenzeitlich schon „massiv in Angriff genommen wurde“.
Grundsätzlich stand die Klärung an, welche von den beiden Quellen die bessere ist und ob beide benötigt werden. Reicht es – überspitzt formuliert – einen neuen Deckel zu montieren oder frisch anzustreichen, was muss also getan werden? Die Motzenbachquelle deckt den Bedarf von 10 - 14 Liter/Sekunde mit ihrer – zwar konstanten, aber nicht ausreichenden – Schüttung von durchschnittlich 7, teils aber sogar unter 5 Litern/Sek. allein nicht aus. Dazu kommt, dass sich die Sicherheitseinrichtungen um die Quelle – das Schutzgebiet – wegen der vielen konkurrierenden Nutzungen, eher schwierig gestalten.

Der Hungerbrunnen schüttet im besten Fall 50 Liter/Sek., die wir aber gar nicht brauchen, im niedrigsten Fall aber nur unter einem Liter pro Sekunde – das ist ein Zehntel der benötigen Menge. Was ist also zu tun? Es wurden Konzepte und Kostenschätzungen ermittelt. Am 23. September 2014 kam es zu einer denkwürdigen Besprechung im Landratsamt, in der uns zugebilligt wurde, die beiden Quellen, deren Wasser kostengünstig im freien Gefälle nach Ottobeuren läuft, weiterhin nutzen zu dürfen, sofern diese bis Ende 2016 saniert werden. Bereits im Oktober 2014 begannen die Sondierungen mit der Untergrunderkundung beider Quellstandorte. Aufgrund der Bauart konnte man beim Hungerbrunnen die Minimalschüttung nicht nutzen. Der Vorteil war, dass man noch zwei, drei Meter tiefer gehen konnte, um auch bei Niedrigwasser den Rest fangen zu können. Mit dem Wald im Hintergrund bestehen außerdem günstige Bedingungen, um ein Schutzgebiet aufbauen bzw. ein Schutzgebiet ausweisen zu können. Insofern wurde mit dem Hungerbrunnen begonnen, mit der Absicht, die nötige Mindestmenge von 10 Litern/Sekunde zu erreichen. Die Motzenbachquelle wurde wegen der Schwierigkeiten bei der Schutzgebietsausweisung außen vor gelassen.
Man betrachtete nun die Gegebenheiten am Hungerbrunnen, insbesondere wegen der Grundstücksituation bzw. den Besitzverhältnissen. Parallel fanden über eine Bohrkampagne Abträufungen im südlichen Umfeld statt, um die zukünftig notwendige Schutzgebietsausweisung abschätzen zu können. Im Oktober 2015 war dann die Entscheidung, hier an der Hungerbrunnenquelle zu bleiben, klar. Wir hatten immer einen guten Kontakt zu den Fach- und Genehmigungsbehörden (WWA, Gesundheitsamt, Landratsamt), die uns in konstruktiver Zusammenarbeit immer sehr entgegengekommen sind. Anschließend ging es in die Ausführungsplanung bzw. Ausschreibung und Vergabe der Quellen gehen. Eine weitere Überlegung galt der Leitung, um das Wasser von hier in den Hochbehälter im Bannwald zu bekommen. Parallel liefen deshalb die Planungen des Ingenieurbüros Fassnacht (Legau) für die Leitung. Aus betrieblichen Gründen musste erst die Leitung fertiggestellt werden, um mit der Quellsanierung beginnen zu können. Als die 2.430 m lange neue Leitung schließlich fertig war, fand am 02.11.2016 der Baubeginn statt.

In einem ersten Schritt wurde die alte Quelle rückgebaut. In vier Metern Tiefe lagen zwei Rohre übereinander, ohne Schutz von oben, zum Teil standen sie sogar über die Umzäunung hinaus. Die Wassermenge war ausreichend, es gab jedoch keine Sicherheitseinrichtungen. Man muss sich das wie einen alten VW-Käfer vorstellen: grundsolide, aber ohne Kopfstützen, ohne Sicherheitsgurt, ohne Airbags, mit Trommelbremsen. Es ging, aber es durfte halt auch nichts passieren.
Auch wir haben ein relativ robustes Teil geplant, diesmal aber mit allen Sicherheitseinrichtungen mit ordentlicher Überdeckung und einwandfreie Materialien. Sogar das Landratsamt garantiert uns 30 Jahre Laufzeit. Es wird sogar länger halten!
Wir haben es darüber hinaus geschafft, die – ausschlaggebende – Minimalschüttung zu verbessern. Gestern (= 08.06.2018) hatten wir 6 Liter/Sekunde; bei den momentan vorherrschenden niedrigen Wasserständen hätten wir unter den alten Bedingungen nichts mehr gehabt. Aufgrund des Einzugsgebietes ist hier allerdings nicht mehr zu holen.

Der Baubeginn war – wie gesagt – im November; über Weihnachten gab es eine kleine Pause, aber am 29.06.2017 waren wir mit der Quelle schließlich fertig und konnten am 11.07.2017 mit einer vorzeitigen Genehmigung des Landratsamtes in Betrieb gehen. Seit 11.09.2017 liegt die Genehmigung vor, bis zu 14 Liter pro Sekunde ins Ortsnetz abzuleiten. Das Überwasser geht in den Hungerbach und in der Folge ins Schachenbad. Jetzt geht es an die Schutzgebietsausweisung mit dem Wasserwirtschaftsamt Kempten, mit Herrn Dr. Pocher, der heute anwesend ist. Wir schauen uns zunächst die Schüttungscharakteristik der Quelle anschauen, um dann das Schutzgebiet genau auf diese Quelle zuschneiden zu können, um soviel, wie unbedingt erforderlich, aber nicht mehr als nötig in das Schutzgebiet zu integrieren. Auf der einen Seite soll die Betroffenheit so klein wie möglich gehalten werden, auf der anderen Seite soll die Schüttung so gut bleiben, wie sie ist.

So ein Quellbau ist ein riesen Ding. Herr Spöttle hat dazu ein paar Zahlen. Wir haben 3.700 Kubikmeter Erde bewegt, wir waren über sieben Meter im Untergrund – wir sehen dies, wenn wir hier in den Schacht heruntergehen –, wir haben mit verschiedenen Filterkiesen abgestuft (siehe Glaszylinder), um den Eintrag von Trübstoffen ins Trinkwasser zu verhindern. Zur Fassung des Wassers wurden Edelstahl-Wickelrohre verbaut, als Schacht wurde ein HDPE-Vollkunststoffschacht verwendet, der werksseitig bei der Firma Scharpf in Dirlewang gefertigt und in zwei Teilen geliefert wurde. Dieser kann direkt gesetzt werden, was gegenüber Beton den Vorteil hat, dass das HDPE die nächsten 30 Jahre so bleibt, wie es jetzt ausschaut, das platz nichts ab, da blüht nichts aus. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass man das Teil parallel zum Quellausbau fertigen kann, um es dann in lediglich zwei Tagen zu montieren. Man muss nicht wochenlang rumbetonieren und ist witterungsunabhängig. Auch im Betrieb ist die Einrichtung einfach; man kann ohne Probleme nachträglich etwas anschrauben.

Neben den beiden Kammern, die man ohnehin braucht, ist der Schacht mit einer Überwachungseinrichtung ausgestattet. Mit dem, was erforderlich und gut ist, aber nicht zu viel: Mit einer Leitfähigkeits- und einer Temperaturmessung lassen sich über entsprechende Summen-Parameter Probleme wie z.B. ein Regenwassereintrag einfach erfassen. Auch die Schüttungsmenge kann im Rathaus online abgerufen werden. Viele andere Messeinrichtungen wären Luxus und wurden nicht verbaut.

Für die Quellfassung als solche entstanden Kosten in Höhe von 900.000 Euro, obwohl die Kostenschätzung zunächst bei 800.000 lag. Im rückwärtigen Bereich wurde aber eine Stelle gefunden, an der relativ viel Wasser kommt, was wegen des Hügels vorher nicht aus den Sondierungen hervorging. Trotzdem kamen wir ganz gut über die Runden: Es wurde weder ein Flugplatz Berlin, noch ein Stuttgart21 produziert.

Die Quelle wurde nach dem Stand der Technik ausgebaut. Sie erfüllt alle Anforderungen, DVGW-Merkblatt, LfU-Anforderungen (LfU = Landesamt für Umwelt), die Wasserqualität entspricht der Trinkwasserverordnung. Etwa 80% der Ottobeurer werden mit dem eigenen Wasser versorgt. Das Wasser ist – wie im Allgäu üblich – hart und weist einen Nitratgehalt von 20 Miligramm/Liter auf.
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Alois Spöttle wies vor der Besichtigung darauf hin, dass maximal jeweils sieben Personen gleichzeitig in den Schacht steigen können und bat darum, die bereitgestellten Überzieher anziehen. Unten am Quelleinlauf bestand die Möglichkeit, eine Trinkprobe zu schöpfen, genau so, wie das Wasser aus dem Untergrund kommt. Anschließend gab es oben beim Hochbehälter am Schießenhof einen kleinen Imbiss mit Wienerle.

Die Schüttung am 10.06.2018 betrug 1,4 Ltr./Sek. (Quelle 1) bzw. 6,9 Ltr./Sek. (Quelle 2), die Wassertemperatur lag bei 9,5° (sonst 9,3°), die Leitfähigkeit bei 674,5 µS/cm.

Die Memminger Zeitung berichtete am 13.06.2018 auf Seite 26 im Lokalteil („Hungerbrunnen-Quelle eingeweiht. Marktgemeinde Ottobeuren investiert 1,4 Millionen für eigenes Trinkwasser“). Am selben Tag auch der Memminger Kurier; auf den Seiten 1 und 6 („Ohne Wasser kein Leben. Abschluss Sanierung der Hungerbrunnenquelle“); hier war die Rede von 2,1 Millionen Euro Bau- und Investitionskosten.

Über die Sanierung der „Quellfassung Hungerbrunnen“ wurde im Auftrag der Marktgemeinde Ottobeuren seitens der Firma Scharpf eine Fotodokumentation erstellt, die Sie hier abrufen (pdf, ca. 29 MB, 117 Seiten) können (Coverseite).

Auch der Hochbehälter Schießen mit seinen zwei Tanks (mit begehbarem Dach) konnte besichtigt werden (siehe Fotos). Die Tankbehälter mit je 6,10 m Höhe und je 500 m³ – fassen zusammen 1.000.000 Liter Wasser. Heuer stehen Arbeiten an dem Prototypen an, die der Gemeinderat vor Kurzem vergab: Die Öffnung „in saublöder Höhe“ waren ursprünglich nur als Gucklöcher zum Reinschauen gedacht, es stellte sich allerdings heraus, dass die von der installierten Reinigungseinrichtung erfassten Schmutzpartikel liegen bleiben und nicht ohne manuelles Eingreifen über den Notablass abgeführt werden können. Dies erfordert ein gelegentliches Einsteigen, was bislang immer höchst unkommod war und im Falle einer notwendigen Bergung große Probleme verursachen würde. Der Einstieg muss deshalb aufwändig nachträglich vergrößert werden. Ein Sicherheitsbeauftragter monierte außerdem eine fehlende Absturzsicherung auf dem Dach, die jetzt angebracht werden muss.

Die Höhenverhältnisse lassen sich auf dieser Zeichnung des Bauamtes von 2001 (Gerhard Tillinger) sehr schön erkennen. Wasser der Woringer Gruppe muss die Marktgemeinde nicht nur dort selbst kaufen, es muss auch unter hohem energetischen Aufwand nach oben gepumpt werden, während das Wasser aus der Hungerbrunnenquelle im Freispiegel zum Hochbehälter im Bannwald (von 1951) läuft.

Die Wasserversorgung war schon immer ein Dauerbrenner. Wann die Hungerbrunnenquelle erstmals gefasst wurde, konnte bislang nicht ermittelt werden - vermutlich Anfang der 1960er Jahre.
Auch in der unmittelbaren Nachkriegszeit war die Wasserversorgung ein heißes Eisen - im wahrsten Sinne des Wortes, denn es fehlten die Rohre, um die alten zu ersetzen. Durch die vielen Flüchtlinge und den damit verbundenen Bevölkerungszuwachs stieg auch die Nachfrage nach Wasser. Bürgermeister Alexander Wegmann wusste Rat.

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Fotos, Zusammenstellung der Texte: Helmut Scharpf, 06/2018