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17.05.1921 - Grafische Illustration zum 100. Geburtstag Kneipps


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Am 17. Mai 1921 wäre Sebastian Kneipp 100 Jahre alt geworden. Ihm zu Ehren gab es in Bad Wörishofen Sonderstempel, Buchveröffentlichungen und die hier vorliegende Illustration von Albert Figel (1889 - 1954).

Die linke Bildhälfte zeigt ein Portrait Kneipps, um ihn herum biographische Elemente (Weberei, das Datum 24.08.1852 – sein Primiztag), dann die drei großen Heilstätten, die er in Wörishofen finanziert hatte: das Sebastianeum, das Kneippianum und das ca. 2002 geschlossene Kinderasyl. Das Kneippianum war 1896 als seine dritte Stiftung gegründet worden und wird am 11.12.2018 schließen (Quelle: Wochenkurier, 16.08.2018, S. 4.).

Die rechte Seite preist Kneipp mit den Worten:
„Dem Werberssohne, Priester und Helfer der Kranken, Sebastian Kneipp. Dem Erneuerer der Wasserheilkunde, dem Stifter der Wörishofer Heilanstalten, dem Begründer von Bad Wörishofen zur hundertsten Wiederkehr seines Geburtsfestes MCMXXI. Dem Wohltäter der Menschheit.“

Über der unteren Verzierung des Bildrandes steht ein Vor- und ein Nachname: Albert Figel. Zu ihm - dem Künstler, der die Grafik anfertigte - findet sich im RegioWiki Niederbayern folgender Eintrag:
Albert Figel (* 15. Juni 1889 in München; † 29. Dezember 1954 in Burghausen) war ein Maler. Figel war von 1905 bis 1913 in der Hofglasmalerei Zettler in München tätig und besuchte anschließend die Münchner Kunstakademie. Er wandte sich sodann der religiösen Kunst zu, insbesondere der kirchlichen Glasmalerei. Abgesehen von einigen Porträts schuf er nur Werke mit religiösen Themen: Altarbilder, Fresken, Glasfenster, Kreuzwegstationen, Andachtsbildchen, Kommunionandenken und Illustrationen für Gebetbücher. Er war besonders in seiner Heimatstadt München tätig, wo jedoch mehrere seiner Werke durch den Krieg vernichtet wurden.

Nach der Zerstörung seiner Wohnung und seines Ateliers in München lebte Figel von 1943 bis zu seinem Tod in Burghausen. Hier war er Gründungsmitglied der Küntlergruppe Die Burg. In seinen letzten Lebensjahren war der auf einem Auge infolge Starerkrankung völlig erblindete Figel gezwungen, den Lebensunterhalt für sich und seine Frau durch das Malen von Porträts zu verdienen. Er liegt am Friedhof in Burghausen begraben. Das Mosaik für den Grabstein hat er selbst entworfen.
Werke.

Von Figel stammen unter anderem der Hochaltar im Schwesternheim zur Hl. Familie und das Altarbild der Hl.-Kreuz-Kirche in München, das Altarbild der Pfarrkirche in Wörishofen und Glasgemälde in den Fenstern der Bruder-Konrad-Kirche in Altötting. Auch die beiden neun Meter hohen Fenster des Chores der Kirche St. Jakob (Burghausen) stammen von ihm.
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Der gerahmte Druck (Format ohne Rahmen: 45 x 60 ) tauchte vor dem Umbau einer Bad Wörishofer Kureinrichtung auf, die im Sommer 2018 ausgeräumt wurde. Das Kurhotel „Villa Hofmann“ – ehemals „Villa Hofarzt Dr. med. Werminghausen“ (mit Badepraxis vom November 1891 bis August 1893; war bis 1919 Hausarzt im Sebastianeum) in der Eichwaldstraße 6 – wird seit Herbst 2018 in ein Wohngebäude umgebaut. Randnotiz: Der Großvater des letzten Betreibers war als Vorsitzender der Siedlungsgenossenschaft Begründer der Gartenstadt (die nach seinem Wunsch sogar „Hofmann-Siedlung“ genannt werden sollte).

Michael Scharpf vermittelte das prächtige Werk im Oktober 2018 für ein Kooperationsprojekt und stellte es dem virtuellen Museum Ottobeuren sowie dem Kneippmuseum Bad Wörishofen zur Verfügung (letzteres bekommt das physische Exemplar, ersteres übernahm den Scan in München und die aufwändige digitale Restaurierung (Helmut Scharpf, 10/2018). 

Im virtuellen Museum ist übrigens die erste gedruckte Erwähnung Kneipps abgedruckt, im Ottobeurer Wochenblatt vom 07.06.1821: seine Geburtsanzeige.