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01.01.1913 – Neujahrsgrüße aus der Bahnhofstraße


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Noch heute gibt es im Umfeld der Ottobeurer Bahnhofstraße einige Backsteingebäude. Das hier abgebildete Haus steht noch, wurde aber verputzt. Die Nutzung war zweigeteilt: Bis 1919 arbeitete hier im linken Gebäudeteil der Kaminkehrermeister Karl (Carl) Ott (21.01.1858 - 19.03.1919; starb an Magenkrebs; das Handwerkerschild ist auf dem Foto gut erkennbar), was die Witwe Katharina (1860 - 1939) und die drei Kinder (Eleonore, Karoline und Jakobine) später unternahmen, ist unklar. Karolina Ott (1894 - 1982) heiratete Karl Schurrer (1898 - 1974), das Ehepaar Schurrer zog 1935 in ein neues Haus in der Schwabensiedlung (Foto mit dem Salzburger OB Max Ott, seiner Frau, Karolina Schurrer und Tochter Erika). Bis zum Umzug besaßen die Schurrers und Katharina Ott nicht nur die linke Haushälfte, sondern auch den Garten.

Vermutlich übernahm die Familie der Druckerei von Max Werner (14.07.1893 - 21.06.1950) spätestens mit dem Tod von Katharina Ott 1939 das gesamte Haus. Er war von der Ausbildung her ein sogenannter „Schweizerdegen“, einer, der setzen und auch drucken kann. Ein Schweizerdegen ist ein Schriftsetzer und Buchdrucker in Personalunion. Gedruckt wurde zunächst nicht im Haus Nr. 34 (nach heutiger Zählung), sondern im westlich gelegenen Gebäude, das auf dem Bild ebenfalls noch zu sehen ist. Im Haus 34 (nach heutiger Zählung) befand sich ein Schreibwarenladen.
Max Werner hatte die aus Brüchlins stammende Appolonia (Loni) Geiger (31.12.1898 - 19.03.1969) geheiratet. Nach dem Tode von Max Werner, der u.a. die Ottobeurer Zeitung druckte, führte die Tochter Paula - das jüngste von drei Mädchen - die Druckerei weiter, allerdings nurmehr für einfachere Drucksachen wie z.B. Sterbebilder oder Grußkarten. Paulas Mann, der bei der Bahn arbeitete, zerlegte die Tiegeldruckpresse, baute sie aber nicht mehr zusammen. Paula zog mit ihm nach Wernau am Neckar. Der Schreibwarenladen war noch lange offen, zuletzt wohl von Helmut Ziegler gepachtet, der zusätzlich zu seinem Geschäft am Marktplatz („Fergg“), eine Fililale betrieb.

Eine andere Tochter, Lucie Werner (08.05.1924 - 15.07.2012), heiratete Walter Fackler (seit 1965 in der Schieggstraße); deren Sohn wohnt nach wie vor im hier abgebildeten Haus in der Bahnhofstraße, in dem heute auch die Stiftung KulturLandschaft Günztal untergebracht ist.

Wann das Backsteinhaus verputzt wurde, ist nicht bekannt; Fotos von ca. 1935 zeigen es nach wie vor unverputzt. Gegenüber steht noch heute ein Haus aus rohen Backsteinen, die ehemalige Eisenhandlung, Kohlen- und Torfhandlung von Alexander Notz (heute: Bollenmiller).

Zum Foto:
Am Haus steht die junge Karolina Ott (verh. Schurrer, 16.02.1894 - 1982), aus dem Fenster schaut ihre Mutter, Katharina Ott.

Die Karte ist am 01.01.1913 gestempelt und ging an Fräulein Marie Eichele in Baden-Baden, Hirschstraße 6.
Karolina schrieb:
Liebe Marie!
Von Herzen ein recht glückliches „1913“. Warum bist du so ganz schweigsam geworden? Was sagst du denn zu den Verlobungen hier? Auch von meinen lieben Eltern und Bina die herzlichsten Glückwünsche mit vielen Grüßen deine treue Lina.

Die Adresse von Karl und Karoline Schurrer war nach alter Zählung (bis 1951) Bahnhofstraße 95 1/7b; 95 1/7 war die Druckerei Max Werner. Im Straßenverzeichnis von 1951 wurde der 95 1/7b keine neue Hausnummer zugeordnet; die von Max Werner hat (die heute gültige) Nr. 34.

Die Details zu den Familien sind noch in Klärung! Das alte Foto stammt aus dem Familienbesitz von Erika Krainhöfner (Tochter von Karoline Schurrer; geb. Ott), das Vergleichsbild stammt vom 30.03.2019.