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1936 - Klosterwaldstraße 35 (22)


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Kleinformatiges Gemälde auf Holz, das der Ottobeurer Kirchenmaler Ludwig Dreyer 1936 Johann Schmid und seiner Frau (eine geb. Grundler aus Nordendorf bei Augsburg) zur Hochzeit schenkte.
Es zeigt die Ostseite des Bauernhauses in der Klosterwaldstraße 35 (alte Zählung, heute Haus Nr. 22), das schräg gegenüber seinem Atelier lag. Der Hausname war zunächst „beim Lellerbeißer“ bzw. „Schlarpersattler“ (Leller/ Schlarpa = Mund), später „beim Leuchtle“, in Anspielung auf den Großvater (von Hermann Schmid, der das Bild zur Verfügung stellte) Alois Schmid und seine Frau Rosalia, geb. 1866, Mädchenname Leuchtle, aus Westerheim). Alois Schmid arbeitete im Haupterwerb bei der B&E-Brauerei.

Auf der Nordseite war das Gebäude mit Stroh und Lehm verputzt. Das Haus diente bis 1936 der Nebenerwerbslandwirtschaft mit zwei Kühen und einem Kalb. 1936 erweiterte Johann Schmid den Stall für acht Kühe und zwei Kälber für den Vollerwerb. Die Wiesen lagen verstreut vom Allenberg bis zur Schelmenheide. Johann Schmid kam 1950 aus der Kriegsgefangenschaft zurück, 1955 wurde ein Traktor gekauft. Nebenbei hat er als Baumwart gearbeitet. Die Landwirtschaft wurde bis 1961/62 weitergeführt, dann aufgegeben. 1966 wurde das Anwesen verkauft und abgerissen. Heute steht in der Klosterwaldstr. 22 eine Doppelhaushälfte aus der 2. Hälfte der 1960er Jahre.

Das Gemälde zeigt den Bauernhof von Osten (auf der Westseite verläuft die Klosterwaldstraße), im überdachten Balkon (rechts oben zu sehen) gab es ein Plumpsklo, vorne links war das Austragszimmer für die Großeltern. Zum Haus gehörte ein großer Garten mit vielen alten Obstsorten. Rechts sieht man einen Schopf (Teil des landwirtschaftlichen Widerkehrs).
Die Williams-Christ-Birnen am Spalier auf der Südseite musste der Vater von Hermann Schmid (Rundfunkjournalist, Mundartdichter, geb. 1939 in dem abgebildeten Haus) immer gegen die Fußballer vom TSVO verteidigen, wenn die nach Spielende auf dem Weg vom alten Sportplatz zurück in den Ort waren.

Hermann Schmid hatte einen Bruder (1936), der aber schon mit zwei, drei Jahren starb. Auf dem Grundstück fand H. Schmid in den 1960er Jahren einmal eine Münze aus dem 16. Jahrhundert (Verbleib heute unbekannt).

Geheiratet hatten die Eltern zwar in Günzburg, wo Johann Schmid kurze Zeit in einem Eisenwarengeschäft gearbeitet hatte, das Ehepaar übernahm jedoch bald in Ottobeuren den Hof.
Johann sollte zunächst Pfarrer werden und ging deshalb in St. Ottilien aufs Gymnasium. Nach einem Techniker-Studium war er bei einer Brückenbau-Firma in München beschäftigt, im Krieg war er Brückenbauer bei den Pionieren. Nachdem der Bruder die Landwirtschaft in Ottobeuren nicht weiterführen wollte, übersiedelte Johann mit seiner Frau (die in München Privat-Köchin war) und übernahm den kleinen Betrieb.

Die Nordseite des Hauses war mit Schilfrohr und Lehm verputzt, der Stall war durch die Tenne mit Heuwagen getrennt, vorne ein Schweinekobel (für zwei Schweine), anschl. der Kuhstall für 2 Kühe und ein Kalb., ein kleiner Keller (Loch im Boden) für die Kartoffeln; Trennung zwischen Wirtschafts- und Wohntrakt (Remise mit Heuwagen und Handkarren, Pflug, war die Trennung), erster Stock mit drei Zimmern und einem Aufgang zum Heuboden, der sich über den Schlafzimmern befand).
Man hatte Katzen wegen der Mäuse (an der Bahnlinie wurde später auch Gerste und Hafer angebaut, was als Kraftfutter diente). Die Schmids hatten nebenzu relativ viele Hühner; ein-, zweimal die Woche kam eine Frau, die sich Eier und Milch für ihren Haushalt mitnahm.
Es gab zur Selbstversorgung außerdem ein Gelände „Im Krautstranga“ unterhalb des Spitals (für Kleinbauern) als Allmende (aufgeteilt ähnlich wie Schrebergärten), zum Anbau von Gemüse, Kartoffeln etc.

Ludwig Dreyer (1898 - 1974) war im Ersten Weltkrieg Kompaniekollege von Adolf Hitler.
Sein Bild des Bauernhauses ist eher untypisch für sein Schaffen, denn Dreyer malte als Kirchenmaler überwiegend Engel, Putten und Barockmalerei. Zwischen 1960 und 64 war er in Basilika und Kloster Ottobeuren tätig.
An der Fassade des Maria Stern Kigas gab es früher noch ein Dreyer-Bild. Sein ältester Sohn hieß ebenfalls Ludwig (ist mit einer Horex südl. von Ottobeuren tödlich verunglückt, ca. 1960). Dreyer hatte allerdings auch Portraits von Hitler gemalt (ausgestellt auch in Ottobeuren) und gewann damit sogar einen von Hitler ausgeschriebenen reichsweiten Portrait-Wettbewerb.
Als Mitglied der NSDAP - dafür saß er auch im Gemeinderat) - war er für die Gestaltung der Ehrenbürgerurkunde für Adolf Hitler zuständig (April 1933; s. Memminger Volksblatt vom 21.04.1933).

1937 malte er die Fischzuchtanlage der Familie Ripfel.