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1875 - Ein Ausflug ins Kloster


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Heiter Adolf (Hansjakob Heinrich): Ein Ausflug in’s Kloster, in: Alte und neue Welt. Illustriertes, katholisches Familienblatt zur Unterhaltung und Belehrung, Verlag Benziger, Einsiedeln, 14. Jahrgang 1880, Seiten 422 - 24, 426, 440 - 43, 477 - 80

Der Artikel ermöglicht einige ungewöhnliche Einblicke in das Kloster des Jahres 1875. Adolf Heiter ist nur ein Pseudonym für den katholischen Pfarrer Heinrich Hansjakob (19.08.1837 - 23.06.1916), der sich lt. Wikipedia auch „Hans am See“ nannte. Heiter - er gibt sich hier als ein Reporter aus der Schweiz - besucht zunächst Kempten, dann Ottobeuren und schließlich Memmingen sowie Leutkirch. Teils sind die Aussagen recht düster. Pater Kaspar Kuhn, der „Koleopterologe“ (Käfersammler), der Insekten auf Nadeln spießt; es gibt ganze vier Patres (unter anderem Pater Mang, der ihn in Grönenbach anbholt = Pater Magnus Leonhard) und einen Prior. Einige Beispielsätze:
„Schnee am Auferstehungstage des Heilandes aber läßt uns keine rechte Osterfreude aufkommen: das Leichentuch der Natur über dem offenen Siegesgrabe stört uns.“
„Eine Unmasse von Kunst und Menschenarbeit geht in diesem in seinem größten Theilen verlassenen und vereinsamten Kloster zu Grunde durch die still, aber rastlos wirkende Zeit, deren Zahn Niemand zu stumpfen sucht. (...) Allüberall ist es still und tobt, und trauernd um die Vergangenheit schaut bei Schritt und Tritt Alles uns an. Nur ein kleiner Theil des Riesenklosters ist bewohnt von fünf Mönchen des Benedictiner-Abtei St. Stephan in Augsburg und einer von ihnen und ihren wenigen Laienbrüdern geleiteten Waisenanstalt.“
„Wir betreten die Gemächer der Winterabtei, der Sommerabtei, die Kaiser- und Fürstenzimmer. Überall modernde Pracht von Frescen und Stuccaturen. Schon dringt der Regen des Daches in einzelne dieser prächtigen Gemächer. Die riesigen Dachstühle des Zimmermeisters Klein von Ottobeuren sind der Zerstörung nahe.“ Am Ende zu Ottobeuren gewährt Heiter noch einen kurzen Einblick ins Spital. Zwischendurch versucht der Autor immer wieder, seine "vegetariansiche“ Lebensweise anzupreisen.

Aber auch zu Memminigen finden sich Aussagen, die eher den Niedergang beschreiben: „Hohe stolz-patricische Häuser, lange Straße, alte Thürme verriethen überall die einstige Reichsstadt, aber in der Einsamkeit und Öde, die über ihnen hin lag, bekundete sich auch die Verlassenheit derselben vom großen Verkehrsleben. Die Patricier und mit ihnen die Blühte sind ausgewandert oder ausgestorben, und Memmingen ist eine Bauernstadt in dem veralteten Mantel ehemaliger Herrengröße.“

Der Originalartikel war stark vergilbt und wurde digital restauriert. Vom Text wurde eine Abschrift erstellt (doc und pdf). Die abgebildete Ansicht - Teil des Artikels - stammt von Franz Biberstein.

Zum besseren Verständnis folgt der Abschrift ein Glossar mit Erklärungen. Wer weiß schon, welcher Monat mit „Hornung“ gemeint war, was „sothane Umstände“ sind oder welchen Beruf ein „Schultheiß“ ausübte? Nicht zu erklären bleibt momentan noch, wer (auf S. 423 unten) mit „Fritze“ gemeint ist, der im Bahnhof Kempten aus dem Zug stieg und sang! Fritz als Sinnbild des Deutschen, Fritze - vielleicht sogar der Kaiser selbst?

Der im „Illustrierten katholischen Familienblatt“ abgedruckte Artikel erschien wenige Jahre später auch in einer Buchreiher von Heinrich Hansjakob selbst:
Hansjakob Heinrich: Ein Ausflug ins Kloster, in: Dürre Blätter, Bd. 1, Heidelberg, 1889, S. 47 ff.
Der Band erschien später noch in vielen Auflagen.

Auch die Heimatbeilage der Memminger Zeitung - „Der Spiegelschwab“ - druckte den Artikel 1968 unter dem Titel „Ottobeuren und Memmingen im Jahre 1875“ in fünf Folgen (in den Ausgaben Februar - Juni 1968) in gekürzter Fassung ab, versehen mit einigen kleineren Kommentaren von Walter Braun.