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23.06.1814 - Rezension 1. Bd. Feyerabend in der „Jenaischen Allgemeinen Literatur-Zeitung“


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Ottenbeuren, P. Maurus Feyerabend, Jahrbücher, Bd. 1, in: Jenaische Allgemeine Literatur-Zeitung, 11. Jahrgang 1814, 2. Band (April, May, Junius), Ausgabe 114, Karl Schlotter (Verlag/Druck), Jena, Juni 1814, S. 437 - 440. Im Juni erschienen die Ausgaben 99 - 118, die Nummer 114 dürfte damit um den 23.06.1814 erschienen sein. Ob sich der Autor hinter der Abkürzung „D. d. u. n.“ am Ende der Rezension verbirgt, ist unklar.

Besprochen wurde der 1813 von Pater Maurus Feyerabend herausgegebene erste Band zur Ottobeurer Geschichte, das Jahrbuch, das die Zeit von 764 - 1106 beschreibt. Der Jahrgang 1814 der Zeitschrift wurde von Google komplett digitalisiert. Sie können ihn hier abrufen.

Unten ist die vierseitige Ausgabe 114 mit der ersten Seite der Ausgabe 115 abgebildet; es gelten die Nutzungsbedingungen von Google. Der Text des Artikels ist hier als Abschrift abrufbar. Im Artikel wird Ottobeuren als „Ottenbeuern“ bezeichnet und der Buchtitel (falsch) zitiert, denn im Original von Feyerabend heißt es „Ottenbeuren“. Statt „b. Gasser“ müsste es heißen: „bei Ganser“ (erschienen).

437 (…)
Geschichte
.

Ottenbeuern, b. Gasser: P. Maurus Feyerabend (Benedict. und Prior des ehemaligen Reichsstifts Ottenbeuern) des ehemaligen Reichsstiftes Ottenbeuern, Benediktiner-Ordens in Schwaben, sämmtliche Jahrbücher, in Verbindung mit der allgemeinen Reichs- und der besondern Geschichte Schwabens, diplomatisch, kritisch, und chrono-

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logisch  bearbeitet, sammt zwey Einleitungscapiteln über das älteste Schwaben. Erster Band, von 764 bis 1106. 1813. LXVIII und 630 S. 8

Durch diese etwas weitläufig angelegte Geschichte beurkundet der Vf. (Verfasser) eine ziemliche Kenntniss der geschichtlichen Literatur des ältesten Schwabens, diplomatische Wissenschaft, in sofern er den Inhalt einer Urkunde aufzufassen vermag (ohne jedoch ihre Ächtheit richtig zu schätzen), und eine Kritik, in sofern er nicht blindlings dem Bruschius und Crusius folgt, übrigens aber sich hartnäckig genug an das alte, selbst hildebrandinische, Wesen anklammert, bey dem er sich in seinem Kloster, wie er bezeugt, glücklich und selig gefunden. Sein Vorgänger war 1766 P. Augustin Bayrhammer, dessen sehr flüchtige Gelegenheitsschrift durch die Jubelfeyer des Klosters veranlasst wurde. Als vorzüglichste Quelle für den Zeitraum dieses ersten Theils diente, ausser wenigen hieher einschlagenden Urkunden, Kalendarien und Nekrologieen, hauptsächlich die vom Stiftungs-Jahr bis 1466 fortgeführte Kloster-Chronik des 1545 verstorbenen Mönchs Niclas Ellenbog, der an anderen Mönchen seine Fortsetzer bis in die neuesten Zeiten gefunden. Inzwischen ist Alles, was sie vom angeblichen Stiftung-Jahr 764 an in langer Reihe fort geben, nichts als eine unerwiesene Namenliste unerwiesener Äbte, und erst mit der Regierung K. Heinrichs IV beginnen die unverwerflichen ächten Nachrichten. Nicht ohne Scharfsinn ist die Ähnlichkeit und mögliche Identität des Silach, angeblichen Stifters von Ottenbeuern, mit demjenigen Sintlac oder Sintlaz dargestellt, welcher bey Mabillon im Leben des H. Pirmins, Chorbischofs von Meaux, als dessen Vater, als ein edler Allemann, Besitzer des Edelgutes Sandeck, und gleich dem Sillach als Stifter von 12 Klöstern vorkömmt. Dem Plane des Vfs., seiner Geschichte des Klosters allenthalben die Geschichte des Reichs und von Schwaben vorauszuschicken oder einzuweben, stehen trifftige Einwendungen entgegen. Denn auf diese Art müsste man in 200 Klostergeschichten des baierischen Reichs zweyhundertmal die Reichsgeschichte mitlesen. Das Kloster Ottenbeuren ist angeblich im J. 764 gestiftet, und doch wird auf 74 Seiten in dieser ottenbeurenschen Geschichte erzählt, was von Christi Geburt an geschehen, als es noch keine Ottenbeuren gegeben, wörtlich aus Caesar und Tacitus, von denen aus Jöchers Gelehrten Lexicon angeführt wird, wer sie gewesen seyen. Eine Klostergeschichte ist unseres Ermessens der Lebenslauf einer moralischen Person, und hat also bloss zu zeigen die Entstehung, die Art, wie sich dasselbe durch bürgerliche Besitzungen erweitert, sittlich gebildet und erhoben, und was es auf seine näheren und ferneren Umgebungen, im Ganzen und durch seine ausgezeichneten Mitglieder, theilnehmend am Laufe der Welt, für Cultur des Bodens, der Sitten und der menschlichen Kenntnisse gewirkt habe. – Für Blössen historischer Kritik halten wir, was S. 29 von einem ausgegra-

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benen allemannischen Abgott erzählt wird, welche die Aufschrift gehabt: Allmann Abgott bin ich; die Teutschen ihren Namen hamt durch mich! oder S. 69 von einer Schlacht zu Feilenforst im Jahr 727, worin namentlich genannte Herren von Closen, Holzapfel, Seiboldsdorfe und Gumpenberge geblieben, nahmen, die vor dem XIII Jahrhundert, höchstens vor dem XIIten gar nicht urkundlich zu erweisen sind, und von denen die Gumpenberge, als eine ursprünglich böhmische Familie, erst im XIV Jahrhundert nach Deutschland kamen. Mehr als in anderen Ländern wimmelt es in Schwaben an erdichteten Urkunden, vielleicht Folge der schwäbischen Poesie und der vielen Herrschaften, deren jede sich einen eigenen Mythus schuf. Die Erdichtungen von Kemten und Lindau sind aus der diplomatischen Geschichte bekannt. Memmingen mit seinem Helden Möringer und dem angeblich 1010 gestifteten Spital zum H. Geist bleibt nicht zurück; gemüthlicher aber als alle fabeln die ältesten Urkunden von Ottenbeuren, namentlich der Stiftungsbrief von 764 und seine Bestätigung von 769, beide angeblich von Kaiser Karl dem Grossen, und Letztere mit Erwähnung der kaiserlichen Gemahlin Hildegard, zu einer Zeit, wo Karl der Grosse noch gar nicht regierte, am allerwenigsten schon den Titel Kaiser, und in keinem Fall schon die Hildegard zur Gemahlin hatte. Nach dem, was Schellhorn in seinen kleinen Schriften mit mehreren Gründen da wider angeführt, und Gatterer durch die Aufnahme in seine historische Bibliothek genehmigt, früher schon Deuring und Tenzel geahndet, und Ellenbog mit den Worten gebeichtet: Literae originariae sunt absumtae: quae adhuc habentur transscripta, fide minus digna sunt, nulliusque ponderis, hätte der Vf. die Sache billig als entschieden anerkennen dürfen. Urkunden, die solche Kennzeichen der Verwerflichkeit an sich tragen, es möge sonst dafür angeführt werden, was da wolle, können nie den Beweis eines

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Factum herstellen; und es ist ein geringeres Übel, gar nichts zu wissen, als etwas zu glauben, dass falsch ist. Unter andern möchte es auch einer Berichtigung bedürfen, dass die Welfen schon seit dem Jahr 777 auftraten (wo sind die Urkunden?), dass Ottenbeuren nur Adeliche als Mönche angenommen, da ist doch binnen den grössten Theil auf welche sich der 1 Theil erstreckt, noch gar keine heutigen so genannten (niederen) Adelichen gab, und die damals Adelichen, das ist Fürsten und Grafen oder Grafenmässige, sich in der Regel nicht zu gemeinen Mönchen bequemten, es seyen denn einzelne im späteren Lebenslaufe durch besondere Schwärmerey. – Frey (nicht adelich) musste der Mönch von Geburt seyn. Der Ottenbeurischen Schirm-Vögte Name Ursin ist wohl nur lateinische Gestaltung des deutschen Namens Irsée, vom Ministerialengeschlecht Irsingen ganz verschieden. In Urkunden kömmt vielleicht der Name Ursin gar nicht vor. Schwaben und Allemannien ist, genau genommen, allerdings nicht gleichbedeutend, sondern Schwaben bezieht sich mehr auf das Land des augsburger Bisthums, Allemannien ist der constanzer Sprengel. Das Kloster Vahtinnewanc, welches der heil. Ulrich selbst visitirt, möchte, statt Huttenwang, eher das uralte Kloster Feuchtwang im augsburger Sprengel, bey Dünkelsbühl seyn. Wenn (S. 247) die Formel: Helf dir Gott! beym Niessen von der im J. 877 herrschenden Febris und Tuffis italica hergeleitet wird: so ist dabey zu erinnern, dass es in der mahomedanischen Sura heisst: „der Prophet habe 7 Dinge befohlen, und zwar als das siebente, den Niessenden Glück zu wünschen (Fundgruben des Orients, Wien I. 1809), wonach es eine übertragene orientalische oder sarazenische Sitte zu seyn scheint. – Der II Theil kann interessanter werden, weil er den Vf. den ächten Quellen näher bringt, besonders wenn er sich entschliessen könnte, seinen Plan zu concentriren.
                                                             D. d. u. n.

Die in dieser Rezension geäußerte Kritik hat Feyerabend selbst gelesen (oder sie wurde ihm zugetragen), denn er nimmt im Vorwort zum dritten Band seiner Jahrbücher (1815) darauf Bezug (S. III), indem er als Grund für die Arbeit an einem vierten Band u.a. aufführt:

„…; und nebenzu verdient auch der Jenaische Herr Rezensent des ersten Bandes, oder vielmehr der schwäbische Souffleur desselben, über seine so unerwartete, und so frei hin geschriebene Behauptungen und Einwendungen eine freundschaftliche Gegenbemerkung, die man dem Publikum aus Liebe zur Wahrheit schuldig ist.“

Die „Jenaische Allgemeine Literatur-Zeitung“ ist eine Nachfolgerin der 1785 in Jena gegründeten Literaturzeitschrift „Allgemeine Literatur-Zeitung“. Letztere erschien ab 1803 in Halle (bis 1849), während die auf Betreiben Goethes ab 31.01.1804 erscheinende „Jenaische Allgemeine Literatur-Zeitung“ 1841 bestand. Die Jenaische Literaturzeitung übertraf sehr schnell in Art und Umfang die Hallesche. In einer Vorrede zum Jahrgang 1812 wurde erwähnt, dass bereits über 600 Mitarbeiter für die Zeitung arbeiten würden. Bei wikipedia gibt es ausführlichere Informationen.

Abschrift: Helmut Scharpf, Juni 2013