Marktgemeinde Ottobeuren
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02.12.1802 – Im Zuge der Säkularisation wird die Abtei Ottobeuren aufgehoben


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Die Vorgänge rund um die Säkularisation in Ottobeuren wurden 1921 in der Heimatbeilage der Sonderausgabe des Ottobeurer Volksblatts zum 100-jährigen Bestehen des Ottobeurer Wochenblatts (ab 04/1909 „Volksblatt“) sehr genau beschrieben. Die Beilage wurde nach Wiederaufnahme der Beilagen zum Ottobeurer Volksblatt im Oktober 1922 erneut gedruckt (als Nr. 1 und 2 im 32. Jahrgang) und enthält auch eine Liste aller Ottobeurer Mönche, die im Dezember 1802 hier gelebt haben, wann sie wo geboren und wann und wo sie gestorben sind. Hier ein paar Auszüge aus der Abschrift von Franz Bermeitinger. Den ganzen Artikel können Sie im virtuellen Museum im Original oder in der vollständigen Abschrift lesen.

Am Schutzengelfest 1802, am 29. August, war der Stadtpfleger von Mindelheim, Freiherr von Hertling, als bayerischer Kommissär in Ottobeuren erschienen und hatte dem Prälaten – Abt Paulus Alt – vor versammeltem Konvent und den Stiftsbeamten ein Schreiben ausgehändigt, das die provisorische Besitzergreifung durchs bayerische Militär enthielt.
Der entscheidende Schritt für die Säkularisation geschah am 2. Dezember 1802: die förmliche Besitzergreifung des Klosters fand statt. Früh morgens um einhalb acht Uhr sprach beim damaligen Kanzler von Weckbecker Hofrat von Renz als Vertreter des kurfürstlich bayerischen Kommissärs vor. Nach kurzer Unterredung begaben sich beide Herrn mit einem Sekretär zum Abte. Dort überreichte Renz das Besitznahmedekret, in dem alle Untertanen aufgefordert wurden, dem Kurfürsten als ihrem nunmehrigen Herrn treu und gehorsam zu sein. Dann stellte sich Renz als beglaubigten Kommissär der neuen Regierung vor und bedeutete dem Abte, daß er sich von jetzt ab weder um Regierungs- noch Verwaltungsgeschäfte anzunehmen hätte. Auf seiner Wohnung versammelte hernach der Kommissär die Beamten des Stiftes und gab ihnen Auftrag, sogleich vom Abte ihre Entlassung von ihren eidlichen Pflichten an dessen Person und an das Gotteshaus zu erwirken. Der Herr Prälat erteilte dieselbe unter dem bereits einmal gemachten Vorbehalt seiner Rechte und Pflichten an Kaiser und Reich und entließ sie mit der Bitte, ihm weiter freundschaftlichen Beistand und Rat zu gewähren. Einen Schluß auf das schöne Verhältnis zwischen Regent und Regierung zu machen erlaubt uns die Bemerkung des Chronisten, wo er schreibt, daß der Abschied nicht ohne beiderseitige Tränen gewesen sei und daß die Beamten unter häufigen Tränen sich für alle vom Gotteshaus empfangenen und genossenen Wohltaten bedankten.

Nicht so rasch und nicht so ruhig, ja teilweise recht unnobel ging der Vollzug der Säkularisation vor sich. Er erstreckt sich über mehrere Jahre.
Das erste war die Verpflichtung der Beamten auf die neue Regierung. Für die Zwischenzeit wurde mit den politischen und rechtlichen Geschäften der ehemalige Kanzler von Weckbecker betraut, für die Verwaltungssachen wurde der frühere Oberamtmann Huber vorübergehend aufgestellt. Die größeren Wappen des Stiftes wurden am Hause entfernt und dafür das bayerische angebracht. An der Hauptpforte und an dem Kirchenportal wurde die Besitznahme angeschlagen. Noch am gleichen Vormittag wurde Kassensturz vorgenommen und alle Patres zu einem Verhör in die große gemeinschaftliche Zelle (Jetzt Studiersaal der Landwirtschaftsschule) zusammengerufen. Es wurden ihre Personalien aufgenommen und die einzelnen über Beschäftigung, Zufriedenheit usw. befragt.
Die Leiden für die Konventualen sollten aber jetzt erst recht beginnen. Wer vermag es zu schildern, was sie empfinden mußten, wenn jetzt vom 2. bis 14. Dez. das ganze Haus von oben bis unten durchstöbert wurde und alles an Kirchensilber und Gefäßen im Stift und in Eldern, alle Möbel der Zellen und der Gästezimmer, alle Gemälde in den Zellen und im Bildersaal, alles Küchen- und Tafelgerät, die Einrichtungen aller Handwerkstätten des Hauses, alle Kellervorräte, die ganzen Vieh- und Naturalienbestände, kurz alles, was irgendwie Geld machen konnte, aufgenommen wurde. Die Vollzugsorgane hatten die Roheit – anders kann man es wohl nicht bezeichnen – Ring und Brustkreuz, die der Abt persönlich trug, für die große Entschädigungsmasse zu bestimmen. Archiv und Bibliothek wurden verschlossen und versiegelt. Abt und Patres selbst wurden mit der Versprechung einer Pension abgefertigt. Sonst geschah nichts für sie. Alles mußten sie sich erst erbetteln.

Auch das Priorat Mari Eldern und die Pfarrkirche St. Peter (heute: Haus des Gastes) waren von der Säkularisation betroffen:
Zunächst freilich mußten sie noch manche Greuel der Verwüstung, die ihr Herz immer von neuem wieder bluten machten, mitansehen. So gleich der 12. Dezember 1803, wo auf höchsten Befehl die Wallfahrt Maria-Eldern als aufgehoben erklärt wurde. Innerhalb 3 Tagen hatten die Geistlichen mit ihren wenigen Habseligkeiten das Haus zu verlassen. Die Kirche wurde sofort geschlossen. 1805 wurde die Marktpfarrei und die Klosterpfarrei aufgehoben und die Stiftskirche als alleinige Pfarrkirche für ganz Ottobeuren und dessen Filialen erklärt. Als Pfarrer ward P. Theodor Klarer ernannt. Man machte damit auch bald Ernst. 27. Februar 1805 wurde die Fleckenkirche St. Peter geschlossen und sofort ausgeräumt. Kirchengeräte kamen in die Klosterkirche, ebenso die Kirchenbänke. Es sind die Seitenbänke bei der Kanzel und dem Taufstein. Heute noch zeigen die alten Namenschilder, wo jeder einzelne ehrsame Bürger seine Andacht verrichtete und meist auch, was sein Geschäft gewesen. Am 21. März wurde der Friedhof um die Pfarrkirche abgetragen und die Kirche in ein Heumagazin verwandelt.
Es sollte noch trauriger kommen. Durch eine Verfügung vom 2. Mai wurde die Aufhebung des bisher von den noch beisammen lebenden Patres abgehaltenen Chorgebetes in der Kirche angeordnet, ferner die Einstellung aller mit besonderer Feierlichkeit begangenen Ordensfeste sowie die Einstellung der bestehenden Bruderschaften mit allen ihren besonderen Andachten, Versammlungen, Messen, Predigten, Prozessionen usw. Dies ist der erste Eintrag im Tagebuch des Pater Basil Miller. Er hat uns treulich über alles Geschehen in Ottobeuren bis zum Jahre 1822 berichtet. Ihm sind in der Mehrzahl die folgenden Aufzeichnungen entnommen.

Am 11. Februar 1806 erschien der frühere Forstmeister des Stiftes, Wiggermann, der zum Rentmeister der bayerischen Regierung ernannt worden war, in Klosterwald und kündigte dort den Klosterfrauen, die schon lange zwischen Furcht und Hoffnung schwebten, die Auflösung ihres Klosters und ihre Pensionierung an. Jede Nonne ohne Unterschied erhielt jährlich 180 fl. Die Hofgüter von Klosterwald wurden zur Versteigerung ausgeschrieben. Im April ließ Wiggermann die Glocken der Klosterkirche abnehmen. Osterdienstag wurde die Kirche in Klosterwald geschlossen. Am 17. April wurde die Fleckenkirche [= die Ottobeurer Pfarrkirche St. Peter] ihrer Glocken beraubt. Anfangs Mai ließ dann der „Ottobeurer Tyrann“ die fünf Stationskapellen am Herrenweg zur Eldernkirche abbrechen und Steine, Platten und Gemälde verkaufen. Ebenso wurde im Mai die Fleckenkirche an den Markt um 900 fl. verkauft, dann aber das Geschäft wieder rückgängig gemacht. Die elderische Kirche und Gebäude, von Ottobeurer Bürger gekauft, trugen 3 900 fl. ein. Den Patres entzog Wiggermann jetzt das Refektorium und wies ihnen einen Teil des darübergelegenen Raumes an. Am 14. Sept. wurden mehr als 20 Glocken, die aus unserer Pfarrei stammten, verkauft. Am 6. Oktober wurde die Fleckenkirche den hiesigen Bürgern als Schulhaus geschenkt. Am 12. Oktober ward noch einmal und zum letztenmal in der Eldernkirche eine hl. Messe gelesen. Altäre und Einrichtung wurden dann sogleich versteigert und am 20. Oktober wirklich von den betreffenden wackern gewinnsüchtigen Bürgern Hand an die Eldernkirche angelegt. Eines Segens konnten sie und ihre Nachkommen sich nicht erfreuen. Am 20. Oktober ließ Wiggermann die große Hosanna abnehmen.

Die Nachwirkungen der Säkularisation zogen sich noch lange hin. Der Chrisnist berichtet für das Jahre 1813:
Den Höhepunkt der Verwüstung des Hauses brachte das Jahr 1813, wo aus dem Kloster Ende November ein Gefangenenlager für Franzosen gemacht wurde. Die Patres mußten sich bittweise um Wohnungen bei den Bürgern des Fleckens umsehen. Alles mußte geräumt werden. Maurer und Taglöhner räumten die zahllosen Gemälde auf den verschiedenen Gängen und Zellen weg. Alles lag auf dem Dachboden durcheinander. Am 2. Dezember kam bereits der erste Gefangenentransport. Der Kommandant hatte die Liebenswürdigkeit noch einige Räume den Patres zu überlassen, so daß sie notdürftig im Kloster selbst Unterkommen fanden und nicht außerhalb des Klosters den Leuten zur Last fallen mußten. 7 Patres mußten schließlich doch draußen Unterkunft suchen. „Daß bei einer totalen Umkehrung des Klostergebäudes gar vieles öffentlich und geheim von den Arbeitsleuten usw. weggefischt worden sei, braucht kaum erinnert zu werden. Sonderbar ist‘s, wie sich mehrere für sich oder andere verantworteten: Wenn‘s ich nicht nehme, so nimmts halt ein anderer; und: Es gehört nur dem König und dieser hat es auch nur gestohlen.“ Ganz modern! Auch die Bibliotheken wurden vollständig ausgeräumt und die Bücher auf einen Haufen zusammengetragen im Theatersaal. Mit dem Abbrechen, Niederreißen und Wiederaufbauen in den Konventzimmern geht es unaufhörlich fort. Im ersten zeigen sich die Maurer als rechte Meister, in diesem aber als wahre Stümper… Diese gräßlichen Zerstörungen unseres schönen Konventes in allen Ecken machen auf alle einen herzbrechenden widerlichen Eindruck, der durch das dicke Dunkel der Zukunft noch mehr darniederschlägt.“