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18.07.2014 - Premiere von „Silach“ auf der Freilichtbühne im Westhof der Abtei Ottobeuren


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Am 19.09.1875 wurde das von Pater Kaspar Kuhn verfasste Theaterstück über den Klostergründer Silach oder die Stiftung des Klosters Ottobeuren“ erstmals öffentlich aufgeführt. Zum Jubiläumsjahr machte sich das Pfadfindertheater eine Neuauflage zur Aufgabe. Am 10.07.2014 fand hierzu am Spielort - im Westhof der Abtei - eine Pressekonferenz statt. Auch die Szenenbilder stammten vom Pressetermin.

Pressekonferenz zum Pfadfindertheater „Silach“
im Westhof der Abtei Ottobeuren, 10.07.2014
Premiere ist am 18.07.2014; e
ine Pressemappe wurde auf einem Stick bereitgestellt.


Markus Albrecht als Spielleiter begrüßte die Anwesenden. Man sei froh, dass erlaubt wurde, im Westhof spielen zu dürfen. An dem Projekt wurde schon drei Jahre gearbeitet. Aufgrund des schlechten Wetters sei man momentan etwas in Zeitdruck. Am Montag, den 7. Juli, konnte man erstmals die Kulissen aufstellen, aber schon am Dienstag war das Wetter zu schlecht, um zu proben, am 9. Juli waren die Schauspieler „fascht verfrohra“.

 

Amelie Grundl berichtete zur Entstehung des Projektes. Das Theaterspielen hat bei den Pfadfindern schon eine lange Tradition. Seit 46 Jahren führte man immer im Herbst eine Art „Bauernstuben-Theater“ auf, zunächst im „Hirschsaal“, dann im Pfarrheim, aber noch nie auf einer Freilichtbühne. Die Idee dazu steckte schon länger in den Köpfen, man suchte eine neue Herausforderung. Statt eines schwäbischen Mundarttheaters drängte sich dabei das Stück vom örtlichen Benediktinerpater Kaspar Kuhn geradezu auf. Markus Albrecht hat hierfür den Text und die sog. „Gesänge“ von Pater Rupert Prusinovsky (Kloster Ottobeuren) und Helmut Scharpf (virtuelles Museum Ottobeuren) besorgt. Die Uraufführung fand 1875 statt, später wurde es vom Gesellenverein (Kolping) nochmals aufgeführt, jedoch noch nie aus Anlass eines Jubiläums.

 

Markus Albrecht (zur Idee des Stückes): Man machte sich 2009 auf die Suche nach einem Stück mit Bezug zum Kloster, Pater Rupert hatte die entsprechende Idee. Dass es hier das Theaterstück von Kuhn gab - und man davon erfuhr - war Zufall; den Pfadfindern war es vorher jedenfalls noch nicht bekannt.

 

Amelie Grundl: 2011 festigten sich die Pläne dann, als man ernsthaft eruierte, was man alles braucht und was alles anders ist als bei den üblichen Herbstaufführungen im Pfarrheim. Spieltechnisch ist es etwas ganz anderes. Die Freilichtaufführung bedingt auch die Verwendung von Head-Sets, überhaupt von viel mehr Technik. Zum Teil wurde die Ausrüstung gekauft, teils geliehen. Es wurde so viel gekauft, dass man die Ausrüstung zukünftig auch beim Herbsttheater nutzen kann.
Normalerweise können wir auf unseren Fundus an Bühnenkulissen zurückgreifen, den man immer nur abzuwandeln braucht. Für „Silach“ brauchten wir einen komplett neuen Kulissenaufbau. Auch den Kostümfundus konnten wir nicht verwenden, es musste alles neu genäht werden.
Es gibt 22 Sprechrollen sowie kleinere Rollen wie Knappen, Kämpfer und weitere Statisten; insgesamt kommen etwa 50 Teilnehmer zusammen. Einige Schauspieler übernahmen auch musikalische Rollen, eine Gitarrenbegleitung wurde fürs Playback bereits im Vorfeld eingespielt; gesungen wird live.

Helmut Scharpf ergänzte, dass die „Gesänge“ von Pater Kaspar Kuhn selbst komponiert wurden, im Kloster aber nicht vorliegen. Gedruckt wurden sie vom Kösel-Verlag in Kempten. Er habe sie per Zufall antiquarisch in Puchheim erstehen können. Die Textabschrift und die Gesänge sind im virtuellen Museum abrufbar. Es werden nicht alle Gesänge zur Aufführung kommen. Trotzdem ist es kein Singspiel, denn bei den musikalischen Teilen handelt es sich nur um ganz kurze Interludien.

 

Jürgen Friede: Ich war im „Team Kostüme“ - zusammen mit Carina Strobel und Tamara Reitmayer. Es gab daneben verschiedene Organisationsteams wie Spielleitung, Bühnenbau, Technik, Marketing. Eine Internetrecherche zur Bekleidung im 7. Jahrhundert erbrachte zunächst keine brauchbaren Ergebnisse. Über die Epoche zwischen 300 und 900 n. Chr. ist im Internet sehr wenig vorhanden. Tamara Reitmayer studiert in Augsburg und hat dort an der Uni einige Bücher ausgegraben. Auf deren Basis versuchten wir, den Figuren entsprechende Kostüme zuzuordnen. Natürlich ist ein „Gaugraf Silach“ prunkvoller als ein Knappe oder Soldat. Dann stand die Wahl des Stoffe an, die wir alle in einem Großhandel in Ungerhausen gekauft haben. Normalerweise kann man dort als Privater nicht einkaufen, aber man ist uns entgegengekommen und wir haben eine größere Menge abgenommen. Es sind relativ einfache Stoffe in einfachen Farben. Bei der Menge haben wir aber dann doch eine Punktlandung hinbekommen. Ganz einfache Kostüme wurden aus alten Bettlaken gemacht. Da hatte Frau Grundl uns den Kontakt zu einer Wäscherei vermittelt, die solche Stoffe aussortiert. Dann stellte sich die Frage, wer nähen kann! Gott sein Dank fanden sich ein paar Damen – zum Teil ehemalige Pfadfinderinnen sowie Bekannte und auch Frau Strobel.

 

Amelie Grundl: Für das Projekt konnten wir wieder ehemalige Pfadfinder mobilisieren, die Männer hauptsächlich im Bühnenbau, die Damen im Bereich Kostüme.

 

Jürgen Friede: Man muss wirklich sagen, dass das Projekt ohne die vielen Ehemaligen, Bekannten und Freunde nicht zu stemmen gewesen wäre. Selbst Leute auf der Straße haben sich angedient und sich zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise kamen insgesamt – also inklusiver Schauspieler – so zwischen 50 und 80 Beteiligte zusammen, die mitgeholfen haben.

 

Amelie Grundl: Die Frage nach dem Gesamtbudget muss der Technikchef beantworten; am teuersten war die Technik. Wir mussten in Vorleistung gehen, hatten durch den Ticketvorverkauf aber auch schon Einnahmen und auf dem Pfadfinderkonto war auch noch was drauf. Zuschüsse gab es jedenfalls keine. Im Notfall müssten wir nachträglich eine Zuschussantrag stellen.

 

Michael Keidler (Technik und Bühnenbau): Verplant sind ungefähr 25.000 Euro. Im Vorverkauf sind wir auf einem guten Weg, aber das Wetter muss mitspielen.

 

Markus Albrecht: Wir haben drei Wochenenden und zwei Termine unter der Woche, in der zweiten Augustwoche stünden gegebenenfalls zwei Ausweichtermine zur Verfügung, die aber erst bei Bedarf festgelegt werden. Sogar eine Überdachung der Zuschauertribüne haben wir angedacht – damit nur die Spieler nass werden – aber allein die Zuschauertribüne kostet 5.500 € und mit Überdachung wäre sie auf knapp 10.000 gekommen. Solche Mehrkosten rechnen sich nicht.

 

Michael Keidler: Pro Vorstellung stehen 320 Plätze zur Verfügung. Jeder hat seinen eigenen nummerierten Sitzplatz mit Sitzschale und Rückenlehne. Die Aufführungen dauern inklusive der Pausen knappe drei Stunden. Die reine Spielzeit beträgt etwas mehr als zwei Stunden – je nachdem, wie lange die Kriegsszenen dauern.

 

Amelie Grundl: Im Bereich Technik gab es die Herausforderung, dass es bei der Zahl von Mikros und Headsets und der vielen Funkstrecken zu keinen Störungen kommt. Wenn es über 10 Funkstrecken hinausgeht, dann wird es technisch schon recht aufwändig und wir sind deshalb sehr froh, dass wir mit Michael Keidler und Sascha von Uminski zwei Experten in unseren Reihen haben. Die beiden haben sich im Vorfeld in die Materie vertieft. Sonst hätten wir für teures Geld jemanden kommen lassen müssen, um die Veranstaltungstechnik zu übernehmen.
Für das Projekt gibt es eine eigene Internetseite mit Buchungssystem. Dass man schon bei der Buchung seinen eigenen Platz auswählen kann; dafür ist Michael Keidler gelobt worden, der es installiert hat. Bislang wurde ein Drittel der Plätze verkauft, für die Premiere sind es 150. Die besten Plätze sind zwar in der Mitte, aber so richtig schlechte Plätze gibt es ohnehin nicht. Die Bühne ist sehr breit angelegt und im Vergleich zum Pfarrheim sitzt man viel näher am Geschehen dran.
Zur Einstimmung haben wir seitens des Klosters eine Führung bekommen und wir dürfen die Toilette benutzen. Für die Aufführung ist das Umfeld im Westhof ideal. Es ist schon ein Privileg, dass wir hier spielen dürfen! Durch die Mauer sind wir so gut gegen den Lärm des Straßenverkehrs geschützt, dass eine Sperrung nicht notwendig ist. Um das Spielen im Freien zu üben, haben wir 2012 mit „Schneewittchen“ ein kleineres Projekt ausprobiert. Auch da war die Straße kein Problem.

 

Jürgen Friede: Und wir konnten Freilicht-Erfahrung sammeln – insbesondere mit den Funkmikros – die wir jetzt einbringen können. Und sechs der sieben Zwerge von damals spielen jetzt auch wieder mit.

 

Markus Albrecht: Aufgrund des schlechten Wetters können wir erst morgen mir den Gesamtproben beginnen. Bei gutem Wetter waren wir bislang am Waldrand auf dem Gelände der „Fuchsfarm“, bei schlechtem im Pfarrheim.

 

Amelie Grundl: Es gibt insgesamt sechs Bühnenbilder, die man erst einmal unterbringen muss. Auch wenn ich noch nicht alle verraten möchte, aber man sieht es bereits jetzt, dass es zwei verschiedene Wendekulissen geben wird. Und es gibt – als Überraschung in der Premiere – noch ein weiteres Element (Deus ex machina). Bei den bisherigen Produktionen war Markus Albrecht immer der alleinige Spielleiter, diesmal wurde er von Christian Kleibel unterstützt. Er ist Lehrer und leitet an der Staatlichen Realschule Memmingen eine Schauspielgruppe. Wir werden heute zwei Szenen zeigen, zunächst eine überraschend endende Kampfszene, dann eine Familienszene mit Gaugraf Silach.

 

Markus Albrecht: Im Wesentlichen wurde der Originaltext beibehalten, es wurden allerdings einige Streichungen vorgenommen. Gekürzt wurden Szenen, die für den Spielverlauf nicht so wichtig sind, denn wir sind mit den gut zwei Stunden reiner Spielzeit ohnehin schon an der Grenze.
Die Namen der Figuren sind verbürgt, aber über die eigentliche Klostergründung gibt es keine Aufzeichnungen. Abt Johannes meinte, dass solche Klostergründungen deshalb stattfanden, da die reicheren Herrschaften Begräbnisstätten für sich haben wollten. Die Kinder wurden als Äbte eingesetzt.

 

Amelie Grundl: In dem Text steckt eine große Moral. Kuhn zeichnet alle Fassetten der christlichen Lehre. Er beschreibt einerseits die christlich lebende Idealfamilie, auf der anderen Seite stehen Menschen mit ihren „Irrungen“, Menschen, die „nicht so genau aufpassen“. Es kommt ein Teufel vor - man kann ihn so nennen -, der einen anderen Menschen beherrscht. Dieser Mensch schafft es, davon wieder loszukommen, Kuhn zeichnet dabei auch das Bild der christlichen Vergebung. Sein Stück ist Teil christlichen Volksbildung des von ihm gegründeten Theatervereins.

In der Vorbereitung waren es meist die kleinen Dinge, an denen man hängenblieb: Recherche-Arbeiten, Abstimmungen der Probentermine oder mit dem Kloster. Aufgrund des organisatorischen Aufwands haben wir sogar einen Theaterverein gegründet. Bislang war immer der „Stamm“ verantwortlich, zusammen mit dem Ehemaligenverein, aktuell obliegt die gesamte Abwicklung dem neu gegründeten „Theaterverein der Pfadfinder Ottobeuren e.V.“ Es hat auch versicherungstechnische Gründe, wenn ich nur an die Proben mit dem Kämpfern denke – da kann so einiges passieren. Und es gab da auch schon Verletzungen, z.B. eine blutige Nase! Es soll echt aussehen, aber nicht weh tun.

 

Jürgen Friede: Die ersten Schwerter haben nur ungefähr 10 Minuten gehalten. Wir haben so 25 Schwerter für die Katz gemacht, die waren nach zweimal Draufschlagen kaputt. Es ist etwas leichter, als es ausschaut; jeder gestaltet sich sein Schwert individuell. Die Rohlinge haben uns dankenswerterweise zwei örtliche Schreinereien gemacht. Die waren alle schon angemalt und einsatzfähig, sind aber - wie gesagt - gleich kaputt gegangen. Das sind so die kleinen Rückschläge, die man verkraften muss.

 

Markus Albrecht: Ein großer Sponsor sind die LEW, auch die Genobank und die Firma Berger sowie etliche kleine Sponsoren. Daneben gab es auch Sachleistungen, mal eine Konstruktion schweißen, das Gerüst von den „Allgäuer Malermeistern“, die Platten für die Holzkonstruktion, solche Sachen. Hätten wir das alles bezahlen müssen, dann wäre alles doppelt so teuer gekommen. Alle Schauspieler arbeiten übrigens ohne Gage, also rein ehrenamtlich.

 

Carina Strobel: Sollte am Ende tatsächlich etwas übrig bleiben, dann werden wir uns ein ordentliches Helferfest gönnen. Entweder mit Butterbrot oder Rollbraten!

 

Amelie Grundl: Bevor wir uns jetzt die Szenen ansehen, dürfen Sie gerne noch was zu den heute erstmals bereitgestellten rustikalen „Silach-Fladen“ der Bäckerei Frisch sagen. Es gibt sie mit Speck oder vegetarisch, auch Schmalzbrote bieten wir an.

 

Ende Presseinfo: 38:40, Aufnahme, Bilder und Transkript: Helmut Scharpf
P.S.: Die „Silach-Fladen“ sind sehr lecker!

Brigitte Unglert-Meyer von der Memminger Zeitung berichtete am 12.07.2014 auf Seite 41: „Klosterhof verwandelt sich in ein Freilichttheater“, Dunja Schütterle betitelte ihren Artikel im Memminger Kurier vom 16.07.2014 auf Seite 6 Als Ottobeuren noch Uotenburen war.  

Die Spielzeiten:
Freitag 18.07.2014, Samstag 19.07.2014, Freitag 25.07.2014, Sonntag 27.07.2014, Freitag 01.08.2014, Samstag 02.08.2014, Sonntag 03.08.2014, Dienstag 05.08.2014, Mittwoch 06.08.2014, Beginn jeweils um 20:30 Uhr, am 03.08. bereits um 14 Uhr.

Im Ottobeuren Life, 09/2014 erschien auf Seite 8 ein kurzer Rückblick mit Bild und der Info, dass trotz aller Wetterpapriolen des Sommers zwischen dem 18.07. und 06.08. alle Aufführungen stattfinden konnten, viermal war ausverkauft. Insgesamt sahen etwa 2.500 Besucher die Vorstellungen.
Die Pfadfinder bedankten sich mit einem Artikel von Karina Strobl im Life Oktober 2014 (S. 11 f.) abschließend bei Bevölkerung und Kloster für den guten Zuspruch und die Erlaubnis, im Klosterhof spielen zu dürfen. Das Gruppenbild von Simone Schaupp wird voraussichtlich auch bald im virtuellen Museum abrufbar sein.