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26.11.1950 - Flugblatt gegen die Wiederwahl von Josef Hasel


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Vor den Wahlen zum 2. Bayerischen Landtag am 26. November 1950 (Gesamt-Wahlbeteiligung 79,9 %) gab es in Ottobeuren erhebliche Unruhe, denn der von 1935-45 amtierende Bürgermeister Josef Hasel (16.05.1897 - 06.01.1985) stellte sich erneut zur Wahl.

Notwendig wurde auch die Wahl des Bürgermeisters, da der bisherige Amtsinhaber Alexander Wegmann (*30.03.1892, Kellmünz, † 09.04.1953 im Kreiskrankenhaus Ottobeuren) am 30.03.1950 zurückgetreten war.
Wegmann wurde am 11.06.1945 von den Amerikanern als Bürgermeister eingesetzt. Bei den ersten freien Gemeinderatswahlen am 27.01.1946 war er mit 97,7% von der Bevölkerung (Wahlbeteiligung 91,5 %) im Amt bestätigt worden, bei den Wahlen vom 25.04.1948 mit immerhin noch 80,7%. Die Querelen um die Einquartierungen der vielen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen, die Probleme mit der Wasserversorgung, der Zwist unter den Anhängern und Gegnern des alten Regimes hatten ihn jedoch zermürbt. Es zeichneten sich auch gesundheitliche Probleme ab, die er letztlich als Rücktrittsgrund angab. Lieber wollte er wieder in seinem erlernten Beruf als Glasermeister tätig sein.

Konditor Josef Hasel (*16.05.1897, †06.01.1985) betrieb in der Luitpoldstraße 123 (zeitweilig hieß die Straße „Saarlandstraße“ - heute Kantine Ottobeuren/„Primrose“) ein Café sowie eine Wachszieherei. Hasel war ein sehr frühes Parteimitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 1763223) und folgte Bürgermeister Fickler nach, der 1935 nach Querelen mit Kreisleiter Schwarz und dem Hickhack um die Grundstücke und den Bau der Schwabensiedlung nach nur zwei Jahren im Amt das Handtuch geworfen hatte. Die Einheitsliste hatte Rechtsanwalt G.-W. Maier (09.01.1914 - 17.08.2003, Memminger Straße) aufgestellt. Mit dem roten Flugblatt („Rettet den Ruf Ottobeurens!“) wurde ein eindringlicher Appell an die Bevölkerung gerichtet, keinen Kandidaten zu wählen, der im Dritten Reich Bürgermeister gewesen war. Der Aufruf wurde durch eine Reihe von Argumenten untermauert, wobei das Schreiben vom 11.11.1938 (Betreff den „Verkehr mit Juden“) nach der Pogromnacht sogar noch fehlte. Hasel setzte sich gleichwohl durch und blieb anschließend noch etliche Perioden im Amt.
Zeitungsartikel und die exakten Wahlergebnisse vom November 1950 müssen erst noch ausgewertet werden.