Marktgemeinde Ottobeuren
Marktplatz 16
87724 Ottobeuren
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29.04.1939 - 10.02.1940 - Aufsätze aus der Mädchenschule Ottobeuren


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Der 50. Geburtstag des „Führers“ wurde auch in Ottobeuren gebührend gefeiert: Die Glocken der Basilika wurden geläutet, in der Frühe des 20.04.1939 gab es Böllerschüsse und Blechmusik. Der Hindenburgplatz (nach Kriegsende wieder Marktplatz) war geschmückt, am Rathaus und Kriegerdenkmal wehten Hakenkreuzfahnen, in den Schaufenstern sah man mit Blumen gezierte Hitler-Portraits. Am Abend endeten die Feierlichkeiten mit einem Fackelzug.

Eine Neunjährige beschreibt all dies in einem Aufsatz in der Grundschule. Die politischen Verhältnisse der Zeit und der beginnende 2. Weltkrieg hinterließen ihre Spuren auch in den Köpfen der Kinder, die der Propaganda und Manipulation weitgehend wehrlos ausgeliefert waren. Die 29 Aufsätze spiegeln auf der einen Seite die Kinderwelt wider (das Mütterlein, die Bienchen im Bienengasthaus etc.), auf der anderen Seite lesen wir über den zum Märtyrer verklärten Albert Leo Schlageter, den Marsch auf die Feldherrnhalle, die gleich nach Kriegsbeginn eintreffenden saarländischen Evakuierten („Sitzkrieg“), über unsere tapferen Soldaten oder über die notwendige Verdunkelung.
Ähnlich krass prallen die Kinderwelten der Jahre 1929 und 1943 aufeinander, wenn man die im virtuellen Museum abrufbaren Poesiealben liest. Ein im August verstorbener Ottobeurer konnte noch im hohen Alter das Lied „Ich bin Adolf Hitlers kleiner Soldat“ singen, das er in der zweiten Klasse gelernt hat - abgedruckt im Liederbuch für die Grundschule. Das Ottobeurer Kinderfest des Jahres 1933 wurde erstmals mit Wettkämpfen der SA vermengt, der Höhepunkt des Kinderfestes in Stephansried 1933 war die Enthüllung des Hitler-Portraits im dortigen Schulhaus.

Um die Zeit des „Dritten Reichs“ im Ansatz zu verstehen, kann man über die Politik der Führung lesen, man kann aber auch nachvollziehen, was auf lokaler Ebene passierte (vgl. Rücktritt Bgm. Fergg 1933 oder das Schreiben Bgm. Hasel im November 1938 bzgl. „Verkehr mit Juden“) - und eben in den Kinderseelen.
Dass dies möglich wurde, verdanken wir den Zeitzeugen, die sich und ihre Dokumente zur Verfügung stellen. (Wer die Aufsatzschreiberin ist, tut nichts zur Sache.) Vom Ende mit Schrecken kann man sich hier (Hamsterliste März 1946) überzeugen.

Das Bild mit den mit Hakenkreuzen beflaggten Häusern am Marktplatz (von 1933 - 45: Hindenburg-Platz) zeigt einen Korso aus Autos und Motorrädern. Das erste Motorrad nach dem begränzten Pkw hat auf dem Beiwagen ein Hitler-Portrait aufgestellt. Die Aufnahme aus dem Gemeindearchiv ist undatiert, müste aber an einem 30. April aufgenommen worden sein.

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Aufsätze aus der Mädchenschule Ottobeuren, vermutl. 3. Klasse, insg. 29 Aufsätze (die Durchnummerierung ist zweimal nicht stringent) vom April 1939 bis Februar 1940. Anmerkungen stehen in eckigen Klammern.
Partei- bzw. Propaganda- und kriegsbedingte Themen finden sich in den Aufsätzen:

Nr. 1     Der 50. Geburtstag des Führers.
Nr. 5     Ein deutscher Held. (Albert Leo Schlageter)
Nr. 12   Soldaten in Ottobeuren.
Nr. 14   Flüchtlinge. (Es geht um die evakuierten Saarländer)
Nr. 16   Soldaten sind da.
Nr. 18   Spart euer Geld!
Nr. 20   Treu dem Führer! (Marsch auf die Feldherrnhalle 1923)
Nr. 30    Von der Verdunkelung.

Lokalspezifische Themen: Nr. 3 (Maibaum), Nr. 8 (Sportbad Ottobeuren), Nr. 10 (Kneippdenkmal Stephansried) und Nr. 26 (Alexanderbrunnen). Daneben finden sich vor allem Naturthemen sowie Aufsätze über das Brauchtum (Sonnwendfeuer, Weihnachten, Allerseelen).

1. Aufsatz.                Den 29. April 39.

Der 50. Geburtstag des Führers.

Wir feierten am 20. April den 50. Geburtstag des Führers. Am Vorabend des Festes klangen die Glocken vom Turme. In der Frühe weckten mich die Böllerschüsse. Darnach hörte ich Musik. Der Hindenburgplatz* war am schönsten geschmückt. Am Rathaus und Kriegerdenkmal wehten die neuen Fahnen. In den Schaufenstern war Adolf Hitlers Bild mit Blumen geziert. Am Abend fand ein Fackelzug statt. Wir wünschen dem Führer ein dreifaches: Sieg Heil!
R. [Rechtschreibung] 1 A. [Ausdruck] 2 Sch. [Schrift] 2
* [von März 1933 bis Mai 1945; danach wieder „Marktplatz“ Ottobeuren]

2. Aufsatz.                Den 6. Mai 39.

Unser Maibaum.

Am 1. Mai versammelte sich alt und jung auf unserer Spielwiese. Alles bewunderte den geschmückten Maibaum. Er hat ungefähr 35 m Höhe. Seine Äste wurden ihm geraubt und seine Rinde auch. Dafür bekam er eine andere Zier. Eine Girlande wickelt sich um den Stamm. Oben am Gipfel grüßt uns ein verziertes Bäumchen. Ein Kranz mit Wappen hängt auch daran. Ein anderer ist mit Figuren geschmückt, welche die Berufe in unserem Markte darstellen: ein Jäger, der gerade einen Rehbock schießt, ein Bauer, der mit einer Sense mäht, ein Arbeiter, der mit seinem Spaten schafft, ein Soldat, der antritt. Weiter unten ist auch noch ein Kranz. Da tanzen Bauer und Bäuerin und 2 lustige Musikanten. Fähnchen und Wimpeln wehen an allen Kränzen. Wir machen gern in der 10 Uhr Pause einen Ringeltanz um den Maibaum. Bis zum Erntedankfest ist er uns ein guter Kamerad.
R. 3 A. 2 Sch. 3

3. Aufsatz.                Den 13. Mai 39.

Mein Mütterlein.

Wer hat mich am liebsten auf der Welt? Mein Mütterlein. Es sorgt für mich in gesunden und kranken Tagen von früh bis spät. Darum muß ich dankbar sein. An Mütterleins Ehrentag will ich ihm ein Tischlein richten. Ich will ihm recht viel Freude machen. In der Frühe sage ich ein nettes Verslein. Auf ein Kärtchen habe ich in der Schule gezeichnet. Das wird es wohl freuen. Auch bringe ich ihm Blumen und ein kleines Geschenk. Am Muttertag will ich recht folgsam sein. Ich will der Mutter auch kleine Arbeiten abnehmen. In der heiligen Messe bete ich für das Mütterlein.
R. 2 A. 2. Sch. 3

4. Aufsatz.                 Den 22. Mai 39.

Die Bienchen im Frühling.

In einem wohlgepflegten Garten stand ein Immenhaus. Dort schickte die Sonne ihre Strahlenkinderlein hinein. Da erwachten die hungrigen Bienchen, sie rieben ihre Äuglein und putzten ihre Flügelein. Darnach flogen sie in den Garten. Sie kamen zum Apfelbaum. Dieser hatte noch alle seine Blüten zu. Darnach kamen sie zum Kirschbaum. Auch dieser hatte nichts. Die stolzen Tulpen lockten die Bienchen in ihr Blumengasthaus. Aber o weh! Alle Tischlein waren leer. Traurig wollten sie wieder nach Hause gehen. Aber hinter der Gartenhecke dufteten einige Blauveilchen. Die Immen hatten eine große Freude. Sie hatten sich bei ihnen recht satt geschmaust. Am Schlusse wurden sie von den Veilchen reich beschenkt.
R. 2 A. 2 Sch. 4

5. Aufsatz.                Den 27. Mai 39.

Ein deutscher Held.

In Schönau im Schwarzwald ist das Grab eines deutschen Helden, Albert Leo Schlageter. Er hatte eine Eisenbahnbrücke gesprengt, daß keine Kohlen mehr nach Frankreich hinüber kommen. Ein deutscher Verräter sagte es den Franzosen. Albert Leo Schlageter wurde ins Düsseldorfer Gefängnis gebracht. Eines Morgens kamen 6 Franzosen in seine Zelle und riefen: In einer Stunde wirst du erschossen! Er blieb ruhig. Sie brachten ihn ins Auto und fuhren auf die Golzheimer Heide. Sie banden Albert Leo Schlageter an einen Pfahl. Dann wurden ihm die Augen verbunden. 12 Schüsse trafen auf ihn. Tot sank er zu Boden. Er opferte sich für Deutschland. Sein letzter Gruß war: Ich grüße dich, mein Deutschland!
R. 2 A. 2 Sch. 3

[Teil der Verklärung: Link Schlageter-Marsch]

6. Aufsatz.                Den 3. Juni 39.

Unter dem blühenden Apfelbaume.

An einem sonnigen Nachmittag saß ich auf der Ruhebank im Garten. Summ, summ! machte es über meinem Kopfe. Ich sah fleißige Bienchen. Sie machten Besuch beim Blütengasthaus. Rosarote Schüsselchen waren zu sehen, sie standen auf grünen Tellerchen. Alle waren gefüllt mit süßem Honigseim*. Vorsichtig streiften sie ihre Füßlein ab. Sie tranken alle Schüsselchen leer. So ging es fort bis zum Abend. Man konnte auch von den gefiederten Sängerlein Tafelmusik hören. Am Abend kam ein unwillkommener Gast, der Maikäfer. Dieser wollte an den grünbelaubten Zweigen sich satt fressen.
R. 2 A. 2 Sch. 3
*  [ungeläuterter Honig, wie er aus den Waben abfließt]

7. Aufsatz.                Den 17. Juni 39.

Die Lieblingsblumen der Kinder.

Nun hat die Wiese ihren Blumenteppich ausgebreitet. Viele schöne Blumen sind hineingestickt. Die schönste Blume ist der Löwenzahn. Wir reißen ihnen die Köpfchen ab. Dann stecken wir die hohlen Stiele ineinander und machen es wie die Goldschmiede. Da gibt es schöne Ringe, Ketten und Armreife. Wenn wir die Stengel ins Wasser legen, ringeln sie sich ein. Das macht uns große Freude. Nach einiger Zeit glitzern auf der Wiese silberne Lichtlein. Da blasen wir sie aus mit unsern dicken Pausbäcklein. Die braunen Männlein fliegen erschreckt mit ihren Federschirmchen davon. Sie machen eine Luftreise.
R. 3 A. 2 Sch. 3

8. Aufsatz.                Den 24. Juni 39.

Beim Baden.

Wir Ottobeurer haben ein schönes Sportbad. Für uns Kinder ist extra ein Plantschbecken eingebaut. Es ist grün ausgemalt. Wir zahlen nur 5 Pfennig. 5 Brausen stehen darinnen. Lustig spritzen wir umher. Die Kleinen fürchten sich anfangs, aber dann geht es schon. Dann hüpfen sie lustig wie wir. Wir benützen fleißig das Sportbad. Es stärkt unsere Glieder. Wie möchten selber gleich schwimmen.
R. 2 A. 2 Sch. 3

9. Aufsatz.                Den 1. Juli 39.

Sonnwendfeuer lodern im Gebirge.

Am Vorabend des Johannifestes betteln Burschen Holz. Dann tragen sie das Holz auf den Berg. Dort machen sie einen Holzstoß. Wenn die Abendglocke erklingt, versammelt sich das ganze Volk auf den Bergen. Sobald das erste Sternlein am Himmel blinkt, entzünden sie den Holzstoß. Dann tanzen sie um den brennenden Holzstoß. Sie schwingen auch brennende Räder in der Luft oder lassen Reife den Berg hinunterrollen. Sie sagen auch Sprüche. Einer heißt: O Sonnenwend, o Sonnenwend, wie lichterloh dein Feuer brennt! Glüh' unsre Herzen jung und stark und mach uns deutsch bis an das Mark!
R. 3 A. 2 Sch. 3

10. Aufsatz.                Den 8. Juli 1939.

Was uns das Denkmal in Stephansried erzählt.

Nördlich von Ottobeuren liegt Stephansried. Sebastian Kneipp wurde 1821 in Stephansried geboren. Seine Eltern erzogen Sebastian streng. Er wurde Priester. Während seines Studiums erkrankte er. Er heilte sich selbst durch seine Wasserkur. Als er wieder gesund war, wurde er Pfarrer in Wörishofen. Er heilte auch viele Kranke. Die Zahl der Hilfesuchenden wurde immer größer. Darum mußte man Kurhäuser bauen. Sebastian Kneipp starb 1897. Man errichtete ihm ein Denkmal zum Lohne in seiner Heimat.
R. 2 A. 2 Sch. 3

11. Aufsatz.                Den 15. Juli 39.

Das Sommerfest im Ährenfeld.

Lustiges Leben herrscht jetzt im Ährenfeld. Frau Grille zirpt schon in aller Frühe und ladet die Käferlein ein zum Freudenfest. Der Käfer kommt mit seiner Frau und trinkt zum Frühschoppen ein Fäßlein frischen Tau. Überall, wo Blumen stehen, kehren die Bienchen ein. Aufpassen! Die Wiesenmusikanten spielen Musik. Die Fliegen singen dazu Lieder. Die dicke Hummel spielt den Brummelbaß. Frau Grille streicht die Violine. Die Mücken tanzen lustigen Reigen. Wie lange wird wohl noch das Freudenfest dauern? Sobald des Schnitters Sense klingt, ist die Kirmes vorbei.
R. 2 A. 2 Sch. 3

12. Aufsatz.                Den 29. Sept. 39.

Soldaten in Ottobeuren.

Im Osten und Westen wollen unsere Feinde gegen uns kämpfen. Darum müssen die tapferen Soldaten unsere Heimat schützen. Unter den Ferien bekamen viele Männer den Stellungsbefehl. Sie mußten einrücken. In Ottobeuren sammelten sich 800 Mann. Sie waren im Knabenschulhaus, im Kasernenhof, in der Mohrenwirtschaft und anderen Gaststätten einquartiert. Im Gelände um Ottobeuren machten sie militärische Übungen. Am 5. Sept. um ½ 7 Uhr abends marschierten sie zur Bahnstation Ungerhausen. Wir wünschten ihnen ein frohes und baldiges Wiedersehen.
R. 4 A. 3 Sch. 6

13. Aufsatz.                6. Okt. 39.

Rate!

Ich kennen ein Füchslein. Es hat keinen roten Pelz, keine spitze Schnauze und keinen buschigen Schwanz. Es ist ein liebes, nettes Männlein. Es ist die meiste Zeit im Walde. Es kennt alle Beerlein. Es schenkte mir schon oft eine Handvoll verschiedener Beeren. Ich lernte von ihm das Schwammerlfangen. Die nützlichen Kräuter bringt es in die Apotheke. Es ist das ganze Jahr lustig und glücklich. Kennst du jetzt auch das Männlein?
R. 3 A. 3 Sch. 3

14. Aufsatz.                11. Okt. 39.

Flüchtlinge.

Am Samstag abends trafen in Ottobeuren 480 Flüchtlinge ein. Es waren viele Kinder dabei. Wir bekamen eine Frau mit einem Kind namens Helmut. Ich habe ihn sehr gern. Zum Essen gehen sie in die Post. Die Kinder sind bei uns in der Schule. Wenn er immer kommt, dann fragen wir ihn, ob es ihm geschmeckt hat. Dann sagt er: Sehr gut. Ich verstehe ihn schon ganz gut.  

15. Aufsatz.                18. Okt. 39.

Der billige Wirt.

Ein durstiger Wanderer kam an einer Wirtschaft vorbei. Ein goldgelber Apfel war sein Schild. Er lockte den Wanderer sehr freundlich herein. Der Wirt legte als Mahlzeit seine gelben Äpfel auf den Tisch. Sie halfen für Hunger und Durst. Der Wanderer legte sich dann zur Ruh. Kleine Sänger machten Musik. Horcht, wie es singt und klingt! Nun mußte der Gast wieder weiterziehen. Er fragte nach der Schuldigkeit. Der gute Wirt schenkte alles her. Wir wünschen ihm ein langes Leben.

[ev. 16. Aufsatz.]                [eingelegtes Blatt]

Soldaten sind da.

Unter den Ferien kamen nach Ottobeuren 300 Soldaten. Wir bekamen gleich den Quartiermacher. Er ist sehr nett. Manchmal darf ich ihm das Essen holen. Manchmal tu ich ihm die Stiefel putzen. Wenn er nachmittags heimkommt vom Fußballspielen, muß ich ihm eine Tasse Kaffee geben. Das schmeckt ihm. Mir tut es nicht schmecken, denn er ist ja ganz schwarz. Alle Tage kommen Urlauber. Von der 6. Kompagnie ist bei uns ein Schneider. Er näht für die Kompagnie. Es kommen immer mehr weg zum Gefangenen bewachen. Hoffentlich bleiben sie noch lange da.

[Rückseite; vermutlich nicht Teil der Aufsatzfolge]

Ein Bild erzählt: Bei der Kartoffelernte.

Der Herbst ist die Zeit zur Kartoffelernte. Mühsam plagt sich die Sonne durch die dichten Wolken. Alles Äcker sind schon leer. Nur auf einem Kartoffelacker ist man noch bei der Arbeit. 2 fleißige Mägde wühlen mit den Händen große und kleine Knollen aus der feuchten Erde. Der Bauer trägt einen vollen Sack weg. Hoffentlich kommt bald der Wagen vom Dorf, das im Hintergrund liegt. So sorgt der Bauer für unser tägliches Brot.
A. 2 R. 1 Sch. 3

17. Aufsatz.                25. Okt. 39.

Maler Herbst.

Schau zum Fenster hinaus! Welch bunte Farben haben die Blätter! Gelbe Blätter, rotgelbe, braune hängen an den Bäumen. Von einem Birnbaum fällt ein Büschelchen herab. Die leichten Blättlein hüpfen auf der Straße weiter. Eiche und Buche tragen braune Farben. Der wilde Wein prangt rötlich. Gelbe Äpfel und goldgelbe Birnen hängen am Baum, blaue und gelbe Trauben am Stork. Siehst du jetzt, daß der Herbst wirklich ein Maler ist, ein Kunstmaler!
R. 3 A. 2 Sch. 3

18. Aufsatz.                30. Okt. 39.

Spart euer Geld!

Klein Herminchen ging spazieren. Die Kleine blieb vor einem Obstladen stehen. Die goldgelben Birnen betrachtete sie lange. Der Durst quälte die Kleiner immer ärger. Schon greift das Mädchen in die Tasche, wo das Geld war. Dort hatte sie 40 pf, die sie gestern von ihrer Tante erhielt. Schon greift sie nach der Klinke an der Ladentüre. Doch, sie hört die mahnenden Worte der Mutter: Kind, spar dein Geld! Klein Herminchen schaute noch einmal ihr Geld an und denkt: Soll ich – soll ich nicht? Gleich saust sie zur Mutter nach Hause. Schon klingen die Münzen im Sparbüchslein. Mutter und Kind haben am Sparen eine große Freude.
R. 3 A. 3 Sch. 4

19. Aufsatz.                6. Nov. 39.

Bei den lieben Toten.

An Allerseelen waren alle Gräber herrlich geziert. Langsam schritt ich durch die Gräberreihen. Auf unserm Grab war ein schöner Kranz mit Wachsrosen. Um ihn war eine breite rote Schleife. Auf einem anderen Grabhügel war ein schönes Blumenkreuz gepflanzt. Darüber leuchtete aus einer roten Glaslaterne ein kleines Kerzlein. Vor den Gräbern sah ich trauernde Hinterbliebene. Auch wir Kinder beten zu Gott für die lieben Toten: „O Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und lasse sie ruhen in Frieden!“
R. 2 A. 2 Sch. 3

20. Aufsatz.                15. Nov. 39.

Treu dem Führer!

Am 9. Nov. 1923. marschierte Adolf Hitler durch die Straßen Münchens. Es wollte eine neue Regierung bilden. Als sie die Feldherrnhalle betraten, krachten hinter den Häusern Schüsse. 16 treue Kämpfer fielen. Ihr letzter Gedanke war: Deutschland soll leben! Wie durch ein Wunder passierte Adolf Hitler nichts. Sein treuer Begleiter Graf* war vor ihn hingesprungen und sank mit fünf Kugeln im Leibe nieder. Auch Adolf Hitler wurde von Stürzenden mit zu Boden gerissen, ein Arm ward ihm aus dem Gelenk gedreht. Als er Führer des deutschen Reiches wurde, ließ er in eine Steintafel die Namen der 16 tapferen Helden einmeißeln.
Die Leichen wurden in Ehrentempeln beigesetzt. Zwei S.S.-Posten, wie aus Erz gegossen, bewachen sie. Jeder, der vorübergeht, hebt ehrfurchtsvoll die Hand zum deutschen Gruß. Jedes Jahr am 9. Nov. ehren wir Deutschlands Kämpfer.
R. 6 A. 3 Sch. 4
* [Leibwächter Ulrich Graf][Ehrentempel der sog. Blutzeugen]  

21. Aufsatz.                20. Nov. 39.

Helft den Armen!

Gestern feierten wir das Fest einer echt deutschen Heiligen. Es ist die heilige Elisabeth. Wie mitleidig war sie immer gegen die Armen! Das Fürstenkind war zufrieden mit einfacher Kost. Alles Übrige gab sie den Armen. Sie hat sogar mit ihren Hofdamen Kleider gesponnen. Das gute Mädchen ging in elende und arme Wohnungen, brachte Lebensmittel, Kleidung und Geld mit. Dabei war sie freundlich und lieb mit ihnen. Wie oft spielte sie mit den armen Kinderlein des Dorfes! Der liebe Gott verwandelte einmal ihre Brote in herrliche Rosen. Wie freut sich jetzt Elisabeth im Himmel, weil sie auf Erden so gut gewesen gegen die Armen! Auch ich will gegen die Armen recht gut sein, besonders jetzt in rauer Winterzeit.     R. 2 A. 2 Sch. 3

22. Aufsatz.                Den 1. Dez. 39.

Ein Vogelberg auf Island.

Wie freuten wir uns, als wir einen Film sehen durften von den Vogelbergen Islands. Mit dicken Seilen und Körben fuhren die Eiersammler in einem Motorschiff hinaus auf die hohe See. Ich sah am Strande eine Eiderente. Diese fettete ihr Gefieder gerade ein. Auch sahen wir einen Papageitaucher am Klippenrand stehen. Wie schwirrten die Baßtölpel hernieder! Die Eiersammler haben eine extra Kleidung. An ganz dicken Seilen werden sie hinabgelassen. Wie in einer Schaukel sitzt er und schwingt von Spalte zu Spalte. Darin holt er die erbeuteten Eier und steckt sie in seinen Pullover. Der Pullover ist unten mit einem Gürtel festgehalten. Wenn er voll ist, leeren sie ihn aus. Behutsam lassen die Männer die Körbe über die Bergkante ins Schiff. Wie schmeckten die Vogeleier den 4 isländischen Kindern! Wir wünschen ihnen einen guten Appetit!
R. 2 A. 2 Sch. 3

23. Aufsatz.                11.12.39.

Wenn mir's nur gruselte! Hans lernt das Gruseln.

Als das Festmahl vorbei war, sagte die Königin zum Kammermädchen: Bring mir einen Eimer voll Wasser, darin auch Fische. Die Diener brachten es. Und als der junge König schlief, zog ihm die Königin die Decke weg und schüttete den Eimer voll Wasser hinein. Der König wehrte sich und sprang aus dem Bett. Zuletzt setzte er sich auf das Fensterbrett und schrie: Was gruselt mir! Nun hatte er es endlich gelernt, was gruseln heißt.
R. 2 A. 3 Sch. 3

24. Aufsatz.                14.12.39.

Ich freue mich, daß es Winter ist!

Als ich am Freitag aufwachte und meine Augen ausrieb, da sah ich, daß vor dem Fenster ein dickes weißes Bettlein lag. Es hatte geschneit! Da hüpfte ich viel lieber und schneller aus dem Bett. Auf dem Weg zur Kirche mußte ich fest durch den hohen Schnee waten. Das machte Spaß. Die Häuser hatten dicke Kappen aufgesetzt. Der Gartenzaun bekam eine schöne Pelzgarnitur. Jedes Ästlein an den Bäumen war in weiche Watte eingewickelt. In der Schule war es heute besonders schwer, still zu sitzen. Die Schneeflocken am Fenster lockten uns zum Rodeln. Frau Holle hatte wieder ein fleißiges Mädchen bekommen.
R. 2 A. 2 Sch. 3

25. Aufsatz.                Den 12. Jan. 40.

Christkind war da!

Sehnsüchtig wartete ich am Weihnachtsabend. Daß die Zeit schneller verging, half ich der Mutter abspülen. Wie freute ich mich, als wir ins Wohnzimmer durften! Ein prächtiger Christbaum stand da. Darauf waren bunte Kugeln und schöne Glocken. Darunter stand ein zierliches Kripplein aus Holz geschnitzt. Dann schauten wir den Gabentisch an. Ich wurde reich beschenkt, ebenso auch meine Geschwister. Mir brachte das Christkind einen schönen Schott* und ein schönes Laudate. Wie freute ich mich! Dann sangen wir schöne Weihnachtslieder. Meine Schwester spielte dazu auf der Gitarre. Dann legte ich mich zur Ruhe.
R. 2 A. 2 Sch. 2
* [Lateinisch-deutsches „Meßbuch der heiligen Kirche“ des Benediktiners Anselm Schott aus dem Kloster Beuron – kurz „Schott“ genannt –, 1884 vermutlich in Freiburg erschienen. Mit Hilfe des „Schott“ konnten die Gläubigen auch ohne Latein-Kenntnisse mühelos den Gebeten des Priesters folgen und mitbeten.]

26. Aufsatz.                Den 19. Jan. 1940.

Der Alexanderbrunnen.

Vor vielen Hundert Jahren brachte Abt Toto des heiligen Alexander Reliquien von Frankreich nach Ottobeuren. An dem Orte, wo man sie hinstellte, rieselte ein heilkräftiges Wasser hervor. Das Wasser floß weiter bis zum Marktplatze. Dort wurde es gefaßt und in eine Brunnenkammer geleitet. Als Schmuck wurde auf den Brunnen eine Statue angebracht. Wie lustig spielten an sonnigen Tagen die Kinder dort! Auch Vöglein kamen und tranken nach Herzenslust. Nach dem großen Kriege 1870/71 wurde auf dem Marktplatz ein Kriegerdenkmal erbaut. Jetzt mußte der Alexanderbrunnen weichen. Die Steinfigur steht jetzt noch in der nach ihm benannten Straße.

[27. und 28. Aufsatz]

29. Aufsatz.                Den 27. Jan. 1940.

Schneewittchen bei den 7 Zwergen.

Heute machen wir eine große Reise zu Schneewittchen. Wir müssen durch grüne Wälder und über 7 hohe Berge. Unter uralten Tannen im dichten Gebüsch erblicken wir das niedliche Zwergenhüttchen. Wir bitten höflich um Einlaß! rufen wir. Das Königstöchterlein erscheint und spricht: Ich darf niemand hereinlassen! Die Zwerge haben es mir verboten; aber euch öffne ich die Türe. Fleißiges Hausmütterlein ist hier Schneewittchen. Es schüttet emsig die Betten, putzt den Laden und reinigt die Möbel. Es richtet die Mahlzeit und strickt Zipfelhauben für ihre lieben Zwerge. Am Abend kommen die Zwerge heim. Schneewittchen grüßt sie freundlich. Die Zwerge spenden ihm großes Lob, weil es den ganzen Tag so fleißig geschafft hat.
R. 2 A. 2 Sch. 2
30. Aufsatz.                Den 3. Febr. 1940.

Von der Verdunkelung.

Jeder Deutsche ist verpflichtet zu verdunkeln. Wir müssen uns vor drohender Fliegergefahr schützen. Dadurch erschweren wir den Feinden den Ausblick. Zu Hause verdunkeln wir die Fenster mit Verdunklungspapier und machen die Läden zu. Andere stülpen über die Lichter schwarze Lampions. Die Schaufenster sind schwach beleuchtet. Alle Lichter sind ausgelöscht in den Straßen. Wie Schatten huschen die Menschen an uns vorbei. Alle Fahrzeuge müssen Verdunklungsklappen tragen. Blockwarte und Polizei prüfen die Häuser, ob sie verdunkelt sind. Wer seine Pflicht nicht erfüllt, bekommt Geldstrafe. Einer tut bei der Verdunkelung nicht mit? – Der Mond. Er lacht mit dem ganzen Gesicht, weil man ihn nicht verdunkeln kann.
R. 3 A. 2 Sch. 3

31. Aufsatz.                Den 10. Febr. 40.

Der Wettlauf zwischen Hase und Igel.

Meister Langohr verspottet Herrn Igel wegen seiner schiefen Beine. Der Igel dachte bei sich: Dem will ich es vergelten! Der Igel sprach: Wie wäre es, wenn wir einen Wettlauf machen würden? Der Hase war sofort einverstanden. Wer gewinnt, bekommt eine Flasche Schnaps. Der Igel holte heimlich seine Frau. Sie stellte sich unten an das Kohlfeld. Der Igel und der Hase fingen oben an zu springen. Nach drei Schritten setzte sich der Igel wieder an seinen Platz. Als der Hase unten ankam, ging Frau Igel heraus und schrie: Etsch, etsch! Das ärgerte den Hasen. Er sprach: Nocheinmal! So machte es der Hase 73 x. Das 74. Mal fiel der Hase tot zu Boden. Die beiden Igel waren Sieger. Sie trugen lustig ihren Schnaps nach Hause.
R. 3 A. 3 Sch. 3

Ende der Transkription bzw. Abschrift (Helmut Scharpf, 09/2017)

Als weiteres Beispiel für die Instrumentalisierung von Kindern ist eine Propaganda-Karte eingestellt, die eine Gruppe Kinder zeigt, die zu „Hitlers Geburtstag“ mit mit dem sog. „Deutschem Gruß“ und einem Geschenk aufwarten. Gestempelt ist die Karte in der Reichshaupttadt Berlin. Der Text lautet „20.4.1939, 50. Geburtstag des Führer. Deutsche Wehrfreiheit.“

Hinweis: Die Abb. erfolgen als zeitgeschichtliche Dokumente! Sie sind zwar gemeinfrei, eine missbräuchliche Nutzung ist dennoch untersagt! Die zeitgeschichtlichen Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus werden nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungs- feindlicher Bestrebungen, der wissenschaftlichen und kunsthistorischen Forschung, der Aufklärung oder der Berichterstattung über die Vorgänge des Zeitgeschehens gezeigt und sind in keiner Weise propagandistisch, insbesondere im Sinne des § 86 86a StGB zu benutzen.