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09.05.1970 - Bausteine einer Geschichte der Fischerei- und Teichwirtschaft des ehemaligen Reichsstifts Ottobeuren; Zulassungsarbeit von Monika Kuhn


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An etlichen Orten kann man die Ottobeurer Klosterweiher noch erkennen, manchmal sind die Strukturen insgesamt erhalten (wie die Ulrichsweiher neben dem Ämtergebäude), manchmal sieht man zumindest noch die Dämme, andere sind komplett verschwunden bzw. überbaut (wie in Benningen).
In ihrer Zulassungsarbeit zum ersten Staatsexamen für das Lehramt an Volksschulen befasste sich Monika Kuhn (heute: verh. Kohler) 1970 sehr eingehend mit diesem sehr reizvollen Thema.

Literaturzitat:
Kuhn, Monika: Bausteine einer Geschichte der Fischerei- und Teichwirtschaft des ehemaligen Reichsstifts Ottobeuren, Zulassungsarbeit, München, 1970, 98 S., XIII S. Anhang

Den – textdurchsuchbaren – Gesamtscan der Zulassungsarbeit können Sie hier abrufen:
Digitalisat Klosterweiher (pdf, ca. 30 MB)

Der pdf ist die Geschichte vom „Ottobeurer Bachbutzet“ vorangestellt, die Frau Kohler 1973 in der zweiten Ausgabe des Spiegelschwab veröffentlichte. „Köstlich“ – im wahrsten Sinne des Wortes – sind die Auszüge aus den Speisefolgen im Anhang der Arbeit; sogar ein Rezept zum Nachkochen ist abgedruckt.

Hier im Textfeld lesen Sie die (auf neue Rechtschreibung angepasste) Einleitung der Arbeit und die Beschreibung der oben erwähnten „Bachbutzet“.
Frau Kohler, die ihre Arbeit bei einem Interview in Markt Rettenbach am 16.12.2017 dankenswerterweise zur Verfügung stellte, endet den Artikel im Spiegelschwab mit der Empfehlung:
Vielleicht, lieber Leser, können Sie „Ihrem“ Damm einmal an einem schönen Sonntag einen Besuch abstatten und sich die spiegelnde Fläche des Weihers vorstellen. Vielleicht gelingt es Ihnen auch, in Ihrem Dorf die lange Tradition der Dorfweiher wieder zu beleben, sei es zur Hebung des Fremdenverkehrs oder zur wirtschaftlichen Nutzung. Für unsere Landschaft wäre es ein Gewinn.
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EINLEITUNG
 
Über Wasserarmut kann sich bei uns im Vorallgäu wahrhaftig niemand beklagen: Jahr für Jahr gießt, hagelt, schneit es, was es kann und lässt die Bäche und Flüsschen schwellen. Dieser Reichtum wurde stets gut verwaltet und genutzt. Davon zeugen die Akten und Urkunden über Wasserrecht, Mühlenrecht, Fischrecht, Beständerverträge, Fischwasserregister bis hin zum Lohn der Arbeit: den vielfältigen Speisekarten für die Tafel im Kloster.

Das Ottobeurer Territorium erstreckte sich vom Höhenzug, der das Memminger Trockental vom Tal der Westgünz scheidet, bis ins Schwelk- und Ostgünztal. Die größten Wasserläufe dieser Moränenlandschaft sind der Krebsbach, die Westgünz, die Schwelk und die Ostgünz, die sich in der Günz vereinigen. Das Wasser ist gerade noch so kalt, dass die Bachforelle gedeiht und in geschützten Teichen gerade so warm, dass der Karpfen wachsen kann.

Die Fischzucht dieses Gebietes konnte, – vielleicht wegen der klimatischen Verhältnisse – nie überregionale Bedeutung gewinnen, deckte aber den eigenen, wegen der langen Fastenzeiten hohen Bedarf nahezu. Händler vom Bodensee, die Felchen und Gangfisch (kleine geräucherte Fische) brachten, wurden im Kloster gut aufgenommen. Auf welchem Markt die Stockfische, Platteiß (auch: Blateislen) und Heringe eingekauft wurden, lässt sich nicht mehr feststellen.

Die Weiheranlagen und Bäche im Ottobeurer Gebiet
Weiher und Bäche sind etwas sehr gewöhnliches. Sie sind so selbstverständlich, dass niemand auf die Idee kommt, sie zu erwähnen, es sei denn, sie werden zum Streitgegenstand, sie werden verkauft oder ein Naturereignis stört den normalen Lauf der Dinge. Aber wie oft kommt so etwas vor? Deshalb kann diese Arbeit nur ein lückenhaftes Bild vermitteln.
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„Bachbutzet“ in Ottobeuren

Jedesmal ein kleines Ereignis für die Ottobeurer war das Abfischen und Säubern des Mühlbaches im Konventgarten. Im Fischregister von 1761 ist der Vorgang genau beschrieben:

Unterhalb der Oberen Mühle wurden die zwei Wasserfallen gezogen und sogleich Wachen aufgestellt. Ein Mann im Konventgarten, einer, der „die Leute aus des Wachsziehers Hof vom Fischen abtreiben“ sollte, einer an der Unteren Mühle. Und da die drei Wachen anscheinend noch nicht reichten, patrouillierten der Amtsknecht und der Bettelvogt solange am Bach auf und ab, bis er ausgefischt und gesäubert war. (Mit einiger Fantasie kann man sich die Ottobeurer „Saubuebe“ vorstellen, die sich einen Spaß daraus machten, ein solches Aufgebot an Wachen zu überlisten!)

Zweimal fischte der Hoffischer mit zwei oder drei Helfern den Bach ab, von der ersten Falle bachabwärts bis zur Hofmühle, wobei ihm ein paar Buben die Lägel nachtragen mussten. Nach dem zweiten Abfischen durften die Frohner, hier auch „Bachbutzer“ genannt, ins Bachbett, und zwei oder drei Klosterbedienstete gingen neben ihnen her, um die Fische einzusammeln, die sich „verschloffen“ hatten.

So genau ging es in Ottobeuren her! Und während sich der Stadtbach in Memmingen jährlich in den Mittelpunkt des Geschehens rückt, da aus seiner „Bachbutzet“ der weltberühmte Fischertag geworden ist , versteckt sich der Ottobeuren Mühlbach in langen Rohren und die Kinder wissen schon gar nicht mehr, dass er einst am Fuße der Basilika entlang plätscherte .

Zur Abbildung:
Der Lerchenberg wurde gegen einen Teil von Erkheim von Abt Gordian eingetauscht. 1690 wird ein Weiher genannt. 1693 liegt der Kaufvertrag vor. Die Lerchenberger Weiher – der Ober- und Unterweyer –  tauchen 1761 wieder im Fischregister auf (Quelle: Allg. StA, Ottobeuren, KL 241)

Abschriften und Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 02/2018