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1925 - Heuernte bei Guggenberg


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Diese außergewöhnlich schöne Fotografie dokumentiert die schwere körperliche Arbeit, die früher in der Landwirtschaft geleistet werden musste. Sie dürfte vermutlich östlich von Guggenberg aufgenommen worden sein; der Junge links (Wölfle?) lebt heute noch.

Im Hintergrund sieht man überall Heintzen bzw. "Hointza", Holzleisten mit Querstreben, auf denen das Gras 2 - 3 Wochen zum Trocknen aufgehängt war, bis es an einem schönen Tag eingeholt wurde. Nachdem es noch keine Traktoren gab, war man auf Arbeitstiere angewiesen. Beliebt war die hier gezeigte Kombination eines Haitr (= Pferd) mit einem "Molla" (= Ochsen), insb. natürlich bei den Bauern, die sich nur ein Pferd leisten konnten.
Im Hintergrund könnte es sich auch um den Weiler Denneberg handeln.

Wer nähere Angaben zu diesem Bild machen kann, bitte im Touristikamt melden. Die Aufnahme hat Michael Jung zur Verfügung gestellt.

Der Mundartdichter Hermann Schmid hat viele der schwäbsichen Begriffe aus der Heumahd und -ernte in seinem Buch "Schnättrbäs und Katzabaula" anschaulich beschrieben:

"Bevor man früher aus dem teilweise abgetrockneten Schnittgut die „Birleng“ machen konnte, musste das angewelkte Gras erst zu „Loreila“, also zu kleinen Schwaden, zusammengerecht werden. Nach dem Mähen mit „dr Säagas“ oder später mit dem Mähbalken, wurde der erste Schnitt, „s Hai“, im Gegensatz zum zweiten Schnitt, „am Aumad“, oder zum dritten Schnitt, „dr Blum“, in aller Regel erst „auf da Hointza“ zum Trocknen gebracht.
Es handelte sich dabei um Pfähle mit drei gegeneinander versetzten Querstreben, die in möglichst geraden Reihen stehen mussten. Man achtete sehr darauf, dass die „Hointza“ nicht krumm wie „a Sausoich“ in der von Nachbarsaugen scharf kontrollierten lieblichen Allgäuer Voralpenlandschaft herumstanden. In der Abenddämmerung sahen die Reihen manchmal aus, als würden dort „Butzamännla ond Druda hoigata“.
Um das Trocknen zu beschleunigen, musste das Heu nach dem Abnehmen von den Heinzen wieder angestreut und mehrfach „gworbat“ werden. War es dann Zeit zum „Einführa“, musste das Heu zu großen „Schocha“ zusammengebracht und „aufbotta“, also mit der großen „Schochagabl“ auf den Wagen gebracht werden.
Wenn es sehr „schwüllig“ war, kam es vor, dass sich die Zugtiere der schrecklichen „Rossbremsa“, einem blutsaugenden Insekt, nicht mehr erwehren konnten. Sie rannten über Wiesen und Straßen und zogen das „ombocklate Haifuadr“ hinter sich her.
Heiß wie in der Sauna war es in den Heustöcken, wo die Kinder das Heu noch in die letzten Winkel stopfen mussten, um den Platz auszunützen."

Link zu Hermann Schmid