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20.12.1828 - Pläne zur Wiederrichtung der Abtei (in Zeitung „Der Bayerische Volksfreund“)


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Der Bayerische Volksfreund. Ein Unterhaltungsblatt für alle Stände, Ausgabe 204, München, 5. Jahrgang, 20.12.1828, S. 869 - 872.

In der vorliegenden Ausgabe dieser Münchner Tageszeitung taucht Ottobeuern (damals meist übliche Schreibweise) im Zusammenhang mit ersten Plänen für eine Wiederrichtung der 1802/03 aufgehobenen Abtei auf. Der Säkularisation wurde die Vernichtung - „mit einem Federzuge“ - dessen zur Last gelegt, was den Menschen über Jahrhunderte an „christlichen Wohlthaten“ zugute gekommen war. Das „herrlich unweit Memmingen gelegene Ottobeuern“ war „im besten baulichen Zustande“ und „wäre wahrscheinlich die Wahl“ für eine „Wiederfondation“ (also die Neugründung) gewesen, die der Augsburger „geheime Rath, Domherr Baron von Mastiaux“ im Blick hatte, um letztlich dort selbst Abt zu werden.

Bei wikisource heißt es zu Kaspar Anton Freiherr von Mastiaux (03.03.1766 - 12.12.1828) u.a.: „Sein großes Vermögen wollte er zur Wiederherstellung des 1012 gegründeten und 1803 aufgehobenen Benediktinerstiftes St. Ulrich und Afra in Augsburg verwenden und als dieser Plan bei der Regierung wegen Verwendung des Klosters als Kavalleriekaserne Widerstand fand, zur Neubelebung des Klosters Ottobeuren bei Kempten. Doch auch hier trat sein Tod hindernd dazwischen.“ Auch bei wikipedia gibt es eine Seite zu Mastiaux.

Der Textabschnitt auf S. 870 in Abschrift:
„Dem Vernehmen nach hatte der hier verstorbene geheime Rath, Domherr Baron von Mastiaux in Augsburg, bei seinen Lebzeiten im Besitze eines großen Vermögens, den großartigen Entschluß gefaßt, das von dem 25. Bischofe Bruno (Sohn Herzog Heinrichs III. von Bayern, und Gisela’s Königin von Burgund, Bruder Kaisers Heinrich II.) durch 12 Tegernsee’r Mönche im Jahre 1012 begründete, 1803 aufgehobenen Benediktiner-Stift zu St. Ulrich (von dem 19. Bischofe Ulrich Graf von Kyburg, i. J. 973 gestorben, also genannt), mit königl. Genehmigung wieder herzustellen, aus seinen Mitteln zu fondiren, und als erster Abt in dasselbe zu treten. (Dieses Klosters gegenwärtiger Prachttempel ist 1477 begründet, 1607 erst gänzlich vollendet worden.) Da aber dieser Antrag wegen zeitheriger Verwendung der Klostergebäude zur Cavallerie-Caserne und dem kostspieligen Anbaue von Stallungen beanständiget wurde, so wäre wahrscheinlich die Wahl auf das noch im besten baulichen Zustande (bis auf das veräußerte Bräuhaus) so herrlich unweit Memmingen gelegene Ottobeuern gefallen, welches unter dem 8. Augsburger Bischofe Markoman neben Benediktbayern, Weßobrunn, Pollingen, Schlehdorf, Thierhaupten, Seiferstetten, Sandau, Staffelsee, Kochelsee, Ellwangen, Neresheim, heil. Kreuz zu Donauwörth, und Roth zu Anfang des 8. Jahrhunderts entstanden ist, und ebenfalls am Eingange des 19. aufgehoben worden. Der plötzliche Tod des Frommgesinnten vereitelte nun wahrscheinlich diese schöne Aussicht. Dieser, durch seine Gelehrsamkeit und Thätigkeit für die Würde der Kirche und des Staates ausgezeichnete Domherr hätte durch jenen Versuch der Wiederfondation einer Abtey zuerst das Beispiel unter den Zeitgenossen gegeben, wie hohe Prädentisten und Staatsmänner, nach der Gesinnung der Vorzeit, so manche wohlthätige und gemeinnützige Anstalten und Stiftungen in das Leben gerufen hatten. Bereits haben seit mehreren Jahren mit wahrhaft religiösen Gemüthe viele aus dem Bürgerstande und untern Stande der Geistlichkeit, z. B. Dekane, Pfarrer, Benefiziaten, ihren Nachlaß großentheils den Armen, Schulen oder andern frommen Zwecken zugewendet, wie es die Kirche von ihren Dienern vor Allem fordert. Möchten endlich die Hohen und Höhern dem Beispiele der Bischöfe, des Adels und der andern Stände unserer edlen Vorfahren folgen, die mit vielem, was sie von Land und Kirche zogen, von Zeit zu Zeit den großen allgemeinen Fond für Stiftungen, Anstalten und christliche Wohlthaten bescahnkten, und durch Jahrhunderte pflegten, was das Jahr 1803 mit allen seinen edlen Wirkungen mit einem Federzuge vernichtet hatte!“

Der Bayerische Volksfreund erschien vierseitig jeweils dienstags, donnerstags, freitags und sonnabends, die Redaktion befand sich in München, in der Burggasse 169. Das Logo mit den Händen auf der Titelseite wurde erstmals in Ausgabe 105 (1.7.1828) abgedruckt. Die vierseitige Ausgabe vom 20.12.1828 steht hier als pdf zum Download (ca. 5,8 MB) zur Verfügung.

1828 findet sich in der Ausgabe 159 vom 3.10. eine weitere kurze Referenz zu Ottobeuren: Im Abschnitt „Getraute Paare in München“ wird auf S. 680 „Max. Jos. Eigner, b. Schneidermeister, mit Maximiliana Riegg, Taglöhnerstochter von Ottobeuren“ erwähnt.

Die tatsächliche Wiedererrichtung des Klosters fand nach der Genehmigung durch Ludwig I. am 13.11.1835 statt, als erstmals neue Mönche in die Abtei einzogen.