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18.01.1913 - Einladung Josef Fickler von der unteren Mühle


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Die Karte sieht wie eine Verheißung auf eine gute Partie für eine Heirat aus. Josef Fickler hat am 18. Januar 1913 das „Wohlgeb.(orene) Frl. (Fräulein) Marie Fackler vom Mühlgut in Ettringen mit folgendem Text eingeladen:

Lade Sie hiermit ein, mit Bruder Adalbert einmal zu uns auf Besuch zu kommen u. begrüße Sie (und) auch werte Angehörige. Josef Fickler

Als Adresse schien die Foto-Ansichtskarte zu genügen, die ein stattliches Gebäude mit vier Erwachsenen und einem großen Hund zeigt. Auch wenn in Ottobeuren an sich nur ein Gebäude in Frage kommt, so wird man beim Anblick der unteren Mühle von Michael Hatzelmann zunächst stutzig, da der Giebel und die Fensterfluchten heute anders aussehen. Der Rätsels Lösung: ein Brand (aufgelistet hier auch weitere Brände bei den Anwesen der Ficklers):
Am 18.07.1914 vermelden die Akten einen Brand eines Ökonomiestadels bei Anton Fickler. Einen zweiten Brand - im Sägewerk (Ort?) - halten die Feuerwehrakten am 14.10.1919 fest. Am 09.11.1927 brannte die „untere Kunstmühle“ (bis auf den Wohnraum) ab. Kommandant Alfons Raith schrieb: „Die Kälte und das herrschende Schneegestöber sowie die hohe Schneelage machten das Löschgeschäft sowie Fahrt sehr schwer.“ Die Wehren von Ottobeuren, Guggenberg und Haitzen waren im Einsatz, ebenso die Wehr aus Memmingen mit einer Motorspritze. Die Mühle wurde noch im selben Jahr etwas verändert wieder aufgebaut. (Am 10.10.1932 wäre sie beinahe erneut abgebrannt!)
Sie war seit ca. 1876 im Besitz der Familie von Anton Fickler, der 1907/08 auch das ehemalige Klostergut in der Ottostraße 32 von der Brauereifamilie Geiger kaufte. Anton Fickler hatte mit seiner Frau drei Kinder: Josef und Johann sowie Kreszentia. Auf dem Bild vor der Mühle ist rechts Frau Fickler zu sehen, dann Anton Fickler und links vermutlich Kreszentia, die die Mühle schließlich erbte und Michael Hatzelmann sen. heiratete. Im Hintergrund steht ein Bediensteter.

Josef, der die Karte schrieb, starb am 22.12.1919 kinderlos an einer Lungenkrankheit, sein Bruder Johann ist der Großvater des heutigen Landwirts Alfons Fickler (Ottostraße/ Josefinenfeld), der dankenswerterweise das Familienbild zur Verfügung stellte. Es sitzten die Eheleute Alfons Fickler mit ihren drei Kindern, ganz rechts Josef.

Die Bildkarte stammt aus der Sammlung von Helmut Scharpf und wurde im Mai 2014 digital restauriert. Das Vergleichsbild der unteren Mühle in der Ulrichstr. 16 wurde am 18.05.2014 aufgenommen.
Die Zeitungsnotiz mit Glückwünschen zum Jahreswechsel von Anton Fickler, „Kunstmühle und Sägewerk“, stammt aus der Ausgabe Nr. 149 des Ottobeurer Wochenblatts vom 31.12.1908, S. 6.