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01.03.1816 - Aquarell mit Gedicht an die Freundschaft


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Die 500. Seite im virtuellen Museum soll ein besonderes Dokument zieren. Willibald Eberle schrieb und malte einen Freundschaftsbeweis, wie man sich ihn im Internet-Zeitalter nicht mehr recht vorstellen kann.

Das kleine Aquarell (Malfläche 7,5 x 13 cm) zeigt Eberle und seinen uns unbekannten Freund in bürgerlichem Gewand, hohen Stiefeln und mit breitkrempigen Hüten. Der Wegweiser ist links nach Ottobeuren gerichtet, rechts nach Memmingen. Eberle schreibt denn auch, sie seien durch „Berg und Wald“ getrennt. Das waren damals durchaus „zwei Stunden Wegs“! Bei der Darstellung beider Orte braucht man etwas Fantasie.

Das Blatt war vermutlich in einem Passepartout eingeklebt, die rückseitigen Klebestreifen sind noch vorhanden. Ein Teil des Briefes ist abgeschnitten, sodass wir den Hintergrund der Freundschaft oder die Identität des Empfängers nicht nachvollziehen können.
Die Aufschrift auf der Vorderseite wurde wahrscheinlich nachträglich mit Bleistift hinzugefügt und müsste da lauten:
„Auf der Rückseite Gedicht. Ottobeueren 1. März 1816.“

Nun zum Text der Rückseite:
Freund! Trennt uns nicht schon Berg und Wald,
So bleiben wir doch stets die Alten;
Denk dann an deinen Willibald,
Und laß die Freundschaft nicht erkalten. -
Ach! Nichts soll unsre Harmonie
Und unsren Freundschafts-Bund betrüben. -
Er bleibe fest - er wanke nie
So können wir Uns ewig lieben.
                    Zur Erinnerung
[Otto]beuren                     von Ihrem Tr.[euen]
1ten Merz 1816.                W. Eberle.
                                         gewidmet meinem Bru.()?

Sucht man im Internet nach alten Quellen zu Willibald Eberle, so finden sich Hinweise auf einen „Gemeindebevollmächtigten“ in Hopferau (Königlich Bayersches Intelligenz-Blatt für den Ober-Donau-Kreis 1831); am 8.10.1831 ist ein Willibald Eberle als „Schullehrer“ in Steppach genannt; in Kimratshofen wird ein Lehrer mit diesem Namen erwähnt (Königlich Bayersches Intelligenz-Blatt für den Ober-Donau-Kreis 1835) - hier besteht also noch „Forschungsbedarf“! Ende des 19. Jh. gab es in Ottobeuren einen Kupferschmied names Eberle sowie einen Benediktiner, der diesen Familiennamen trug - nur keinen Willibald ...

Vom Stil her erinnert das vorliegende Bild ein wenig an die politischen Karikaturen von 1847.

Das Aquarell aus der Sammlung von Helmut Scharpf wurde digital nachbearbeitet (04/2016).