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1914 - Einblick in die Ottobeurer Klosterschule: Die Jugenderinnerungen von Ludwig Aurbacher werden erstmals verlegt


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Wertvolle Einblicke in das Ottobeurer Klosterleben gewährt uns der gebürtige Türkheimer Ludwig Aurbacher (26.08.1784 - 25.05.1847), der - wie schon Franz Xaver Gabelsberger - kurz vor der Säkularisation nach Ottobeuren kam und mittels eines Freiplatzes das Lyceum besuchte.

Bekannt ist Aurbacher heute v.a. wegen seiner Version des humoristischen Schwankes von den „Sieben Schwaben“. Der Autor gewährt uns einen Blick hinter die Kulissen der bedeutenden Ottobeurer Klosterschule mit ihren 150 „Pensionären aus allen Teilen Schwabens und der Schweiz und selbst aus Frankreich und Italien“. Der Unterricht fand weitgehend in lateinischer Sprache statt. Am 18.10.1801 trat er als Novize ins hiesige Kloster ein, musste wegen der Säkularisation dann aber Ottobeuren verlassen. Abt Honorat Göhl - ein großer Förderer Aurbachers - war aufgrund der Säkularisation gezwungen, alle Novizen zu entlassen. Auch ein Lehrer des Lyceums war vormals vom Abt entlassen worden - nachdem eine Schrift des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock übersehen worden war und Aurbacher die Sinne verwirrt hatte.
Nach seiner anschließenden Zeit im Kloster Wiblingen hielt A. sich nochmals einige Jahre bei uns auf. Er hatte sich aus dem Wiblinger Klosterleben zurückgezogen, war gesundheitlich angeschlagen („zum Skelett abgemagert, wie über ein Gespenst“) und mittellos, traf dann aber in Ulm zufällig auf seinen ehemaligen Novizenmeister und späteren Ottobeurer Pfarrer Theodor Clarer (von 1805-20; geb. 15.07.1766 in Dorndorf bei Ulm, gest. 18.07.1820) und den Stiftskanzler von Weckenbecker; letzterer holte ihn zur Unterrichtung seines Sohnes von 1804 - 08 wieder nach Ottobeuren. Aurbacher schrieb - wohl auch aus Dankbarkeit (als „Schüler, Zögling und Freund“) - anonymn eine Denkschrift zu Ehren Clarers („Andenken an Theodor Clarer, Pfarrer in Ottobeuren“, München, 1820, 16 S., Digitalisat hier).
Literarisch fand Aurbachers Ottobeurer Zeit Niederschlag in seinen „Jugenderinnerungen“ (vom Geburtsjahr 1784 bis zum Ende 1808). DIe originale Handschrift liegt bei der Staatsbibliothek in München und ist online dort einsehbar. Erstmals in gedruckter Form veröffentlicht wurde der Text 1914 von der Görres-Gesellschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, christlich-katholische Literatur zu fördern. Sie besteht noch heute und hat uns dankenswerterweise die Genehmigung zum Nachdruck der ersten Vereinsschrift erteilt.
Der Scan ist textdurchsuchbar.

Allzu viele Quellen stehen für eine Abhandlung zu Aurbacher nicht zur Verfügung. Als Biograph sei vor allem sein Großneffe Joseph Sarreiter zu nennen, dem die Görres-Schrift von Wilhelm Kosch gewidmet ist. Sarreiter verfasste das Werk Ludwig Aurbacher: Ein Beitrag zur deutschen Literaturgeschichte, München, 1880, 66 S. (Link s. oben, pdf hier). Johann August Moriz Brühl (1819-77) schrieb 1854 die „Geschichte der katholischen Literatur Deutschlands vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart“ (Hübner, Leipzig, 815 S.), darunter ein Kapitel über Aurbacher (s. 495 - 501), einschließlich eines Werkverzeichnisses (Link, s. Digitalisat).
Die Jugenderinnerungen wurden später nochmals verlegt:

Maximilian Dietrich Verlag [Hrsg.]: Die Abenteuer der sieben Schwaben von Ludwig Aurbacher nebst seinen Jugenderinnerungen und anderen erbaulichen und ergötzlichen Historien. Ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Friedrich Seebaß, Maximilian Dietrich Verlag, Memmingen, 1962 (2. Auflage 1989, weitere Auflage vermutlich 2007), 158 S., ISBN-10 3871641243, ISBN-13 9783871641244
Allerdings wurde das handschriftliche Original hier deutlich geglättet, sprich: Am unmittelbarsten lassen sich seine Zeilen von der Türkheimer bis zur Ottobeurer Zeit im Druck der Görres-Gesellschaft nachlesen!

Eine inhaltliche Aufarbeitung steht noch aus, Sie können aber jetzt schon die pdf der Schrift aufrufen und lesen! Das Portrait stammt von der Wikipedia-Seite zu Aurbacher und ist gemeinfrei nutzbar.
Ein weiteres bedeutendes Werk von Aurbacher, die Geschichte des ewigen Juden, können Sie bei der „Herzogin Anna Amalia Bibliothek“ in Weimar als Digitalisat lesen; Link hier (S. 3 - 18).

Zu Theodor Clarer erschien zum 100. Todestag (der 20.07.1910) am 19.07.1910 im Ottobeurer Volksblatt Nr. 81 (S. 1f.) ein Nachruf.