Marktgemeinde Ottobeuren
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1940 - Bruder Michael malt den Blick vom Kloster Richtung Marktplatz und Fröhlins


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Dieses schöne Bild von Frater Michael Müller zeigt den Blick 1940 vom Klosterhügel aus über den Ratskeller Richtung Fröhlins. Rechts ist das sog. Beckeler-Haus zu sehen.

Das großformatige Bild ist im Besitz der Enkelin von Bürgermeister Adolf Fergg, Elsbeth Scheufele (geb. Fergg) aus Ulm, die es am 09.04.2015 zur Verfügung stellte. Die Szene hat unmittelbar mit der Familiengeschichte zu tun, denn den Ratskeller hatte Buchbinder Johann Fergg (1842 - 1914) schon um 1860 gekauft, später wurde daraus ein Weinlokal. (Allerdings schreibt ein Peter Raich, Wirthschaftsbesitzer zumalten Pfarrhof“, im Ottobeurer Wochenblatt Nr. 19 vom 09.05.1878 auf S. 2, dass ihm die Agentur für die „Mobiliar-Versicherungsgesellschaft Providentia“ übertragen worden sei. Eine Ausgabe später, in Nr. 20 vom 16.05.1878, kündigt Raich auf S. 2 an:
Nachdem mir, dem Unterzeichneten, die Concession zur Ausübung einer Schenkwirthschaft bewilligt wurde, zeige ich hiemit an, daß ich solche am Samstag, den 18. ds. Mts. in meinem neu restaurirten Hause zum „alten Pfarrhof in Ottobeuren“ eröffnen werde und am Sonntag den 19. Mai Blechmusik stattfindet. Für gute Speisen und vorzügliche Getränke in Wein, Caffee und Bier &c. beßtens Sorge tragend, lade ich hiemit ein verehrliches Publikum zum gefälligen Besuche freundlichst ein. Ottobeuren, den 15. Mai 1878. Peter Raich.)

Im Anbau war zeitweise die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank untergebracht, ein Lebensmittelgeschäft und - bis heute - ein Schreibwarengeschäft. Sohn Adolf Fergg (06.05.1877 - 02.12.1945) übernahm die Wirtschaft, von 1919 bis 1933 war er zudem Bürgermeister. Auch das gegenüber stehende Beckeler-Haus war als Geschäftshaus hinzugekauft worden. Beide Objekt blieben bis Anfang der 1960er Jahre im Familienbesitz, der Ratskeller ging an Max Graf IV.

Die Bäume an der Klostertreppe bildeten den parkähnlichen Fergg-Garten. An dieser Stelle stand von 1737 - 1857 der Alexanderbrunnen. Abt Rupert Neß hatte ihn errichten lassen, um den Kirchenpatron um Schutz für das große Bauvorhaben zu erbitten und hatte den Brunnen am 27.09.1737 - am Tag der Grundsteinlegung für die Basilika - eingeweiht. 1857 wurde er wegen des Neubaus der Kirchentreppe abgebrochen, gemeinsam mit dem Marienbrunnen, der in der Nähe des Rathauses stand. Das kleine Grundstück wurde verkauft und vermutlich im Zuge des Ankaufs des Ratskellers durch die Familie Fergg mit erworben.
Ca. 1956 wurde der Mini-Park von Adolfs Sohn Hanns Fergg (27.06.1908 in Ottobeuren - 25.12.2008 in Tübingen) der Gemeinde übertragen. Als Gegenleistung versprach Bürgermeister Josef Hasel, Adolf Fergg mit einer Straßenbenennung zu verewigen.

Bruder Michael Müller († 1963?) hat unzählige Bilder gemalt und war dafür bekannt. Im virtuellen Museum findet sich eine Zeichnung vom Ulrichs-Brünnele von 1931. Später verließ er das Kloster, lebte in Spanien (auf Teneriffa?) und betrieb eine Hühnerfarm. Das vorliegende Bild wurde 1940 gemalt. Von den Kriegsschrecken ist hier nichts zu spüren.