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11.11.1938 - Buch über die im 1. Weltkrieg als Soldaten beteiligten Theologen aus der Diözese Augsburg


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Auch im 1. Weltkrieg wurden Priester, Mönche und Theologen als Soldaten eingezogen, darunter 16 Angehörige des Ottobeurer Klosters. Ludwig Börst - über den keine biographischen Angaben auffindbar sind - verfasste 1938 einen Band über die Geistlichen der Diözese Augsburg im Kriegseinsatz, mit folgender Widmung:
Den zweiundneunzig gefallenen an ihren schweren Verwundungen verstorbenen Theologen der Diözese Augsburg, sowie den Kriegsopfern der Ordensgemeinschaften, die innerhalb der Bistumsgrenzen wirken, ehrfurchtsvoll gewidmet!

Über die Benediktinerabtei Ottobeuren heißt es auf S. 135 zusammenfassend:
Das Kloster stellte in der Zeit vom November 1914 bis September 1916 für das Vereinslazarett des Roten Kreuzes Räumlichkeiten, Gar­ten, 30 Betten und verschiedene Einrichtungsgegenstände zur Verfügung und besorgte die Kost. Die durchschnittliche Belegzahl belief sich auf 60 Mann. Es ergaben sich 42180 Verpflegungstage.

Von den Angehörigen des Klosters waren Kriegsteinehmer:
1 Pater, 3 Kleriker, 12 Brüder (Gesamtzahl: 16 Mann)
Davon erhielten 10 Auszeichnungen; befördert wurden 5.

Um den Hintergrund des Buches von Ludwig Börst besser zu verstehen, sei hier Thomas Forstner zitiert, der in seinem 2013 erschienenen Buch „Priester in Zeiten des Umbruchs: Identität und Lebenswelt des katholischen Pfarrklerus in Oberbayern 1918 bis 1945“ auf den Seiten 463f. schrieb:
Auch kollektiv sollte das Gedächtnis an das »Heldentum nie gekannter Größe und unerreichten Ausmaßes« während des Ersten Weltkrieges gepflegt werden. Eine besondere Intensivierung erfuhr diese katholische Erinnerungskultur während der NS-Zeit. Unmittelbar nach der Machtergreifung, im März 1933, beschloss der Klerusverband die Herausgabe eines Kriegergedächtnisbuchs, in welchem den Mitgliedern des bayerischen Welt- und Ordensklerus gedacht werden sollte, die während des Ersten Weltkriegs im Kriegs- oder Lazarettdienst tätig gewesen waren. Es erscheint evident, dass mit einem solchen Werk vor allem der antikatholischen NS-Propaganda entgegengewirkt werden sollte, welche Kleriker als romhörige Vaterlandsverräter darzustellen trachtete. Stattdessen betrieb man nun einen eigenen Heldenkult, in dem an nationalen und den Krieg bejahenden Tönen kein Mangel herrschte. Eine vergleichbare Stoßrichtung hatte auch der Ordinariatssitzungsbeschluss vom November 1937, für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Feldgeistlichen uns Theologiekandidaten in der Münchner Frauenkirche eine Gedenktafel zu errichten - eine bewusste Demonstration der vaterländischen Treue und Opfergesinnung des Klerus.
Im Verlauf des Jahres 1938 erschienen schließlich mehrere Bände eines noch umfassender angelegten Gedenkprojektes, die von Ludwig Börst herausgegebene Kriegsgeschichte der bayerischen Theologen. Auch diese beabsichtigte, des »Opfertodes der jungen priesterlichen Helden, die den Primizaltar mit dem Altar des Vaterlandes freudig und heldenmütig austauschten und so zu Blutzeugen der eigenen und der Vaterlandsliebe ihres ganzen Berufsstandes wurden« zu gedenken. Noch nachdem der Zweite Weltkrieg bereits ausgebrochen war, beschwor der im September 1939 zum Ersten Vorstand der Vereinigung der katholischen geistlichen Kriegsteilnehmer Bayerns gewählte Dachauer Stadtpfarrer Friedrich Pflanzelt das »heilige Erbe« der katholischen Kampfgemeinschaft. »Sein und bleiben wir Brüder im priesterlichen Korpsgeist und vaterländischem Pflichtbewusstsein.«
Das starke nationale Engagement eines nicht unbeträchtlichen Teils des bayerischen Klerus zeigte sich auch in dessem freiwilligen Engagement in den Freikorps und Einwohnerwehren nach 1918, auf welches bereits im Zusammenhang mit dem Phänomen der braunen Prieter hingewiesen wurde. Mindestens 41 Priester aus der Erzdiözese München und Freising waren aktiv in diese Organisation eingebunden und teilweise auch an den Kämpfen gegen die Räterepublik beteiligt, darunter namhafte Figuren wie (...) - Zitat Ende.

Das Buch ist sehr empfehlenswert, aber mit Preisen um die 100 € kaum erschwinglich. Literaturzitat:
Forstner Thomas: Priester in Zeiten des Umbruchs: Identität und Lebenswelt des katholischen Pfarrklerus in Oberbayern 1918 bis 1945, Vandenhoeck & Ruprecht, 20. November 2013, 603 S., ISBN 9783525550403
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Zu folgenden Ottobeurern erfahren wir im Buch Börsts Näheres:
Im Abschnitt über „Die gefallenen Theologen aus dem Weltklerus der Diözese“, S. 11 - 20 („Die opfern sollten Brot und Wein als Priester am Altar, brachten im Waffenrocke sich selbst als Opfer dar.“) wird als letzter - Nr. 92 - Gottfried Fischer genannt:
Fischer Gottfried aus Leupolz (Pfr. Ottobeuren). Geboren am 16. Dezember 1893. Im Kriege Soldat beim 1. bayer. Jägerbatl. (Deutsches Alpenkorps). Gestorben in einem Feldlazarett in Rumänien am 22. Dezember 1916.

Auf S. 69 - 78 sind „Divisions- bzw. Feld- und Lazarettgeiltliche“ aufgezählt, darunter auf S. 77 (unter Nr. 89):
Weber Joseph aus Ottobeuren. Geboren am 14. April 1891. Im Kriege vor der Priesterweihe 2 Monate Soldat beim 3. bayer. Landw.-Inf.-Regt. Nach der Priesterweihe Militärkrankenwärter im Res.-La­zarett München. Einmal schwer erkrankt und dann als dienstunbrauch­bar entlassen. Gesamtdienstzeit 7 Monate. Derzeit Benefiziat in
Augsburg.

Auf den Seiten 79 - 105 geht es um „Die ehem. Kriegsteilnehmer aus dem Weltklerus der Diözese“ darunter - unter Nr. 79 - auf S. 89:
Hebensperger Johann Nepomuk Dr. phil. aus Ottobeuren. Ge­boren am 1. Februar 1893. Im Kriege Krankenwärtergefreiter im Res.-Lazarett Augsburg A. Inhaber des König-Ludwig-Kreuzes. Gesamtdienstzeit 23 Monate. Derzeit Hochschulprofessor in Dillingen a. d. Donau.

Außerdem in dieser Rubrik der „Frontkämpfer und Soldaten“ - als Nr. 235 auf S. 105 der spätere Ottobeurer Ortspfarrer P. Maurus Zech:
Zech Josef (Pater Maurus) aus Ottobeuren. Geboren am 15. Ok­tober 1895. Im Kriege Vizewachtmeister beim 1. bayer. Feldartillerie-Regt. Inhaber des EK. 2. Kl., des bayer. Mil.-Verd.-Kreuzes, sowie des Verwundetenabzeichens. Einmal schwer verwundet (Lungensteck­schuß). Gesamtdienstzeit 47 Monate. Derzeit Pfarrvikar und Prior in Ottobeuren.

Literaturzitate
Börst Ludwig, Bischöfliches Ordinariat Augsburg (Hrsg.): Die Theologen der Diözese Augsburg im Weltkrieg 1914-1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Bistums Augsburg. Band 3 der Kriegsgeschichte der bayerischen Theologen, Augsburg, 11.11.1938, (Pilger-Druckerei GmbH Speyer am Rhein), 143 S.

Ludwig Börst veröffentlichte mind. drei weitere Bände über Theologen im 1. Weltkrieg:

Börst Ludwig: Die Pfälzer Theologen im Weltkrieg 1914-1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Bistums Speyer, Speyer am Rhein (Pilger-Verlag), 1937, 69 S.

Börst Ludwig: Die Theologen der Erzdiözese München und Freising im Weltkrieg 1914 - 1918: ein Beitrag zur Geschichte der Erzdiözese München und Freising, München, Verlag Huber, 1938, 155 S.

Börst Ludwig: Die Theologen der Erzdiözese Bamberg im Weltkrieg: 1914 - 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Erzbistums, Speyer am Rhein (Pilger-Verlag), 1939, 147 S.

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Der vorliegende Band stammt aus der Sammlung von Helmut Scharpf; Recherche und Abschriften 05/2016.