1949 – Klassenfoto der 6. Klasse der Knabenschule Ottobeuren

Titel

1949 – Klassenfoto der 6. Klasse der Knabenschule Ottobeuren

Beschreibung

Klassenlehrer Viktor Kopp steht mit 54 seiner Schüler vor der Knabenschule in Ottobeuren (heute: Haus des Gastes). Die sechste Klasse kam erstmals zu einem Klassenfoto zusammen, das manche der damaligen Schüler (Jahrgang 1937) noch heute aufbewahren. Beim monatlichen Jahrgangstreffen am 8. Juli 2026 konnten die meisten der damaligen Mitschüler bestimmt werden (s. ganz unten).

Schon die Einschulung fand in den besonders schwierigen letzten Kriegsjahren statt. Im September 1943 begannen die ABC-Schützen unter der Maria-Stern-Schwester Innocentia als Lehrerin (*23. August 1913 in Mooshausen; heute ein Ortsteil von Rot an der Rot, unweit von Memmingen/Ottobeuren als Mathilde Graf). Viele der männlichen Lehrkräfte waren im Krieg, deshalb wurden die Buben der Knabenschule von einer Ordensschwester unterrichtet. Nach schwerer Erkrankung wurde sie zur Pflege und Erholung nach Lautrach verlegt, wo das Kloster Maria Stern eine Filiale/Pflegestation unterhielt. Dort verstarb sie am 26. April 1944 im Alter von nur 30 Jahren.

Mehrfach musste der Unterricht wegen Fliegeralarmen unterbrochen werden oder konnte gar nicht stattfinden. Die Personalsituation blieb auch nach Kriegsende schwierig: Nachdem viele Lehrer aufgrund ihrer Parteimitgliedschaft in der NSDAP zeitweise einem Berufsverbot unterlagen, mussten wiederum Aushilfskräfte oder Geistliche aushelfen.
Nach dem Ausfall von Schwester Innocentia in der 2. Klasse übernahm Pater Karl Vater („hervorragender Religionslehrer, aber leider kein Schullehrer“); für den Religionsunterricht hat er u.a. die Schumacher-Bilder verwendet, die auch 2026 noch in einem Schrank im Keller des Pfarrheimes lagern.
In der 3. Klasse (Schuljahr 1945/46) fiel der Unterricht längere Zeit aus. In der 4. und 5. Klasse wurde der Jahrgang 1937 von Schwester Eunomia (auch im Ämtergebäude, später in der Brieftaube) unterrichtet; wobei noch heute keine guten Erinnerungen aufkommen („wie beim Barras“).
In der 6. Klasse unterrichtete Pater Isidor (er stammte aus Westerheim), auch Pater Leo Lotter (Geburtsname Konrad Lotter; kam von St. Ottilien, er sorgte später für Zeitungsschlagzeilen und wurde nach Lachen und Hawangen versetzt). Im Abschlussjahr (8. Klasse) war Karl Schnieringer Klassenlehrer.
Auf dem Klassenfoto fällt auf, dass die meisten Buben keine Schuhe tragen. Im Sommerhalbjahr war es normal, barfuß in die Schule zu gehen. Man hatte zwar Schuhe, die „sollten jedoch fürs Winterhalbjahr geschont werden“. Wenn es auf dem Schulweg zu kalt war, dann wärmte man sich schon mal in warmen Kuhfladen, erzählte Hermann Petrich (aus Eldern, heute in Lindenberg), der das Foto in einem seiner Alben aufbewahrt und auch viele weitere Themen parat hat.

Durch die Chronik vom Untergang des „Großdeutschen 3. Reichs“ von Karl Schnieringer gewinnen wir vertiefte Einblicke in die Situation der Schüler und Lehrer der Zeit. Hier einige Auszüge:

Im Eintrag am Samstag, den 16. Dezember 1944, schreibt der Lehrer Karl Schnieringer: „Mein Schulrat sagt, dass mit dem Schulunterricht nach dem 15. Januar wahrscheinlich nicht begonnen werden könne. Es würden den Schulen die Kohlen beschlagnahmt.“

Am 27. Januar 1945 schreibt Schnieringer: „Wiederaufnahme des Unterrichts in Volksschulen ist bis 1. April verschoben worden – Kohlenmangel. Der Kohlenhändler sagt, man brauche nicht mehr nachzufragen. Züge!! Geflüchtete Oberschlesier erzählen, dass auf der Flucht viele Kinder erfroren und gestorben seien. Man habe sie aus den Zugfenstern werfen müssen – bekanntlich hat der Viehwagen, in denen die Frauen waren, keine oder vergitterte Fenster.“
Oder: „Morgen [19.02.1945] beginnt der Unterricht an der Volksschule im Kreis Memmingen. Meine Buben müssen im ungeheizten Raume sitzen.“

26.02.1945: „Die hiesige Mädchenschule soll demnächst als Lazarett eingerichtet werden. In Memmingen sind bereits alle Schulen mit Verwundeten belegt. Ich halte tgl. nur 2 Std. Schulappell – die ungeheizten Schulräume sind zu kalt und ungesund!“

11.03.1945: „Nun soll auch unsere Knabenschule Lazarett werden. Gestern waren der hiesige HJ-Standortführer und die BdM-Führerin bei mir, weil ich der HJ die Schulsaalbenützung ohne Erlaubnis untersagte und er das Kreuz immer abnahm. Es gab eine ernste Aussprache, die der junge HJ-Bursche nach dem Kriege mit mir bereinigen wolle.“

12.03.1945: „Morgen wird die Mädchenschule zum Lazarett.“

03.04.1945: „Heute wurde die hiesige Knabenschule geräumt. Bereits am Abend sollen 100 Mann kommen – Stroh ist aufgeschüttet worden. Arme Verwundete! Die Mädchenschule ist als Hilfskrankenhaus vorgesehen. Bis zur Verwirklichung gehen auch meine Buben dorthin zum Unterricht.“

05.04.1945: „Die umliegenden Dörfer sind mit Evakuierten vollgestopft – täglich kommen neue dazu. Nun hat man uns auch die Mädchenschule weggenommen. Wir müssen in Wirtshaussälen Unterricht geben.“

Für die Lehrkräfte war die Zeit genauso schwierig wie für die Schüler. Schnieringer Mitte Juni 45: „Seit Kriegsende gab es keine Gehaltszahlung mehr und die Kasse ist gesperrt. Es wird gesagt: Parteizugehörigkeit vor 1933 bedeutet automatischen Ausschluss aus dem Schuldienst und Amt. 1937 und 1938 hat die Partei ihre meisten Mitglieder unter Druck aufgenommen, weil sie Geld brauchten, Geld und immer wieder Geld. Es ist eine undankbare Aufgabe, Beamter oder Lehrer zu sein. Man wird vereidigt auf den Staat und hat jeder Regierung die Treue zu bewahren. Bei jedem Wechsel soll man die Gesinnung wechseln und will man nicht, sitzt man auf der Straße. Das ist noch nie dagewesen, dass eine ausländische Macht die meisten Beamten und Lehrer entlässt und jeden nächstbesten Unbekannten ungeprüft auf den freien Posten setzt.“

Auch für die Drittklässler (Schuljahr 1945/46) des Jahrgangs 1937 wurde die Beschlagnahme der eigentlichen Schulräume ein Problem, Unterricht fand im Ämtergebäude statt sowie in der „Brieftaube“ (Ludwigstraße); das eigentliche Schulgebäude am Marktplatz war von den Amerikanern in Beschlag genommen worden. Selbst nach Kriegsende wurde es nicht besser. Schnieringer schreibt am 3. Juni 1945: „Unser Knabenschulhaus ist voller Amerikaner. In das Mädchenschulhaus soll eine russische Schule mit 10 - 12 Kindern kommen mit zwei russischen Lehrerinnen. Wollen sie ganz hier bleiben?“

15.07.1945: „Auch unser Bezirksschulrat Brenner ist ebenfalls weggeführt und sei in einem Lager gestorben. Die Amerikaner stellten als neuen Schulrat einen pensionierten Lehrer aus Illerbeuren, der im Dritten Reich verhaftet war, an. Wäre mein Fragebogen reiner gewesen, hätte es mich erwischt. Die Offiziere fragten zuerst im Kloster, das mich vorgeschlagen hatte. Vom Schulamt erhielt ich den Auftrag, in Ollarzried die Schulbücherei zu säubern und die Schuleinschreibung vorzunehmen – ohne Amt, ohne Bezahlung – seit April noch kein Gehalt. Schulbeginn voraussichtlich am 1. Oktober, jedoch nur für die ersten vier Schülerjahrgänge.“

17.07.1945: „Schuleinschreibung in Ollarzried – 23 ABC-Schützen; Mehrzahl evakuierte Kinder. Gesamtzahl 114 Kinder, fast doppelt soviel wie früher. Kein Haus ohne Flüchtlingsfamilie. Nun ist es soweit – ich bin mit tausend anderen Lehrern aus dem Schuldienst entlassen worden. Allerdings auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung – unser alter Schulrat Jehle musste den Kollegen das Entlassungsschreiben zustellen. Das hat ihn sehr bedrückt – aber er musste ja! Ich stelle mich vorerst um und versuche mit Schnitzen meine Familie zu ernähren, falls sie mir auch noch die Ersparnisse wegnehmen sollten. Mein Konto ist immer noch gesperrt. Von der Einspruchsmöglichkeit mach ich vorerst keinen Gebrauch.“

07.08.1945: „Mit der Frau Oberin der Mädchenschule besichtigte ich die Kasernenräume. Weil unser Knabenschulhaus von Amerikanern belegt ist, kommen die Knabenklassen in die Kaserne. Die Räume sind noch verwanzt.“

12.08.1945: „Habe ausreichend Beschäftigung und bin nebenbei auch Organist. Die Schule soll am 17. September beginnen. Ob ich dabei sein werde? Es hat sich jetzt nach vier Monaten wenigstens die Regierungskasse gemeldet, wegen der rückständigen Gehaltszahlungen. Immer langsam voran!“

31.08.1945: „Die Schule soll am 1. Oktober beginnen – aber es gibt keine Bücher! Arm und Reich, Groß und Klein schleppt Tannenzapfen heim!“

02.12.1945: „An vielen Orten halten jetzt Ostpreußen, Ausländer, halbe Tschechen und Polen und Mittelschullehrer oder Unstudierte Unterricht in der Volksschule. Würde man auf gleiche Weise die Apotheker ersetzen, würden die Totengräber überlastet sein. Dann erst merkten die Herrn ihren weisen Entschluss, jeder kann das tun, was der Fachmann mühsam in Jahren lernen musste.“

Mai 1946: „In jedem Landkreis werden Spruchkammern errichtet. Darin sitzen Männer mit angeblich „schneeweißer Weste“ od. laut Gesetz Nichtbetroffene. Vorsitzender ist ein Dr. Lauter. Überall im Lande haben sie ihre Zuträger und Vertrauensmänner. Diese, die Spruchkammer und die Militärregierung entscheiden über den Pg. [Parteigenossen]. Ich ging als einer der ersten durch diese Mühle, weil mich Ottobeuren wieder in der Schule haben wollte. Schon zweimal kam ein Beauftragter der Kammer oder der Ammis zu mir, scheinbar nur um sich zu unterhalten – auszuhorchen. Vermutlich kontrollierte einer die Aussagen des anderen. Einmal kam ein Kommunist. Er legte beide Beine auf den Tisch, nach Ammiart. Als ich am Sonntag mit meinen Kindern im Ottobeurer Krankenhaus meine Frau besuchte, stöberte mich dort ein Spruchkammermann auf – er müsse dringend mit mir sprechen und ich sollte mit ihm in die Wohnung fahren. Dort sprach er mein Gesuch durch, erkundigte sich über meine herausgegebenen Schriften, legte einen Zettel so auf den Tisch, dass ich alle seine Vertrauensleute aus Ottobeuren weglesen konnte. Ich war sehr überrascht an ihm und an den Namen. Ich war zunächst besorgt, ob er mich bei der Rückfahrt zum Krankenhaus wirklich aussteigen lassen wird oder ob er event. eine Entführung im Schilde führt. Man war ja so misstrauisch gemacht worden. Mutter war sehr froh, als ich wieder bei ihr war.“

Juli 1946: „Aus Polen und aus der Tschechei kommen jetzt die Heimatvertriebenen zu Hunderttausenden. Was sie am Leibe tragen können, ist ihre ganze Habe. So verjagt man die Familien von Haus und Hof und Heimat.“

Dezember 1946: „Am 10. Dez. war ich ins Landratsamt vorgeladen, um dort meinen Vertrag als Angestellter – einen Schandvertrag – zu unterschreiben. Ich hab mich lange besonnen und mir vom Beamten den Gehalt vorrechnen lassen. Ich unterschrieb meinen Kindern zuliebe. Nach 20 Dienstjahren eine aushilfsweise Anstellung gegen 14-tägige Kündigung. Was soll ich mit meiner Urkunde auf Lebenszeit? Hält nun auch der Staat sein Wort nicht mehr? Man müsste, falls sich das nicht ändert, mit Vater Staat einen Prozess beginnen.“

Über den Beginn des Jahres 1947 schreibt er: Die Menschen in Deutschland hungern und frieren mehr als während des Krieges und es soll noch schlimmer kommen. Die Schulen sind wegen Mangel an Kohlen und Lehrkräften geschlossen. Und Lehrkräfte gibt es! direkt von der Straße geholt – Lehrer, die schlechter rechnen als die Schüler der Oberstufe, die keinen deutschen Satz einwandfrei sprechen können, noch weniger wissen, was ein Satzgegenstand ist. (...) Nach 3 Wochen Kohlenferien beginnt am 17.2. wieder der Unterricht. Hier kann ein sudetendeutscher Flüchtlingslehrer beginnen [gemeint sein dürfte Viktor Kopp]. Die ehemalige Lehrerwohnung wurde zu Schulsälen umgebaut. Wir haben keine Lehr- und Lernmittel. Samt Schülerbogen wurde von den Einquartierten alles verheizt oder verhandelt. Selbst mein schönes Ottobeurer Reichshofmodell aus Holz wurde als Hackstock verwendet, die alten Häuschen darauf dienten als Kinderspielzeug. Arbeite am heimatkundlichen Lesebuch für den Landkreis Memmingen. (...) Der Schulunterricht beginnt erst morgen [10.3.1947]! 4 Wochen Ausfall! Wir haben Klassen mit über 100 Schülern. Mein Jahrgang 7/8 hat 84 Schüler. Schulsitzungen wegen Saalmangel und Schulhausneubau! Vorsitzer des Schulausschusses ist Bäckermeister Johann Steck von der CSU-Partei. Schulleiter ist Frl. Breitsammer Anna; sie ist zugezogen, wurde bald Seminarleiterin der Junglehrer im Landkreis. Die kommissarische Schulleitung wurde mir übertragen. (...)
Bürgermeister war Glasermeister Alexander Wegmann. Um Geld zu neuen Lehrmitteln hereinzubekommen, beschloss die Lehrerschaft bei einer der monatlichen Konferenzen und kameradschaftlichen Zusammenkünfte ein Kinderfest und Rollerrennen abzuhalten. Aus der 8-klassigen Knabenschule wurde eine 10-klassige. Schülerzahl über 800. Geschichtsunterricht zu erteilen war verboten. Nur Vorgeschichte. Weil die vielen fremden Lehrkräfte weder Bücher noch Kenntnisse darüber besaßen, musste ich im Auftrag Jehles (Schulrat) in Ottobeuren, Grönenbach, Memmingen u. Legau bei den Gruppenkonferenzen Vorträge darüber halten. Ich gab jedem das Büchle: „Vorgeschichte im schwäbischen Raum“ und dazu als Heimatkunde das Lehrerheft: „Der Landkreis“. Später gab ich die Hefte: „Heimatkunde im 3. + Heimatkunde im 4. Schuljahr“ heraus, die besonders im Landkreis Kaufbeuren eifrig bezogen wurden. Nebenbei erschienen auch 30 Nummern Heimatbriefe für die Lehrerschaft. Siehe literarische Arbeiten! Am 8.3. erhielt ich die schulamtliche Nachricht von meiner Wiederverwendung als Beamter. Am 21.3. war im Kapitelsaal des Klosters Benediktusfeier – ganze Lehrerschaft war eingeladen.

Die Schulleitung hatte ich inne bis 1953. Schulrat Fischer wollte mich damals zum Rektor machen. Die Ernennung vom Ministerium und der Regierung war bereits ausgegeben. Da kam die Regierung erst darauf, dass während des Krieges Otto Wiedemann, damals im Norwegeneinsatz zum Schulleiter an d. Knabenschule Ottobeuren ernannt worden war. Als er vor kurzem wieder in den Schuldienst kam, hätte er die Leitung übernehmen müssen. Nachdem er selbst nichts sagte, musste ich 1 Jahr länger an seiner Statt die Arbeit leisten. Ich musste nach solchem Regierungsversehen meine Beförderung zum Rektor wieder zurückerstatten. Als Ersatz wollte man mir mehrere gute Schulleiterposten anbieten. Unter der Lehrerschaft war ein ausgezeichnetes Verhältnis. Jeden Monat trafen wir uns kameradschaftlich mit Essen oder Kaffee; jeden Samstag die letzte Schulstunde Konferenz mit Kurzvortrag über Methodik u. Erfahrungen. Es ging demokratisch zu. Lehrkräfte waren außer mir: Viktor Kopp (Flüchtling) + Otto Wiedeman + Prinz + Inge Trapp (verh. Schickling) + Martha Huber + Breitsammer + Neudert (Flüchtling) – später nach Wechsel wieder Karl Schurrer (nach heftigen Protesten seitens der Elternvertreter). Als einmal Alois Hundhammer als Kultusminister in Ottobeuren war und zur CSU sprach, legte ich ihm von allen Lehrkräften unterschriebenes Gesuch um baldige Wiedereinstellung des Kollegen Wiedemann vor. Er steckte es in die Tasche und ließ nichts von sich hören – nie; er ließ sich auch die Lehrerschaft nicht vorstellen – der Herr Kultusminister, von dem es ironisch heißt: „An Hund hammer“. Nach der Übergabe der Schulleitung an Wiedemann hatte ich es leichter, er aber schwerer. Der geplante und in Elternversammlungen vergetriebene [vorangebtriebe?] und vorbereitete Schulhausneubau wurde allerdings total verschwiegen. (...) Ich hatte mich in 18 Jahren mit den Ottobeurern und vor allem mit der Jugend gut verstanden. Bereits 1954 sagte mir meine Hausfrau Wiesheu, die Inhaberin des Hauses 223 1/3 am Grottenweg, dass sie nun bald in ihr eigenes Haus einziehen wolle und ich müsse mich umsehen. 1955 war es soweit. Eine passende Wohnung fanden wir in Ottobeuren nicht – jedoch in Grönenbach. Ich gab also um Versetzung an die katholische Volksschule in Grönenbach ein. Mein Abschied war vielen Ottobeurern nicht recht, sie suchten mich zu halten, auch das Kloster. Kleiner Abschied im „Café Hasel“ bei der Lehrerschaft – großer Abschied bei den Buben. Als Abschiedsgeschenk gaben sie mir einen Gartenstuhl und zwei Alben Mozartsonaten. Die Klosterbuben fuhren beim Umzug mit nach Grönenbach und halfen das Holz in den Keller schichten. – [Sohn] Karli besuchte die Oberschule in Memmingen, [Tochter] Irmgard die Mädchenmittelschule Klosterwald bei Ottobeuren.“

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Durch den von Schnieringer erwähnten Zustrom von Geflüchteten / Vertriebenen und Ausgebombten war das Schuljahr 1946/47 besonders schwierig: Im Klassenzimmer drängten sich 84 Schüler! Auf dem Klassenfoto aus der 6. Klasse (in 1949) waren es etliche weniger, abgebildet sind immerhin noch 54 Schüler, darunter einige „Klostermeggel“. Bei manchen Namen mag die Schreibweise von der tatsächlichen abweichen.

Beschriftung Klassenfoto 1949

1 Werner Flehschütz (Bankangestellter, †)
2 Alexander Haggenmiller (war in Kempten Polizist, stammt aus Traunstein; Vater war Zigarrenhändler in Ottobeuren)
3 Bernd Schneiderhorst (unbekannter Verbleib)
4 Viktor Kopp (Lehrer, war Flüchtling, † 18. Mai 2007; Vater von Volker Kopp)
5 Horst Krause (Hillschaid im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz; war Schreiner)
6 Karl-Heinz Goldgrebe (Klostermeggel, †, begraben in Lahr im Schwarzwald)
7 Walter Fischer (ev. aus München, hat Germanistik studiert, war Lehrer an einem Gymnasium in München)
8 [Vorname] Schlussni (war bei AOK in Türkheim, Herkunft unbekannt)
9 Manfred Werner
10 Arkadius Gaierhos (gebürtig in Böhen, er wanderte nach Tenterfield in Australien aus, betrieb dort eine Rinderfarm und war an der Gründung der Städtepartnerschaft mit der Verwaltungsgemeinschaft Ottobeuren beteiligt am 5.10.2002.)
11 [Vorname] Jndra (jetzt in Hamburg, nach der Schule Bahnbeamter, betrieb / betreibt mit seiner Frau ein Pflegeheim)
12 Georg Jeckle (geboren in Wolferts, nach Bad Grönenbach geheiratet, lebt jetzt in Wolfertschwenden)
13 Adolf Gastl (Schrotthändler in Memmingen, †)
14 ?
15 Ludwig Schindele (Landwirt in Waal, †)
16 Tauschek Georg (zog 55 aus Ottobeuren weg, lebt seit 59 München; beim Treffen am 9.7.26 anwesend)
17 Albert Schwank (Eldern, anwesend)
18 ?
19 Georg Steidele (wurde Zollbeamter beim Hauptzollamt in München, †)
20 Erwin Wölfle (wohnt in Ottobeuren nähe Friedhof, war Kraftfahrer beim Baugeschäft Mayer)
21 Eberhard Krebst (gebürtiger Ottobeurer, † 7. September 2024)
22 ?
23 Anton Leonhard
24 Georg Rothermel (war wohl in der Oberen Straße, † 3. Juli 2017)
25 Karl Merk (zog nach Memmingen, verst.)
26 Bernhard Mayer [Schreibweise nicht gesichert; hatte in der Klasse einen Namensvetter; s. Nr. 42] (Ottobeuren, arbeitete in München, †)
27 unbekannt, war Klostermeggel
28 unbekannt
29 Hermann Petrich (war beim Bundesgrenzschutz; lebte zunächst in Oberschleißheim, seit 40 Jahren in Lindenberg wohnhaft)
30 unbekannt
31 ?
32 Robert Prachtl (†)
33 Heinrich Krause (war Flüchtling, Bruder vom Kaufbeurer Oberbürgermeister Rudolf Krause [Amtszeit 1970 - 1992]; er lebte in Hirschzell)
34 Hans Bart (aus Köln, nächster Verwandter von HW Mayer)
35 Hans-Georg Köhler (†)
36 Hermann Keidler (von Illertissen)
37 Winfried Frei (ausgewandert in der Schweiz, †)
38 Nido Stadek [ev. lautet der Nachname „Niedostadek“] (Augsburg)
39 Axel Frei
40 Herbert Jöchle (Donauwörth, ausgewandert nach Calgary, Kanada, schon lange verstorben)
41 Hans Bittel (†)
42 Bernhard Mayer (Bergstr.)
43 Wolfgang Feh (war Klostermeggel, unbekannter Werdegang)
44 Reinhold Demmeler
45 Franz Schneider (†; seine Frau stammte von der Schreinerei Riegg, hat in Schwaighausen Mechaniker gelernt, war Kfz-Meister bei Mercedes Baumann / Memmingen im Lkw-Sektor)
46 Michael Wild (Klostermeggel aus Nürnberg, †, Spruch von Lehrer Schnieringer: „Wild, du schreibst wirklich wild!“)
47 Hans Hölzle (Eisengießer; hat bei der Fa. Martin in Ottobeuren gelernt)
48 Siegfried Satzger (jung verstorben)
49 Ernst Hofbauer (stammte aus Schellenberg; kleine Landwirtschaft; war Sattler beim Petrich in der Ludwigstraße; †)
50 Adolf Gast (war Schreiner beim Kugelmann, war zuletzt in Ludwigsburg, †)
51 Erwin (?) Lenzmaier / Lenzmayer, lebt noch, ev. Stein am Rhein / Schweiz)
52 Maier Hans (war Maurer, lebt noch)
53 Willy Etz (war Klostermeggel in war aus Barbing bei Regensburg)
54 Günther Bühler (Schwabmünchen)
55 unbekannt

Repros, Recherche und Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 07/2026

Urheber

unbekannt

Quelle

Hermann Petrich

Verleger

Helmut Scharpf

Datum

1949-07-12

Rechte

gemeinfrei