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28.02.1942 - Musterung des Jahrgangs 1924


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Als wäre es ein Junggesellenabschied, steht auf einem Plakat Soldatenleben heißt ja lustig sein, an den Revers sind kleine Blumenkranzgebinde angebracht. 18 meist fröhliche Gesichter, ein Akkordeon und zwei Trommeln sind zu sehen. Aber dann steht auf einem zweiten Transparent auch: „Unser Kampfziel: New York, USA“

Man feierte - nach der Rückkehr aus Memmingen - die Musterung. Nach der Ankunft am Bahnhof nahm sich die Gruppe die Transparente und lief damit durch die stark verschneite Bahnhofstraße zum Lokal. Datiert ist die Aufnahme mit 28.02.1942. Die jungen Männer waren alle in derselben Schulklasse.
Ende des Jahres - nach dem Kessel von Stalingrad im November - hätten die 18 Gesichter vielleicht schon nicht mehr so fröhlich ausgesehen, aber noch war man auf allen Fronten auf dem Vormarsch. Der dritte in der ersten Viererreihe, die sich von links unten nach links oben hinzieht, ist Hermann Köbele jun. Er blickt nach rechts in die Runde. Er sollte am 26.03.1945 an der Oder fallen (s. vorletzte Ausgabe des „Allgäuer Beobachters" vom 17.04.1945), 15 Tage nach seinem Vater, der am 11.03.1945 in Ungarn ums Leben kam.

Georg Mathies (*06.07.1924, Ottobeuren, † 21.01.2016, St. Gallen) hatte am Vortag seine Gesellenprüfung (Glaserei Wegmann) bei Innungsmeister Berger in Kempten absolviert und musste nach Stellbefehl und Musterung erst einmal zum Arbeitsdienst, der ihn bis nach Russland führte und die ihm eine Typhuserkrankung bescherte. Eigentlich hatte ihm sein Arzt nach einem halben Jahr im Krankenhaus Ottobeuren gesagt, der Krieg sei für ihn vorüber. Aber dann musste auch er 1943 doch noch einrücken und wurde Funker. Er ist derjenige, dem das Schild „Jahrgang 1924" in den Hals ragt. Herr Mathies wanderte in die Schweiz aus und wohnte von 1950 bis zu seinem Tod in St. Gallen.

Links neben dem Akkordeonspieler - Benedikt Heckner - sitzt Otto Steiner (Link hier zu seiner Kunst und hier zu einem besonderen Schabernack), sein Geburtsdatum (29.02.1924 bzw. 01.03.1924) muss nochmals überprüft werden (ev. wegen Schaltjahr unterschiedliche Angaben); über dem Akkordeonspieler ist Georg Link zu sehen.
Links neben Heckner sitzt Max Bechteler, der in Ungarn fiel. Er hatte in der Metzgerei von Hans Maier (Alexanderstraße) gearbeitet. Und wiederum links von ihm - ganz außen mit der anderen Trommel - sitzt Engelbert Fickler (22.08.1924 - 03.11.1975). Seine Mutter betrieb den Ochsen; er verlor im Krieg ein Bein.

Auf dem Bild sind lt. Beschriftung zu sehen (Reihenfolge teils unklar):
(Gehr)ing, Hermann Kohler (Auto, Tankstelle), Alfred Hauff (Bank), Georg Link, Georg Heiß (Landwirtschaft, wo heute Lebenszentrum steht, damals Ritter-von-Epp-Straße 205), Knauer, Weiß (Ludwigstraße), (?)er, Josef Heiler od. Hailer (mit Trommel, wohnte hinterm Hirsch, Vater arbeitete in der Brauerei), Kutter „Bi“ (Vater war im oberen Markt Wagner), Fleschutz (ganz unten rechts, oberer Markt). Zwei Namen fehlen noch.

Das Bild von dem Zug durch die Bahnhofstraße stellte Georg Link (*11.10.1924) zur Verfügung. Im Gespräch am 16.11.2014 erinnerte er sich daran, dass man anschließend im Gasthaus Ochsen feierte. Link arbeitete unmittelbar nach dem Krieg für die Amerikaner und wartete dabei ihre 10-15 Jeeps und einige Lkw (wo heute die Feuerwehr steht). 1950 gründete er sein Transportunternehmen in der Egerländerstraße.

Einen schlimmen Tod starb der Junge, der rechts oberhalb von Köbele steht. Er hatte beim Schmied Seefelder gearbeitet. Bei der Arbeit mit dem autogenen Schweißgerät stolperte er und verbrannte sich den Bauch, woran er starb.

Wie man sich eine Musterung tatsächlich vorstellen muss, vermittelt das (teilrestaurierte) Bild aus dem Jahre 1941.

Wolfgang Köbele - Bruder von Hermann jun. - stellte uns das Foto dankenswerterweise als Scan (11/2014) zur Verfügung.

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