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1975  Festschrift „125 Jahre Filgis“


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Filgis sen., Georg (Hrsg.): 125 Jahre Filgis. 1850-1975., 1975, 8 S.

Die Fülle der Bauten ist lang. Umso wichtiger ist es, dass in der Festschrift auf viele davon eingegangen wird. Eine Baufirma war und ist immer auch ganz nahe bei der Ortsentwicklung dabei. Bis zum Ende der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts darf man eine Baufirma - oder Baugeschäft - von der Größe her freilich nicht mit heutigen Maßstäben messen. Madlener, Mayer, Filgis - alle hatten eine Handvoll Mitarbeiter, Großbauten waren rar und im landwirtschaftlichen Sektor legten die Bauern selbst Hand an oder halfen durch Hand- und Spanndienste mit, z.B. beim Abriss und Neubau des Brauereigasthofes und Hotels Goldener Hirsch 1933.

Einige frühe Bilder der Firma kommen noch hinzu. Diese und auch die Festschrift wurden dankenswerterweise von Georg Filgis jun. zur Verfügung gestellt. Das Titelbild zeigt den 1972 entstandenen Neubau in der Bahnhofstraße in Ottobeuren. Vom Übergang Madlener-Filgis sind keine Unterlagen mehr erhalten. Im Ottobeurer Wochenblatt Nr. 23 vom 06.06.1878 ist auf S. 2 von der „tieftrauernden Gattin Rosina Madlener“ eine Danksagung für den Maurermeister Ambros Madlener abgedruckt. Im Ottobeurer Volksblatt vom 05.12.1911 auf S. 2 im Kirchenanzeiger für 7.-10.12.1911 wird eine Verlobung angekündigt: Eheversprechen: Herr Ludwig Habersack, Hauptlehrerssohn von Icking, gräflicher Gutsverwalter in Winhöring bei Neuötting und Frl. Walburga Madlener, Maurermeisterstochter von hier.

Die pdf-Datei der Festschrift ist textdurchsuchbar. Hier der Text direkt:

125 Jahre Bauunternehmung Filgis. Ein langer Weg vom „Zementer“ bis zur 200-Mann-Firma

ln diesen Tagen feiert das Bauunternehmen Gebrüder Filgis das einhundertfünfundzwanzigjährige Bestehen. Chef des Hauses, das heute aus zwei stattlichen Betrieben in Ottobeuren und Altusried besteht und rund 200 Menschen beschäftigt, ist Georg Filgis (Jahrgang 1908), der 1929 die Augsburger Bauschule als damals jüngster Architekt und Bauingenieur absolvierte.

Gründer des Unternehmens waren im Jahre 1850 der Zimmermeister Josef Filgis und sein erst 23-jähriger Sohn Franz Anton, der das Maurerhandwerk erlernt hatte. Franz Anton erwarb 1863 das Haus in der jetzigen Bahnhofstraße, auf dessen Grund neuerdings ein ansehnlicher Neubau­komplex mit Büros, Wohnungen und Werkräumen steht. Ein Filgis war es auch, der wenig später als erster im Otto­beurer Raum den neuen Baustoff Zement verarbeitete, so sprach man bald, wenn man den Maurermeister Theodor Filgis meinte, ganz einfach vom „Zementer“. Sein berufliches Geschick ermöglichte ihm einen verhältnismäßig schnellen Ausbau seines Geschäftes und bald war er bis Wörishofen und Türkheim als Zementfachmann bekannt und ange­sehen. Seine Söhne Xaver und Theodor konnten nach 1907 den Betrieb wesentlich vergrößern. Sie bauten bereits Schul-, Geschäfts- und Wohnhäuser, Kraftwerkanlagen und Kapellen.

1912 kaufte Theodor Filgis das Baugeschäft Madlener in Ottobeuren auf und machte sich selbständig.

Nach dem ersten Weltkrieg mußten beide Brüder von neuem anfangen. Der Existenzkampf war schwer, die Konkurrenz am Bau groß.

1937 legten die beiden Brüder ihre Unternehmen zur Firma Gebrüder Filgis & Co. zusammen; der damalige „Co.“ ist der heutige Chef Georg Fllgis, der Sohn von Theodor Filgis. Die Fusion gab dem Unternehmen zusammen mit einer allge­mein großen Bautätigkeit gewaltigen Auftrieb. Die Beteiligung am Bau des Flugplatzes Memmingerberg belebte das Geschäft außerordentlich. Der zweite Weltkrieg brachte das Unternehmen wieder fast bis an den Rand des Nichts, obwohl Xaver und Theodor Filgis ihre ganze Kraft einge­setzt hatten. Daß der Wiederaufbau nach 1945 Erfolg hatte, verdankten beide Theo Filgis, Sohn Rupert und dessen Schwager lng. Rudolf Eimer.

Als 1950 Georg Filgis aus russischer Gefangenschaft heim­kehrte, begann der steile Aufstieg des Unternehmens zur heutigen Größe.

1958 übernahm die Fa. Filgis pachtweise die Baufirma Fridolin Daiser in Altusried mit damals 17 Mann. Unter der Filialgeschäftsführung von lng. Hans Schopf platzte die Filiale bald aus den Nähten. Filgis baute Bauhof und Gebäude völlig neu auf.

Die Firma Gebr. Filgis hat sich, als eines der ältesten Baugeschäfte im Allgäu, in den vergangenen 25 Jahren zu einem gutfundierten, mittleren Unternehmen mit einem guten Namen entwickelt. Der Hauptbetrieb in Ottobeuren und die Zweigniederlassung in Altusried, mit ihren rund 200 Mitarbeitern, verfügen über einen modernen, gut einge­richteten Maschinen-, Geräte- und Fuhrpark. Die Firma Filgis ist heute in der Lage, nahezu alle Arten von vorkom­menden Bauprojekten auszuführen. Dies wurde in den vergangenen Jahren bewiesen.

Ein Rückblick ab dem 100-jährigen Jubiläum 1950 :
Im Hochbau, dem ursprünglichen Aufgabengebiet des Unter­nehmens, wurden in den früheren Landkreisen Memmingen, Kempten und Marktoberdorf durch den Nachholbedarf im Wohnungsbau zusammen nicht weniger als ca. 300 Ein­familienhäuser, 300 Zwei-Familienhäuser sowie etwa 1000 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern und Wohnanlagen er­stellt. Wenn man von einer Durchschnittszahl von 4 Personen je Wohnung ausgeht, gibt dies einen Ort mit ca. 8000 Einwohnern.

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil bei den ausgeführten Aufträgen haben landwirtschaftliche Bauten. Etwa 20 Bauern­höfe, zum Teil durch Aussiedlung, 200 Stallungen für ca. 10 000 Kühe, Rinder, Schweine und Pferde, wurden neu gebaut. Ca . 350 Güllegruben und 200 Silos und eine große Zahl anderer landwirtschaftlicher Bauvorhaben, wie Heu­trocknungsanlagen, Versuchsstallungen im Spitalhof Kempten, konnten erstellt werden.

An Industrie-Bauten und gewerblichen Bauvorhaben kann die Firma besonders auf die umfangreichen Neu- und Umbauten von milchverarbeitenden Betrieben hinweisen. Es wurden ausgeführt: Der gesamte Neubau des Allgäuer Emmentaler­werkes Kimratshofen, beachtliche Erweiterungs- und Um­bauten im Champignon-Käsewerk Heising, der Neubau und die Erweiterungsbauten des Milchwerkes Stegmann & Roth in Altusried, der Anbau an die Sennerei Altusried und die Vergrößerung des Milchwerkes Hawangen.

Durch die Entwicklung des Verkehrs wurden Autohäuser in Ottobeuren, die Ford-Generalvertretung, 5 Tankstellen mit Waschanlagen und Tanklager in Kempten, eine Großtankstelle in Leutkirch, mehrere Kfz.-Werkstätten sowie Großgaragen für Omnibusse erstellt.

Moderne Fabrikationsgebäude der metallverarbeitenden Industrie in Ottobeuren, Hallenneubauten für eine Gardinen­fabrik in Dietmannsried, mehrere Neu- und Erweiterungsbauten am Ziegelwerk Goßmannshafen und der Ziegelei Hawangen, mehrere Schreinereien, große Möbelausstellungs­hallen in Hirschdorf, eine Großbäckerei in Durach, eine Druckerei in Altusried sowie eine größere Anzahl von Geschäftshäusern und Laden-Neu- und Umbauten sind entstanden.

Auch der Ausbau der Stromversorgung in den letzten Jahr­zehnten kam unserer Firma durch Aufträge zugute. Die Firma Filgis baute in Lautrach ein Elektrizitätswerk mit Staustufe und Kraftwerkskanal, 15 Trafostationen im Raum Kempten und Ottobeuren, 2 Freiluftanlagen in Krugzell und Altusried, Bezirksmonteurstellen in Grönenbach und Altusried, eine Wohnanlage beim Jllerkraftwerk Altusried sowie Ufersicherungs- und Verbauungsarbeiten an der Jller von Krugzell bis Steinbach.

Auch Erweiterungs- und Neubauten der Hirschbrauerei Ottobeuren wurden ausgeführt.

Bankgebäude, zum Teil mit Lagerhäusern, in Ottobeuren, Böhen, Ollarzried, Kimratshofen und Krugzell konnten er­stellt werden.

Der Weg Ottobeurens zum bedeutenden Kneipp-Kurort zeichnet sich auch im Rückblick der von der Firma Gebr. Filgis errichteten Kurheime ab. Es entstanden die Kurheime am Bannwald, das Kurheim „St. Ulrich“ mit Hallenbad, das Helenenbad und weitere Kurheime. 1973/74 wurde die Firma Filgis mit dem Neubau des Kurmittelhauses betraut. Erwähnenswert ist noch das entstandene Ottobeurer Ruhe­standszentrum, das in Arbeitsgemeinschaft gebaut wurde.

Einen bedeutenden Anteil des gesamten Hochbaues nehmen die kommunalen und staatlichen Bauten ein. Die Firma Filgis baute an Schulen: Die Grundschule an der Bergstraße in Ottobeuren, die Schule mit Turnhalle und Lehrschwimm­becken der Gemeinde Lauben in Heising, die 10-klassige Hauptschule mit Lehrschwimmbecken und Pausenhalle in Altusried. Vor einigen Wochen eingeweiht wurde die im November 1973 begonnene Hauptschule mit 3-fach-Turnhalle in Altusried. Die Gesamtfertigstellung des Schulzentrums mit 3-fach-Turnhalle in Ottobeuren geht ihrem Ende entgegen. Die beiden letzten Vorhaben wurden in Arbeitsgemeinschaft ausgeführt.

Weitere gemeindliche Hochbauten waren der Neubau des Altersheimes in Altusried, der Umbau des ehemaligen Sennereigebäudes zum Rathaus in Altusried u. a.

An staatlichen Hochbauten wurden insbesonaere am Nato­-Flugplatz Memmingerberg umfangreiche Neu- und Umbau­arbeiten getätigt. Auch beim Neubau des Schießplatzes Riederau, sowie Umbauten an Kasernen und dem Bundes­wehrlazarett in Kempten, war die Firma Filgis beteiligt.

An kirchlichen Bauten wurden neben den laufenden Reno­vierungs- und Erhaltungsmaßnahmen in Basilika und Kloster Ottobeuren, ein Pfarrhofneubau in Kimratshofen und Kempten, Neubau der Kath. Kirche Waldmühle, Kindergartenneubauten in Ottobeuren und Altusried, Kindergarten-Erweiterungs- und Umbauten in Ottobeuren, Kimratshofen und Krugzell ausgeführt. Im Stadtgebiet Kempten entstand 1973/74 das Kath. Waisenhaus für 60 Jugendliche mit ihren Betreuerinnen.

An Brücken wurden von der Firma Filgis die Pöllatbrücke der Bundesstraße 17 bei Hohenschwangau, Günzbrücken in Ottobeuren, die Krebsbachbrücke in Hawangen, 2 Brücken über die Rohrach in Altusried, 2 Brücken in der früheren Gemeinde Kimratshofen, je 1 Brücke in Hindelang - Bad Oberdorf und Obergünzburg gebaut.

Besonders stolz kann die Firma Gebr. Filgis auf die in den vergangenen 20 Jahren im Tiefbau ausgeführten Aufträge sein. Vor allem auf dem Gebiet der Kanalisation, der Trinkwasserversorgung und der Erschließung von Baugebieten, konnte ein guter Ruf erworben werden.

1951 wurden die ersten Rohrgräben sowie der erste Trinkwasserbehälter im Bannwald in Ottobeuren gebaut. 1955 erfolgte die Verlegung der ersten Kanalrohre größeren Umfangs zur Entwässerung des Flugplatzgeländes in Memmingerberg in Tiefen von 5-6 Metern. Seit damals wurde im gesamten Unter- und Oberallgäu, in Ottobeuren, Markt Rettenbach, Hawangen, Memmingen, Buxheim, Jllerbeuren, Altusried, Kimratshofen, Frauenzell, Stiefenhofen-Wolfsried, Weitnau und Seltmanns, Gunzesried, Blaichach, Hindelang - Oberjoch, Moosbach, Bießenhofen, Obergünzburg, Durach, Kempten, Haldenwang, Probstried, Schrattenbach, Wolfertschwenden, Woringen, Reicholzried, Dietmannsried, Heising-Lauben und Krugzell ca. 150 km Leitungsgräben für Trinkwasserversorgung, 10 Hochbehälter mit bis zu 500 cbm Inhalt (u.a. auf einer Höhe von 1300 m in Oberjoch), zahlreiche Pumpstationen, ca. 100 000 lfm Entwässerungskanäl, im Durchmesser von 10 cm 200 cm, mechanische und biologische Kläranlagen in Altusried und Kimratshofen und hunderte von Schachtbauwerken ausgeführt.

Im Straßenbau wurden u.a. der Neubau der Staatsstraße 2002 Altusried - Binzen, der Ausbau der Staatsstraße 2013 - Marktplatz Ottobeuren, ca. 10 km Kreisstraße B 19 Hehlen - Kimratshofen sowie ca. 50 km Gemeindeverbindungsstraßen und Siedlungsstraßen gebaut.

Seit dem Jahre 1960 wurden oft unter schwierigsten Geländebedingungen ca. 50 km Forststraßen und Alpwege bis auf eine Höhe von ca. 1500 m im Bereich der Forstämter Sonthofen, Betzigau, Kürnach und Ottobeuren ausgebaut.

Die Ausführung dieser umfangreichen Projekte wurde neben der unermüdlichen Arbeit des Firmeninhabers, durch den großen Einsatz von bewährten und tüchtigen Mitarbeitern, von denen viele bereits länger als 10 Jahre ihre Arbeitskraft der Firma Gebr. Filgis zur Verfügung stellen, ermöglicht.

Auf der Karte (hier zunächst als pdf abrufbar), die Theodor Filgis (nach dem März 1911) von einer Baustelle in Krumbach an seine Mutter in Ottobeuren schrieb; er dürfte in der oberen Reihe der Dritte von rechts (mit Anzug) sein. Im Text heißt es:

Wohlgeboren Frau Regina Filgis
Privatiere Ottobeuren

Liebe Mutter,
Bin wieder gesund und kann arbeiten. Habe heute 5 Arbeiter entlassen. Morgen ist das Kirchenfest in Krumbach. Suche umliegend, so wirst du finden Deinen Theodor.

Nach dem Jubiläum 1975 ging es laut dem heutigen (11/2014) Firmenchef Georg Filgis (jun.) so weiter:

Georg Filgis sen. (*03.06.1908, † 19.02.1986) leitete das Unternehmen noch bis 1985 - bis ins 77. Lebensjahr.
Mit Beendigung seines Studiums wurde sein Sohn Georg 1986 zum Geschäftsführer ernannt. Die Probleme waren groß, befand sich die Bauwirtschaft zu dieser Zeit doch in einem radikalen Umbruch. Um zu überleben, entschloss er sich Ende der 80er Jahre, die beiden Betriebe Altusried und Ottobeuren zusammenzulegen und fand 1990 nach langer Suche in Krugzell ein passendes Grundstück mit 20.000 m² zu einem erschwinglichen Preis.

Beinahe hätte es geklappt, den Betrieb ganz in Ottobeuren anzusiedeln, der Versuch, das firmeneigene Grundstück an der Stephansriederstraße ins Gespräch zu bringen, scheiterte jedoch. Vor dem Bau der Umgehungsstraße besaß die Firma dort ein Grundstück mit ca 35.000 m². Dem Antrag auf Verschiebung der Umgehungsstraße nach Nordosten, um so ein Gewerbegrundstück mit ca. 15.000 m² zu erhalten, konnte aber nicht stattgegeben werden. Es blieben somit blieben nach dem Bau der Umgehungsstraße rund 11.000 m² Nutzfläche übrig, was für eine Zusammenlegung der beiden Betriebe zu klein war.  

1993 zog die Baufirma dann mit beiden Büros und Bauhöfen nach Krugzell um. In den Jahren danach wurden sowohl die beiden Bauhöfe und deren Lagergebäude in Altusried und Ottobeuren abgebrochen und mit verschiedenen Wohnbauprojekten überplant. Das ehemalige Büro in Altusried wurde verkauft und dient seitdem als Wohnhaus. Im Jahr 2013 wurde dann nach 20 Jahren die letzte Parzelle in Ottobeuren bebaut.

Filgis ist Ende 2014 schon seit über 20 Jahren in Krugzell, die Belegschaft setzt sich aber immer noch je zur Hälfte aus Mitarbeitern aus dem Bereich Ottobeuren bzw. Altusried zusammen. Sammelpunkt in Ottobeuren ist jeden Morgen das ehemalige Büro in der Bahnhofstraße 33. Dort stehen die Arbeiter und werden von eigenen Bussen auf die Baustellen mitgenommen und abends wieder abgeliefert. Der Betrieb läuft meist von Montag bis Freitag ab 6.00 Uhr bis 18.00, oft auch noch samstags.

Der Firmensitz ist juristisch immer noch Ottobeuren, Bahnhofstr. 33. Das Bürogebäude im der Bahnhofstraße wird seit 1993 als Archiv (Kellerräume) genutzt, die von bis 1993 genutzten zwei Stockwerke sind vermietet, als Wohnungen bzw. gewerblich.