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1824  Militärlandkarte von Ottobeuren („Ottobeuern“)


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Oberleutnant Josef Naus bezwang 1820 als erster die Zugspitze  um sie kartografisch zu erfassen. 1800 war mit der Gründung des Bureau topographique militaire de l'Armée (ab 1801 nach dem Abzug der Franzosen das Topographische Bureau unter der Ltg. von Charles Rigobert Bonne*) die amtliche Kartografie in Bayern begonnen worden, die erste bayerische Landesaufnahme erfolgte zwischen 1817 und 1872. Bayern war das erste Land Europas, das exakt vermessen wurde.

Dabei entstanden Originalaufnahmen der bayerischen Positionsblätter (1:25.000) durch Umzeichnung von je vier Flurkarten 1:5000. Anlässlich von Vorarbeiten zur Terrainaufnahme gelang Josef Naus mit zwei Begleitern – dem Bergführer Johann Tauschle aus Partenkirchen und einem Gehilfen bzw. Träger namens Maier – am 27. August 1820 die Erstbesteigung der Zugspitze. Als sichtbares Zeichen seines Gipfelglücks steckte Naus einen Bergstock mit einem daran befestigten Tuch in den Schnee.
200 Jahre später: Bis zu 750 Bergsteigerinnen und Bergsteiger erklimmen Deutschlands höchsten Berg auf verschiedenen Wegen pro Tag. Dazu kommen an Spitzentagen weitere 3000 Gäste über die Seilbahnen von Ehrwald (Tirol) und vom Eibsee aus bzw. über die Zahnradbahn, die es 2020 bereits seit 90 Jahren gibt.

Die hier bisher gemachten Angaben stammen aus der Publikation: Brunner, Kurt und Horst, Thomas: Eine Karte des Zugspitzgebiets (18. Jh.) und die Wirrnisse um die Erstbesteigung, S. 3 - 6 in: Carthographica Helvetica, Heft 35, 2007
sowie aus dem Artikel „Der Berg mit den zwei Gesichtern“, Memminger Zeitung vom 22.08.2020, S. 3

Interessant ist es für Ottobeuren und die vorliegende Karte von 1824 deshalb, weil wir über den Artikel etwas über Josef (bzw. Joseph) Naus erfahren, der auch bei uns die Terrainaufnahme und Zeichnung vorgenommen hat. Dass die „Detailrevision“ von einem „Major Herdegen“ und die Detailzeichnung von einem „Fhncdt. Fuchs“ erstellt wurde, lässt zusätzlich darauf schließen, dass es sich hier nicht um eine normale zivile topograpfische Karte handelte, sondern um eine Militärkarte, wie es sie schon vor 1800 gab. Naus (auch: Nauß, *29.08.1793, †06.09.1871) war im Jahr der Herausgabe der Ottobeurer Landkarte zum Oberleutnant befördert worden. 1851 wurde er laut Wikipedia zum Generalmajor befördert und als Kommandant der Bundesfestung nach Ulm geschickt. Weitere Hinweise zur Kartografie finden sich auf einer Website des Hauses der Bayerischen Geschichte.

Über Major J. C. Friedrich Herdegen findet sich nur der Hinweis, dass er 1822 Artillerie-Major und „königlicher Ingenieur-Oberlieutenant“ bzw. „Ingenieur-Geograph“ war. In einem Buch über „die Verhandlungen der Zweyten Kammer der Ständeversammlung des Königreichs Bayern im Jahre 1831“ heißt es in Band 19 auf S. 100 in einem Satz (aus der Sitzung vom 31.10.1831): Diese Ausgabe fällt auf den ehemaligen Major Herdegen, der von dem topographischen Büreau seine Gage und seine Majorspension bezieht; die Pension mit 1500 fl., und als topographischer Geograph 1000 fl. (Gulden). Für die Befestigung von Ulm wurde er auf bayerischer Seite als Baudirector geführt. In dem Zusammenhang taucht 1819 auch eine Buchveröffentlichung von ihm auf (über „Fortifications-, Architectur-, Perspectiv-, Artillerie- und Maschinen-Zeichnungslehre zur Selbstübung für Militär- und Civilpersonen“)

Die großformatige Landkarte stammt aus dem Besitz von Franz Knoflicek, der sie über seine Tochter Christine dankenswerterweise zur Verfügung stellte. Der rechte Reiter führt zur selben Karte in 600 (statt 300) dpi; die Dateigröße beträgt knapp 26 MB!
* Die Lebensdaten von Bonne (1727-95) passen nicht ganz zu dieser Aussage!