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06.01.1903 – Ansichtskarte aus Deutsch-Ostafrika nach Ottobeuren / deutsche Kolonialgeschichte


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Deutsch-Ostafrika war die Bezeichnung einer in der Zeit von 1885 bis 1918 bestehenden deutschen Kolonie (auch Schutzgebiet). Das Gebiet umfasste die heutigen Länder Tansania (ohne Sansibar), Burundi und Ruanda sowie ein kleines Gebiet im heutigen Mosambik mit einer Gesamtfläche von 995.000 km² (nahezu die doppelte Fläche des damaligen Deutschen Reiches). Es war mit rund 7,75 Millionen Einwohnern die größte und bevölkerungsreichste Kolonie des Deutschen Reiches.“ (Zitat der Wikipedia-Seite über „Deutsch-Ostafrika")

Sogar in Ottobeuren finden sich Spuren dieser Kolonialgeschichte, wie die Ansichtskarte aus Dar-es-Salaam (im heutigen Tansania) beweist. Sie ging an die in Ottobeuren bekannte Posthalter-Familie Wittwer, die die Lizenz für den Linienfahrbetrieb mit Kutschen nach Memmingen oder Obergünzburg besaß.

Ein Zufallsfund – eine Karte vom 13.10.1897 mit einer Bestellung von zwei Kneipp-Büchern beim Kösel-Verlag in Kempten durch den „Postpraktikanten Garsling“ in Daressalam (Schreibweise nach Wikipedia) – macht deutlich, dass Kneippanwendungen selbst in den Kolonien ihre Bedeutung hatten.

Abgerundet wird das Thema durch zwei zeitgenössische Landkarten sowie durch einen Band von Einklebebildern „Deutsch Kolonien“, die der „Cigaretten-Bilderdienst Dresden“ 1936 herausgab und mit dem deutlich wird, wie die Kolonialgeschichte in der Retrospektive des „Dritten Reichs“ betrachtet wurde (einschl. Coverseiten und Leerseiten 80 Seiten; der Gesamtband ist über den letzten Reiter bzw. hier als textdurchsuchbare pdf abrufbar, 90 MB!). Der Schlusssatz des Vorworts spricht eine unmissverständliche Sprache: „Die Rückgabe der alten deutschen Schutzgebiete ist eine Frage der nationalen Ehre.“*
Einklebebilder von Deutsch-Ostafrika finden sich auf den Seiten 27 - 41 (pdf: 33 - 47); hier zusätzlich abrufbar sind einige Einzelseiten.

Für die Bestrebungen im Dritten Reich (und davor) zur Rückübertragung der verlorenen Kolonien wurde am 17.08.2022 in Bremen das „Deutsche Kolonial-Ehrenmal“ fotografiert. Es wurde 1931 von der „Deutschen Kolonial-Gesellschaft Bremen“ errichtet und am 6. Juni 1932 eingeweiht. Auf der vor dem Elefanten liegenden Tafel wird erklärt, es sei bereits zur Zeit der Errichtung umstritten gewesen. Am Denkmal hätte sich um die Frage der Zukunft des Zusammenlebens von Völkern eine öffentliche Diskussion entzündet, ob dies „in kolonialer Unterdrückung oder ein einem gleichberechtigten Miteinander“ möglich sei. Weiter auf der Tafel: „Über einer Krypta erinnerte der steinerne Elefant an die Gefallenen des 1. Weltkriegs in den ehemals deutschen Kolonien Afrikas. Zugleich war der Elefant Ausdruck Deutschlands kolonialer Vergangenheit wie auch der Forderung, neokolonialer Bremer Kreise nach Rückgabe des ehemals deutschen Kolonialbesitzes. In der NS-Zeit stand der Elefant im Mittelpunkt von Bestrebungen des nationalsozialisitischen Bremen, Stadt der Kolonien zu werden.
Afrikas Probleme sind noch heute mit Kolonialismus, Rassismus und andauernder Ausbeutung eng verbunden. Afrikas Menschen haben unter großen Opfern in Befreiungskämpfen erfolgreich Widerstand geleistet. Weltweit haben sich viele Menschen mit ihnen solidarisiert. Unsere Gesellschaft hat begonnen, aus dieser Entwicklung zu lernen, Afrika hat in Bremen neue Freunde gefunden. Dieses Denkmal ist ein Symbol für die Verantwortung, die uns aus der Geschichte erwächst.“
In der Nähe steht eine Stele des „Umweltbetriebs Bremen“ mit weiteren Erklärungen:
Zum „Nelson Mandela Park“ heißt es auf der Stele:
„Dieser Park wurde am 18. Juli 2014 nach dem afrikanischen Politiker und führenden Anti-Apratheid-Kämpfer NELSON ROLIHLAHLA MANDELA benannt. Mandela war von 1994 bis 1999 der erste schwarze Präsident Südafrikas.
Inmitten des Parks steht das Denkmal ELEFANT, das 1932 als Reichskolonialehrenmal eingeweiht wurde. Er war das steinerne Symbol neokolonialer Kreise, die sich deutsche Kolonien zurück wünschten. Anlässlich der Unabhängikeit Namibias wurde der instandgesetzte ELEFANT am 18. Mai 1990 bei einem Namibia-Freiheitsfest in ANTI-KOLONIAL-DENK-MAL umbenannt.
Am 11. August 2009 wurde als versöhnendes Sinnbild und Ausdruck für geschichtliche Verantwortung das Mahnmal für die mehr als 60.000 Opfer des Völkermordes an den Nama und Herero ein Mahnmal mit 365 Steinen aus der namibischen Omaheke zugefügt.
Dieser Park ist der Verbundenheit und der Aussöhnung mit dem afrikanischen Kontinent gewidmet und steht für die Vielfalt, Toleranz und die historische Verantwortung unserer Stadtgesellschaft.“
Auch vom „Mahnmal Ohamakari“ hier ein Foto vom 17.08.2022.
Auf der Südseite des Nelson Mandela Parks steht darüber hinaus ein am 24.04.2005 errichtetes Denkmal: „Zum 90. Jahrestag des Völkermordes an den Armeniern im Osmanischen Reich gedenken wir der 1500 000 ermordeten Armenier.“
Die Stadt Bremen leistet hier einen vorbildlichen Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung!

Zurück nach Ottobeuren, hier die transkribierten Kartentexte:
Deutschland. Postkarte – Weltpostverein.
[Zwei Briefmarken à 2 Pesa, Michel Nr. 11, gültig vom 01.01.1903 - 31.03.1906, Stempel DAR-ES-SALAAM DEUTSCH-OSTAFRIKA, 6 1 03, Ankunftsstempel OTTOBEUREN, 15 FEB 03]
Fräulein Anna Wittwer
Kgl. Posthalters & Gutsbesitzerstochter
Ottobeuern [Ottobeuren]

Dar-es-Salaam. Deutsch-Ost-Afrika.
Original-Aufnahme u. Verlag C. Vincenti, Dar-es-Saalam [falsch geschrieben].
Unter den Akazien. Hotel Central.
Dr. Becker-Strasse.
Haus V. Commando.

Mein liebes Anerl [Annerl]!
Teile dir mit daß der Geburtstag von deinem Patchen* am 4. September und der Ausflug am 18. September war. Im Kirchenbuch ist eingetragen: Frl. Anna Wittwer, Posthalter & Gutsbesitzerstochter Ottobeuren.
Wenn ich sterbe, bekommst du die Bescheinigung zugestellt. Innigen Gruß und Kuß sendet dir deine innigliebende Therese

*Wolf Köbele erklärte am 11.05.2020:
Das Wort Patchen bezeichnete bis vor zwei, drei Generationen ein Patenkind, und da „Fernpatenschaften“ gang und gäbe waren, erklärt sich, dass die Patin über ihr Patenkind informiert werden musste.

___________________________

Herrn Kösel Buchh. [Buchhandlung]
Kempten, Bayern
[Stempel Dar-ES-SALAAM, 13 10 97, Ankunftsstempel KEMPTEN SCHWABEN, 5 NOV 97]
Garsling, Dar-es-Salaam

Daressalaam, 13/11 97.
Bitte um Zusendung der Bücher
So sollt ihr leben“ und
Codizill zu meinem Testament
Einsendung des Betrages
erfolgt nach Empfang
der Bücher und Rechnung.
Garsling, Postpraktikant.
Dar-es-Salaam.
Deutsch-Ostafrika.

Sammlung Helmut Scharpf, 12/2019

*
Aus dem Vorwort: „Die Anfänge unseres Kolonialreichs liegen wenig mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. Das Beste von den weiten überseeischen Ländern war damals schon in festen Händen. So blieb uns zum guten Teil doch nur das, was den älteren Kolonialmächten nicht mehr wert­voll genug erschien. In der Tat, die vielversprechende (Entwicklung der deutschen Schutzgebiete vor dem Weltkrieg ist erst durch die Arbeit unserer Kaufleute, Farmer und Kolonialoffiziere heraufgeführt worden, - ihre einzigen Grundlagen sind deut­sches Blut, deutscher Fleiß, deutsches Geld. Als aber nach vielen Mühen gerade der sichtbare Aufschwung zur wirtschaftlichen Blüte eingesetzt hatte, entriß uns der Neid und die Habsucht der Feindbundmächte des Weltkrieges die Kolonien. Dem Raub wurde noch die schimpfliche Behauptung angeblicher kolonialer Mißwirtschaft und Unfähigkeit hinzugefügt. (...)

Die unermüdliche Tätigkeit der Vorkämpfer des kolonialen Gedankens, an ihrer Spitze Heinrich Schnee, der letzte deutsche Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, hat dafür gesorgt, daß die Erinnerung an unsere Kolonien und unsere kolonialen Rechtsansprüche in der ganzen Nachkriegszeit wach geblieben ist. Zwar hat uns auch die Mitgliedschaft im Völkerbund nicht die Wiedereinsetzung in das eigene Kolonialreich gebracht, aber die Erkenntnis von der Notwendigkeit, das uns zugefügte kolo­niale Unrecht wiedergutzumachen, hat doch im Auslande allmählich immer mehr zugenommen. Die volle Gleichberechtigung im Kreise der Völker, die der Führer Adolf Hitler zum leitenden Grundsatz der deutschen Politik erhoben hat, muß sich auf die Kolonien erstrecken. Die Rückgabe der alten deutschen Schutzgebiete ist eine Frage der nationalen Ehre.“