Marktgemeinde Ottobeuren
Marktplatz 16
87724 Ottobeuren
T. +49 (0)8332 9219-50
F. +49 (0)8332 9219-92
info@ottobeuren-macht-geschichte.de
www.ottobeuren-macht-geschichte.de




06.01.1903 – Ansichtskarte aus Deutsch-Ostafrika nach Ottobeuren / deutsche Kolonialgeschichte


  • Die Datei ist zu groß, um als Vorschau angezeigt zu werden. Bitte öffnen oder speichern Sie sie über den Download-Button (hier am Fenster rechts unten).
    This file is too big to be displayed in the preview window. Please open or save it by using the download button (bottom right, next to this window).

   Download

Deutsch-Ostafrika war die Bezeichnung einer in der Zeit von 1885 bis 1918 bestehenden deutschen Kolonie (auch Schutzgebiet). Das Gebiet umfasste die heutigen Länder Tansania (ohne Sansibar), Burundi und Ruanda sowie ein kleines Gebiet im heutigen Mosambik mit einer Gesamtfläche von 995.000 km² (nahezu die doppelte Fläche des damaligen Deutschen Reiches). Es war mit rund 7,75 Millionen Einwohnern die größte und bevölkerungsreichste Kolonie des Deutschen Reiches.“ (Zitat der Wikipedia-Seite über „Deutsch-Ostafrika")

Sogar in Ottobeuren finden sich Spuren dieser Kolonialgeschichte, wie die Ansichtskarte aus Dar-es-Salaam (im heutigen Tansania) beweist. Sie ging an die in Ottobeuren bekannte Posthalter-Familie Wittwer, die die Lizenz für den Linienfahrbetrieb mit Kutschen nach Memmingen oder Obergünzburg besaß.

Ein Zufallsfund – eine Karte vom 13.10.1897 mit einer Bestellung von zwei Kneipp-Büchern beim Kösel-Verlag in Kempten durch den „Postpraktikanten Garsling“ in Daressalam (Schreibweise nach Wikipedia) – macht deutlich, dass Kneippanwendungen selbst in den Kolonien ihre Bedeutung hatten.

Abgerundet wird das Thema durch zwei zeitgenössische Landkarten sowie durch einen Band von Einklebebildern „Deutsch Kolonien“, die der „Cigaretten-Bilderdienst Dresden“ 1936 herausgab und mit dem deutlich wird, wie die Kolonialgeschichte in der Retrospektive des „Dritten Reichs“ betrachtet wurde (einschl. Coverseiten und Leerseiten 80 Seiten; der Gesamtband ist über den letzten Reiter bzw. hier als textdurchsuchbare pdf abrufbar, 90 MB!). Der Schlusssatz des Vorworts spricht eine unmissverständliche Sprache: „Die Rückgabe der alten deutschen Schutzgebiete ist eine Frage der nationalen Ehre.“*
Einklebebilder von Deutsch-Ostafrika finden sich auf den Seiten 27 - 41 (pdf: 33 - 47); hier zusätzlich abrufbar sind einige Einzelseiten.

Hier die transkribierten Kartentexte:
Deutschland. Postkarte – Weltpostverein.
[Zwei Briefmarken à 2 Pesa, Michel Nr. 11, gültig vom 01.01.1903 - 31.03.1906, Stempel DAR-ES-SALAAM DEUTSCH-OSTAFRIKA, 6 1 03, Ankunftsstempel OTTOBEUREN, 15 FEB 03]
Fräulein Anna Wittwer
Kgl. Posthalters & Gutsbesitzerstochter
Ottobeuern [Ottobeuren]

Dar-es-Salaam. Deutsch-Ost-Afrika.
Original-Aufnahme u. Verlag C. Vincenti, Dar-es-Saalam [falsch geschrieben].
Unter den Akazien. Hotel Central.
Dr. Becker-Strasse.
Haus V. Commando.

Mein liebes Anerl [Annerl]!
Teile dir mit daß der Geburtstag von deinem Patchen* am 4. September und der Ausflug am 18. September war. Im Kirchenbuch ist eingetragen: Frl. Anna Wittwer, Posthalter & Gutsbesitzerstochter Ottobeuren.
Wenn ich sterbe, bekommst du die Bescheinigung zugestellt. Innigen Gruß und Kuß sendet dir deine innigliebende Therese

*Wolf Köbele erklärte am 11.05.2020:
Das Wort Patchen bezeichnete bis vor zwei, drei Generationen ein Patenkind, und da „Fernpatenschaften“ gang und gäbe waren, erklärt sich, dass die Patin über ihr Patenkind informiert werden musste.

___________________________

Herrn Kösel Buchh. [Buchhandlung]
Kempten, Bayern
[Stempel Dar-ES-SALAAM, 13 10 97, Ankunftsstempel KEMPTEN SCHWABEN, 5 NOV 97]
Garsling, Dar-es-Salaam

Daressalaam, 13/11 97.
Bitte um Zusendung der Bücher
So sollt ihr leben“ und
Codizill zu meinem Testament
Einsendung des Betrages
erfolgt nach Empfang
der Bücher und Rechnung.
Garsling, Postpraktikant.
Dar-es-Salaam.
Deutsch-Ostafrika.

Sammlung Helmut Scharpf, 12/2019

*
Aus dem Vorwort: „Die Anfänge unseres Kolonialreichs liegen wenig mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. Das Beste von den weiten überseeischen Ländern war damals schon in festen Händen. So blieb uns zum guten Teil doch nur das, was den älteren Kolonialmächten nicht mehr wert­voll genug erschien. In der Tat, die vielversprechende (Entwicklung der deutschen Schutzgebiete vor dem Weltkrieg ist erst durch die Arbeit unserer Kaufleute, Farmer und Kolonialoffiziere heraufgeführt worden, - ihre einzigen Grundlagen sind deut­sches Blut, deutscher Fleiß, deutsches Geld. Als aber nach vielen Mühen gerade der sichtbare Aufschwung zur wirtschaftlichen Blüte eingesetzt hatte, entriß uns der Neid und die Habsucht der Feindbundmächte des Weltkrieges die Kolonien. Dem Raub wurde noch die schimpfliche Behauptung angeblicher kolonialer Mißwirtschaft und Unfähigkeit hinzugefügt. (...)

Die unermüdliche Tätigkeit der Vorkämpfer des kolonialen Gedankens, an ihrer Spitze Heinrich Schnee, der letzte deutsche Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, hat dafür gesorgt, daß die Erinnerung an unsere Kolonien und unsere kolonialen Rechtsansprüche in der ganzen Nachkriegszeit wach geblieben ist. Zwar hat uns auch die Mitgliedschaft im Völkerbund nicht die Wiedereinsetzung in das eigene Kolonialreich gebracht, aber die Erkenntnis von der Notwendigkeit, das uns zugefügte kolo­niale Unrecht wiedergutzumachen, hat doch im Auslande allmählich immer mehr zugenommen. Die volle Gleichberechtigung im Kreise der Völker, die der Führer Adolf Hitler zum leitenden Grundsatz der deutschen Politik erhoben hat, muß sich auf die Kolonien erstrecken. Die Rückgabe der alten deutschen Schutzgebiete ist eine Frage der nationalen Ehre.“