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ca. 1900 – Michael Holdenrieder erbaut seine Wagnerei neu


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Noch heute ist das Haus in der Ludwigstraße 18 + 20 (an der östlichen Einfahrt in den Feneberg-Parkplatz) geteilt. Die Einteilung geht auf den Neubau um das Jahr 1900 zurück; einige Balken des Vorgängergebäudes fanden beim Neubau erneut Verwendung.

Auf dem Foto sieht man auf beiden Seiten Holz, das zum Trocknen aufgeschichtet ist. Das Ehepaar Holdenrieder steht mit einem Sohn vor dem Haus, im Fenster im ersten Stock dürfte der Großvater Josef (*17.08.1848, Oberroth, †27.06.1904, Ottobeuren) zu sehen sein. Eine „Hennaloitr“ (eine schmale Stiege) führt in den ersten Stock.
Ob es ein gemeinsamer Sohn war oder der Sohn, den Wilhelmine mit in die Ehe brachte, ist unklar. Wilhelmine machte mit ihrer Mitgift den Neubau möglich.

Noch bis 1980 konnte man bei einem Nachfahren Holdenrieders – Josef, ein richtiger „Mächler“ – Stiele für Besen oder Äxte, massive Leitern und andere Utensilien aus Holz kaufen; für die früheren Holzwägen gab es in der Landwirtschaft keinen Bedarf mehr. Selbst hatte man keine (Nebenerwerbs-)Landwirtschaft betrieben. (Nachdem der Sohn des Josef in Kempten Industriemechaniker wurde, endete der Betrieb der Wagnerei. Dieser Sohn verkaufte seine Haushälfte an die heutigen Bewohner von Nr. 18, die mit der ursprünglichen Familie Holdenrieder nicht verwandt sind.)

Der Wagner Michael Holdenrieder (*15.01.1877, † 13.06.1962, geboren und gestorben in Ottobeuren) war mit der Damenschneiderin Wilhelmine Kempf aus dem Gehöft „Bleiche“ (ev. zu Weitenburg bei Tübingen gehörig - ist noch unklar; *20.12.1877, † 17.05.1942 in Ottobeuren); der gemeinsame Sohn Ludwig, von Beruf Wagner, geb. am 16.06.1908 in Ottobeuren, fiel am 29.03.1944 in ...). Die Ahnentafel ist hier abgebildet, eine Transkkription steht noch aus. Wilhelmine kam bereits schwanger nach Ottobeuren und wurde mutmaßlich von einem Heiratsvermittler im wahrsten Sinne des Wortes „an den Mann gebracht“, um der „Schande“ im eigenen Heimatort zu entgehen.
Die heutige Bewohnerin von Nr. 20, Elisabeth Roßmann (geb. Steinheimer), ist „die Tochter der Schwester des letzten Holdenrieder“, der Münchner Berufsschullehrer Klaus Roßmann hat 1962 eingeheiratet.

Die Hausnummer vor 1951 war 109; das Vorgängergebäude ist schon in der Urkatasterkarte von 1819 eingezeichnet. In seinem Artikel über die Ottobeurer Hausnamen vom Februar 1938 schreibt Hermann Köbele (gefallen 11.03.1945): „Auch das Haus Nr. 109 führt einen reinen Vornamen: „beim Rasso“. Hier wohnte der Zimmermann Rasso Frey (schon 1818, heute Wagner Holderieder.“) (Anmerkung: Der Nachname – korrekt Holdenrieder – ist bei Köbele falsch geschrieben!)

Der südliche Teil des Hauses war reiner Wohnbereich, im nördlichen war die Werkstatt der Wagnerei untergebracht.

Für seine langjährige Tätigkeit als Musiker bei der Ottobeurer Blechmusikgesellschaft wurde Michael Holdenrieder am 24.02.1934 eine schön gestaltete Ehrenurkunde (37 x 23 cm) verliehen. Unterzeichnet ist sie unter anderem von Hermann Köbele, der nicht nur die Singschule und den Männergesangverein leitete, sondern sich auch als Heimatforscher verdient gemacht hat.

Das Foto (10,5 x 15 cm) wurde vom Atelier Riedl & Wiedemann (München) angefertigt und hängt noch heute im Flur. Wie man an dem Vorher- / Nachhervergleich sehen kann, ist es stark degeneriert. Per digitaler Bildbearbeitung wurde es aufwändig restauriert. Das Vergleichsbild mit derselben Straßenszene in der Ludwigstraße stammt vom 25.08.2020.

Scans, Bildberabeitung und Recherche, Helmut Scharpf, 08/2020

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