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1918 – Rekruten in Bibelsberg


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Im Zweiten Weltkrieg gab es zuletzt den „Volkssturm“, auch Ende des Ersten Weltkriegs ging es an die letzten personellen Reserven.
Sieht man sich das Foto mit den jungen Bibelsberger Rekruten an, so meint man, es wären regelrechte Kinder darunter. An den Revers oder auf den Hüten ist Blumenschmuck angebracht, alle tragen Anzug und Krawatte, fast alle sind mit einer Zigarette zu sehen. Im Gesichtsausdruck sieht man alles andere als Freude. (Vergleich Musterung 1942) Denkbar ist allerdings auch, dass es sich nicht um wirkliche Rekruten handelt, sondern um ein Jugendstreich (z.B. eines Vereins). Ein regelrecht dreister Fall ist mit dem „Fressclub voller Magen Ottobeuren“ belegt.

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Schwer getroffen wurde die Familie Willer, die sog. „Allgäuer Kriegschronik“ listet einige der Gefallenen im Ortsbereich von Ollarzried auf:

Keßler Joseph, Soldat in einem Res.-Inf.-Regt., geb. am 29.12.1898 in Daßberg, Gde. Ollarzried. Bis zu seiner Kriegseinberufung auf dem elterlichen Anwesen in der Landwirtschaft tätig, wurde er im Dezember 1916 zum 20. Inf.-Regt. Einberufen, und am 24.04.1917 zu einem Res.-Inf.-Regt. Ins Feld abgestellt. In schweren Kämpfen musste er am 20.09.1917 sein junges Leben dem Vaterlande opfern.

Miller Johann, Soldat in einem bayer. Res.-Inf.-Regt. Er wurde in Ollarzried am 10.11.1888 geboren und arbeitete in seiner Heimat als Landwirt, bis er im Herbst 1915 nach Neu-Ulm einberufen wurde. Im April 1916 kam er vor den Feind. Infolge einer schweren Verwundung durch Kopfschuss ist er am 12.01.1917 in einem Reservelazarett in München für sein Vaterland gestorben.

Sandholzer Josef, Soldat im 20. Inf.-Regt., 3. Komp. Er wurde am 10.09.1894 in Höhe, Gde. Ollarzried, geboren. Bis zu seiner Kriegseinberufung, die am 1. Okt. 1914 erfolgte, war er im Elternhause als Landwirt beschäftigt. Am 10. Jan. 1915 kam er ins Feld. Infolge schwerer Verwundung ist er am 23.09.1916 in einem Lazarett in Frankfurt a. M. verschieden.

Geißler Stefan, Unteroffizier im 12. Inf.-Regt., 12. Komp., geb. am 08.05.1891 in Ollarzried. Als Fabrikarbeiter war er bis Herbst 1912 in Immenstadt beschäftigt, kam dann zur Erfüllung seiner Militärpflicht zum 12. Inf.-Regt. und zog bei der Mobilmachung ins Feld,wo er zum Unteroffizier befördert wurde. Er litt den Tod für sein Vaterland am 28. Mai 1916.

Hartmann Martin, Soldat im 14. preuß. Inf.-Regt. Er wurde am 22. Juli 1887 in Vogelsang, Gde. Ollarzried, geboren. Am 31. Mai 1915 ließ er Frau und zwei Kinder auf seinem Ökonomieanwesen in Ollarzried zurück und kam schon nach wenigen Tagen mit einem Armierungsbataillon ins Feld. Später wurde er dem 14. preuß. Inf.-Regt. zugewiesen. Am 21.06.1916 starb er den Heldentod.

Wunderer Georg, Soldat im 16. Inf.-Regt., 3. Komp. Er war in Ollarzried am 23.12.1891 geboren und arbeitete auf dem elterlichen Anwesen bei seinem Bruder. Am 15. Aug. 1914 wurde er nach Neu-Ulm einberufen und kam anfangs November ins Feld. Bei Fromelles fand er am 25.05.1915 den Heldentod.

Demmler Andreas, Ersatzreservist im 2. Landw.-Inf.-Regt., 11. Komp., war geboren am 30.05.1884  in Schwaighausen. Er erwarb sich in Unterhaslach ein Anwesen und verheiratete sich. Am 1. Dez. 1914 kam er an die Front und fand dort auch am 20.07.1915 den Heldentod.

Albrecht Jos., Gefreiter beim bayer. Inf.-Rgt., 1. Komp. Geb. am 17.06.1893 in Oberhaslach, Gde. Betzisried, war er auf dem Anwesen seiner Eltern beschäftigt und zog als aktiver Soldat am 1. Mobilmachungstag mit seinem Regiment gegen den Feind. Nachdem er die erfolgreichen Gefechte seines Regiments mitgemacht hatte, starb er am 20.05.1917 den Heldentod.

Sinner Sebastian, Gefreiter im 1. bayer. Inf.-Regt. Geboren am 04.08.1889 in Oberhaslach, Gde. Betzisried, war er als Landwirt in seiner Heimat tätig. Er wurde im November 1915 zu den Waffen gerufen und zog nach seiner militärischen Ausbildung am 3. Jan. 1916 in Feindesland. Dort wurde ihm für Tapferkeit das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit Schwertern verliehen. Am 1. Juni 1917 opferte er sein Leben fürs Vaterland.

Die Karte ist rückseitig leider nicht beschrieben oder postalisch gelaufen; es ist auch kein Fotograf genannt. Sammlung Helmut Scharpf, 08/2020