Marktgemeinde Ottobeuren
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01.05.1937 – Die Firma Martin präsentiert bei den Feiern zum 1. Mai ihren ersten Schlepper


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Zu sehen sind fünf nagelneue „Martin Dieselschlepper“. Im geschichtlichen Rückblick der Ottobeurer Firma heißt es, dass der Schlepper ab 1936 gebaut wurde, am 3.5.1937 – zwei Tage nach dieser Aufnahme – habe die serienmäßige Auslieferung begonnen. Von dem Schlepper mit einem 20 PS-Motor (Deutz F2M 313) wurden 1937 und 1938 insg. 65 Stück ausgeliefert. Der Schlepper wurde anschließend vom „Martin F22“ abgelöst, den Otto Martin gemeinsam mit Xaver Fendt entwickelt hat. (Fendt lieferte den baugleichen Bulldog unter der Bezeichnung „Fendt F22 Dieselroß“ aus.)

Das vorliegende Foto ist Teil der 1000 m²-Dauerausstellung zur „Landtechnik“ im Bauernhofmuseum Illerbeuren („Die Dreißiger Jahre:
Traktoren setzen sich allmählich durch. In den 1930er Jahren stieg die Zahl der Traktoren rasch an. Die Schlepper wurden technisch weiterentwickelt und – weil sie in immer größeren Serien produziert wurden – zu günstigen Preisen verkauft.“). Nach dem Fund des zugehörigen Zeitungsartikels aus dem „Allgäuer Beobachter“ vom 3. Mai 1937 lässt es sich nunmehr exakt datieren.

Die fünf bekränzten Fahrzeuge („wuchtige Repräsentanten deutscher Arbeit“) nahmen am „Umzug der Betriebsgemeinschaften“ im Rahmen der Feiern zum 1. Mai 1937 teil. Die erste Zugmaschine wurde von Otto Martin selbst gesteuert, der hier allerdings nicht erkennbar ist; dafür das „frische Maiengrün“ (Tannenbäumchen).
Aus der Maikundgebung wurde – wie in der Zeit üblich – eine nationale Propaganda-Feierstunde; die Traktoren wurden nicht geweiht, sondern Stolz zur Schau gestellt, schließlich war dies ein bedeutender Moment in der Firmengeschichte.

Sandra Czaja sei für die Bereitstellung des Digitalisats („SBI_Schlepperweihe_Ottobeuren_Martin_1930er Jahre_SW-6x6-04432_BildarchivSBI.jpg“) herzlich gedankt. Anfragen für eine Verwendung sind an das Bauernhofmuseum in Illerbeuren zu richten.

Noch ein rechtlicher Hinweis: Die Abbildungen und Texte werden als zeitgeschichtliche Dokumente veröffentlicht, eine missbräuchliche Nutzung ist untersagt! Die zeitgeschichtlichen Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus werden nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungsfeindlicher Bestrebungen, der wissenschaftlichen und kunsthistorischen Forschung, der Aufklärung oder der Berichterstattung über die Vorgänge des Zeitgeschehens gezeigt und sind in keiner Weise als propagandistisch zu sehen. Es gelten die Maßgaben im Sinne des § 86 und 86a StGB.

Hier nun die Abschrift des Original-Artikels („Allgäuer Beobachter“, Ausgabe 03.05.1937, S. 10):

Feiertag der nationalen Arbeit in Ottobeuren
Seit 1933 ist der 1. Mai zu einem Bekenntnis deutscher Arbeit und der nat.-soz. Gesinnung unseres ganzen Volkes geworden. Und wieder trat zum 1. Mai 1937 die schaffende Nation auf den Plan. Mit beglückenden Gefühlen beging auch die Marktgemeinde Ottobeuren den nationalen Feiertag. Am Vorabend führte die HJ.-Kapelle den Zapfenstreich aus. Von Giebeln und Masten wehten am frühen Morgen des Feiertags die Fahnen, Tannenbäumchen umsäumten die Häuser und ihre Fenster waren mit Fähnchen und frischem Maiengrün bestickt. Die Auslagen vieler Geschäfte zeigten feinsinnig auf den Tag der nationalen Arbeit abgestimmten Schmuck mit einem Bild des Führers im Mittelpunkt. Die Jugend hörte in den Schulen die Übertragung aus Berlin und zog im Anschluß mit den politischen Leitern und den Fahnenabordnungen der nat.-soz. Organisationen unter den flotten Marschweisen der HJ.-Kapelle zur
Feier am Maibaum.
Zum zweitenmale seit der Machtergreifung scharte sich in Ottobeuren die Gemeinschaft um den riesigen, auf der Klosterwiese zwischen Karl-Riepp- und Ritter-von-Epp-Straße erstellten Maibaum. Liebende Hände hatten das Symbol der Volksverbundenheit wieder überaus feinsinnig bekränzt und mit reizenden Figurengruppen – darstellend die nationale Arbeit unter dem Schutz der Wehrmacht sowie die Begriffe Volkstum und Heimat – ausgestattet. Fanfarenklänge von Bläsern der HJ.-Kapelle und das Lied der deutschen Jugend „Vorwärts“ leiteten die Feier ein. Ein Sprechchor der Knaben gab dem tiefen Sinn des 1. Mai packenden Ausdruck und aus freudig-dankbaren Herzen erklang das Lied der Deutschen. Liedvorträge – auch vom BdM. – wechselten mit hübschen Reigen der Mädchen. Eine bunte Note brachte in die Darbietungen das Auftreten des Heimat- und Volkstrachtenvereins. Sowohl der bekannte „Bandltanz“ wie der Tiroler Steckentanz fanden freundliche Aufnahme bei den die weite Maiwiese umsäumenden Zuschauern.
In einer Ansprache an die Kinder führte Schulleiter Hauptlehrer Herz aus, sie mögen mit tiefster Seele empfinden, daß sie deutsche Kinder sind. Die Jugend könne mit Recht stolz sein und sich am heutigen Fest unter dem sinnvoll und schön gezierten Maibaum freuen. Er ist das Zeichen der Frühlingsfreude, das Sinnbild der Naturkraft, im besondern aber der Volksverbundenheit und Zusammengehörigkeit aller Berufe und Stände. Der Redner erinnerte daran, wie man in andern Ländern mit Angst und Sorge den 1. Mai erwartet. Wir erinnern uns lebhaft der Zeit, da auch bei uns die Kundgebungen dieses Tages ein Spiegelbild deutscher Uneinigkeit, des Hasses und der Zerrissenheit waren. In höchster Not schenkte uns Gott den Führer. Er machte dem Klassenkampf ein Ende und schuf die deutsche Volksgemeinschaft. Für sie schafft und wirkt jeder. Die Freude hat damit bei uns Einzug gehalten. Unter dem Einfluß dieser Lebensfreude feiern wir den Tag der nationalen Arbeit. Unsere Liebe, Arbeit und Freude aber gehört Adolf Hitler. Die große Gemeinschaft bekundete dieses Gelöbnis mit einem begeisterten Sieg Heil auf den Führer und das Horst-Wessel-Lied.

Umzug der Betriebsgemeinschaften. – Übertragung der Führerrede.
In der Ritter-von-Epp-Straße*, im Bannkreis des Maibaums, nahmen gegen 11.30 Uhr die politischen Leiter, NS.-Gliederungen und in überaus stattlicher Zahl die örtlichen Betriebsgemeinschaften Aufstellung. Unter Musikklängen bewegte sich durch mehrere Hauptstraßen der lange Zug. Ihn beschlossen fünf bekränzte Zugmaschinen der Firma Otto Martin, Maschinenbau. Sie waren – die erste vom Betriebsführer selbst gesteuert – wuchtige Repräsentanten deutscher Arbeit.
Dicht besetzt war zur Mittagsstunde der Postsaal von Schaffenden der Stirn und der Faust. Da saß als Kamerad der Gefolgschaftsmann neben dem Betriebsführer. Tiefen Eindruck hinterließen die Ansprachen von Reichsminister Dr. Goebbels, des Reichsorganisationsleiters Dr. Ley und als fesselnder Höhepunkt die Rede des Führers.
Der Abend mit fröhlichem Maitanz in den Sälen zur „Post“ und „Hirsch“ stand unter der Devise „Freut euch des Lebens“. – So war der nationale Feiertag hier das, was die nat.-soz. Führung will: ein Höhepunkt des Gemeinschaftslebens und der kameradschaftlichen Verbundenheit.

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*Ehemals Kemptener Straße, heute Sebastian-Kneipp-Straße

Das Digitalisat des „Allgäuer Beobachters“ vom 3.5.1937 wurde dankenswerterweise vom Stadtarchiv Memmingen zur Verfügung gestellt.

Recherche, Abschriften und Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 04/2021