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01.04.2022 – Gründung der „SoLawi Ottobeuren - Markt Rettenbach“


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Nach ca. einem halben Jahr der Vorbereitung wurde am 9. Februar 2022 bei einem Treffen per Skype deutlich, dass das Interesse groß genug ist, um mindestens 15 (von maximal 21) verfügbaren Ernteteilen – ein Ernteteil reicht für zwei bis drei Personen – vergeben zu können. Nach der Veröffentlichungen in den umliegenden Gemeindeblättern durch Projektmanagerin Miriam Marihart sowie durch Mundpropaganda hatten sich sechs weitere SoLawi-Interessierte gemeldet, am 1. April waren es schließlich 21.

Hans Georg Schafroth und Sonja Baumberger hatten sich auf Vermittlung der Ökomodellregion Günztal bereiterklärt, sich des Themas „solidarische Landwirtschaft“ anzunehmen und eine Ackerfläche zu stellen.
„Solidarisch“ bedeutet: Selbst wenn die Ernte aufgrund von Unwettern ausfällt oder Wildschweine über den Acker herfallen, wird der Erzeuger bezahlt. Die Ernteteiler sollen ihre Arbeitskraft in gewissem Umfang einbringen. Die Teilnehmer legten sich für die Zeit vom April 2022 bis März 2023 – auf ein Jahr – fest und zahlen monatlich 85 Euro. Den Beteiligten geht es um Nachhaltigkeit und regionale Erzeugung. Der Zusammenhalt als Gemeinschaft ist ein weiteres Anliegen. Informationen zum Prinzip finden sich auf der Webseite des Netzwerks solidarische Landwirtschaft. Schützenhilfe leisteten die SoLawis Bamberg und Bad Grönenbach. Auch im Grünen-Ortsverband Ottobeuren war das Thema mehrfach auf der Tagesordnung.

Für den Biohof von Hans Georg Schafroth – spezialisiert auf Mutterkuhhaltung – begann ein Prozess intensiver Vorbereitungen. In regelmäßigen Newslettern wurden alle Beteiligten umfassend informiert.
Schon bald nach dem Treffen im Februar begannen die ersten Vorarbeiten, die Ackerfläche musste erweitert und vorbereitet werden. Die – am unmittelbaren Südrand von Markt Rettenbach gelegene – Ackerfläche wurde ausgesteckt und am 5. März von einem Lohnunternehmer für die SoLaWi von bisher 360 um 2000 m² erweitert. Damit können ca. 50 Menschen mit Gemüse und Salat versorgt werden. Aufgrund des günstigen Wetters konnte der Acker mit der Kreiselegge bearbeitet werden. Der Wiesenumbruch musste an anderer Stelle ausgeglichen werden, die untere Naturschutzbehörde genehmigte hierfür die Anlage von Blühflächen.   

Die Firma Erdbau Gregg richtete den Zugang vom zukünftigen Geräteschuppen zum Feld her. In Benningen stand ein gebrauchter Einachsschlepper der Firma BCS (Powersafe 740) zur Abholung bereit, eine Übergabe musste seitens der Firma Gaum Covid-bedingt kurzfristig abgesagt werden. Eine Fräse wurde von 60 cm Arbeitsbreite auf 80 cm Arbeitsbreite umgebaut, ein solches Gerät ist für die Zwecke der SoLawi besser geeignter als eine Anbaufräse für den Traktor, denn damit kann bei der Anlage der Beete auf Traktorspuren verzichtet werden. Dies spart Platz und verursacht weniger Bodenverdichtung.

Bioland-Gartenbauberater Michael Schudde, der mehrere SoLawi begleitet – förderte das Projekt, es wurden die Setzlinge und Samen eingekauft und geliefert, die erste Jungpflanzenlieferung (Krulsalat, Oriental Greens, Spinat, Zwiebeln) wurde für Mittwoch, 06.04.2022, angekündigt. Der zeitige Kauf war dringend erforderlich, da die Pflanzen auf Bestellung gezogen werden. Die Vorbestellung umfasst die Jungpflanzenlieferung bis KW 36 (Anfang September). Die Pflanzen stammen von der Firma Natterer aus Vaihingen an der Enz, die auf die Anzucht von Bioland-Jungpflanzen spezialisiert ist. Die Auslieferung erfolgt jeweils in den geraden Kalenderwochen. (Die Pflanzen der SoLawi werden zum Biohof Knaus in Mussenhausen geliefert und müssen dort abgeholt werden.)

Für Mai ist geplant, die erste Ernte (Spinat, Salat, Radieschen) einzufahren. Zwei Paletten Gemüsekisten wurden geliefert. (Die Abholung der Kisten durch die „Mitgärtner“ erfolgt ab Hof immer am Freitagnachmittag.)
Sollte es in der Hochzeit der Vegetationsperiode zu Überschüssen kommen, könnten Gemüse und Salate auf dem neuen Ottobeurer Bio-Wochenmarkt angeboten werden. In den Monaten März / April wird es kein Angebot geben, mittelfristig könnte auch diese Lücke mit einem Folientunnel und durch frostsichere Lagermöglichkeiten geschlossen werden.

Zur Vorbereitung gehörte die Beeteinteilung, alle Beete wurden zweimal gefräst, um den Mist einzuarbeiten. Eine Teillieferung der bestellten Kleingeräte ist eingetroffen. Für die Aussaat des Sägemüses (Karotten, Pastinaken, Rote Bete, Kürbis, Bohnen, ...) wird eine Sämaschine benötigt, beim favorisierten Gerät (Terrateck JP-1) gab es Lieferengpässe, sie war bis zum Zeitpunkt des Gruppenbildes nicht eingetroffen. Die erste Ansaat muss deshalb von Hand vorgenommen werden.

Überlegungen bedurfte es auch bzgl. der Nährstoffversorgung, nachdem der Phosophor-Gehalt, der Kalium-Gehalt und der pH-Wert deutlich zu niedrig waren, bestand dringender Handlungsbedarf, um den sehr sauren pH-Wert etwas zu neutralisieren wurden 750 kg „Ökophos Plus“ ausgebracht. (Es handelt sich dabei um eine Mischung aus feinst vermahlenem Dolomit, weicherdigem Rohphosphat und Naturgips mit anschließender Granulierung, die von der DüKa Düngekalkgesellschaft mbH – einer Vertriebsorganisation für Naturkalk-Produkte in Bayern – vertrieben wird und die für den ökologischen Landbau zugelassen ist.) Da das in „Ökophos Plus“ enthaltene Phosphat zur Deckung des Bedarfs nicht ausreichte, wurden zusätzlich 18 m3 Gülle ausgebracht. Da auch dies noch nicht ausreichte, um einen „normalen“ Phosphor-Gehalt zu erreichen, wurden zusätzlich noch 12,5 t Rindermist ausgebracht. Mist enthält zusätzlich Kohlenstoff, um das ebenfalls nicht ganz so günstige Stickstoff/Kohlenstoff-Verhältnis zu verbessern. Gülle und Rindermist stammen aus der eigenen Mutterkuhhaltung, es ist also betriebseigener organischer Dünger.
Darüber hinaus wurden 150 kg Kaliumsulfat bestellt. Auch hier handelt es sich um ein für den Öko-Landbau zugelassenes Produkt. Nach Aussage von Michael Schudde war die beschriebene Düngung jedoch unbedingt erforderlich, damit „einigermaßen vernünftig“ Gemüse angebaut werden kann. Um das Ganze einzuarbeiten musste der Acker nochmals gegrubbert werden.

Nachdem der ausgebrachte Mist etwas abgetrocknet und eingearbeitet war, konnten die Beete angelegt werden: 100 Beete mit je 80 cm Breite (das entspricht der Breite der Ackerfräse) und 20 m Länge, dazwischen 40 cm breite Wege. Diese wurden mit Hilfe eines kleinen Häufelpflugs und einer 50 m Seilwinde angelegt, die den Pflug über den Acker zog.

Um das Regenwasser vom Dach des Feldstadels für die SoLawi nutzen zu können, wurde ein IBC-Tank mit 1.000 l Fassungsvermögen angeschafft, aufgestellt und an die Regenrinne angeschlossen. (Sollte diese Art der Wassergewinnung gut funktionieren, kann das Speichervolumen durch weitere IBC-Tanks auf insgesamt bis zu 6.000 l erweitert werden.) Der Klimawandel lässt grüßen: In Anbetracht der Tatsache, dass es auch bei uns mittlerweile Trockenperioden gibt, in denen nicht ohne Weiteres Wasser aus Gewässern (unter- oder auch oberirdisch) entnommen werden kann, sollte in jedem Fall eine gewisse Speicherkapazität vorhanden sein. Seit 10.03.2022 besteht auf der Nordseite des Hauses ein Wasseranschluss zur Versorgung des Gemüsewaschplatzes. Für die Bewässerung des Ackers wurden zwei Wasseranschlüsse montiert.

Mittelfristig sollen es 40, langfristig 60 Anteile werden. Insgesamt werden (vorerst) 30 Sorten Biogemüse und -salate angebaut. Fürs Projekt sind 200 unbezahlte Arbeitsstunden (von insg. 1000) angesetzt, die 10 Stunden pro Ernteteil lassen sich frei einteilen. Es wird auch nicht auf- oder gegengerechnet, wer wieviel Arbeitsleistung tatsächlich einbringt; auch hier gilt das Prinzip Solidarität. Viele der Ernteteiler kommen aus Ottobeuren und Markt Rettenbach, einige darüber hinaus, aus Westerheim, Attenhausen, Engetried und sogar aus Mindelheim.

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Fortsetzung folgt!