vor 1963 – „Schumacher-Bilder“ in der Mädchenschule Ottobeuren
Titel
vor 1963 – „Schumacher-Bilder“ in der Mädchenschule Ottobeuren
Beschreibung
Im Keller des Pfarrheimes – bis 1963 war im Vorgängergebäude die Mädchenschule untergebracht – fand Roland Ledermann einen zu einem Kasten umgebauten Schrank mit ca. 60 großformatigen Bildtafeln. Im Kastendeckel steht: „Schumacher-Bilder in der Mädchenschule“ mit einer durchnummerierten Liste der vorhandenen Tafeln.
Eine KI-gestützte Recherche ergab: Als „Schumacher-Bilder“ werden historische Wandbilder und biblische Bildtafeln bezeichnet, die vom Maler Philipp Schumacher (1866 - 1940) zu Beginn des 20. Jahrhunderts speziell für den katholischen Religions- und Schulunterricht geschaffen wurden. Sie prägten über Jahrzehnte hinweg das visuelle Gedächtnis von Generationen von Schulkindern im deutschsprachigen Raum. Philipp Schumacher war ein österreichisch-deutscher Maler und Illustrator, der vor allem für seine sakrale Kunst und Genremalerei bekannt war.
Die großformatigen Bildtafeln (oft auf Pappe gezogen oder als Rollbilder) wurden vor der Klasse aufgehängt, um im klassischen Frontalunterricht als Anschauungsmaterial zu dienen. Der Stil der Bildtafeln ist dem Späthistorismus und der christlichen Kunst des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zuzuordnen. Er zeichnet sich durch eine klare, gegenständliche, figurative und detailreiche Darstellung aus, die für Kinder leicht verständlich und emotional ansprechend sein sollte. Abgebildet sind zentrale Szenen des Alten und Neuen Testaments (z. B. die Schöpfung, die Geburt Christi, Gleichnisse, die Passion und die Auferstehung) sowie Darstellungen der Sakramente und der Kirchengeschichte. Der Künstler arbeitete zeitlich in der Epoche des Späthistorismus (um 1900), nutzte aber stilistisch die formalen Ideale, die die Nazarener fast ein Jahrhundert zuvor entwickelt hatten (Klarheit, Frömmigkeit, lineare Darstellung).
Die Tafeln dienten den Maria-Stern-Schwestern im Sinne des damaligen Anschauungsunterrichts dazu, biblische Erzählungen im wahrsten Sinne des Wortes „vor Augen zu führen“. In einer Zeit vor digitalen Medien und Projektoren waren diese gedruckten Wandbilder – neben den klassischen Bibelillustrationen (wie denen von Julius Schnorr von Carolsfeld) – wichtige visuelle Hilfsmittel im Religionsunterricht. Sie halfen den Lehrkräften, abstrakte Glaubensinhalte zu konkretisieren und Stundenergebnisse visuell zusammenzufassen. Den Umzug ins neue Schulgebäude an der Bergstraße haben die Tafeln im April 1963 offensichtlich nicht mitgemacht.
Was mit dem Kasten samt den Tafeln passieren soll, ist unklar, denn er muss aus Platzgründen aus dem Pfarrheim. Ein Ersatzort (z.B. Kloster) konnte noch nicht gefunden werden. Eigentlich schade, wenn wir dieses Relikt aus der alten Mädchenschule nicht in Ottobeuren halten könnten!
Urheber
Philipp Schumacher
Quelle
Pfarrheim Ottobeuren
Verleger
Helmut Scharpf
Datum
1963-07-30
Mitarbeiter
Roland Ledermann
Rechte
gemeinfrei



