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19.11.2015 - Festakt „40 Jahre Erdgas in Ottobeuren“, Jubiläumsfeier mit Benefizkonzert


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Der Schock der Ölkrise aus dem Jahr 1973 war noch allgegenwärtig. Die Bilder von menschenleeren Autobahnen haben sich bis heute in unser Gedächtnis geprägt. Man trieb verstärkt die Diversifizierung der Energieversorgung Bayerns voran. Zum Aufbau einer Erdgasversorgung in Bayerisch-Schwaben wurde 1974 erdgas schwaben gegründet. Bereits im Sommer 1975 unterschrieb Bürgermeister Martin Frehner (*23.03.1921, †13.06.2015) einen Konzessionsvertrag, nachdem einige Großverbraucher eine Anschlusszusage gemacht haben (z.B. Hotel Hirsch oder Metzgerei Högg).

Dass der Beginn des Ergasversorgung von Ottobeuren nunmehr 40 Jahre zurückliegt, wurde im Hotel Maximilian mit einem Festakt gefeiert. Im Anschluss gab es in der Basilika ein Orchesterkonzert, dessen Erlös zu gleichen Teilen der Abtei sowie der 2012 gegründeten Bürgerstiftung Ottobeuren zugute kam.

Im Einladungs-Flyer hieß es zu den Anfängen:
Martin Frehner setzte damit sehr früh auf den flexiblen Energieträger Erdgas, und er überzeugte viele Ottobeurer. Die Erinnerung an den Aufbau der Erdgasversorgung in Ottobeuren ist einem altgedienten erdgas schwaben Rohrnetzmeister auch heute noch präsent. Vor jedem seiner Besuche der Ottobeurer Baustelle hat ihn Frehner um 7:30 Uhr zum Bericht ins Rathaus bestellt: »Zuerst zu mir! Dann kannst weiter.«

Verlegt wurde die Erdgas-Leitung unter Oberingenieur Friedrich Zwickl (1919 - 2014, Aystetten). Die Gasleitung kam von Memmingen über Lachen nach Ottobeuren. Es ging durch ein Sumpfgebiet und in der Stadt per Düker durch die Mittlere Günz.
Zwickl hatte bereits 1952 die erste bayerische Ferngasleitung vom Augsburger Gaswerk Oberhausen nach Kaufbeuren/Neugablonz geplant und gebaut. (Ein Nachruf auf Friedrich Zwickl findet sich in dem Magazin heimatenergie der ergas schwaben GmbH, Ausgabe 3/2014 auf Seite 16.) Nur zum Vergleich: Blickt man in Ottobeuren auf 40 Jahre Erdgasversorgung zurück, so hat Woringen erst am 23.11.2015 einen Erdgas-Wegenutzungsvertrag unterzeichnet, um ab Herbst 2016 versorgt zu werden. Der Leitungsbau von Goßmannshofen zur (Biogas-)Heizzentrale der Wärmeversorgung Woringen GmbH wird von der schwaben netz gebaut, der 100prozentigen Netztochter von erdgas schwaben. (Quelle: Memminger Kurier, 28.11.2015)

Bürgermeister German Fries sprach zu Beginn des Festaktes ein Grußwort. Er betonete die vertrauensvolle Geschäftsverbindung und die Verlässlichkeit von erdgas schwaben. Aktuell seien dem Gasnetz 15 kommunale Versorgungsstellen angeschlossen. Mit modernen Gasbrennwertthermen und Blockheizkraftwerken sei man für die Zukunft gerüstet. Der Bürgermeister abschließend: „Wir gehen mit einem starken Partner in eine gute gemeinsame Zukunft.“
Geschäftsführer Klaus-Peter Dietmayer hielt eine 45-minütige Rede zum Thema Energiewende und in einem Gastvortrag referierte die Historikerin Dr. Maria Gramlich über die Klosterbibliothek der Abtei Ottobeuren »bis zum ausgehenden 13. Jahrhundert«. Die musikalische Umrahmung des Festaktes lag in den Händen von Oskar Riha, der mit seinen beiden Gitarren-Schülerinnen Andrea Link und ? zwischen allen Redebeiträgen spielte.

Klaus-Peter Dietmayer* ging in seinem Vortrag nur am Rande auf Ottobeuren ein. Der Leitungsanschluss war einer der problemlosesten und erreichte „eine Leitungsdichte, wie selten in einer Generation“. 2014 umfasste hatte das Leitungsnetz in Ottobeuren eine Länge von 31 km - bei 1371 Hausanschlüssen. Das Gasnetz erreiche heute in Schwaben etwa die Hälfte der Bevölkerung, lediglich in kleineren Gemeinden fehle das Angebot. Hauptanliegen des Geschäftsführers war der Hinweis, dass bei der Energiewende meist nur vom Stromsektor gesprochen werde - der aber nur einen kleineren Teil des Energieverbrauchs ausmache -, weniger vom viel entscheidenderen Wärmemarkt oder dem Verkehrssektor. Um den Ausstoß von CO2 zu minimieren - Dietmayer sprach von „Dekarbonisierung“- bedürfe es sinnvoller Investitionen, heißt: zunächst die Erneuerung der Heizanlage und Dämmung der Kellerdecke. Außerdem zeigte sich Herr Dietmayer überzeugt, dass sich Brennstoffzellen durchsetzen würden, insb. da aus Überschüssen der erneuerbaren Energieträger Wasserstoff („Power to Gas“) gewonnen werden könne, der sich wiederum bis zu 10% problemlos ins Ergasnetz einspeisen lasse.

Entdeckt hat das Prinzip der Brennstoffzelle der schwäbisch-schweizer Wissenschaftler Christian Friedrich Schönbein (1799 - 1868). Der Geschäftsführer zitierte den Romanautor Jules Verne (1828 - 1905), „der die Möglichkeiten dieses technischen Prinzips sofort erfasst zu haben scheint“. In seinem Buch „Die geheimnisvolle Insel“ (1870) lässt er seine Romanfiguren über die Energie der Zukunft diskutieren:
Das Wasser ist die Kohle der Zukunft. Die Energie von morgen ist Wasser, das durch elektrischen Strom zerlegt worden ist. Die so zerlegten Elemente des Wassers, Wasserstoff und Sauerstoff, werden auf unabsehbare Zeit hinaus die Energieversorgung der Erde sichern.

Den Ausklang der Veranstaltung fand in der Basilika Ottobeuren statt. Das Orchester Joe Hieger (Donauwörth) spielte unter der Vierungskuppel ein einstündiges Benefizkonzert. Verstärkt mit viel Technik gelang es dem Orchester, dem siebenköpfigen Background-Chor „Cantico“ (Ltg. Teresa Kiss) und den vier Solisten (Daniela Engelhardt, Hanna Klötzer, Matthias Heimbach und Gerhard Hieger), auch die hinterste Reihe der vollbesetzen Kirche zu erreichen. Der Orchester-Leiter ist gleichzeitig Mitarbeiter von „ergas schwaben nord“. Das Konzert wurde mit einem Grußwort von Altabt Paulus Weigele eingeleitet.
Zum Programm: 1 Solang' man Träume noch leben kann 2 Weihnachtsmedley 3 What a Child is this 4 Joy to the World 5 Who wants to live forever 6 Sailing 7 Tears in Heaven 8 Ameno 9 White Winter Hymnal 10 Besser als ich 11 The Millennium Prayer 12 Leise rieselt der Schnee 13 Süßer die Glocken nie klingen 14 Es werden Wunder war 15 Die Rose

Der Spendenerlös betrug knapp 2.600 Euro und wurde von ergas schwaben großzügig auf 3.000 € aufgerundet, sodass der Pfarrei (den Ministranten) und der Bürgerstiftung somit jeweils 1.500 Euro zukamen. Zum Konzert war per Mitglieder-Rundbrief am 02.11.2015 auch durch die Stiftung KulturLandschaft Günztal eingeladen worden. Im einleitenden Satz von Vorstand Michael Nett hieß es:
Die erdgas schwaben gmbh ist seit vielen Jahren Partnerin der Stiftung KulturLandschaft Günztal und hat im Jahr 2008 unter unserem Dach die „ergas schwaben naturschutzstiftung“ gegründet, deren Erträge ausschließlich dem Naturschutz im Günztal zu Gute kommen.

Die Memminger Zeitung berichtete am 24.11.2015 auf S. 32 unter dem Titel „Ottobeuren Vorreiter im Allgäu“.

Das zweite Fotos zeigt Altabt Vitalis Altthaler, Organisator Helmut Kaumeier (ergas schwaben), Geschäftsführer Klaus-Peter Dietmayer und die Historikerin Dr. Maria Gramlich. Auf dem dritten Bild ist neben dem Altabt links der frühere Leiter der Kurverwaltung Reinald Scheule zu sehen. Die anderen Bilder sind selbsterklärend.

*Dietmayer leitete Erdgas Schwaben gut 15 Jahre lang. Bei einem Treffen der Gesellschafter (35% gehören den Stadtwerken Augsburg, 65% der Münchner Thüga) am 3.5.2018 wurde seine Ablösung durch den Ingenieur Markus Last bekanntgegeben. Es hätte „unterschiedliche Auffassungen zur Gesamtausrichtung“ gegeben, dazu kamen laut einer Meldung der Memminger Zeitung vom 05.05.2018 (S. 6) „atmosphärische Gründe“.

Bilder, Recherche, Zusammenfassung: Helmut Scharpf (11/2015; aktualisiert 5.5.2018). Das Titelbild aus dem Einladungsflyer zeigt ein Luftbild von 1990 und ist dem virtuellen Museum entnommen. Frau Dr. Gramlich ist angefragt, ihre Dissertation über die Klosterbibliothek (ca. 2012) ins Geschichtsprojekt einzubringen. Frau Gramlich arbeitet für die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart und leitet dort die Musiksammlung.
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