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01.11.1976 - Der „Bote von Klosterwald“


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Der „Bote von Klosterwald“ (bis 1970 „Ave-Glöcklein“) war der Jahresbericht der Mädchenrealschule in Klosterwald. Initiiert wurde er von Katechet Georg Müller († 27.07.1976*). Die Schrift vermittelt auf 39 Seiten einen sehr umfassenden Eindruck über das Leben der Schülerinnen und das Wirken der Maria Ward-Ordensschwestern. Die Titelseite zeigt die am 20.07.1976 geweihte neue Glocke des Kirchturmes.

Inhalt:
Glockengruß und Glockenweihe - Hauptereignisse des Jahres / Schulalltag und Tag der Hausmusik / Besinnungstage / Marienweihe / Weihnachtsfeier / Immolata Wetter als neue Generaloberin des Maria-Ward-Institutes / Fasching 1976 / Fastenzeit / Ansprache zur Osterkommunion von Pater Wilhelm Hoeß / Denkmalschutzjahr 1975 / Aprilscherze / Internationales Stelldichein am Namenstag von Mater Oberin Hildegunde / Christus - unsere Sonne / Mater Provinzialoberin Ortrud Braun besucht unsere Schule / Gedanken zum 200jährigen Bestehen der USA - Deutscher Kultureinfluss in Amerika / Wichtige Ereignisse am Schuljahresende / Besuch von Herrn Bischofsvikar Prälat Martin Achter in Klosterwald / Achtung! Das Neueste im Hause! / Schlussfeier / Die Namen der Absolventinnen / Goldenes Jubiläum von Schwester Marzella Peischer mit Ansprache von Pater Hermann Orff [Orf?]/ Mit Schwung ins neue Schuljahr / Lächelnde Spalte (Stilblüten) / Klassentreffen (ab Jahrgang 1923) / Theaterbesuche in Memmingen / gesehene Filme / Das Sakrament der Ehe spendeten sich ... / Todesanzeigen:
Mater Emeritia Mayr, 01.04.1890 - 27.07.1976
Fräulein Hildegunde Frühholz
Margarete Ostler, geb. Streif, † 06.12.1975
Maria Hosp, † Januar 1976
Anni Martin, geb. Fäustle, † 06.04.1976
Mater Seraphine Riedmüller, † Juni 1976
Irma Veit, 07.11.1900 - 02.08.1976
Nachruf Katechet Müller, † 05.08.1976 / Gruß an die Ehemaligen von Mater Reineldis IBMV

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Der Nachruf für Katechet Georg Müller sei hier wiedergegeben. (* Sein Sterbedatum ist hier anders angegeben als oben!)

HERR KATECHET MÜLLER, Gründer unserer Kongregation und Initiator unseres Boten wurde von Gott in die ewige Heimat gerufen
Am 5. August 1976 zog Gott den Schlußstrich unter ein segensreiches und doch sehr bitteres Priesterleben. Er holte seinen Diener zu sich in die Ewigkeit.
Herr Katechet Georg Müller wirkte von 1928 bis 1942 als Hausgeistlicher und Religionslehrer in Klosterwald. In politisch schwerer Zeit gelang es ihm, junge Menschen im Glauben an Gott so zu festigen, daß viele von ihnen heute noch in Liebe und Dankbarkeit dieses eifrigen und vorbildlichen Priesters gedenken. Außerdem begeisterte er unsere Schülerinnen zur Marienverehrung und rief mit oberhirtlicher Genehmigung unsere Marianische Kongregation ins Leben. Hie­mit ist es eigentlich sein Werk, daß sich in diesen 44 Jahren weit mehr als 1000 junge Menschen der Gottesmutter weihten, sie zu ihrer Mutter erwählten und mit Hilfe dieser Mutter ihr Leben neu gestalteten. Mit der Einführung der Marien­weihe rief er auch dieses Heftchen ins Leben, das bis 1970 unter dem Namen Ave-Glöcklein erschien.
Nach 14 segensreichen Jahren im Klosterwald wurde Herr Katechet Müller im Jahre 1942 zum Militär eingezogen. Zeitweise kehrte er in den folgenden Jahren immer wieder hierher zurück. Allmählich machten sich aber Anzeichen einer schweren Krankheit bemerkbar, die dann 1946 zum Ausbruch kam. Gott prüfte seinen treuen Diener schwer, ehe er ihn nach dreißigjähriger Krankheit zu sich in die Ewigkeit heimholte.
Die Beerdigung war so ergreifend, eindrucksvoll und würdig, wie es der eifrige Priester verdiente. Verwandte, Freunde und Bekannte, darunter als Vertretung von Klosterwald Mater Oberin Hildegunde und einige Schwestern, die ihm die letzte Ehre erwiesen, waren zutiefst erschüttert. An den Anfang des Gottesdienstes stellte der Zelebrant das Gebet von Johannes Crasset:

Ich opfere dir auf, o Herr, meinen Geist.
Ich opfere dir auf mein Herz mit allen seinen Befürchtungen und Wünschen ohne jeglichen Vorbehalt.
Ich opfere dir auf meine Seele mit all ihren Fähigkeiten.
Ich opfere dir auf meinen Leib, meine Gesundheit, meine Kräfte, mein Leben; verfüge darüber nach deinem Wohlgefallen.
Mein Herz ist bereit, o Gott, mein Herz ist bereit!
Es ist bereit, Glück zu empfangen oder in Unglück gestürzt zu werden;
es ist bereit, alles zu tun, alles zu erdulden;
es ist bereit zu leben, bereit zu sterben;
es ist bereit zu allem, was du in Zeit und Ewigkeit darüber verfü­gen magst.

Wieviel mag dieser edle Priester in drei Jahrzehnten an Einsamkeit gelitten ha­ben! Der amtierende Pfarrer wies darauf hin, daß Herr Katechet Müller zuletzt ein vergessener Priester gewesen sei. Während seiner Erkrankung schwand das Interesse für ihn immer mehr. Damit müßten wir alle uns schuldig bekennen, weil wir ihn nicht besucht haben. Auch wenn er unsere Worte nicht verstanden hätte, die Sprache der Liebe hätte ihm gewiß sein Los erleichtert.
Der Tod dieses Priesters, so schloß die Ansprache, sollte uns allen eine Mah­nung sein, denn unter uns sind noch viele ähnliche Kreuztrräger. Wir sollten an ihnen gutmachen, was wir an dem Verstorbenen versäumt haben.
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Die Geschichte von Klosterwald reicht weit in die Vergangenheit zurück. Nach einer Einsiedelei frommer Frauen (ohne Ordensregel) kam es mit Hilfe einer Äbtin aus Salzburg zur Gründung eines Benediktinerinnen-Klosters. Das heutige Klostergebäude wurde vom Ottobeurer Pater Christoph Vogt geplant, ab 1714 gebaut und zwei Jahre später eröffnet. Die Säkularisation beendete dies 1806. 1865 kauften die Englischen Fräulein aus Mindelheim das Kloster, 1866 begann der Unterrichtsbetrieb. In den beiden Weltkriegen wurde aus dem Kloster ein Lazarett. Im Oktober 1945 erhielten die Maria Ward-Schwestern die Genehmigung zum Betrieb einer Schule, die im Dezember 45 mit 56 Schülerinnen (wieder) eröffnete. Das Haus wurde als Internat geführt, Schülerinnen von außerhalb durften nur aus Eggisried und Stephansried kommen.
Der letzte Jahrgang verlies im Sommer 1995 Klosterwald. Seit 2001 befindet sich dort eine freiwillige Therapieeinrichtung für drogensüchtige Jugendliche.

Quelle zur Vertiefung:
Bräuchler, Bonifatia (Hrsg.): 125 Jahre Erziehungs- und Bildungsarbeit der Maria-Ward-Schwestern in Klosterwald: 1866 - 1991, Maria-Ward-Inst. Klosterwald, 1991, 63 S.

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Der Jahresbericht (Sammlung Helmut Scharpf) ist textdurchsuchbar gescannt, Bilder wurden nicht entrastert (exemplarisch nur das Cover). Die pdf hat knapp 19 MB und kann über den Vorschau-Reiter unten rechts oder gleich hier heruntergeladen werden.