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14.10.1927  Alois Huber stirbt in der gemeindlichen Kiesgrube von Eheim / Tod von Peter Micheler


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Ein schlichtes Wegkreuz erinnert in Eheim an den Tod des Alois Huber vor bald 100 Jahren. Über den Unglücksfall wurde im Ottobeurer Tagblatt berichtet. Der Arbeitsschutz wurde dabei nicht hinterfragt.
Ein größeres mediales Echo löste der Tod von Metzgermeister Peter Micheler (sen.) aus, der einen Tag vor Alois Hubert gestorben war. Hier die damaligen Zeitungsmeldungen:

Ottobeurer Tagblatt Nr. 237 vom 15.10.1927, S. 6:
Eheim bei Ottobeuren, 15. Oktbr. Tödlicher Unglücksfall

Ein bedauerlicher Unfall mit tödlichem Ausgang ereignete sich gestern nachmittags 3 Uhr in der hiesigen gemeindlichen Kiesgrube. Der bei Herrn Josef Weiß, Schmiedmeister [und Landwirt] dahier [Eheim 2] bedienstete Schmiedgeselle Herr Alois Huber war mit dem Loshauen von Gestein beschäftigt, als sich plötzlich eine größere Gesteinsmasse loslöste und den bedauernswärtigen 25 jährigen jungen Mann mit aller Wucht gegen einen bereitstehenden Wagen schleuderte und verschüttete. Trotzdem durch die in der Grube beschäftigten Leute sofortige Hilfe zur Stelle war, konnte der Bedauernswerte nur mehr als Leiche geborgen werden. Durch den Anprall an das Fahrzeug hat derselbe schwere Kopfverletzungen erlitten, die seinen Tod herbeiführten. – Wir werden von gewisser Seite ersucht, zu bemerken, daß der Unfall mit den Straßenbauarbeiten der Straße Guggenberg – Markt Rettenbach nicht zu tun hat.

Alois Huber war kein Betzisrieder Bürger, in keinem der Betzisrieder Ortsteile (Eheim, Guthof, Hofs, Oberhaslach, Ölbrechts, Rempolz und Unterhaslach) war ein Huber gemeldet. Eine Todesanzeige oder Danksagung ist nicht erschienen, dies war in der Zeit – vermutlich aus Kostengründen – wohl eher wohlhabenden Bürgern vorbehalten. Einer davon – der Metzgermeister Peter Micheler – starb einen Tag nach Alois Huber, wenn auch eines natürlichen Todes.

Ottobeurer Tagblatt Nr. 235 vom 13.10.1927: Todesnachricht (S. 5; siehe nachfolgender Text) und drei Todesanzeigen für Peter Micheler (S. 8; s. Bild)

Ottobeuren, 13. Okt. Todesfall. Heute früh verschied nach kurzer Krankheit im Alter von 71 Jahren Herr Peter Micheler. Metzgermeister und Teilhaber der Firma Peter Micheler, Fleischwarenfabrik G.m.b.H., dahier. Der Verstorbene war in seinen gesunden Tagen und bis ins hohe Alter in dem Geschäft, dessen Gründer er ist, tätig. Im Jahre [am 30. Mai] 1903 wurde von dem Verstorbenen, das zu beachtlicher Höhe gelangte Geschäft gegründet, das er bis zum Jahre 1912 betrieb, um dann dasselbe seinem Sohne zu übergeben. Seit dem Jahre 1920, als das Geschäft an die G.m.b.H. überging, war der Verstorbene der Geschäftsführer der Firma. Mit ihm ist ein Mann dahin gegangen, der dank seiner unermüdlichen Schaffenskraft sich unter seinen Mitbürgern und weit über seine Heimat hinaus Ansehen erworben hat. Neben seinem eisernen Arbeitswillen verfügte der Verstorbene über eine strotzende Gesundheit und erst in den letzten Monaten mußte er sich einer schweren Krankheit beugen, der er nun erlegen ist. Möge er nach seinem arbeitsreichen Leben nun ruhen in stillem Gottesfrieden. Die Beerdigung findet Samstag, den 15. Oktober, vorm. 10.30 Uhr statt.

Ottobeurer Tagblatt Nr. 238 vom 17.10.1927, S. 5:
17. Oktober. Beerdigung. Längst ruhen die Sensen der Schnitter von ihrer harten Arbeit und der Herbstwind streicht über Feld und Bäume. Sein Atem macht die Blätter und Blumen frösteln, daß sie müde werden und sterbend zur Erde fallen. Ein Schnitter aber ist es, der nie ruht und rastet, ohne Rücksicht auf Alter und Stand ist er an der Arbeit. So wurde am vergangenen Samstag ein Opfer dieses Sensenmannes zu Grabe getragen, dessen Gesundheit wohl lange sich dem Unerbittlichen widersetzte, bis auch er nach einigen Wochen schmerzhaften Krankenlagers sich im hohen Alter von 71 Jahren ergeben mußte.
Der neue Grabeshügel, über den nun die Herbstwinde wehen, er birgt die sterblichen Überreste des Herrn Peter Micheler, Metzgermeister von hier. Ein außerordentlich zahlreiches Trauergefolge war an dem offenen Grabe versammelt, ein Beweis, welcher Achtung sich der Verstorbene trotz seiner Zurückgezogenheit unter seinen Mitbürgern erfreuen konnte. Ein Berg von Blumen und Kränzen sagten dem Toten einen letzten Gruß aus seinem irdischen Leben, das ausschließlich der Arbeit und der Pflichterfüllung gewidmet war. Der amtierende Geistliche hob in seinem Nachrufe hervor, daß sich der Verstorbene nicht um der Menschen Lob und Tadel kümmerte, daß er nur nach Pflicht und Gewissen handelte. Er entwarf ein Bild über das Leben des nun in der Erde Schlummernden, der durch eine harte Schule des Lebens gehen mußte. Aus kleinen Verhältnissen heraus habe sich derselbe emporgearbeitet zu Ansehen und Wohlstand, welcher Umstand ihn aber nicht von einem christlichen Leben abgebracht habe. Stets schwebte ihm die Sorge um seine Familie voran, die ihn auch bis zu seinem Tode begleitete. Möge der Verstorbene nun ausruhen von seinem arbeitsreichen Leben, dort, in der andern Welt, in stillem Gottesfrieden!

Ottobeurer Tagblatt Nr. 238 vom 17.10.1927, S. 8: Danksagung für Peter Micheler (s. Bild)