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20.01.1894  Alfred Baumgarten veröffentlicht den „Kneipp-Führer“ über die bestehenden Kneippkur-Anstalten


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Nachdem Sebastian Kneipp 1887 „Meine Wasserkur“ veröffentlicht hatte, kam es nicht dazu, dass sich – wie erhofft – die Kranken vorwiegend selbst kurierten, im Gegenteil: Der Zustrom nach Wörishofen kam erst so richtig in Fahrt. Bis zur Herausgabe des hier vorliegenden „Kneipp-Führers“ von Dr. Alfred Baumgarten Anfang 1894 erlebte das populärste Buch Kneipps bereits 50 Auflagen und war „in die meisten lebenden Sprachen übersetzt worden“, so Baumgarten in seinem Vorwort.

Ab 1890 nahm auch die Anstalts-Bautätigkeit immer größere Ausmaße an, dies nicht nur in Wörishofen, sondern vor allem in Frankreich, Österreich und sogar in den USA. Baumgarten – Kneipps „Oberbadearzt“ – nahm dies zum Anlass, zur Orientierung einen Führer über die vorhandenen Einrichtungen herauszugeben. Die neuen Anstalten bestanden oft schon länger als Kureinrichtungen (s. Stich der „Kaltwasserheilanstalt Kreuzen“ von 1871, seit 1973 Bad Kreuzen, vgl. Beschreibung von 1850) und richteten sich aus wirtschaftlicher Notwendigkeit auf das Kneipp'sche Systems aus. Die Entwicklung wurde dadurch etwas gebremst, dass es nicht genug Ärzte gab, die sich in Wörishofen fortgebildet hatten. Etliche Kommunen baten auf der Suche nach Kneipp-Ärzten direkt bei Kneipp um Rat, in der Absicht, eigene Kuranstalten einzurichten, sogar zum Kauf wurden sie Kneipp angeboten. Er hat jedoch nie auf solche Angebote reagiert.

In unserer Region gab es frühe Kneipp-Kureinrichtungen in Immenstadt, Memmingen, Mindelheim (das „Mayenbad“ von Adolf Boneberger) bei Biberach („Jordanbad“) und natürlich in Wörishofen selbst. Bei Herausgabe der Übersicht von Baumgarten war von Memmingen („Kneipp'sche Wasserheilanstalt Memmingen“ am Kempter Tor, Besitzer Johann Nepomuk Göggel, Badearzt war Dr. Franz Kleinschrod aus Wörishofen; eröffnet am 4. Mai 1891) allerdings schon keine Rede mehr. Kleinschrod (1860 - 1934) ging bereits im August 1891 nach Frankreich und wurde Arzt und Besitzer der „Kaltwasserheilanstalt“ im Luftkurort Jouy aux Arches bei Metz, genannt „das Paradies von Lothringen“. (Nach nur etwa drei, vier Jahren war er dann jedoch wieder in Wörishofen.)
In seinem Buch „Kneippkur und Heublumenkur“ (von ca. 1910) schrieb der „Sanitätsrat Dr. med. Franz Kleinschrod“ in der vierten Auflage vom Mai 1929 im Vorwort („Wie ich zur Heublumenkur kam“), was es für einen Arzt bedeutete, sich der Kneippbewegung anzuschließen: „Es war dieses damals [= um 1890] ein sehr gewagter Schritt, denn Pfarrer Kneipp und seine Wasserkur wurden in den medizinischen Kreisen für Kurpfuscherei gehalten und jeder Arzt, der sich damit befasste, galt in den ärztlichen Kreisen für verfemt und wurde aus ihnen ausgeschlossen.“

Sebastian Kneipp hat einige der Bäder persönlich eröffnet (wie das „Friedrichsbad“ des Dr. Constantin Uherek in Immenstadt am 24.05.1891 oder das „Kneippianeum“ in Andelsbuch im Bregenzerwald im Mai 1890) oder war dort zu Vorträgen (im Jordanbad z.B. am 30.10.1889, 03.07. 1892 und am 15.07.1894). Exemplarisch sind unten die Einträge für das Mayenbad (S. 95f.), das Jordanbad sowie das Hermannsbad abgeschrieben.

Für Ottobeuren wurde im Ottobeurer Wochenblatt bereits 1890 die Hoffnung ausgedrückt, dass eine Kureinrichtung eröffnet werden könnte, in der unmittelbaren Geburtsheimat Kneipps setzte diese Entwicklung aber erst 1954 ein. In Ausgabe Nr. 22 vom 29.05.1890 hieß es auf S. 3: „Möchte auch Ottobeuren bald ein Wasser-Kurort werden, es wäre auch ein materieller Vortheil für den Markt und in den Nebengebäuden, die an die Hofmühle grenzen, fände sich sicher Raum.“

Baumgarten gibt in seinem „Kneipp-Führer“ eingangs einen Kurzabriss über die Geschichte der Nutzung des kalten Wassers zur Heilung („Die Wasserheilkunde ist die einzige Heilmethode, welche uns in den Jahrtausenden, in welchen Menschen diese Welt bewohnen und durch Krankheiten geplagt werden, zu wiederholten Malen begegnet.“). Anfang bis Mitte des 19. Jahrhundert („bis in die siebenziger Jahre hinein“) stand der Ansatz des „Landwirtes und Naturheilers“ Vincenz Prießnitz (1799 - 1851) in voller Blüte, der Ansatz sei jedoch verwässert worden: „Als aber diese Kaltwasserheilanstalten anfingen, nicht Wasserheilanstalten zu bleiben, sondern die Elektrizität, die Massage und alle möglichen sonstigen Heilmethoden mit giftigen und ungiftigen Arzneimitteln mit in den Kreis der anzuwendenden Mittel gezogen wurden, begann bei manchen Anstalten der Verfall.“ Baumgarten resümiert: Das Priessnitzsche Verfahren sei „in seiner Anwendung durchweg zu stark, in seiner Dauer zu ausgedehnt, kann bei unserem neurasthenischen Zeitalter auf die. Dauer vom Durchschnittsmenschen nicht ertragen werden. Die heroischen Anwendungen rauben dem Körper zu viel Wärme, und der Rückschlag aufs Nervensystem kann so bedeutend werden, dass eine Erholung recht schwer eintritt.
Unter diesen Umständen glaubte man durch Anwendung der Elektrizität, durch Massage und durch den Gebrauch der sogenannten Nervina, d. i. Mittel, die anregend auf das Nervensystem wirken, den sinkenden Kräften aufhelfen zu müssen. Die naturgemäße Folge davon war; dass das eigentliche Studium des kalten Wassers in seiner verschiedenen Wirkungsweise auf den einzelnen Körper nicht mehr den ersten Platz bei allen Hydrotherapeuten einnahm. Reine Kaltwasserheilkünstler gab es infolgedessen äußerst wenige, und das Volk war durchaus gewohnt, eine Kaltwasserkur als etwas Besonderes zu betrachten. War die Kur beendigt, so hörten auch die Kaltwasseranwendungen auf; populär war die Hydrotherapie durchaus nicht.“ Eben, bis Kneipp sein erstes großes Werk herausgab.

Der Wörishofer Ansatz zielte außerdem auf die Masse der Armen ab, die sich keine teuren Medikamente oder Behandlungen leisten konnten. Baumgarten beschreibt diese Besonderheit: „Sehen wir uns nur an, was man braucht, um eine Kneippsche Kur zu gebrauchen und richtig durchzuführen. Nicht in der Eleganz weltberühmter Badeorte mit entnervenden Zerstreuungen ohne Ende und sündhafter Kleiderpracht sind seine Erfolge gezeitigt, sondern in einem Dörflein, das bis vor wenigen Jahren wohl kaum einer meiner Leser gekannt haben mag. Nicht kostbare Badeeinrichtungen in üppigen Räumen, sondern die Holzwanne und die Gießkanne gebrauchte er, und als Baderaum diente eine einfache Waschküche, wie sie bedürfnislosen, ländlichen Verhältnissen entspricht. Es würde zu weit führen, wollte man den Unterschied zwischen dem, was zu einer Kneippschen Kur gehört, und dem, was ein Badeaufenthalt in einem unserer modernen Luxusbäder beansprucht, weiter ausführen.“

Für den chronisch Kranken sei es schwer, den Überblick zu wahren. „Von hausärztlicher, befreundeter oder verwandtschaftlicher Seite werden ihm Dutzende von Badeorten anempfohlen, ...“ Baumgarten schaltet hier den Werbeblock: „Weil nun meiner Ansicht nach kostspielige Badeaufenthalte weit besser und zweckmäßiger durch eine richtig geleitete Kneippsche Kur ersetzt werden, muss ich es als eine recht glücklichen Gedanken bezeichnen, dass eine Verlagshandlung [Adolph Russell's Verlag in Münster in Westf.] in einem Führer eine Zusammenstellung derjenigen Heilanstalten zu bieten unternimmt, in welchen nach den Grundsätzen des greisen Meisters der Wasserheilkunde gelebt und geheilt wird.“ Es bleibt freilich unklar, warum ein Verlag im fernen Westfalen, nicht aber der sonst übliche Verlag Kösel in Kempten zum Zuge kam.

Bei der Auswahl einer geeigneten Kuranstalt predigt Baumgarten die reine Lehre: „Das Kneippsche Heilverfahren ist bei all seiner Einfachheit so eigenartig, dass es sich mit anderen Heilverfahren nicht gut kombinieren lässt. Ich würde daher dem Kranken stets den Rat geben, wenn er eine Kneippsche Kur machen will, diejenige Anstalt aufzusuchen , in welcher unter den angegebenen Bedingungen nur Kneippsche Heilmethode betrieben wird.“ Und weiter: „Die Zukunft wird einzig denjenigen Anstalten gehören, die bei tüchtiger und energischer Leitung den rein Kneippschen Standpunkt . nicht verlassen. Eine Methode, die das Mannesalter erreicht und sich durch ihre glänzenden Erfolge, ihreTüchtigkeit und Brauchbarkeit bewährt hat, hat es nicht nötig, von einzelnen, die sich besonders klug dünken, verbessert, beziehungsweise verschlechtert zu werden.“

Zur Zielgruppe führt Baumgarten auf Seite 21 näher aus: „Welche Krankheiten eignen sich wohl zur Behandlung durch die Kneippsche Heilmethode? Darauf muss ich allerdings die Antwort geben, dass es wenige oder eigentlich gar keine von den sogenannten inneren Krankheiten gibt, die sich zur Behandlung durch die Kneippsche Heilmethode nicht eigneten. Sowohl bei akuten als auch bei chronischen Erkrankungen wird der mit der Methode vertraute Arzt bezüglich der Behandlung nicht in Verlegenheit sein. Für die Anstaltsbehandlung kommen naturgemäß hauptsächlich die chronischen Krankheiten in Betracht. Vor allen Dingen ist es die große Reihe der Störungen des Nervensystems, die mit bedeutendem Erfolge von uns der Heilung entgegengeführt werden können.“ Außerdem: „Die Blutarmut, ein nahezu ebenso unbequemes Erbstück unserer Tage, von der eigentlichen Bleichsucht bis zu den Blutentartungen, die durch verkehrte oder lasterhafte Lebensweise herbeigeführt werden, mit all ihren elenden Folgezuständen und Komplikationen weicht ebenfalls auf die Dauer den mächtigen Wirkungen des Wassers und der einfachen, nach Kneippschen Grundsätzen eingerichteten Lebensweise. Auch diese Zustände können nicht in kurzer Zeit beseitigt werden.“

Baumgarten schließt seine Einführung mit den Worten: „Willst du gesund werden, so lass dich nach Kneippscher Heilmethode behandeln, willst du gesund sein, so lebe nach Kneipps Vorschriften und willst du gesund bleiben, so härte dich ab, wie es dich lehrt der von der ganzen Welt als Vorkämpfer für die richtige Volksgesundheitslehre anerkannte und gepriesen gottbegnadete Arzt Sebastian Kneipp.“

Auch die Verlagsleitung selbst erläutert die Motivation für den vorliegenden Führer:
„Der vorliegende Kneippführer will den hilfesuchenden Kranken die bis jetzt errichteten Anstalten, an denen das Kneippsche Heilverfahren grundlegend in der Krankenbehandlung ist, in Wort und Bild vor Augen führen. In einer stattlichen Reihe von Anstalten begegnen wir recht tüchtigen, erprobten Ärzten, welche im Geiste des Herrn Prälaten Kneipp wirken, und denen volles Vertrauen entgegengebracht werden darf.
Eine Gewähr dafür, dass in allen aufgeführten Anstalten streng nach Kneippschem Verfahren behandelt wird, vermögen wir nicht zu übernehmen. Einerseits hielten wir uns nicht für berechtigt, ein Urteil über einen Arzt oder eine Anstalt zu fällen, anderseits mussten wir ausschließlich aus Berichten schöpfen, welche von den Leitern der Anstalt selbst geschrieben sind. Das beachte man wohl.
Wenn bei der Wahl die von Herrn Dr. med. A. Baumgarten, Oberbadearzt in Wörishofen, für unsern Führer geschriebene Einleitung beherzigt wird, so wird man kaum fehlgehen. Bei Anstalten, an welchen Arzt und Besitzer nicht dieselbe Person sind und deshalb ein Wechsel in der ärztlichen Leitung stattgefunden haben kann, oder an welchen neben dem Kneippschen Verfahren noch andere Systeme bestehen lasse man sich erst brieflich die Versicherung geben, dass der Arzt die Kneippsche Behandlung kennt.
Die Ärzte, deren Namen im Kneippführer in fetter Schrift gedruckt sind, waren längere Zeit in Wörishofen und besitzen Empfehlungsschreiben mit der Unterschrift des Herrn Prälaten Kneipp. Stets zu empfehlen ist, sich schon vor der Abreise bei der gewählten Anstalt anzumelden und über Unterkunft und Verpflegung zu verhandeln.“

Literaturzitat:
Baumgarten, Alfred: Kneipp-Führer. Die Anstalten in Wort und Bild. Nebst Einleitung: Wann, wo und wie ist eine Kneippsche Kur am besten zu gebrauchen?, Adolphe Russel's Verlag, Münster, Januar 1894, 188 S.
Das hier gescannte Original stammt aus der Sammlung von Helmut Scharpf. Das komplette Buch steht hier als textdurchsuchbare zum Download zur Verfügung (pdf, ca. 221 MB).

Mindelheim bei Wörishofen
Pension und Kurhaus „Mayenbad“
Besitzer: Adolf Boneberger, praktischer Vertreter der Naturheilmethode. Gegründet im vorigen Jahrhundert, im Jahre 1887 die Kneippsche Wasserkur eingeführt, somit die erste und älteste Kneippsche Kuranstalt. Die Kurgäste erhalten ihre Ordinationen von Hochwürden Herrn Pfarrer Kneipp selbst; die Anstalt steht unter Leitung des Kneippschen Oberbadearztes in Wörishofen[*]. Mayenbad hat 32 Fremdenzimmer mit 42 Betten. Pensionspreis täglich fünf Mark. Saison vom 1. April bis Mitte Oktober.
Gicht und Rheumatismus, Blutarmut, Bleichsucht, Nervosität, Zuckerkrankheit wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Bequeme und gute Verbindung mit Wörishofen per Bahn, mit Wagen oder zu Fuß durch den Wald auf einem gut markierten Fußwege. Schönste, waldreiche, geschützte und gesunde Lage in der nächsten Umgebung von Wörishofen.
Als Waldluftkurort und Naturheilanstalt seit vielen Jahrzehnten besucht; ist besonders jenen zu empfehlen, welche in Wörishofen kein entsprechendes Unterkommen finden oder welchen der Aufenthalt in Wörishofen wegen der vielen Kranken nicht angenehm ist.
Das Mayenbad hat freundliche Fremdenzimmer, schöne Badeinrichtung, großen Kurgarten mit gedeckter Wandelbahn, große Wiese zum Barfußgehen, geräumiges Bassin zum Wassergehen, Turnplatz, gedeckte Kegelbahn, schattigen Restaurationsgarten am Kurhause. Meilenweite Nadelholzwaldungen mit Promenadenwegen, Ruhebänken in unmittelbarer Nähe. Gelegenheit zu hübschen Ausflügen in die nächste Umgebung, Gelegenheit zu Jagd und Fischerei.
* Sprich: dem Verfasser Baumgarten selbst.

Immenstadt. (Bayern.)
Kneippsche Wasserheilanstalt „Friedrichsbad“.
Besitzer und leitender Arzt: Dr. Uherek. Zimmer von 1 Mk. bis 5 Mk. täglich. Beköstigtung I. Kl. 4 Mk., II. Kl. 3 Mk. Arzthonorar ist in diesen Preis einbegriffen. Anwendungen 1 Mk. Behandlung streng nach Kneipp. Der Arzt war in Wörishofen.
Immenstadt, eine Stadt mit 3300 Einwohnern, Station der Bahnlinie München - Lindau, liegt malerisch am Eingang in das bayerische Hochgebirge (Allgäuer Alpen) am Fuße des „Immenstädter Horn“, im Thale des Alpsees und der lller. Als beliebter Kurort bekannt, bietet es reichliche Gelegenheit zu kurzgemäßen Spaziergängen, reizenden Ausflügen sowohl zu Fuß als mittelst Bahn, zu Berg- und Seepartien.
Friedrichsbad – höchstgelegene Kneippsche Anstalt – in herrlicher, geschützter Lage, 5 Minuten nördlich von der Stadt, gestattet den vollen Blick auf das prachtvolle Gebirgspanorama. Das Kurhaus bietet Raum für 50 Kurgäste und entspricht in Bezug auf Komfort allen Anforderungen der Neuzeit. Eine große, geschlossene und heizbare Halle dient als Wandelbahn. Im Winter bedeutend ermäßigte Preise.

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Am Hauseingang der Wohnanlage „Ob der Ach 2“ in Immenstadt hängt eine Tafel, auf der die Geschichte des Hauses erläutert wird:
1890-91 Errichtung des Haupthauses als „Kaltwasseranstalt Friedrichsbad“ mit davorliegendem Badehaus durch Dr. med. Constantin Uherek (1855 - 1926).
Einweihung am 24. Mai 1891 in Anwesenheit von Pfarrer Sebastian Kneipp. Im Haus befanden sich Speisesaal, Café, Leseraum und 22 Gästezimmer.
Bis 1914 von in- und ausländischen Kurgästen besucht.
1921 Verkauf des Bades an die Stadt Immenstadt und Einbau von Wohnungen.
1984 Übergang in Privateigentum und von 1985 - 95 Umwandlung in eine Eigentumswohnanlage.
(Das Foto vom 01.03.2021 zeigt die Eigentumswohnanlage.)


Jordanbad bei Biberach.
Kneippsche Wasserheilanstalt „Jordanbad“.
Jordanbad bei Biberach. (Württbg.) Älteste und größte Kneipp'sche Wasserheilanstalt. Besitzer: Barmherzige Schwestern. Bestehend schon 1447 als Stahlbad, 1888 Umwandlung zu einer Kneippschen Heilanstalt begonnen, 1889 am 23. April als solche eröffnet. Arzt: Dr. med. Joh. Nep. Stützle. Kurgäste sind 140 unterzubringen. Kurkosten täglich 50 Pfg. bis 1 Mk. 20 Pfg. einschließlich Wickeln etc. Pensionspreis I. Kl. 3 Mk. Geöffnet das ganze Jahr hindurch. Behandlung streng nach Kneippschen Grundsätzen.
Das Jordanbad ist durch täglich 3malige Fahr-Postverbindung und im Sommer außerdem durch 4malige Omnibusverbindung mit dem nur 3 Kilometer entfernten Bahnhof Biberach (Bahnlinie Ulm - Friedrichshafen) auf prächtiger, ebener Straße leicht zu erreicben, ebenso in 20 Minuten vom Bahnhof Ummendorf aus (Station für die vom Bodensee kommenden Fremden). Auf rechtzeitige Bestellung erfolgt Abholung der Kurgäste auf einer der beiden genannten Bahnstationen, am besten in Biberach, mit Bade-Equipage, bequemem offenen oder geschlossenen Wagen.
Das Jordanbad liegt 530 m über dem Meere, 3 Kilometer von der württembergischen Oberamtsstadt Biberach in dem naturschönen, freundlichen Rissthale. Dasselbe ist ein von Stadt und Dorf gänzlich getrennter Häuserkomplex, in dem Mittelpunkte der sanften Abdachung eines halbkreisförmigen Höhenzuges liegend. Die lang gestreckte Front des Kurhauses ist dem Süden zugekehrt. In unmittelbarem Anschluss an die Badegebäude erhebt sich eine mit Laub und Nadelholz dicht bewaldete Anhöhe, welche das Bad gegen rauhe Nord- und Nordostwinde schützt.

Dieser von bequemen, teils sanft, teils stark ansteigenden Wegen durchkreuzte 100 Hektar große Wald schweift sich nach rechts und links in sanft geschwungenen Hochterrainlinien über weite Strecken aus, den schönsten und gesundesten Spaziergängen ungemessenen Raum bietend, während in den Niederungen des Riss- und Umlachthales saftige Wiesen dem Auge entgegenlachen, über welche hinweg an einigen Stellen der Landschaft die Alpenkette den nachbarlichen Gruß herübersendet. Ausgedehnte Fernsicht auf die Allgäuer, Vorarlberger und Schweizer Alpen genießt man vom anstoßenden Jordanberg und den benachbarten Höhen aus in reicher Abwechslung.
Zwischen den einzelnen Gebäuden des Jordanbades und unmittelbar anstoßend an dieselben breiten sich in der Ebene schöne Alleen und schattige mit Ruhebänken versehene Anlagen aus und gewähren angenehmen Aufenthalt im Freien; für denselben Zweck ist übrigens auch bei ungünstiger Witterung durch eine gedeckte Halle und besonders gut durch eine lange heizbare Wandelbahn Vorsorge getroffen.
Die Heilanstalt besteht aus sieben Wohngebäuden mit über hundert teils einfach, teils komfortabel eingerichteten Zimmern, und einem neuerbauten mit dem Kurhause durch bedeckten Gang verbundenen Restaurationsgebäude mit großer Veranda; dasselbe ist nur den Kurgästen zugänglich und enthält zwei prächtige Säle mit Billard und Pianino. Der Konversations- und Lesesaal mit großem überdachten Balkon befindet sich im Kurhaus. Außerdem ist Gelegenheit zum Logieren in Waldluft durch das im Walde oben gelegene zehn Wohnzimmer umfassende „Waldhaus“ geboten. Die 44 Zimmer des Kurhauses sind insgesamt mit neuer, eleganter Einrichtung und die ganze Anstalt mit durchweg neuen Betten versehen, sowie fast sämtliche Zimmer mit neuen Möbeln ausgestattet.
Katholischer Gottesdienst findet täglich statt, evangelischer in dem nahen Biberach.
Für den Winteraufenthalt ist das neuerbaute große Kurhaus, sowie auch das nahe Badehaus bestens eingerichtet.

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Abschriften, Recherche, Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 02/2021