Marktgemeinde Ottobeuren
Marktplatz 16
87724 Ottobeuren
T. +49 (0)8332 9219-50
F. +49 (0)8332 9219-92
info@ottobeuren-macht-geschichte.de
www.ottobeuren-macht-geschichte.de




05.08.2022 – Ausstellung „Daring to dream“ im Kunerth-Museum


  • Die Datei ist zu groß, um als Vorschau angezeigt zu werden. Bitte öffnen oder speichern Sie sie über den Download-Button (hier am Fenster rechts unten).
    This file is too big to be displayed in the preview window. Please open or save it by using the download button (bottom right, next to this window).

   Download

Viele von uns haben solche Kunstwerke miitlerweile meist im Keller eingelagert: Schallplatten waren mehr als nur Tonträger, deren Hüllen wurden durch großartige Künstler zu eigenständigen Kunstwerken. Insofern war es naheliegend, dass am 5. August 2022 einige Ottobeurer ihre alten Schallplatten hervorkramten, um sie bei der Vernissage von Aubrey Powell signieren zu lassen. Sein Studio existierte von 1968 bis 1985. Dieser besonderen Kunstform widmet sich die Ausstellung „Daring to dream. The Album Cover and Photo Designs of Hipgnosis“ bis 27. November.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort, konnte Aubrey Powell (*1946) – zusammen mit Storm Thorgerson Begründer der britischen Grafikdesign-Agentur „Hipgnosis“ – schon in jungen Jahren spätere Berühmtheiten fotografieren. Bei Wikipedia heißt es zur Agentur:
Sie erstellten Schallplattencover für Pink Floyd, Led Zeppelin, Genesis und andere Künstler, die bei dem Plattenlabel Harvest unter Vertrag waren. Erkennungsmerkmal und Haupt-Element der Covergestaltung waren zumeist surrealistisch inszenierte Fotografien. Der Unternehmenssitz war in London. (...) Vor allem in den 1970er Jahren setzte Hipgnosis Maßstäbe bei der innovativen Gestaltung des Erscheinungsbilds von Rock- und vor allem Artrock-Alben, die hier zu einer eigenen Kunstform erhoben wurde. Dieses Verdienst wirkt in Kompendien und Rock-Lexika bis heute nach.

Bei der Vernissage begrüßte Museumsleiter Markus Albrecht die Gäste, Duscha Rosen (von der vertretenden Browse Gallery aus Berlin) sprach im Anschluss. Der Künstler Aubrey Powell stellte seinen Lebensweg, die Entstehung der Plattencover und so manche Anekdote aus seinem Leben vor. Mit Bedauern verwies er auf das Aufkommen der CD 1982, die wegen der geringeren Größe kaum mehr Spielräume für die bisherige gestalterische Ausdrucksform ließ.
Powell hat trotz alledem noch immer Spaß am Erzählen. Er suchte den Kontakt mit dem Publikum und stand im Anschluss bereitwillig für Autogramme zur Verfügung. Ein Foto zeigt ihn mit seiner Frau – Diana Powell – vor dem schwarzen Pink Floyd-Cover mit dem Prisma und den darin gebrochenem Lichtstrahl.

Gudrun Schäpers (Gesang) und Markus Hummel (Klavier) umrahmten die Veranstaltung musikalisch, indem sie die Songs der damaligen Zeit präsentierten.
Aus dem umfangreiche Werkstatt-Archiv wurden für die Ausstellung über 50 großformatigen Sieb- und Kunstdrucke der HIPGNOSIS Album Cover zusammengestellt. Außerdem findet sich eine Auswahl von ca. 40 Band- und Musiker-Porträts. Alle Bilder sind mit ausführlichen Bildunterschriften mit Erinnerungen von Aubrey Powell versehen.  

Auf der Internetseite des Museums für zeitgenössische Kunst Diether Kunerth steht:

HIPGNOSIS – ALBUM COVER KUNST
Hipgnosis legte Anfang der 70er Jahre bahnbrechende künstlerische Innovationen in der Gestaltung von Plattenhüllen vor und waren auch dank ihrer unglaublichen Produktivität das wohl berühmteste Album Cover Design Studio weltweit.
Generationen von Foto- und Produktdesignern wurden von Hipgnosis beeinflusst, ihre Arbeiten wurden zu Ikonen der Popmusikgeschichte und -kultur. Hipgnosis wurde zu dem Studio für Album Cover Design, denn Aubrey Powell und Storm Thorgerson revolutionierten die Kunst des Album Cover Designs. Jenseits des traditionellen Band-Porträts ließen sie sich für ihre Gestaltungsansätze von Prinzipien des Dada und des Surrealismus leiten.
Häufig bezeichneten sie ihre Fotodesigns als „non-covers“.
1973 wurde Hipgnosis international berühmt mit seinem Cover-Design für Pink Floyds The Dark Side of the Moon, das für den Grammy nominiert war – ein Wendepunkt. Ab hier war der Erfolg vorprogrammiert; die Macher erhielten breite Anerkennung für ihre
neuen Gestaltungsansätze, die sie „Fotodesigns“ nannten; surreale Bilder auf der Basis von Fotografien, die sie neuartigen und ungewöhnlichen Bearbeitungstechniken unterzogen. Lange vor der Verbreitung digitaler Bildbearbeitung schuf Hipgnosis phantastische surreale fotografische Bildkompositionen, in dem sie Doppelbelichtungen, Airbrush, Collage- und andere analoge Montage-Techniken anwendeten und Bilder von Momenten inszenierter Realität aufnahmen. Alles wurde von Hand gemacht, inklusive manueller Einfärbung und mechanischer Schnitt- und Klebetechniken. Hipgnosis war bei Plattenfirmen berühmt und berüchtigt für seine extravaganten Ideen und aufwändigen Foto-Shoots an entfernten Orten der Welt, mit großem finanziellen und logistischen Aufwand und z.T. riskanten Fotoaufnahmen:
fliegende Schweine über Battersea Power Station, Handshake mit brennendem Mann in Hollywood, bedröhntes Schaf auf Sofa am Strand von Honolulu etc.. Hipgnosis nutzte überwiegend Hasselblad-Kameras für die Arbeit; das quadratische Filmformat passte besonders gut zu der 12 x 12 Zoll großen Arbeitsfläche der Album Cover Bilder.
Arbeiten von Hipgnosis wurden berühmt für skurrilen Humor, Wortspiele, Doppeldeutigkeiten und visuelles Story telling – manchmal mit Bezug zur Musik oder zu den Texten einer Band, meist jedoch völlig unabhängig davon. Was Marcel Duchamp bereits 1917 mit seinem Urinal “Fountain” und anderen Ready-mades für die moderne Kunst behauptete, wurde 50 Jahre später zur Grundlage von Pop Art und Konzeptkunst der 60er Jahre: Nicht das Objekt selbst ist die Kunst, sondern die Idee, der Akt des Auswählens. Das war auch die Basis der Arbeit von Hipgnosis. Ihr Medium war die Fotografie. Thorgerson und Powell hatten beide an Kunsthochschulen Fotografie und Film studiert. Sie verehrten Bunuel, Godard, Duchamp und Magritte, Man Ray und Dalí. Ihre surrealen Bildkonzepte und häufig epischen Fotolandschaften zeugen von diesen Wahlverwandtschaften. Sie setzten gerne filmartige Kulissen ein, um ihre Fotografien in einer theatralischen und hoch stilisierten Form zu inszenieren – mit dramatischer Wirkung.
________________________

Kurze Ankündigungen fanden sich in der Memminger Zeitung vom 06.08.2022:
- auf S. 24 (Seite „Allgäu Kultur“: „Berühmte Plattencover im Kunerth-Museum“)
- auf S. 31; mit Foto („Neue Ausstellung in Ottobeuren: Plattencover als Kunst“)
Am 10.08.2022 erschien der Hauptartikel („Schamlos kreativ“ von Klaus-Peter Mayr).

Fotos und Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 08/2022