15.08.1904 – Primiz von Gottfried Waldmann
Titel
15.08.1904 – Primiz von Gottfried Waldmann
Beschreibung
Zur Primiz von Pater Gottfried Waldmann am 15. August 1904 finden sich im Ottobeurer Wochenblatt einige Artikel sowie Annoncen, Bekanntmachungen, Gedichte und eine Danksagung, die uns das Ereignis vor Augen führen. Aus welchem Haus Waldmann stammte, wird nicht erwähnt, möglicherweise kommt der Waldmannhof in der Oberen Straße / Ecke Zeillerstraße in Frage. Indirekt lässt sich darauf schließen, dass es sich um die Heimatprimiz – also um eine Nachprimiz – handelte, da sich in einem Artikel vom 23.08.1904 ein Hinweis findet, der andeutet, dass Waldmann als Benediktiner in St. Stephan in Augsburg lebte („ … die Freude über die Primizfeier eines Hochwürdigen Herrn aus dem Stifte St. Stephan in Augsburg …“).
Seit der Wiedererrichtung im Jahr 1834 war das Kloster Ottobeuren abhängiges Priorat von St. Stephan in Augsburg. Erst 1920 wurde aus dem Priorat wieder die unabhängige Abtei Ottobeuren.
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Ottobeurer Wochenblatt Nr. 91, 09.08.1904, S. 2
Lokales und aus dem Kreise.
Ottobeuren, 7. August. Heute abends hielt Hochw. Herr Primiziant Pater Gottfried Waldmann O.S.B. seinen feierlichen Einzug. Hochw. Herr Pfarrer Pater Wilhelm [Obermayr] und die Marktgemeinde-Verwaltung geleiteten in geschmückten Chaisen den Hochw. Herrn vom Bahnhof zur Kirche, wo die Hochw. Geistlichkeit und viel Volk seiner harrte. Am Portal ward er von einer Nichte [Kreszentia Rinderle] herzlich begrüßt mit einem sehr schönen ergreifenden Gedichte, manch warme Thräne erglänzte darüber in vieler Augen, der Hochw. Herr und seine glückliche Mutter waren tief gerührt. In der Kirche sprach Hochw. Herr Pfarrer warme Worte der Begrüßung und der Hochw. Herr Primiziant dankte herzlich für alle Ehre, gedachte liebevoll der Verstorbenen, besonders der beiden Hochw. Herren Pfarrer Koneberg und Gottfried [Godefrid Behr, †03.03.1897] und erteilte den hl. Segen. Der würdige Schluß war ein frisch gesungenes Te Deum, das dankbar aus vollstem Gefühl zum Himmel stieg. Voll Freude und Sehnsucht ist das Fest Mariä Himmelfahrt erwartet, der Tag der feierlichen Primiz.
dito, S. 4 (Annonce)
[auch: Ottobeurer Wochenblatt Nr. 93, 13.08.1904, S. 6]
Primiz-Feier.
Am Montag, den 15. August feiert der Hochw. Herr P. Gottfried Waldmann, O.S.B. sein erstes hl. Messopfer. Die Feier beginnt mit dem Einzuge in die Kirche um 9 Uhr. Zu dieser Festlichkeit werden die Pfarrangehörigen und Bewohner der Umgegend freundlichst eingeladen.
Kathol. Pfarramt Ottobeuren:
P. Wilhelm Obermayr, O.S.B., Pfarrvikar.
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Ottobeurer Wochenblatt Nr. 93, 13.08.1904, S. 5
Bekanntmachung.
Die verehrl. Einwohnerschaft Ottobeurens wird hiemit ergebenst ersucht, bei der am Montag, den 15. Angust 1904 stattfindenden Primizfeier des Hochw. Herrn P. Gottfried Waldmann O.S.B. gütigst ihre Häuser zu beflaggen.
Ottobeuren, den 11. August 1904.
Die Marktgemeinde-Verwaltung.
I.V. Schropp, Beigeordneter.
Bekanntmachung.
Aus Anlaß der Primizfeier dahier, welche am 15. August stattfinden wird, wird bekannt gegeben, daß Fremde, d.h. nicht in der Gemeinde Ottobeuren wohnhafte Gewerbetreibende, Gegenstände ihres Gewerbes nicht feilbieten dürfen.
Zuwiderhandelnde werden nicht nur weggewiesen, sondern haben auch zu gewärtigen, daß sie gemäß § 149 Abs. 6 der Gewerbeordnung zur Anzeige gebracht werden.
Ottobeuren, den 11. August 1904.
I.V. Schropp, Beigeordneter.
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Ottobeurer Wochenblatt Nr. 94, 16.08.1904, S. 3
Ottobeuren, 16. August. (Primizfeier.) Das Fest Maria Himmelfahrt war ein hehrer Freudentag für unsere Pfarrgemeinde und die Umgebung, aus welcher zahlreiche Gläubige in das festlich geschmückte Gotteshaus strömten. Die Feier erhielt eine besondere Weihe durch die Anwesenheit des hochwürdigsten Herrn Abtes, der vorgestern Abend zur größten Freude der ganzen Pfarrgemeinde von Augsburg herbei eilte, um der Primiz seines jüngsten Priesters beizuwohnen. Schon am frühesten Morgen des vom herrlichsten Wetter begünstigten Festtages ließ es sich die verehrliche Blechmusikkapelle nicht nehmen, dem hochverehrten Herrn Primizianten, der ja ein Sohn unserer Gemeinde ist, ein reizendes Ständchen zu bringen, das denselben sichtlich erfreute. Um 9 Uhr erfolgte der feierliche Einzug des Hochwürdigen Herrn Primizianten in das Gotteshaus unter festlichem Geläute und den feierlichen Klängen unserer großen Orgel. Die Festpredigt hielt der Hochwürdige Herr Joseph Wassermann, welcher in warm empfundenen, begeisterten Worten das Verhältnis von Priester und Volk schilderte und seinem lieben Freunde herzliche Geleitsworte mit auf den Weg gab. Beim feierlichen Hochamt assistierte dem Hochwüridigen Herrn Primizianten, dessen Jugendfrische und ungewöhnlich starke Stimme bis in die fernsten Räume des geräumigen Gotteshauses drang, der Hochwürdige Herr P. Prior und als Leviten P. Raphael Sollert und P. Bonifaz Kraus.
Der Musikchor führte unter der bewährten Leitung unseres verehrten Herrn Chorregenten Schuster in recht wackerer Weise eine Messe von Filke auf. Nach dem feierlichen Te Deum geleitetete der Convent die aus der Umgebung erschienenen geistlichen Herrn, die löbliche Gemeindeverwaltung und die zahlreiche Verwandtschaft des Herrn Primizianten, denselben an die Klosterpforte, wo ähnlich wie beim Auszuge eine Verwandte des Gefeierten je ein sinniges, rührendes Gedicht zum Vortrag brachte. Um 12 Uhr vereinigten sich alle Gäste in dem großen, neurestauriertem Refektorium des Klosters zum fröhlichen Mahle, bei welchem eine Reihe von Deklamationen und Toasten reichliche Abwechslung schafften. Um 3 Uhr hielt der Hochw. Herr
Primiziant die feierliche Vesper vor ausgesetztem Allerheiligsten und dann eine theophorische Prozession [Wikipedia: „Eine theophorische Prozession ist eine Prozession, bei der die Gottheit, ein Götterbild oder ein göttliches Symbol mitgeführt und gezeigt wird, im Katholizismus zum Beispiel das Allerheiligste in der Fronleichnamsprozession.“], damit hatte die hehre Feier ihr Ende erreicht, wir aber wünschen, um mit den Worten des Hochw. Herrn Pfarrer Weiß von Hawangen, eines nahen Verwandten des Herrn Primizianten, zu reden, daß recht bald wieder aus dieser Familie, die das letztemal vor gerade 100 Jahren in dem Hochw. Herrn P. Honorat Weiß von Füssen, der im Geburtshause unseres Herrn Primizianten das Licht der Welt erblickte, der Kirche einen braven Ordensmann geschenkt, wieder ein Gesalbter des Herrn hervorgehen möge.
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Ottobeurer Wochenblatt Nr. 95, 18.08.1904, S. 4
Danksagung.
Für die zahlreichen Ehren, welche mir bei meiner Ankunft und wiederum bei der Feier meiner Primiz von allen Seiten zuteil wurden, möchte ich auf diesem Wege allen meinen innigsten Dank aussprechen. Zu besonderem Danke fühle ich mich verpflichtet, der Hochlöblichen Marktgemeinde-Verwaltung von Ottobeuren, namentlich dem mit der Stellvertretung des leider immer noch kranken Herrn Bürgermeisters betrauten Beigeordneten Herrn D. Schropp für den feierlichen Empfang am Bahnhöfe und alle übrigen festlichen Veranstaltungen; desgleichen Herrn Lehrer und Chorregenten A. Schuster und den auf dem Kirchenchore Mitwirkenden für ihre herrlichen Leistungen und exakten Aufführungen beim Gottesdienste; ferner der Blechmusikgesellschaft und ihrem Dirigenten Herrn A. Buchenberger für das Ständchen, womit sie mich am morgen des Primiztages überraschten; dem Hauptmann der Feuerwehr Herrn M. Hebel und den dienstleistenden Feuerwehrleuten für die Aufrechterhaltung einer musterhaften Ordnung; den „Jerusalem-Pilgern“, die noch nicht ganz zurückgekehrt, telegraphisch ihre Glückwünsche schickten; endlich allen Einwohnern von Ottobeuren für die festliche Schmückung ihrer Häuser, und der gesamten Pfarrgemeinde für die grosse Anteilnahme.
Allen sei für alles von Herzen gedankt und die Versicherung gegeben, dass ich mich stets dankbar dieser Tage erinnern werde.
Ottobeuren, den 18. August 1904.
Pater Gottfried Waldmann, O.S.B.
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Ottobeurer Wochenblatt Nr. 96, 20.08.1904, S. 4
Gedichte, vorgetragen beim Empfange und bei der Primiz-Feier des Hochmürdigen Herrn P. Gottfried Waldmann O.S.B. in Ottobeuren.
Den geschätzten Lesern unseres Blattes mag es nicht unlieb sein, wenn wir im folgenden der Wortlaut der Gedichte anführen, welche beim Empfang und bei der Primiz des Hochwürdigen Herrn P. Gottfried Waldmann O.S.B. von Kleinen aus seiner Verwandtschaft vorgetragen wurden.
Beim Empfang am 7. August 1904, wurde von der Nichte Kreszentia Rinderle vorgetragen:
Der Nichte Mund soll es Dir künden, Daß Du gar sehr willkommen bist
Der großen Schar der Gläubigen, Die hier um Dich versammelt ist.
Laß grüßen Dich an heil'ger Stätte, Wo Du auf Patens Arm geruht,
Wo von den ersten Sündenmakeln Gewaschen Du durch Jesu Blut!
Laß grüßen Dich im Heiligtums, Wo oft als Knabe Du geweilt,
Wo schon in zarten Kinderjahren Der Mutter Andacht Du geteilt.
G egrüßet sei vor dem Altare, Dem Du als Jüngling oft genaht:
Wo sorglich Deine Mutter kniete Und ihrem Sohne Heil erbat!
Dies Flehen hat dem Herrn gefallen; Das zeiget uns Dein Ordenskleid.
Es ruht auf Dir des Segens Fülle: Zum Priester auch bist Du geweiht.
Sieh doch die Freudentränen glänzen Im Auge Deines Mütterleins!
Durch Dich ist ihr ein Glück beschieden, Das kaum noch größer könnte sein.
Und mit ihr jubeln all die Deinen Und freut die ganze Heimat sich;
Es freuet sich mit uns der Orden, Der reiche Hoffnung setzt auf Dich.
So ziehe hin nun zum Altars Und weihe nochmal Dich dem Herrn!
Erflehe Glück und Segen allen, Die Dir bekannt sind nah und fern!
Ja, breite die geweihten Hände Nun segnend über alle aus! —
Die freudig sind hierher gekommmen, Sie nehmen Segen mit nach Haus!
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Am Primiztage, 15. August, wurde der Hochw. Herr Primiziant im Kapitelsaale des Klosters, wo sich die Geistlichkeit, Verwandte und die Gemeindeverwaltung gesammelt hatten, bevor sich der Zug vom Kloster zur Kirche in Bewegung setzte, von Marie Fritz mit folgendem meisterhaft vorgetragenem Gedicht begrüßt:
Geöffnet ist des Tempels Pforte, Die bald ein froher Zug betritt;
Hoch schlägt das Herz der großen Menge, Die andachtsvoll zur Kirche schritt.
Laß Dich geleiten, neuer Priester! Denn Deiner harrt die gläub'ge Schar.
Mit Dir will sie vereint heut flehen Beim Erstlingsopfer am Altar.
Es wenden betend sich die Herzen Von Hunderten wohl himmelan,
Erflehen Opfermut und Stärke Für Deine ganze Pilgerbahn.
Es betet innig Deine Mutter, Die liebend teilte Dein Geschick;
Vom Himmel schaut der Vater nieder Und fühlet mit des Sohnes Glück.
Du bist der Erste aus dem Orte, Der unterm neuen Abt geweiht;
Es läßt sich denken, welche Freude Der hohe Herr empfindet heut.
Sein Segen gibt dir das Geleits Bei Deinem ersten Opfergang;
Er fließe reichlich auf Dich nieder, Erquicke Dich Dein Lebenlang!
Und wenn Du opferst am Altare Und sich das Wunder dann erzeigt,
Daß unter Brotsgestalt verborgen Der Heiland selbst herniedersteigt:
Dann denke aller, die gekommen, Zu feiern, diese Gnadenzeit!
Erflehe frohes Wiedersehen Einst in des Himmels Herrlichkeit!
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Nach der Rückkehr aus der Kirche trug vor dem Klosterportale Genoveva Waldmann ebenfalls in schönster Weise folgendes Gedicht vor:
Auf des Wissens klippenvollen Pfaden Strebtest kühn das hohe Ziel Du an,
Und es war mit Dir des Himmels Segen Auf der langen, dornenvollen Bahn.
Sag, was fühltest Du in letzter Stunde, Als der Opferduft zum Himmel drang
Und von harmonienreichen Chören Andachtsvoll das dreimal „Heilig“ klang?
Dank dem Vater, der mit treuer Liebe Deiner Kindheit ersten Reiz umgab;
Sieh, er blickt vom Himmel selig heute Auf des Sohnes hohes Glück herab!
Dank der Mutter, deren einfach Leben Einzig für des Sohnes Wohl entschwand!
Nur wer einer Mutter Herz ergründet, Kennt die Wonne, die sie heut empfand.
Dank dem Heiland; er hat Dich erkoren Für den Dienst, der Engelschultern drückt!
Einen Priester hat der Orden wieder, Darum ist er heute hochbeglückt.
Tritt nun in den neuen Kreis von Tagen. Mit Begeisterung, mit heil'gem Mut!
Sei ein Priester nach dem Gottesherzen, Für die Kirche steh' mit Gut und Blut!
Mußt auch Du des Meisters Kelch verkosten Zage nicht! Der Engel ist nicht fern;
Nach Gewittern ist die Erde schöner, Finst'rer Nacht folgt auch ein Morgenstern!
-------------------
Beim Mahle im Kloster wurde auch dem Humor und der Erheiterung Rechnung getragen durch das folgende scherzhafte Gedicht, welches die Nichte des Herrn Primizianten, Kreszentia Rinderle, von deren große Deklamationsgabe wir schon beim Empfange eine Probe gehabt hatten, wiederum recht schön vortrug:
Wer Ottobeuren näher kennet, Der weiß gar wohl dahier ein Haus,
Wo täglich viele Dutzend Kleine Mit Täschchen wandern ein und aus.
Und so ein munterer Geselle Auch ein bekanntes Büblein war,
Das nun inzwischen groß geworden Und jetzt verlebt schon manches Jahr.
Nur Hanni-Bü' hieß man den Kleinen, Der an der Mutter Seite schritt,
Und wenn das Täschchen abgenommen, Ganz friedlich dann ins Freie tritt.
Im Garten stand ein hübsches Bäumchen, Das war so zart noch und so klein.
An diesem hatte er Gefallen; Sein Liebling sollt' es fortan sein.
Bei ihm verbracht' er manche Stunde, Nichts störte ihn in seiner Ruh.
Und wenn er scheiden mußt' vom Bäumchen, Nickt' er „Ade!“ ihm nochmal zu. –
Das Bäumchen wuchs und ward zum Baume; Sein Laubdach nun so freundlich blinkt
Und jedem, der da Kühlung suchet, Gar freundlich es „Willkommen!“ winkt.
Und mit dem Bäumchen wuchs der Knabe. Wir sahen rasch sein Leben blüh'n.
Er diente eifrig am Altare, Frühmorgens eilte er schon hin.
Sein Lieblingsspiel war bald das Amten Und Predigen nach Kinderweis'.
Was er dem Herrn nur abgegucket, Das treibet er zu Haus mit Fleiß.
Ein Pfarrer will er schließlich werden – So hatte fest er es im Sinn –
Und wollte, wenn er es geworden, In seine Heimat wieder zieh'n.
Doch plötzlich ward der Plan vereitelt: Ein Jugendfreund spricht auch das Wort,
Er wolle einstens Pfarrer werden – Und zwei braucht man ja nicht im Ort!
Da stocket fast das Herz des Kleinen; Doch bald fällt ihm was andres ein:
„Der Seppel*) soll nur Pfarrer werden, Ich werde dann einst Prior sein!“
Gedacht war's gut von beiden Knaben; Es ward jedoch nicht ganz zur Tat.
Der Seppel ist wohl brav geblieben, Doch Fahnenschmied nun und Soldat.
Und was ist denn der liebe Kleine. Der mit dem Bäumchen wuchs heran? –
O seht! Er kehrte zu uns wieder Als Priester und als Ordensmann.
Er ist's, der heut' am Hochaltars Das höchste Gut in Händen hielt;
Er ist's, der uns beim frohen Mahle Als der Gefeierte heut' gilt.
Mögst, Onkel, Du dem Baume gleichen, Der den Ermatteten erquickt!
Mög Trost und Stärke bei Dir finden, Wen irgend wie ein Kummer drückt.
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*) Josef Ruf von Ottobeuren.
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Ottobeurer Wochenblatt Nr. 97, 23.08.1904, S. 2
Ottobeuren, 21. August. (Todesfall.) Leid’ und Freud’, wie nahe stehen sie einander im Menschenleben! So mußten wir uns unwillkürlich denken, als heute, wo uns die Freude über die Primizfeier eines Hochwürdigen Herrn aus dem Stifte St. Stephan in Augsburg noch ganz beherrschte, aus dieser Abtei die traurige Kunde eintraf von dem Tode des Hochwürdigen Herrn Pater Ottmar Först, Rektors des kgl. Lyzeums und Gymnasiusm St. Stephan in Augsburg, der nach jahrelangem Leiden einem besonders heftigen Krankheitsanfall der letzten Tage nicht mehr zu widerstehen vermochte, sondern, nach Empfang der hl. Sakramente, heute Sonntag morgens ½ 7 Uhr demselben erlag.
Der Hochwürdige Herr (geboren 1842 zu Drügendorf) war im Jahre 1865 in das Stift St. Stephan eingetreten und wirkte nach Vollendung seiner theologischen und philologischen Studien als Präfekt im kgl. Studienseminare St. Joseph und als Professor an der Anstalt. Als die Schule am 25. März 1903 mit dem Hochw. Herrn Dr. P. Narzissus Liebert ihren Vorstand verloren hatte, wurde Herr P. Ottmar Först an die Stelle eines Rektors der Gesamt-Studienanstalt berufen. Leider folgte er seinem Amtsvorgänge schon so bald ins Grab nach. Vielbewundert wegen seiner eisernen Willensstärke und seiner großen Liebe zur Schule und hochgeachtet ob seiner gründlichen philologischen Kenntnise, ist sein Verlust für die Schule und das Stift, dessen Mitgliederzahl in den letzten Jahren durch so viele Todesfälle bedeutend zusammengeschmolzen ist, ein doppelt schwerer Schlag. Möge das Haus St. Stephan vor derartigen Schicksalsschlägen weiterhin bewahrt bleiben; dem Verstorbenene aber wünschen wir die ewige Ruhe. R. I. P.
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Das Primizandenken (im Original 32 x 24 cm) stammt aus der Sammlung von Helmut Scharpf, 01/2026.
Seit der Wiedererrichtung im Jahr 1834 war das Kloster Ottobeuren abhängiges Priorat von St. Stephan in Augsburg. Erst 1920 wurde aus dem Priorat wieder die unabhängige Abtei Ottobeuren.
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Ottobeurer Wochenblatt Nr. 91, 09.08.1904, S. 2
Lokales und aus dem Kreise.
Ottobeuren, 7. August. Heute abends hielt Hochw. Herr Primiziant Pater Gottfried Waldmann O.S.B. seinen feierlichen Einzug. Hochw. Herr Pfarrer Pater Wilhelm [Obermayr] und die Marktgemeinde-Verwaltung geleiteten in geschmückten Chaisen den Hochw. Herrn vom Bahnhof zur Kirche, wo die Hochw. Geistlichkeit und viel Volk seiner harrte. Am Portal ward er von einer Nichte [Kreszentia Rinderle] herzlich begrüßt mit einem sehr schönen ergreifenden Gedichte, manch warme Thräne erglänzte darüber in vieler Augen, der Hochw. Herr und seine glückliche Mutter waren tief gerührt. In der Kirche sprach Hochw. Herr Pfarrer warme Worte der Begrüßung und der Hochw. Herr Primiziant dankte herzlich für alle Ehre, gedachte liebevoll der Verstorbenen, besonders der beiden Hochw. Herren Pfarrer Koneberg und Gottfried [Godefrid Behr, †03.03.1897] und erteilte den hl. Segen. Der würdige Schluß war ein frisch gesungenes Te Deum, das dankbar aus vollstem Gefühl zum Himmel stieg. Voll Freude und Sehnsucht ist das Fest Mariä Himmelfahrt erwartet, der Tag der feierlichen Primiz.
dito, S. 4 (Annonce)
[auch: Ottobeurer Wochenblatt Nr. 93, 13.08.1904, S. 6]
Primiz-Feier.
Am Montag, den 15. August feiert der Hochw. Herr P. Gottfried Waldmann, O.S.B. sein erstes hl. Messopfer. Die Feier beginnt mit dem Einzuge in die Kirche um 9 Uhr. Zu dieser Festlichkeit werden die Pfarrangehörigen und Bewohner der Umgegend freundlichst eingeladen.
Kathol. Pfarramt Ottobeuren:
P. Wilhelm Obermayr, O.S.B., Pfarrvikar.
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Ottobeurer Wochenblatt Nr. 93, 13.08.1904, S. 5
Bekanntmachung.
Die verehrl. Einwohnerschaft Ottobeurens wird hiemit ergebenst ersucht, bei der am Montag, den 15. Angust 1904 stattfindenden Primizfeier des Hochw. Herrn P. Gottfried Waldmann O.S.B. gütigst ihre Häuser zu beflaggen.
Ottobeuren, den 11. August 1904.
Die Marktgemeinde-Verwaltung.
I.V. Schropp, Beigeordneter.
Bekanntmachung.
Aus Anlaß der Primizfeier dahier, welche am 15. August stattfinden wird, wird bekannt gegeben, daß Fremde, d.h. nicht in der Gemeinde Ottobeuren wohnhafte Gewerbetreibende, Gegenstände ihres Gewerbes nicht feilbieten dürfen.
Zuwiderhandelnde werden nicht nur weggewiesen, sondern haben auch zu gewärtigen, daß sie gemäß § 149 Abs. 6 der Gewerbeordnung zur Anzeige gebracht werden.
Ottobeuren, den 11. August 1904.
I.V. Schropp, Beigeordneter.
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Ottobeurer Wochenblatt Nr. 94, 16.08.1904, S. 3
Ottobeuren, 16. August. (Primizfeier.) Das Fest Maria Himmelfahrt war ein hehrer Freudentag für unsere Pfarrgemeinde und die Umgebung, aus welcher zahlreiche Gläubige in das festlich geschmückte Gotteshaus strömten. Die Feier erhielt eine besondere Weihe durch die Anwesenheit des hochwürdigsten Herrn Abtes, der vorgestern Abend zur größten Freude der ganzen Pfarrgemeinde von Augsburg herbei eilte, um der Primiz seines jüngsten Priesters beizuwohnen. Schon am frühesten Morgen des vom herrlichsten Wetter begünstigten Festtages ließ es sich die verehrliche Blechmusikkapelle nicht nehmen, dem hochverehrten Herrn Primizianten, der ja ein Sohn unserer Gemeinde ist, ein reizendes Ständchen zu bringen, das denselben sichtlich erfreute. Um 9 Uhr erfolgte der feierliche Einzug des Hochwürdigen Herrn Primizianten in das Gotteshaus unter festlichem Geläute und den feierlichen Klängen unserer großen Orgel. Die Festpredigt hielt der Hochwürdige Herr Joseph Wassermann, welcher in warm empfundenen, begeisterten Worten das Verhältnis von Priester und Volk schilderte und seinem lieben Freunde herzliche Geleitsworte mit auf den Weg gab. Beim feierlichen Hochamt assistierte dem Hochwüridigen Herrn Primizianten, dessen Jugendfrische und ungewöhnlich starke Stimme bis in die fernsten Räume des geräumigen Gotteshauses drang, der Hochwürdige Herr P. Prior und als Leviten P. Raphael Sollert und P. Bonifaz Kraus.
Der Musikchor führte unter der bewährten Leitung unseres verehrten Herrn Chorregenten Schuster in recht wackerer Weise eine Messe von Filke auf. Nach dem feierlichen Te Deum geleitetete der Convent die aus der Umgebung erschienenen geistlichen Herrn, die löbliche Gemeindeverwaltung und die zahlreiche Verwandtschaft des Herrn Primizianten, denselben an die Klosterpforte, wo ähnlich wie beim Auszuge eine Verwandte des Gefeierten je ein sinniges, rührendes Gedicht zum Vortrag brachte. Um 12 Uhr vereinigten sich alle Gäste in dem großen, neurestauriertem Refektorium des Klosters zum fröhlichen Mahle, bei welchem eine Reihe von Deklamationen und Toasten reichliche Abwechslung schafften. Um 3 Uhr hielt der Hochw. Herr
Primiziant die feierliche Vesper vor ausgesetztem Allerheiligsten und dann eine theophorische Prozession [Wikipedia: „Eine theophorische Prozession ist eine Prozession, bei der die Gottheit, ein Götterbild oder ein göttliches Symbol mitgeführt und gezeigt wird, im Katholizismus zum Beispiel das Allerheiligste in der Fronleichnamsprozession.“], damit hatte die hehre Feier ihr Ende erreicht, wir aber wünschen, um mit den Worten des Hochw. Herrn Pfarrer Weiß von Hawangen, eines nahen Verwandten des Herrn Primizianten, zu reden, daß recht bald wieder aus dieser Familie, die das letztemal vor gerade 100 Jahren in dem Hochw. Herrn P. Honorat Weiß von Füssen, der im Geburtshause unseres Herrn Primizianten das Licht der Welt erblickte, der Kirche einen braven Ordensmann geschenkt, wieder ein Gesalbter des Herrn hervorgehen möge.
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Ottobeurer Wochenblatt Nr. 95, 18.08.1904, S. 4
Danksagung.
Für die zahlreichen Ehren, welche mir bei meiner Ankunft und wiederum bei der Feier meiner Primiz von allen Seiten zuteil wurden, möchte ich auf diesem Wege allen meinen innigsten Dank aussprechen. Zu besonderem Danke fühle ich mich verpflichtet, der Hochlöblichen Marktgemeinde-Verwaltung von Ottobeuren, namentlich dem mit der Stellvertretung des leider immer noch kranken Herrn Bürgermeisters betrauten Beigeordneten Herrn D. Schropp für den feierlichen Empfang am Bahnhöfe und alle übrigen festlichen Veranstaltungen; desgleichen Herrn Lehrer und Chorregenten A. Schuster und den auf dem Kirchenchore Mitwirkenden für ihre herrlichen Leistungen und exakten Aufführungen beim Gottesdienste; ferner der Blechmusikgesellschaft und ihrem Dirigenten Herrn A. Buchenberger für das Ständchen, womit sie mich am morgen des Primiztages überraschten; dem Hauptmann der Feuerwehr Herrn M. Hebel und den dienstleistenden Feuerwehrleuten für die Aufrechterhaltung einer musterhaften Ordnung; den „Jerusalem-Pilgern“, die noch nicht ganz zurückgekehrt, telegraphisch ihre Glückwünsche schickten; endlich allen Einwohnern von Ottobeuren für die festliche Schmückung ihrer Häuser, und der gesamten Pfarrgemeinde für die grosse Anteilnahme.
Allen sei für alles von Herzen gedankt und die Versicherung gegeben, dass ich mich stets dankbar dieser Tage erinnern werde.
Ottobeuren, den 18. August 1904.
Pater Gottfried Waldmann, O.S.B.
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Ottobeurer Wochenblatt Nr. 96, 20.08.1904, S. 4
Gedichte, vorgetragen beim Empfange und bei der Primiz-Feier des Hochmürdigen Herrn P. Gottfried Waldmann O.S.B. in Ottobeuren.
Den geschätzten Lesern unseres Blattes mag es nicht unlieb sein, wenn wir im folgenden der Wortlaut der Gedichte anführen, welche beim Empfang und bei der Primiz des Hochwürdigen Herrn P. Gottfried Waldmann O.S.B. von Kleinen aus seiner Verwandtschaft vorgetragen wurden.
Beim Empfang am 7. August 1904, wurde von der Nichte Kreszentia Rinderle vorgetragen:
Der Nichte Mund soll es Dir künden, Daß Du gar sehr willkommen bist
Der großen Schar der Gläubigen, Die hier um Dich versammelt ist.
Laß grüßen Dich an heil'ger Stätte, Wo Du auf Patens Arm geruht,
Wo von den ersten Sündenmakeln Gewaschen Du durch Jesu Blut!
Laß grüßen Dich im Heiligtums, Wo oft als Knabe Du geweilt,
Wo schon in zarten Kinderjahren Der Mutter Andacht Du geteilt.
G egrüßet sei vor dem Altare, Dem Du als Jüngling oft genaht:
Wo sorglich Deine Mutter kniete Und ihrem Sohne Heil erbat!
Dies Flehen hat dem Herrn gefallen; Das zeiget uns Dein Ordenskleid.
Es ruht auf Dir des Segens Fülle: Zum Priester auch bist Du geweiht.
Sieh doch die Freudentränen glänzen Im Auge Deines Mütterleins!
Durch Dich ist ihr ein Glück beschieden, Das kaum noch größer könnte sein.
Und mit ihr jubeln all die Deinen Und freut die ganze Heimat sich;
Es freuet sich mit uns der Orden, Der reiche Hoffnung setzt auf Dich.
So ziehe hin nun zum Altars Und weihe nochmal Dich dem Herrn!
Erflehe Glück und Segen allen, Die Dir bekannt sind nah und fern!
Ja, breite die geweihten Hände Nun segnend über alle aus! —
Die freudig sind hierher gekommmen, Sie nehmen Segen mit nach Haus!
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Am Primiztage, 15. August, wurde der Hochw. Herr Primiziant im Kapitelsaale des Klosters, wo sich die Geistlichkeit, Verwandte und die Gemeindeverwaltung gesammelt hatten, bevor sich der Zug vom Kloster zur Kirche in Bewegung setzte, von Marie Fritz mit folgendem meisterhaft vorgetragenem Gedicht begrüßt:
Geöffnet ist des Tempels Pforte, Die bald ein froher Zug betritt;
Hoch schlägt das Herz der großen Menge, Die andachtsvoll zur Kirche schritt.
Laß Dich geleiten, neuer Priester! Denn Deiner harrt die gläub'ge Schar.
Mit Dir will sie vereint heut flehen Beim Erstlingsopfer am Altar.
Es wenden betend sich die Herzen Von Hunderten wohl himmelan,
Erflehen Opfermut und Stärke Für Deine ganze Pilgerbahn.
Es betet innig Deine Mutter, Die liebend teilte Dein Geschick;
Vom Himmel schaut der Vater nieder Und fühlet mit des Sohnes Glück.
Du bist der Erste aus dem Orte, Der unterm neuen Abt geweiht;
Es läßt sich denken, welche Freude Der hohe Herr empfindet heut.
Sein Segen gibt dir das Geleits Bei Deinem ersten Opfergang;
Er fließe reichlich auf Dich nieder, Erquicke Dich Dein Lebenlang!
Und wenn Du opferst am Altare Und sich das Wunder dann erzeigt,
Daß unter Brotsgestalt verborgen Der Heiland selbst herniedersteigt:
Dann denke aller, die gekommen, Zu feiern, diese Gnadenzeit!
Erflehe frohes Wiedersehen Einst in des Himmels Herrlichkeit!
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Nach der Rückkehr aus der Kirche trug vor dem Klosterportale Genoveva Waldmann ebenfalls in schönster Weise folgendes Gedicht vor:
Auf des Wissens klippenvollen Pfaden Strebtest kühn das hohe Ziel Du an,
Und es war mit Dir des Himmels Segen Auf der langen, dornenvollen Bahn.
Sag, was fühltest Du in letzter Stunde, Als der Opferduft zum Himmel drang
Und von harmonienreichen Chören Andachtsvoll das dreimal „Heilig“ klang?
Dank dem Vater, der mit treuer Liebe Deiner Kindheit ersten Reiz umgab;
Sieh, er blickt vom Himmel selig heute Auf des Sohnes hohes Glück herab!
Dank der Mutter, deren einfach Leben Einzig für des Sohnes Wohl entschwand!
Nur wer einer Mutter Herz ergründet, Kennt die Wonne, die sie heut empfand.
Dank dem Heiland; er hat Dich erkoren Für den Dienst, der Engelschultern drückt!
Einen Priester hat der Orden wieder, Darum ist er heute hochbeglückt.
Tritt nun in den neuen Kreis von Tagen. Mit Begeisterung, mit heil'gem Mut!
Sei ein Priester nach dem Gottesherzen, Für die Kirche steh' mit Gut und Blut!
Mußt auch Du des Meisters Kelch verkosten Zage nicht! Der Engel ist nicht fern;
Nach Gewittern ist die Erde schöner, Finst'rer Nacht folgt auch ein Morgenstern!
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Beim Mahle im Kloster wurde auch dem Humor und der Erheiterung Rechnung getragen durch das folgende scherzhafte Gedicht, welches die Nichte des Herrn Primizianten, Kreszentia Rinderle, von deren große Deklamationsgabe wir schon beim Empfange eine Probe gehabt hatten, wiederum recht schön vortrug:
Wer Ottobeuren näher kennet, Der weiß gar wohl dahier ein Haus,
Wo täglich viele Dutzend Kleine Mit Täschchen wandern ein und aus.
Und so ein munterer Geselle Auch ein bekanntes Büblein war,
Das nun inzwischen groß geworden Und jetzt verlebt schon manches Jahr.
Nur Hanni-Bü' hieß man den Kleinen, Der an der Mutter Seite schritt,
Und wenn das Täschchen abgenommen, Ganz friedlich dann ins Freie tritt.
Im Garten stand ein hübsches Bäumchen, Das war so zart noch und so klein.
An diesem hatte er Gefallen; Sein Liebling sollt' es fortan sein.
Bei ihm verbracht' er manche Stunde, Nichts störte ihn in seiner Ruh.
Und wenn er scheiden mußt' vom Bäumchen, Nickt' er „Ade!“ ihm nochmal zu. –
Das Bäumchen wuchs und ward zum Baume; Sein Laubdach nun so freundlich blinkt
Und jedem, der da Kühlung suchet, Gar freundlich es „Willkommen!“ winkt.
Und mit dem Bäumchen wuchs der Knabe. Wir sahen rasch sein Leben blüh'n.
Er diente eifrig am Altare, Frühmorgens eilte er schon hin.
Sein Lieblingsspiel war bald das Amten Und Predigen nach Kinderweis'.
Was er dem Herrn nur abgegucket, Das treibet er zu Haus mit Fleiß.
Ein Pfarrer will er schließlich werden – So hatte fest er es im Sinn –
Und wollte, wenn er es geworden, In seine Heimat wieder zieh'n.
Doch plötzlich ward der Plan vereitelt: Ein Jugendfreund spricht auch das Wort,
Er wolle einstens Pfarrer werden – Und zwei braucht man ja nicht im Ort!
Da stocket fast das Herz des Kleinen; Doch bald fällt ihm was andres ein:
„Der Seppel*) soll nur Pfarrer werden, Ich werde dann einst Prior sein!“
Gedacht war's gut von beiden Knaben; Es ward jedoch nicht ganz zur Tat.
Der Seppel ist wohl brav geblieben, Doch Fahnenschmied nun und Soldat.
Und was ist denn der liebe Kleine. Der mit dem Bäumchen wuchs heran? –
O seht! Er kehrte zu uns wieder Als Priester und als Ordensmann.
Er ist's, der heut' am Hochaltars Das höchste Gut in Händen hielt;
Er ist's, der uns beim frohen Mahle Als der Gefeierte heut' gilt.
Mögst, Onkel, Du dem Baume gleichen, Der den Ermatteten erquickt!
Mög Trost und Stärke bei Dir finden, Wen irgend wie ein Kummer drückt.
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*) Josef Ruf von Ottobeuren.
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Ottobeurer Wochenblatt Nr. 97, 23.08.1904, S. 2
Ottobeuren, 21. August. (Todesfall.) Leid’ und Freud’, wie nahe stehen sie einander im Menschenleben! So mußten wir uns unwillkürlich denken, als heute, wo uns die Freude über die Primizfeier eines Hochwürdigen Herrn aus dem Stifte St. Stephan in Augsburg noch ganz beherrschte, aus dieser Abtei die traurige Kunde eintraf von dem Tode des Hochwürdigen Herrn Pater Ottmar Först, Rektors des kgl. Lyzeums und Gymnasiusm St. Stephan in Augsburg, der nach jahrelangem Leiden einem besonders heftigen Krankheitsanfall der letzten Tage nicht mehr zu widerstehen vermochte, sondern, nach Empfang der hl. Sakramente, heute Sonntag morgens ½ 7 Uhr demselben erlag.
Der Hochwürdige Herr (geboren 1842 zu Drügendorf) war im Jahre 1865 in das Stift St. Stephan eingetreten und wirkte nach Vollendung seiner theologischen und philologischen Studien als Präfekt im kgl. Studienseminare St. Joseph und als Professor an der Anstalt. Als die Schule am 25. März 1903 mit dem Hochw. Herrn Dr. P. Narzissus Liebert ihren Vorstand verloren hatte, wurde Herr P. Ottmar Först an die Stelle eines Rektors der Gesamt-Studienanstalt berufen. Leider folgte er seinem Amtsvorgänge schon so bald ins Grab nach. Vielbewundert wegen seiner eisernen Willensstärke und seiner großen Liebe zur Schule und hochgeachtet ob seiner gründlichen philologischen Kenntnise, ist sein Verlust für die Schule und das Stift, dessen Mitgliederzahl in den letzten Jahren durch so viele Todesfälle bedeutend zusammengeschmolzen ist, ein doppelt schwerer Schlag. Möge das Haus St. Stephan vor derartigen Schicksalsschlägen weiterhin bewahrt bleiben; dem Verstorbenene aber wünschen wir die ewige Ruhe. R. I. P.
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Das Primizandenken (im Original 32 x 24 cm) stammt aus der Sammlung von Helmut Scharpf, 01/2026.
Urheber
Kunstverlag Franz Böham
Quelle
Sammlung Helmut Scharpf
Verleger
Helmut Scharpf
Datum
1904-08-15
Rechte
gemeinfrei





