14.11.1922 – Schreiben an den Gemeindewaisenrat Ottobeuren

Titel

14.11.1922 – Schreiben an den Gemeindewaisenrat Ottobeuren

Beschreibung

Das Amtsgericht Ottobeuren schrieb an den hiesigen Gemeindewaisenrat eine Postkarte, frankiert mit vier Dienstmarken im Wert von drei Mark (Michel Nr. 47, 48 und zweimal Nr. 57, jeweils mit Aufdruck „Deutsches Reich“).

Der Inhalt: Die Vormundschaft über Nick Berta Eleonora, unehel., des Dienstmädchens Christine Nick von Ottobeuren, geb. am 13. November 1920 ist infolge Ablebens des Mädchens beendet, wovon ich behufts Richtigstellung der Waisenliste Mitteilung mache. Amtsgerichtsrat (L.) Gerheuser.

Recherche notwendig: Zum Schicksal des so früh verstorbenen Mädchens könnte sich etwas in den damaligen Zeitungen finden.

Im Adressbuch von 1926 sind auf S. 267 als Vertreterinnen des Waisenrates in Ottobeuren angegeben:
Anna Berchtold, Arztenswitwe
Alfons Haugg, Kunstmalersgattin
Auf Seite 274 wird die Leichenfrau Berta Nick aufgeführt, Memminger Straße 215 ½ (ebenso im Adressbuch 1931 und 1937 auf S. 305). Als Vertreterinnen des Ortswaisenrates werden 1931 genannt:
Wiehrer, M., Zigarrengeschäftsinhaberin
Jäger, M., Justizobersekretärsgattin
Im Einwohnerbuch von 1937 wird unter Ottobeuren keine Waisenrat erwähnt, nur in Ollarzried (Anton Boxler aus Daßberg)-
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Google-Auskunft im KI-Modus am 29.01.2026:

Die Aufgabe der kommunalen Waisenräte in Bayern

In Bayern ist der kommunale Waisenrat ein historisches Ehrenamt, das heute in seiner klassischen Form weitgehend durch moderne Strukturen der Jugendhilfe und des Vormundschaftsrechts abgelöst wurde. Ursprünglich hatten Waisenräte folgende Kernaufgaben:

– Unterstützung des Familiengerichts: Sie dienten als örtliche Hilfsorgane des Vormundschaftsgerichts (heute Familiengericht), um Informationen über die persönlichen Verhältnisse von Mündeln und Waisen vor Ort einzuholen.
– Vorschlag von Vormundschaften: Der Waisenrat sollte geeignete Personen aus der Gemeinde als Vormund oder Pfleger vorschlagen.
– Aufsicht und Fürsorge: Er hatte die Aufgabe, über das Wohl der im Gemeindebezirk lebenden Waisen zu wachen und dem Gericht etwaige Missstände oder Gefährdungen zu melden.

Heutige Situation:
In der modernen Verwaltungspraxis werden diese Aufgaben primär vom Jugendamt (als Teil der Landratsämter oder kreisfreien Städte) im Rahmen der Amtsvormundschaft oder durch spezialisierte Berufs- und Vereinsvormünder wahrgenommen. In manchen bayerischen Gemeinden existiert der Titel des Waisenrats noch als ehrenamtliche Funktion, beschränkt sich dann jedoch meist auf eine rein beratende oder vermittelnde Tätigkeit zwischen Bürgern und Behörden.

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Literaturhinweis zur Vertiefung:
Dennler, Wilhelm: Der Gemeindewaisenrat in Bayern: mit den wichtigsten diesbezüglichen Gesetzesbestimmungen und Ministerialbekanntmachungen, insonderheit auch dem Zwangserziehungsgesetz und dem Kinderschutzgesetz samt dem hierzu ergangenen Ausführungsvorschriften. Ein Leitfaden für die bayerischen Waisen, de Gruyter (Reprint 2021 der Ausgabe von 1906), 141 S. ISBN 978-3112507636

Sammlung Helmut Scharpf, 01/2026

Urheber

Amtsgericht Ottobeuren

Quelle

Sammlung Helmut Scharpf

Verleger

Helmut Scharpf

Datum

1922-11-14

Rechte

gemeinfrei