08.05.2026 – Eröffnung der Ausstellung „Witches and Bitches“
Titel
Beschreibung
Vernissage der Ausstellung „WITCHES AND BITCHES“ im Museum für zeitgenössische Kunst Diether Kunerth in Ottobeuren, 08.05. - 04.10.2026, kuratiert von Markus Albrecht
mit Werken von Miriam Vlaming, Isabelle Dutoit, Nina K. Jurk, Marianna Krueger, Kathrin Landa, Kathrin Thiele und Alex Tennigkeit.
Jede der Malerinnen bespielt rund zwanzig Meter der Ausstellungsfläche auf den beiden Etagen des Museums; Werke von Diether Kunerth sind diesmal nicht mit ausgestellt. Anders als sonst, wurde keine Laudatio gehalten, in einem lockeren Dialog fragte Museumsleiter Markus Albrecht die Ausstellerinnen vielmehr zum KünstlerinnenNetzWerk, das heuer seit 10 Jahren besteht, zum Ausstellungstitel und zu ihren Werken – mit spannenden Einblicken in die sehr unterschiedlichen künstlerischen Ansätze. Im Anschluss bestand die Möglichkeit, mit den fünf anwesenden Malerinnen ins persönliche Gespräch zu kommen; Miriam Vlaming und Kathrin Thiele waren an den Abend verhindert.
Markus Albrecht:
Das „MalerinnenNetzWerk Berlin-Leipzig“ (MNW) ist ein eingetragener Verein. Anlass für die Gründung war eine Ausstellung in Leipzig (in der Kunsthalle der Sparkasse, Mai - August 2015) unter dem Titel „Die bessere Hälfte“. Aber interessant wäre ja zu wissen, was denn die Gründe für die Gründung waren. Vielleicht darf ich Sie – Kathrin Landa – als Initiatorin des „Malerinnennetzwerks“ dazu befragen.
Kathrin Landa:
Der Grund für die Idee zum „Malerinnennetzwerk Berlin-Leipzig e.V. “ ist, dass in viel mehr Einzelausstellungen von Museen Werke von männlichen Künstlern ausgestellt werden. Auf dem Kunstmarkt ist Kunst von Männern viel teurer. Das bedeutet, dass wir Künstlerinnen immer noch deutlich weniger verdienen. Um das zu ändern und um die Sichtbarkeit von Künstlerinnen zu erhöhen, habe ich das Netzwerk schon 2015 initiiert. Die ersten beiden Ausstellungen habe ich zusammen mit Alex Tennigkeit, die ja auch vorne zu sehen ist, gestaltet und später mit Marianna Krueger, die Sie später kennenlernen werden.
Später kam Nina Jurk mit in den Vorstand und hat zusammen mit Isabelle Dutoit und anderen Künstlerinnen eine ganz tolle Ausstellung in Leipzig im Museum der bildenden Künste kuratiert. So sind wir über die Jahre sozusagen immer mehr in die Öffentlichkeit gerückt, haben immer mehr Aufmerksamkeit bekommen, tolle Ausstellungen kuratiert und haben wirklich viel dazu beigetragen, die Sichtbarkeit von Künstlerinnen bundesweit zu erhöhen. Durch tolle Ausstellungen in erster Linie, aber eben auch, indem wir diese Ungleichheit thematisiert haben. So viel zu unserem Engagement.
Markus Albrecht:
Den Titel zur Ausstellung haben Miriam Vlaming und ich festgelegt. Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie den Ausstellungstitel erfahren haben? Und dann gleich noch anschließend die Bitte, dass Sie uns etwas zu Ihrer Installation „Modul Source“ (hinten an der Wand) sagen.
Marianna Krueger:
Als ich von Miriam den Titel erfuhr, war das wir ein „Korken knallen“. Für mich ist das „Thema Frau“ auch ein gesellschaftliches Konstrukt in unserer Zeit.
Im London habe ich eine Ausstellung besucht. Dort wurde ein Pullover gezeigt, der aus Wolle des Klon-Schafs „Dolly“ gemacht war. Zum damaligen Zeitpunkt – vor etwa vier Jahren – hat mich dieser Pullover sehr verstört, irritiert, zum Nachdenken gebracht. Ich denke, das Klonen eines Säugetiers hat einen bestimmten Punkt überschritten, der für mich nach wie vor ethisch nicht vertretbar ist. Daraufhin kam mir ziemlich bald die Inspirationen zum besagten Werk „Modul Source“. Und die Untersuchung sollte darauf hinausgehen: Was ist das, wenn man einen Teil aus einem organischen natürlichen Ganzen entnimmt und das vervielfältigt? Und jetzt im Rückblick – also wirklich nach 25 Jahren – dieses Werk da noch einmal aufgebaut zu sehen, ist für mich wie ein Mahnmal. Dieses Herausnehmen von einem Teil und dieses Vervielfältigen eröffnet die Räume in George Orwells dystopische Welten und in Aldous Huxleys literarisches Werk. Für mich steht damit eigentlich auch die Frage im Raum, inwiefern der Fortschrittsgedanke unserer Gesellschaft wirklich noch aufrechterhalten werden kann oder ob wir nicht doch auch wieder ein Stück weit die Natur, die Rhythmen der Natur, im natürlichen Kreislauf – und damit aber auch die Frauen – wieder mehr in den Fokus unseres Menschseins rücken sollten. Frei nach Goethes Gedichtzeilen: „Und so lang du das nicht hast, Dieses: Stirb und werde! Bist du nur ein trüber Gast, auf der dunklen Erde.“ [Schlussstrophe aus dem Gedicht „Selige Sehnsucht” aus dem West-östlichen Divan, 1819; Die Zeilen bedeuten, dass der Mensch sich innerlich wandeln –etwas „sterben“ lassen – muss, um zu wachsen und ein höheres Leben zu erreichen, andernfalls verbleibt er in einer düsteren, unerleuchteten Existenz.].
Markus Albrecht:
Die nächste Frage würde ich gerne Isabelle Dutoit stellen. In Ihren frühen Werken – so bis 2013 – kamen in Ihrer Malerei noch Menschen vor. Und dann gab es ja fast so eine Art Bruch und seit dieser Zeit steht bei Ihrer Malerei das Tier im Vordergrund. Warum? Gibt es ein Tier, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Isabelle Dutoit:
Früher habe ich tatsächlich sehr viel figürlicher gearbeitet, also mit der menschlichen Figur, die auf sehr vielen Bildern vom Tier begleitet wurde. Dann gab es einen geografischen Bruch, der dazu geführt hat, dass ich keine Figur mehr in meinen Bildern haben wollte. Was blieb übrig? – die Tiere. Mittlerweile hat sich das ein bisschen verselbständigt, so dass das Tier zwar meistens in meinen Bildern auftaucht – also nicht immer – aber ich würde sagen, in den allermeisten Fällen.
Es ist ein Teil der Malerei geworden, also ein belebtes Element innerhalb eines abstrakten Kosmos von Farben.
Zu den „Witches and Bitches“ kann ich noch was erzählen: Weil ich ein Bild tatsächlich genau mit dem Wissen, dass es diese Ausstellung geben wird, tatsächlich auch gemalt habe, und zwar das Bild „Wölfe und Vögel“ – das größte Bild, das aus meinem Ausstellungsbeitrag, mit drei Wölfen und Vögeln. Die „Bitch“ sehe ich mehr als Zauberwesen in einer verwunschenen, verzauberten Szenerie. Die Bitch ist ja eigentlich ein weiblicher Wolf, eine Wölfin. Und deswegen habe ich mich auf dieser Art diesem Thema genähert.
Markus Albrecht:
Kommen wir zu Nina Jurk. Damit sind wir bei der Landschaftsmalerei. Sie malen Landschaften – zu sehen oben im ersten Stock. Sind das Fantasielandschaften oder gibt es konkrete Situationen, die Sie in Ihren Landschaftsbildern verarbeiten?
Nina Jurk:
Ich freue mich zunächst, dass ich hier hänge – und dann auch noch oben, dem Himmel ein Stück näher. Als ich den Titel hörte, musste ich schmunzeln und dachte mir, das passt ja wunderbar. Dann reite ich auf meinem Besen durch meinen Himmel; der Besen ist der Pinsel und ich bringe quasi als Alchimistin die Farben und die Weite auf die Leinwand.
In den Landschaften liegt mein ganz persönliches Naturerleben zugrunde. Ich bin ganz viel draußen unterwegs, ich wandere ganz viel. Ich bin von München zur Biennale bis nach Venedig gelaufen. Alles, was ich dort an Eindrücken, an Gerüchen, aber auch an inneren Welten aufnehme, an Gefühlen – Dinge, die mich anrühren – fließen quasi in mich hinein, werden alchimistisch in mir bearbeitet und fließen dann auf die Leinwand – als Essenz einer Landschaft. Und letztendlich liegen allen Bildern erlebte Landschaften zu Grunde; und ich hoffe, dass dadurch, dass es diese Essenzen sind, die den Betrachter im besten Falle berühren.
Markus Albrecht:
Dann kommen wir zu Alex Tennigkeit. Sie dürfen gerne auch was zu „Witches und Bitches“ sagen.
In Ihren Bildern der Ausstellung – wie zum Beispiel das Bild mit dem Titel „Do not throw away“ – geht es um unsere Umwelt. Was versuchen Sie mit ihrem Umwelt-Bildern beim Betrachter zu erreichen?
Alex Tennigkeit:
Meine Bilder sind sehr komplex. Die „Umwelt-Bilder“ – ich nennen sie jetzt einfach so – sind für mich eine neue Serie. Mich beschäftigt die Thematik sehr, aber ich denke mal: Wir sind Menschen und Pflanzen sind Pflanzen, Tiere sind Tiere, wir müssen uns irgendwie annähern. Also man muss irgendwie versuchen, das trennende Wesen zu umgehen; zum Beispiel Korallen und Flechten. Beim angesprochenen Bild handelt es sich um den Versuch zu ergründen, was in der Tiefsee an Umweltverschmutzung stattfindet und für mich sind das Versuche, mit da reinzufinden, ein Bild dafür zu finden, die ganze Thematik verstehbar, begreifbar zu machen.
Markus Albrecht:
Und vom Abschluss der ersten Runde Kathrin Landa, weil die erste Frage drehte sich an sich über das Malerinnennetzwerk. Und jetzt geht es um die Kunst; jetzt geht es ums Portraitieren. Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten beim Portraitieren. Man könnte zum Beispiel ein Portrait nach einem Foto malen, was ich mir schon ein bisschen schwierig vorstelle. Denn bei einem wirklich guten Portrait soll ja auch Charakter des Menschen rauskommen. Und zum anderen der Punkt, dass man ein Portrait in Sitzungen anfertigt. Wie machen Sie das? Welche Menschen aus welchen Lebenswelten haben Sie bereits portraitiert?
Kathrin Landa:
Generell ist es so, dass ich tatsächlich so ganz klassisch Porträt male. Die Menschen kommen in mein Studio und werden dort mehrere Stunden sozusagen von mir in Beschlag genommen. Mein Atelier ist ein sehr abgeschiedener Raum, also wenn man mich dann besucht, dann ist das so wie in einem UFO, wo man wirklich ganz für sich ist. Ich unterhalte mich sehr lange mit den Menschen, tauche in deren Lebenswelt ein. Natürlich ist das sehr intensiv – wir betrachten uns gegenseitig: Die Modelle schauen mich beim Malen an, ich schaue die Modelle an; das ist natürlich eine sehr intensive Auseinandersetzung miteinander. Da habe ich schon sehr viele Menschen sehr gut kennengelernt. Zwei Modelle sind heute Abend übrigens hier, die können Sie dazu befragen.
Grundsätzlich habe ich Menschen aus Politik und Kultur gemalt. Mein letzter Portrait-Auftrag war zum Beispiel die ehemalige Richterin am Bundesverfassungsgericht Doris König, das Bild hängt jetzt auch im Bundesverfassungsgericht. Doris König kam tatsächlich drei Mal zu mir ins Atelier, um mir für das Portrait Modell zu sitzen. Ich habe sie in dieser roten Robe gemalt. Es war für mich sehr spannend, Einblicke in diese Prozesse zu erhalten.
Dann habe ich zum Beispiel auch Wolfgang Tiefensee gemalt; er war damals der Bundesverkehrsminister. Und habe dadurch auch relativ viel über die Bundespolitik erfahren dürfen; er hat mich ein bisschen mitgenommen und ein paar Schmankerl erzählt. Auch Schauspieler wie Roman Knižka habe ich schon gemalt, bin dabei ein bisschen in die Schauspielerinnenwelt eingetaucht. Am Malen von Porträts genieße ich besonders dieses Eintauchen in diese Lebenswelt meiner Modelle.
Markus Albrecht:
Es gibt noch einer zweite Runde Fragen, aber ich glaube wir machen einmal zwischendurch Musik (mit der Band „Hot Mess“ aus Kaufbeuren).
Diesmal starten wir mit Marianne Krueger. Für die Beantwortung der Frage wäre jetzt eigentlich Miriam Vlaming prädestiniert gewesen, weil es um Eitempera geht. Sie malen bevorzugt mit Acryl, haben aber auch schon mit Eitempera gemalt. Bei meinen Führungen werde ich immer gefragt: Kann man mit Eiern Farbe machen? Wie lange hält so etwas überhaupt? Vielleicht können Sie ein bisschen davon erzählen, wir man Eitempera herstellt. Ich weiß, dass es lange hält, aber vielleicht aus berufenem Munde …
Marianne Krueger:
Da habe ich mir aber ein Ei gelegt! Ich bin jetzt wirklich nur ein ganz abgeschwächtes Surrogat für Miriam. Jetzt versuche ich das zusammen zu klauben, was ich im Studium gelernt habe. Soweit ich weiß, ist Eitempera wirklich die älteste Form eines Bindemittels – eigentlich ein ziemlich geniales, um eine nahezu unendlich lange Haltbarkeit zu gewähren. Mit Eitempera habe ich mit ein paar Bildern selbst ein bisschen rum experimentiert und die Wege von „dünn Richtung fett“ eingehalten, also: Niemals mit Ölfarbe auf Eitempera draufgehen, das geht definitiv schief. Also man könnte im Prinzip wirklich Pigmente nehmen und ein geschütteltes Ei. Das Gute ist: Es lässt sich zum Korrigieren – zeitnah – bis zu einem gewissen Grad wirklich wunderbar wieder abwaschen. Der Nachteil: Es trocknet wirklich unglaublich schnell. Wenn es etwas langsamer trocknen soll, nimmt man ein Teil Ei, ein Teil Wasser und ein Teil Leinöl, für die Haltbarkeit kann man ein paar Tropfen Nelkenöl dazugeben. Man muss ein bisschen experimentieren – viel Spaß dabei!
Erwähnen möchte ich noch die [schwedische Malerin] Hilma af Klint [1862 - 1944; sie schuf ihre ersten radikal ungegenständlichen Werke bereits im Jahr 1906 – also mehrere Jahre bevor bekanntere männliche Künstler wie Wassily Kandinsky oder Piet Mondrian ihre ersten abstrakten Bilder malten], eine der herausragendsten Pionierinnen der abstrakten Kunst, die zeitweise regelrecht verschollen war. Sie wollte auch gar nicht, dass ihre Werke zu Lebzeiten bekannt werden. Diese Frau arbeitete ausschließlich mit Eitempera. Ihre Bilder waren viele Jahrzehnte in einer sehr luftigen kalten schwedischen Scheune untergebracht und haben super überlebt; die Farben strahlen bis heute.
Markus Albrecht:
Damit kommen wir zu Isabelle Dutoit. Sie malt nicht mit Eitempera oder Acryl, sondern mit Ölfarbe. Was gibt es dabei zu beachten? Ist es schwieriger? Vielleicht erzählen Sie uns davon.
Isabelle Dutoit:
Mit Eitempera habe ich tatsächlich auch – im Studium – experimentiert, aber ich habe das nicht schnell genug verarbeitet, so dass es immer anfing, bestialisch zu stinken. Und deswegen habe ich diese Technik dann für mich verwerfen müssen. Vor allem auch das Nelkenöl: es hat mich immer so einen Zahnarzt erinnert. „Faules Ei, gemischt mit Zahnarzt, das war nichts für mich.“ Acrylmalerei betreibe ich tatsächlich überhaupt nicht, sondern male ausschließlich mit Ölfarbe – ganz schnöde gekauft, Schminke.
Für mich ist das Malen mit der Ölfarbe einfach total angenehm, erstens bleibt die Farbe relativ lange weiterverarbeitbar; wenn ich sie dünn verwende, trocknet sie dennoch relativ schnell und ich kann innerhalb von zwei, drei Tagen weiterarbeiten. Diese Pigment-Feinheit, die in Ölfarben vorhanden ist, kann man einfach bei keinem anderen Produkt finden. Wenn man hochwertige Ölfarben kauft, dann sind die Pigmente unglaublich fein verrieben und haben dadurch diese Strahlkraft – und ist deshalb mein liebstes Malmittel.
Markus Albrecht:
Dann kommen wir zu Nina K. Jurk. In meiner Frage geht es diesmal allgemein um Farben, um Farbigkeit. Sie haben vorhin erzählt, dass Ihre Landschaftsbilder mit Erlebnissen auf Ihren Wanderungen zusammenhängen. Wie findet die Farbauswahl statt? Und was ist für Sie moderne Landschaftsmalerei?
Nina Jurk:
Darüber habe tatsächlich nie nachgedacht. Wenn ich ein Bild male, stehe ich nicht da und überlege: Hier ist meine Palette; welche Farbe passt denn jetzt? Das erfolgt tatsächlich ganz intuitiv, also fast blind. Ich greife zu einer Farbe und weiß, das fühlt sich richtig an oder falsch. Es gibt Tage, da gehe ich ins Atelier und da weiß ich: Heute brauche ich gar nicht erst anzufangen, sonst versaue ich das Bild; ich muss heute was anderes machen. Und dann gibt es Tage, da weiß ich, es ist völlig ok. Interessanterweise hat mich ausgerechnet unser Kunst-Transporteur darauf gebracht, wie das mit mir und der Farbe ist: Er kennt meine Bilder ganz gut, er hat viel Ahnung von Kunst. Der kam ins Atelier, meine Arbeiten standen da und dann guckte er sich so salopp um und sagte: „Na, du bist ja auch so eine Jahreszeiten-Zyklische!“ Und dann bin ich in kurz mich gegangen, ob ich jetzt sauer sein soll, ob das frech ist, aber da habe ich gemerkt: Er hat eigentlich recht. Ich arbeite tatsächlich nach Jahreszeiten. Ich habe je nach Jahreszeit andere Farben. Ich kann jetzt die Farben nicht benennen, aber ich merke, dass ich das immer mit den Jahreszeiten ändert. Also im Winter arbeite ich anders als im Sommer als im Frühjahr als im Herbst.
Ergänzend zur Ölfarbe: Ich male auch mit Öl. Die Ölfarbe gibt mir die Möglichkeit, ganz klassisch in Schichtungen zu arbeiten, also eine Ebene auf die andere zu heben, was Geduld erfordert; weil Ölfarbe muss ja leider lange trocknen. Ansonsten ist es wie bei einer Weste, die zu eng wird: Das reißt irgendwann auf, wenn die Farbe darunter sich aufbläht. Und dann fliegen die Knöpfe ab. Das heißt, es gibt Risse in der Farbe. Man muss wirklich warten. Aber die Ölfarbe bietet durch diese Schichtungen die Möglichkeit, eine ganz hohe Tiefenwirkung zu erzielen und das ist das, was ich an der Ölfarbe liebe.
Die zweite Frage ging darum, ob das modern ist. Ich finde die Landschaftsmalerei nach wie vor hochmodern, ich weiß gar nicht, warum die aus der Mode kommen sollte! Ich suche persönlich die Orte, um in die Stille, in Kontemplation, vielleicht auch in Ruhe zu kommen. Für mich sind es Rückzugsorte, in diesem ganzen Tosen, was draußen in der Welt ist, dem Lärm. Uns fehlt die Stille; nur wenn ich in Stille komme, ist in irgend einer Form auch Veränderung möglich.
Markus Albrecht:
Mit Alex Tennigkeit gehen wir jetzt weg von der Farbe, vom Acryl und Öl, und kommen zur Selbstdarstellung. Sie arbeiten in Ihren Bild viel mit Selbstdarstellungen. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?
Alex Tennigkeit:
Häufig verwende ich mich selbst und es sind ganz unterschiedliche Themen. Am einfachsten wäre es, ich erkläre etwas zu den Bildern von oben. Einmal ist da eine Selbstdarstellung, in der stelle ich mich als Göttin Ischtar [Ishtar / Ištar*] dar. Das ist eine alt-orientalische Göttin; es geht mir darum, alles zu internalisieren, was mit dieser Thematik zusammenhängt.
[*bedeutendste Göttin des antiken Mesopotamiens; Zuständigkeiten: Sie galt als Himmelskönigin und war gleichzeitig die Göttin der Liebe, der Fruchtbarkeit und des Krieges. Symbole: Ihr bekanntestes Symbol ist der achtzackige Stern, der den Planeten Venus darstellt. Oft wird sie auch zusammen mit einem Löwen dargestellt.]
Dazu nehme ich mich selber als Material. Zur Frage, was modern ist: Die Zeit dieser altorientalischen Göttin, das ist die erste Hochkultur, Jahrtausende alt. Genau diese Frage, was daran modern ist, interessiert mich.
Zum Ausstellungsstitel „Witches and Bitches“: Es ist auch eine Form der Selbstermächtigung. Also ich greife mir diese Rolle heraus und versuche auszuloten, was darin steckt. Es geht auch um Dialektik. Das Bild daneben heißt „Newme“. Da stecken verschiedene Thematiken drin: Einerseits geht es in diesem Bild um die eigentlich unvorstellbare Idee, dass man sich zerteilt und wieder neu zusammensetzt und das spielt mit Themen des Idealismus – der „neue Mensch“ und solche Themen. Gleichzeitig hat es ein bisschen zu tun mit dem Frankenstein-Thema [Untertitel des Bildes: „Frankenstein Dance“], mit der Geburt eines neuen, besseren Wesens. Ich versetze das ins Weltall, spiele durchaus ernsthaft damit, aber natürlich sind es auch sarkastische Kommentare auf die Menschheit.
Markus Albrecht:
Sie portraitieren Frauen und Männer, aber bei uns in der Ausstellung sind jetzt nur die Männer, warum?
Kathrin Landa:
Wenn Sie in Berlin durch ein Museum, eine große Gemäldegalerie gehen, fällt Ihnen gleich auf, dass meistens der weibliche Körper dargestellt ist – und üblicherweise im Grunde immer von Männern. Durch die verschiedenen Jahrhunderte hinweg war immer ein Mann der Betrachter und die Frau des Objekt, der Mann also das handelnde Subjekt, die Frau das dargestellte Objekt und ich hatte total Lust, das einfach zu ändern! Und tatsächlich auch die sinnliche Seite des Mannes in Szene zu setzen. Denn ich finde Männer auch sehr sinnlich – also sie können sehr sinnlich sein. Das hat mir richtig Spaß gemacht.
Ich habe sehr viele Männer-Akte gemalt, Männer, die in meinem Atelier Akt lagen, über mehrere Stunden gemalt und versucht, diese Intensität und Sinnlichkeit in meinen Gemälden mit reinzubringen. In so eine passive Rolle reinzurutschen macht was mit den Männern; zuzulassen, dass die aktiv handelnde Person ein Malerin ist. Das trauen sich vielleicht nicht alle Männer, aber einige haben sich auf jeden Fall schon getraut! Diese Verschiebungen in unserer Gesellschaft interessieren mich einfach generell. Ich beobachte die Menschen und beobachte natürlich auch diese Rolle zwischen Männern und Frauen, die sich immer mehr verändert. Alle wissen: Es gibt immer mehr sehr unabhängige Frauen, die Rolle des Mannes das Beschützers und Ernährers ist nicht mehr so relevant. Dadurch muss der Mann in der Gesellschaft sich umstrukturieren, seine Rolle überdenken, seine Rolle neu interpretieren. Es fällt vielen Männern – dem Menschen generell – schwer, sich neu zu definieren, neue Rollen einzunehmen. Das sind Fragen, die gesellschaftlich extrem relevant sind, die sozusagen ganz subtil in meinen Werken mitschwingen.
Markus Albrecht:
Vielen Dank Ihnen allen, dass Sie bei diesem Frage- und Antwortspiel so schön mitgemacht haben. Und wenn ich schon beim Danke sagen bin, mache ich doch gleich weiter:
Ich danke den Mitarbeitern unseres Bauhofs, die uns wie immer bei der Hängung unterstützt haben. Danke an Gerhard Zahn, der bewährterweise Plakate, Flyer, die Einladungen und die zahlreichen Werkbeschriftungen gedruckt hat. Danke Ihnen – liebe Künstlerinnen – dafür, dass wir diese wunderschöne Ausstellung hier in Ottobeuren zeigen können und auch dafür, dass Sie sich aus Berlin und Leipzig wegen einem Tag auf den Weg nach Ottobeuren gemacht haben.
Danke auch nochmals an „Hot Mess“ für die musikalische und Rahmung – sie spielen nachher auch noch ein Stück weiter. Zuletzt ein großer Dank an unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen, die Sie ab morgen wieder im Museum willkommen heißen und die so wichtig für den Betrieb des Museums sind.
In dem Zusammenhang auch der Dank an meine Mitarbeiterin Christine Knoflicek, die unter anderem unsere Ehrenamtlichen einteilt und dafür sorgt, dass unsere Pläne eingehalten werden. Mir bleibt nur noch, Ihnen allen einen schönen Abend zu wünschen. Erfreuen Sie sich an unsere Ausstellung „Witches and Bitches“, haben Sie gute Gespräche, gerne jetzt dann auch gleich bei einem Glas Sekt oder Wasser. Fühlen Sie sich wohl bei uns und sehen seien Sie gerne unsere Gäste im „Museum für zeitgenössische Kunst Diether Kunerth“. Vielen Dank, die Ausstellung ist eröffnet!
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Für die Memminger Zeitung berichtete Brigitte Hefele-Beitlich am 13.05.2026 (S. 24; „Prickelnde Werke von starken Malerinnen“) und schloss mit einer Empfehlung zum Besuch der „sehesnwerten Ausstellung“.
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Transkript, Repros und Fotos: Helmut Scharpf, 05/2026
Hinweis: Die Rechte an den Werken liegen bei den Künstlerinnen.
































