30.07.2026 – Vortrag über die Ottobeuren Ortsnamen
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Was hat Bibelsberg mit der Bibel zu tun? Auch wenn man schon vermuten konnte, dass kein direkter Zusammenhang mit der Heiligen Schrift besteht, zog es rund 90 Interessierte in den Kursaal zum Vortrag über die Ortsnamen im Altlandkreis Memmingen von Marie Böckeler, die über Ortsnamenforschung promoviert.
Allein Ottobeuren hat 49 Ortsteile, im gesamten Untersuchungsgebiet des Altlandkreises Memmingen kommen 450 Einöden, Weiler, Gemeinden, Marktorte sowie die Stadt Memmingen zusammen. Man benutzt deren Namen jeden Tag – oft ohne zu wissen, was eigentlich dahintersteckt: Ortsnamen erzählen Geschichten von alten Sprachen, vergessenen Namen und Menschen, die offenbar manchmal sehr pragmatisch waren. Der Vortrag nahm die Herkunft und Entwicklung der Ortsnamen in den Blick – mal überraschend, mal kurios, mal verblüffend logisch. Die Referentin, Marie Böckeler (Tannheim), findet es faszinierend, wie viel Geschichte, Sprachwandel und manchmal auch blankes Missverständnis in alten Ortsnamen steckt und nahm die Anwesenden mit auf eine kleine Reise durch die manchmal sehr eigenwillige Entwicklung unserer Ortsnamen, geprägt von Sprachgeschichte, Landschaft, Besitzansprüchen und Dialekt. Veranstalter war der Heimatdienst Ottobeuren, in Kooperation mit dem virtuellen Museum.
Christian Reppe verfasste im Anschluss folgende Pressemittelung:
Von Erlen, Katzen und einem „Büble“
Forscherin befasst sich mit teilweise längst vergessenen Ortsnamen aus dem Altlandkreis Memmingen
Ottobeuren – Selbst sehr belesene Kenner der regionalen Geschichte dürften noch nichts vom Ortsnamen „Scucturbura“ gehört haben, ist sich Marie Böckeler sicher. Auf Einladung des Heimatdienstes Ottobeuren hielt sie jetzt im vollbesetzten Kursaal einen Vortrag über Ortsnamen im Altlandkreis Memmingen.
Bei „Scucturbura“ handelt es sich um einen Einzelbeleg von der Abschrift einer Urkunde aus dem Jahre 819 – und damit ist wahrscheinlich der gastgebende Ort des Vortrags gemeint: Ottobeuren; hierbei handelt es sich vermutlich um einen Lesefehler bei der Abschrift.
Warum diese Ortsnamenforschung ein so anspruchsvolles Thema ist, hob Prof. Dr. Klaus Wolf vom Lehrstuhl für deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft des Mittelalters an der Universität Augsburg hervor. Neben einem profunden Geschichtswissen sind umfassende Kenntnisse des Alt- und Mittelhochdeutschen Voraussetzung.
An sieben Ortsnamen erläuterte Böckeler ihr Vorgehen im Rahmen ihrer Doktorarbeit, die erstmals sämtliche 450 Ortsnamen des Altlandkreises Memmingen umfasst. Der Name „Ottobeuren“ ist dabei noch recht einfach zu entschlüsseln: in einer Urkunde von 824 noch als „Uttinburra“ bezeichnet, entwickelten sich doch recht schnell Varianten der heutigen Bezeichnung. Der Name bedeutet „Siedlung oder Häuser zu Uot gehörig“ – wobei Uot zu „Otto“ angeglichen wurde und zunächst in der Genitivform geschrieben wurde, also den Besitz ausdrückend.
Schon komplizierter wird es bei „Eldern“. Der Name führt sich auf den Baum „Erle“ zurück, der feuchte Böden zum Gedeihen benötigt. Von daher ist der Ortsname sehr anschaulich: ein Erlengehölz in einem Feuchtgebiet.
Der nahe Ollarzried gelegene Weiler „Bibelsberg“ führt seinen Namen – anders als zu vermuten – nicht auf das Hauptwerk der Christenheit zurück, sondern vielmehr durch eine Lautverschiebung vom Mittel- ins Neuhochdeutsche auf einen Buben oder ein Büble. Damit einher geht auch die „Volksetymologie“: Mit dem ursprünglich namensgebenden „Biable“ konnte im Laufe der Jahrhunderte niemand mehr etwas anfangen, mit der „Bibel“ hingegen jedermann.
Wer über die Herkunft des Namens „Katzenmoos“ – ein Weiler in der Nähe von Legau – nachdenkt, liegt mit der Vermutung auf das Haustier falsch. Ein „Moos“ bezeichnete damals wie heute ein sumpfiges, mooriges Gelände. Mit der Vorsilbe „Katze“ wurde in früheren Zeiten aber auch etwas schlecht Brauchbares oder Minderwertiges bezeichnet („Katzenmusik“), sodass „Katzenmoos“ ein sumpfiges Gelände meint, das nur eingeschränkt nutzbar ist. Die in der Nähe von Lachen gelegene Einöde „Eymühle“ führt ihre Bezeichnung nicht auf „Eier“ zurück, sondern auf einen Eichenbestand.
Das einst auf der Gemarkung des heutigen Markt Rettenbach gelegene „Guggenhierl“ bezeichnete ursprünglich ein kleines Häuschen („hierl“), von dem man aus Ausschau halten konnte.
Ortsnamen sind nicht nur mundartlich geprägt, sondern geben häufig wertvolle Hinweise auf das ursprüngliche Aussehen der umgebenden Landschaften. Sie sind damit ein „kleines sprachliches Denkmal“ und sehr häufig älter als die ältesten dortigen Siedlungsspuren.
Zum Abschluss der Veranstaltung kündigte Helmut Scharpf vom Heimatdienst an, dass der Vortrag von Frau Böckeler und die Infos zu sämtlichen Ottobeurer Ortsnamen in einem eigenen Beitrag im virtuellen Museum (www.ottobeuren-macht-geschichte.de) verfügbar gemacht werden.
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Hier nun die Ortsnamen im Einzelnen. Der Link über dem Ortsnamen führt zum Wikipedia-Eintrag, der jeweils folgende Eintrag zur Ortsnamensseite von Geschichte Bayerns. Dort kann man sich u.a. die Aussprache auf Schwäbisch vorsprechen lassen.
Die weiteren Erkenntnisse von Marie Böckeler werden hier zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt.
- Bäuerle (Einöde)
Bäuerle - Geschichte Bayerns
›Ansiedlung des Baierle‹ - Betzisried (Dorf)
Betzisried - Geschichte Bayerns
›Rodesiedlung des Bezzelīn‹ - Bibelsberg (Dorf)
Bibelsberg - Geschichte Bayerns
›(Siedlung am/auf dem) Berg des Büebel‹ - Böglins (Einöde)
Böglins - Geschichte Bayerns
›Ansiedlung des Bögelī(n)‹ - Boschach (Einöde)
Boschach - Geschichte Bayerns
›(Siedlung im/am) Gebüsch‹ - Brüchlins (Dorf)
Brüchlins - Geschichte Bayerns
›Ansiedlung des Brüechlin‹ - Bühl (Weiler)
Bühl - Geschichte Bayerns
mhd. bühel ›Hügel‹ / ›(Siedlung am) Bühl‹ - Daßberg (Dorf)
Daßberg - Geschichte Bayerns
wohl ›Berg, auf dem Dachse vorkommen‹ - Dennenberg (Weiler)
Dennenberg - Geschichte Bayerns
›(Siedlung an/auf dem) Berg, der mit Tannen bestanden ist‹ - Eggisried (Weiler)
Eggisried - Geschichte Bayerns
möglicherweise ›Rodungssiedlung des Eggis‹
— oder — ›(Siedlung im/am) Ried des Eggis‹ - Eheim (Dorf)
Eheim - Geschichte Bayerns
wohl ›Heimstatt in der Aue‹ - Eheimer Mühle (Einöde)
Eheimer Mühle - Geschichte Bayerns
›Mühle bei Eheim, zu Eheim gehörig‹ - Eldern (Dorf)
Eldern - Geschichte Bayerns
dort wird der Name ganz anders gedeutet:
möglicherweise mhd. Personenname (Kosename) *Eltere im Dat. Sg. *Elteren
möglicherweise ›beim Eltere‹ — oder —
›Ansiedlung des Eltere‹ - Fröhlins (Einöde)
Fröhlins - Geschichte Bayerns
ahd. Personenname (Kosename) *Frōlī(n) im Gen. Sg. Frōlīnes
›Ansiedlung des Frōlī(n)‹ - Geislins (Einöde)
Geislins - Geschichte Bayerns
›Ansiedlung des Jetzlīn‹
wohl Familienname Geiß(e)le 3 im Gen. Sg. Geiß(e)les
wohl ›Ansiedlung des Geiß(e)le‹ - Guggenberg (Dorf)
Guggenberg - Geschichte Bayerns
›(Siedlung an der) Anhöhe, von der man Ausschau halten kann‹ - Gumpratsried (Einöde)
Gumpratsried - Geschichte Bayerns
fnhd. Personenname (Vollname) *Gumprecht im Gen. Sg. Gumprechts
›Rodungssiedlung des Gumprecht‹ - Gut (Einöde)
Gut - Geschichte Bayerns
›Bauernhof einschließlich zugehörigem Grund und Boden‹ - Hahnenbühl (Einöde)
Hahnenbühl - Geschichte Bayerns
›(Siedlung am) Hügel, auf dem Wildhähne vorkommen‹
— oder — ›(Siedlung am) Hügel des Hane‹ - Haitzen (Einöde)
Haitzen - Geschichte Bayerns
wohl Familienname Heitz 1 im Dat. Sg. Heitzen
›beim Heitz‹ — oder — ›Ansiedlung des Heitz‹ - Halbersberg (Weiler)
Halbersberg - Geschichte Bayerns
ahd. Personenname (Vollname) Hadalbërt im Gen. Hadalbërtes — oder — mhd. Personenname (Vollname) Hadelbërt im Gen. Hadelbërtes
›auf der Anhöhe gelegene Siedlung des Hadalbërt/Hadelbërt‹ - Hessen (Einöde)
Hessen - Geschichte Bayerns
›beim Hesse‹ — oder — ›Ansiedlung des Hesse‹ - Hofs (Dorf)
Hofs - Geschichte Bayerns
›Wirtschaftshof‹ - Höhe (Weiler)
Höhe - Geschichte Bayerns
›(Siedlung) auf der Anhöhe‹ - Kloster Wald (Anstalt) (Schreibweise eigentlich: Klosterwald)
Kloster Wald - Geschichte Bayerns
›(Siedlung) im/am Wald‹ - Langenberg (Dorf)
Langenberg - Geschichte Bayerns
›(Siedlung) an der langgestreckten Anhöhe‹ - Leupolz (Weiler)
Leupolz - Geschichte Bayerns
ahd. Personenname (Vollname) Liutpold 1 im Gen. Sg. Liutpoldes
›Ansiedlung des Liutpold/Liutpolt‹ - Neuvogelsang (Einöde)
Neuvogelsang - Geschichte Bayerns
nhd. Flurname Vogelsang ›Bezeichnung für kleine Wäldchen‹
›(neue Siedlung am) kleinen Wäldchen, das mit dem Gesang von Vögeln assoziiert wird‹ - Niebers (Weiler)
Niebers - Geschichte Bayerns
wohl Familienname Nieber, im Gen. Sg. Niebers
wohl ›Ansiedlung des Nieber‹ - Oberhaslach (Weiler)
- Oberried (Einöde)
- Ölbrechts (Einöde)
- Ollarzried (Pfarrdorf)
- Ottobeuren (Hauptort)
- Rempolz (Einöde)
- Reuthen (Dorf)
- Schachen (Weiler)
- Schellenberg (Weiler)
- Schiessenhof (Einöde)
- Schochenhof (Einöde)
- Schoren (Weiler)
- Schrallen (Einöde)
- Steeger (Einöde)
- Stephansried (Kirchdorf)
- Unterhaslach (Dorf)
- Unterschochen (Einöde)
- Vogelsang (Weiler)
- Wetzlins (Einöde)
- Wolferts (Dorf)





