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01.10.1955 - Festschrift „100 Jahre Knabenerziehungsheim Ottobeuren“


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Am 27.12.1855 war die »Kreiserziehungs- und Beschäftigungsanstalt für arme Knaben in Ottobeuren« unter Abt Theodor Gangauf (St. Stephan, Augsburg) eröffnet worden. 100 Jahre später wurde das Bestehen der Einrichtung mit einem Festakt am 27.07.1955 im Kaisersaal gefeiert. Im Oktober 1955 veröffentlichte das „Knabenerziehungsheim Ottobeuren“ unter Abt Vitalis Maier eine Festschrift.

Zeitweise lebten mehr als 100 Knaben in der Einrichtung. In der Festschrift wird die Entstehungsgeschichte der Einrichtung sehr eingehend beschrieben. Die Dominikanerinnen in Wörishofen waren 1842 die ersten, die sich in Bayern um verwahrloste Straßenkinder kümmerten. Um 1853 gründeten König Maximilian II. und Königin Marie von Bayern den „St. Johannis-Central-Verein für freiwillige Armenpflege“. (St. Johannesvereine gibt es übrigens heute noch - Beispiel). Und dennoch rannte man in Ottobeuren (als Priorat von St. Stephan in Augsburg) mit einem eigenen Vorstoß für die Errichtung einer eigenen Einrichtung keineswegs gleich offene Türen ein. Die Genehmigung erfolgte schließlich am 06.11.1855. Das Staatsministerium des Innern des Königreichs Bayern ließ verlauten:
Seine Majestät der König haben dem Antrage des Landrates von Schwaben und Neuburg entsprechend die Errichtung einer Kreis-Erziehungs- und Beschäftigungsanstalt in Ottobeuren für arme, verlassene Knaben unter den in Übereinstimmung mit den landrätlichen Beschlüssen vom 11. Mai 1855 beantragten Modalitäten und den hiefür in das Kreis-Ausgaben-Budget von Schwaben und Neuburg pro 1855/56 eingestellten Zuschuß von 3500 Gulden allerhöchst zu genehmigen geruht.

Die Festschrift ist nicht nur wegen der ausführlichen Recherche zur Vorgeschichte so wertvoll. Auch die Entwicklung der Anstalt, Listen der Vorstände, Präfekten, Oberinnen (darunter Bilder von Mater Balbina Haupeltshofer, Mater Richmunda Konle, Mater Friedeberta Hoffmann und Mater Gildwina Braunmiller) und Lehrer sowie viele Seiten mit Bildern machen die Schrift zu einer besonderen Publikation.

Der Betrieb war aufgrund der sehr beschränkten wirtschaftlichen Mittel nicht einfach. Sätze wie die nachfolgenden geben einen tieferen Enblick über die Verhältnisse:
Doch war es kein kleines Kunststück, täglich die Hungrigen satt zu füttern und den Betrieb aufrecht zu erhalten. Doch es wurde tüchtig gelernt und gearbeitet in Schule und Werkstatt, es wurde gewandert und musiziert, gespielt und gesungen und manches lustige Stück ging über die Bretter, besonders unter Inspektor Pater Petrus Baur, der seit 1870 die Leitung innehatte und zusammen mit Lehrer Kasimir Raith und Pater Kaspar Kuhn, den beiden Poeten, die Herzen der Buben und der vielen Zuschauer eroberte. Die Klosterbuben sind seitdem ein Bestandteil der Marktgemeinde Ottobeuren. (...)

Ostern 1932 wurde die „Anstaltsschule“ aufgelassen, die Zöglinge gingen fortan in die Knabenschule am Marktplatz. Das Knabenerziehungsheim bestand noch bis zum Bau des Schulzentrums 1974 fort.

Die Festschrift wurde dankenswerterweise von Ralf Naumann aus München zur Verfügung gestellt, der von 1951 - 59 selbst als „Klostermeggel“ in Ottobeuren untergebracht war.
1916 wurde schon einmal eine Schrift über die Einrichtung veröffentlicht. Sie ist hier abrufbar.

Literaturzitat:
Knabenerziehungsheim Ottobeuren (Hrsg.): 100 Jahre Knabenerziehungsheim Ottobeuren. 1855 – 1955, Druck bei Josef Kreutzer, Babenhausen, 1955, 23 S. (sowie acht Seiten mit Bildern)

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