Marktgemeinde Ottobeuren
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02.01.1880 – Der Jahrgang 1880 des Ottobeurer Wochenblatts


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Was bewegte die Menschen in Ottobeuren im Jahre 1880?
Ein paar exemplarische Ereignisse:
Zur Faschingsunterhaltung (damals meist „Fastnacht“) wurde von der Theater-Gesellschaft Ottobeuren das Lustspiel mit Gesang „Nichts als Hindernisse!“ von Pater Kaspar Kuhn aufgeführt.

Am 3. Februar 1880 rückte die 3. Compagnie des 1. Jägerbataillons aus Kempten wegen „sanitärer Rücksichten“ in der Ottobeurer Kaserne ein.

Ein statistischer Rückblick auf das Jahr 1879 gab Auskunft von 105 Geburten, 19 Trauungen und 94 Sterbefällen (nur Ottobeuren, ohne die heutigen Ortsteile)

Bei Theodor Specht gab es gegen Husten und Heiserkeit „echte arabische Gummi-Kugeln“; der Wirth Dominikus Engstler eröffnete am Ostersonntag mit Unterhaltungsmusik eine Wirtschaft in Ollarzried; der Markt Rettenbacher Bote Leonhard Greis zeigte „ergebenst an“, dass er jeden Donnerstag Botengänge von Rettenbach nach Ottobeuren und jeden Dienstag von Rettenbach nach Memmingen anbietet.

Für die „durch Brand verunglückten Mitbrüdern von Donaustauf“ veranstaltete man in Ottobeuren einen Glückshafen mit Verlosung.

Beim Kupferschmied Martin Fritz [später: Raith] – einem der größeren Arbeitgeber und eigentlich auf Käsekessel spezialisiert – konnte man Blitzableiter kaufen („Bei  gegenwärtiger Bauzeit empfiehlt sich Unterzeichneter mit Anfertigung von Blitzableitern aus siebenfach gewundenem Kupferdraht“). Dazu „passt“ die nächste Meldung, in der in Ausgabe 17 vom 22.04.1880 (S. 3; pdf S. 67) von einem schweren Unglück die Rede war:

Ottobeuren. Am Samstag den 17. April Nachmittags zog ein heftiges Gewitter über unsere Gegend. In dem nahen Weiler Schellenberg schlug der Blitz in das Haus des Bauern Jos. Zettler ohne zu zünden, tötete aber leider die in der Küche beschäftigte Ehefrau. Der Mann, der sich in der Stube aufhielt, wurde be­täubt und ist nur durch die Dazwischenkunft seiner Kinder, die sogleich um Hilfe riefen, vom Tode gerettet worden. Der Jammer um die so schnell entrissene Gattin und Mutter ist groß und wird auch allgemein von der ganzen Pfarrei bedauert.

Die Fischerswittwe Pfeffer beabsichtigte, ihr Fischereirwasserrecht in den Steuergemeinden Ottobeuren, Hawangen, Ollarzried, Böhen, Haitzen und Betzisried ganz oder teilweise zu verkaufen und erbittet eine „diesbezügliche Offerte“.

Zweimal findet sich auf der Titelseite ein Aufruf zur Gründung der „Wittelbacher Landesstiftung“.

Laut Ausgabe 18 vom 29.04.1880 (S. 2) gab es an christlicher Literatur neu in Ottobeuren zu kaufen:
Bei den Buchbindern Braun und Fergg sind gegen je 10 Pfennige folgende Predigten zu haben:
1) Eröffnungspredigt von Pater Hermann Koneberg,
2) Von Hr. Stadtpfarrer Reindl [Memmingen] über die Erziehung und Schulthätigkeit der Benediktiner,
3) Was die Benediktiner für Ottobeuren waren, von demselben,
4) Wie Benedikt und sein Orden barmherzige Bruderliebe geübt, von Hr. Pfarrer Schwelle in Egg,
5) Die Grundlage des Ordens, von Hr. Domkapitular Hafenmair,
6) Wissenschaft und Kunst in den Zellen des St. Benediktas-Ordens, von Hr. Pfarrer J. Berkmüller von Unter-Meitingen.
Außerdem ist zu haben:
Drei Tage in Ottobeuren. Erinnerungen an das 1400jährige Jubiläum, von Einem, der auch mitgethan. Preis 15 Pf.
[Hat jemand eines dieser Bändchen?]

07.05.1880: „Der Brauereibesitzer Michael Geiger in Ottobeuren beabsichtigt, in dem Kellerüberbau bei sei­nem Anwesen Hs.-Nr. 221 im Markte Ottobeuren eine Schlächterei zu erbauen.“ (Am 2.1.1880 war das Vorhaben zunächst für den Stadel der Engelwirtschaft, Haus Nr. 119 angekündigt worden.) Gegen das Vorhaben konnte man binnen 14 Tagen Einspruch erheben, zur Einsicht der Pläne musste man allerdings ins Bezirksamt (entspricht heute dem Landratsamt) Memmingen.
Und noch ein Bauvorhaben: Mit Datum 25.06.1880 schrieb der Betzisrieder Bürgermeister Abröll Maurer-, Scheiner-, Schlosser- und Glaserarbeiten für den Schulhausbau in Hofs aus.

Das erste Halbjahr schien in Ottobeuren weitgehend friedlich verlaufen zu sein, im zweite Hj. kam es zu etlichen Prominenten Besuchen, so seine Exzellenz, der Bischof von Bamberg, zusammen mit Abt Mertl von St. Stephan in Augsburg. Ehrenprediger war Benefiziat Hauser von Augsburg.
Außerdem kam der hochwürdige Bischof von Würzburg, Dr. Franz Joseph von Stein nach Ottobeuren, begleitet vom königlichen Universitätsprofessor Dr. Kihn.

In Hofs wurde im Oktober 1880 das neue, sehr schöne und zweckmäßig gebaute Schulhaus fertig. Im ersten Stock gab es ein helles, geräumiges Schullokal und eine Stube für Gemeindesitzungen der Gemeinde Betzisried. Der Bau war von dem Markt Rettenbacher Maurermeister J. Keller ausgeführt worden, der Plan stammte vom Memminger Stadtbaurat Bandel. Die Kosten betrugen etwas über 6000 Mark.

Bei Reuthen ereignete sich ein Mord an dem aus Niederbayern stammenden, 28-jährigen Taglöhner Michael Schötz.

Interessant ist das Ergebnis der Volkszählung von Anfang Dezember 1880: Am 1.12.1880 hatte Ottobeuren (ohne die heutigen Ortsteile) 1585 Seelen. 1875 waren es 1487 Einwohner, ein Mehr an 98 Seelen bzw. 6%.

Kino, Radio und Fernsehen gab es noch nicht, da waren andere Arten der Präsentation notwendig: Ende Dezember 1880 kam es für einige Tage im Saal des Engel zur „großen illustrirten Gallerie der neuesten Zeitereignisse sowie der schönsten Gegenden der Welt“. Veranstalter war „G. Matz“.

Franz Bermeitinger hat zum zweiten Halbjahr noch viele Ereignisse herausgeschrieben, vor allem aber Annoncen der Gewerbetreibenden.

Ein Großerergnis ging Ende August 1880 bei bestem Wetter über die Bühne: Ottobeuren feierte „700 Jahre Wittelsbacher“. Den Bericht dazu können Sie hier abrufen.

Der Jahresband mit 53 meist vierseitigen Ausgaben hat 226 Seiten und ist textdurchsuchbar gescannt. Tipp: Vor dem Lesen sollten Sie die Gesamtdatei (pdf, ca. 310 MB) herunterladen und ggf. lokal abspeichern. Der Band wurde dankenswerterweise von Heidi und Hans Kraft zur Verfügung gestellt.
Aufbereitung: Helmut Scharpf 03/2020