Marktgemeinde Ottobeuren
Marktplatz 16
87724 Ottobeuren
T. +49 (0)8332 9219-50
F. +49 (0)8332 9219-92
info@ottobeuren-macht-geschichte.de
www.ottobeuren-macht-geschichte.de




24.-29.08.1880 – Ottobeuren feiert „700 Jahre Wittelsbacher“


  • Die Datei ist zu groß, um als Vorschau angezeigt zu werden. Bitte öffnen oder speichern Sie sie über den Download-Button (hier am Fenster rechts unten).
    This file is too big to be displayed in the preview window. Please open or save it by using the download button (bottom right, next to this window).

   Download

Wie glücklich wären die Bayern, wenn ihr heißgeliebter Landesvater ihre Freude mitansehen könnte!“ In diesem Satz aus der Festrede von Pater Hermann Koneberg am 25. August 1880 vor dem Kriegerdenkmal auf dem Markplatz schwingt etwas Kritik mit: König Ludwig II. war vom 10. März 1864 bis zu seinem Tod  am 13.06.1886 König von Bayern, aber kein Monarch zum Anfassen. „1874 ging er das letzte Mal in der Münchner Fronleichnamsprozession. Seine Fahrt zur Generalprobe der Bayreuther Festspiele 1876 wurde sein letzter halbwegs öffentlicher Auftritt“, heißt es bei Wikipedia. Der „Märchenkönig“ hatte nicht von ungefähr auch den Beinamen „Mondkönig“.

Der „patriotischen Feier“, die in Ottobeuren schon am Dienstag, den 23.08.1880 mit dem Kinderfest auf dem Annakeller begann und am 29.08. mit einer weiteren Aufführung des von Pater Kaspar Kuhn extra für diesen Anlass verfassten Theaterstücks („Dramatisches Gedicht in drei Aufzügen“) „Otto von Wittelsbach“ endete, tat dies jedoch keinen Abbruch.

Die Verbindung des Volkes mit seinem Königshaus war allein schon deshalb gegeben, weil die Kirche die Wittelsbacher in den Glaubenskontext einbezog. Pater Hermann Koneberg, der 25.08.1880 am Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz die Hauptrede hielt, benutzte in seiner Rede Vergleiche wie „Dynastie von Gottes Gnaden“ oder:
„Die Revolution von unten und oben hat ungeheure Triumphe gefeiert. Bayern steht noch in Kraft da mit seinem Königshause. Rührende Liebe und kindliche Ehrfurcht zur Dynastie sind die unverwüstlichen Tugenden unsres Volkes.“
Fast schon als Warnung zu verstehen, ein Vergleich mit Frankreich: Zum „stolzen Corsen und den napoleonischen Cäsarismus“ erklärte Koneberg in seiner Rede: „Gott rief dieses einst so gefürchtete Herrscherhaus und er hat es wieder gestürzt, weil es seine Mission nicht mehr erfüllte.“ Während Bayern „ein Fürstenhaus von unbemackelter Vergangenheit“ vorzuweisen hat.

Nochmals Zitat: „Wo ist manch anderes, altes Fürstenhaus hingekommen? Es stürzte zusammen, der Thron der Wittelsbacher aber steht noch fest. Er ist geschützt von Gott, beschützt von Maria, der Patronin Bavarias und ruht auf der Gerechtigkeit und der opferwilligen Liebe eines rührend treuen Volkes.
Freu‘ dich darüber, Volk der Bayern! Flattert lustig im Winde ihr weiß-blauen Fahnen und erzählet es allen, wie sehr wir uns freuen, daß wir diesen Tag erlebt haben. Gibt er uns ja Gelegenheit zu zeigen unsere Liebe und Anhänglichkeit an König und Vaterland, unsere Ehrfurcht und Treue, unsern christlichen Gehorsam.“
Mehr als auf Ludwig II. geht Koneberg auf die Verdienste Ludwig I. ein, der nach der Säkularisation (eine „kalte, trostlose, vandalische Zeit“) 1835 die Wiedererrichtung Ottobeurens als Kloster erlaubte.
„Unser Blick wende sich einem Wittelsbacher zu, den Viele von uns gekannt, der bei seiner Rundreise durch das Land am 30. Sept. 1829 auf der Strasse von Westerheim nach Memmingen auch von Bewohnern Ottobeurens jubelnd begrüßt wurde“ (...) „Und ein Wittelsbacher war es, der den um Ottobeuren und die ganze Welt so hoch verdienten Orden wieder in Bayern einführte, der die einsamen Hallen jenes erhabenen Baues den Söhnen des hl. Benedikt wieder eröffnete.“ (...) Wenn ich vom König Ludwig I. rede, dem deutsch gesinnten Fürsten, dem Pfleger von Wissenschaft und Kunst, so möchte ich ihn nennen, den „eigentlichen Begründer besserer, dauerhafter und kirchlicher Zustände ... Er ist zu betrachten als großer Wohltäter des bayerischen Volkes nach langen traurigen und verhängnisvollen Tagen.“

Aber letztlich wurde in der Rede auch Ludwig II bedacht: Koneberg:
„König und Volk sind Eins. Wir sehen in ihm noch die Majestät von Gottes Gnaden. Daß es so ist, dafür sei Gott Dank gesagt. Daß es so bleibe, und daß im Lande das sich bessere, was man billiger Weise noch verbessern wünschen darf, um das wollen wir alle recht oft beten.
Je mehr für die geheiligte Person des Königs, für seine Staatsdiener, überhaupt für jede Obrigkeit gebetet wird, desto fester knüpft sich das Band zwischen König u. Volk, zwischen der Regierung u. den Regierten, zu desto größerm Segen wird das Haus Wittelsbach in unsern Tagen den Scepter führen über fünf Millionen treuer Unterthanen.
Der heutige Tag soll Freude und Dank nicht nur in weltlicher Feier zum Ausdruck bringen, er ist auch dem Gebete geweiht.
Wenn Millionen gemeinsam zum Herrn der Heerscharen bittend rufen, „der die Herzen der Fürsten wie Wasserbäche lenkt“, wenn sie für das Wohl des geliebten Königs beten, so wird Gott sein Amen dazu sagen.
Unsrer Majestät nun, die sich Eins weiß mit seinem heute jubelnden Volke: Ihr sei das dritte Hoch gebracht!“

Die Festrede endete mit einem dreifachen Hoch auf den allergnädigsten König und Herren Ludwig II. und das ganze Fürstenhaus Wittelsbach. Angesprochen wurden aber nur die Männer:
„Und nun auf ihr Lieben Alle, treue Bayernsöhne, deutsche Männer und Jünglinge, auf ihr theuren Brüder, ihr Alle, Alt und Jung, angefangen vom Greise im Silberhaare bis herab zum kleinsten Kinde, das da anwesend ist, „ehret den König“, macht das Gelöbniß unverbrüchlicher Treue unserm erhabenen Königshause und stimmt laut und freudig mit mir ein, wenn ich aus innerm Herzensgrunde rufe: Ludwig II. unser allergnädigster König und Herr und das ganze Fürstenhaus Wittelsbach lebe hoch! hoch! hoch!“

Bürgermeister Kimmerle verlaß abschließend eine Botschaft des Königs mit einem Dank für die „unwandelbaren Treue und Anhänglichkeit, mit welcher Mein Volk dem Throne der Wittelsbacher ergeben ist. (...) Mit dem innigsten Danke verbinde ich die Versicherung, daß das Glück Meines treuen Volkes das Ziel Meiner heißesten Wünsche, daß es die Bedingung Meines eigenen Glückes ist. Gleich Meinen in Gott ruhenden Ahnen, deren Andenken in diesen Tagen mit so rührenden Beweisen der Pietät geehrt wird, bin Ich von dem vertrauensvollen Bewußtsein durchdrungen, daß Mein Volk in allen Zeiten fest zu seinem Fürsten steht. Mit diesem erhebenden Gefühle trete Ich in das achte Jahrhundert der Regierung Meines Hauses ein.
Möge Meinem Volke ungetrübte Wohlfahrt beschieden sein für alle Zukunft: Das walte Gott.“

Ein „splendides Feuerwerk mit vielen Schaulustigen“ beendete den Festabend (am 25.08.1880). Die Ottobeurer musste immerhin bis 1909 warten, um einen zukünftigen König bestaunen zu können. Der spätere bayerische König Ludwig III. besuchte für 90 Minuten die Abtei.

--------------------

Franz Bermeitinger hat von den Proologen, Festgedichten sowie den Berichte aus dem Ottobeurer Wochenblatt dankenswerterweise eine Abschrift erstellt. Aber nicht nur das: In seiner Sammlung findet sich ein Prachtband, aus dem die Fotos für diesen Eintrag herausgenommen werden konnten. 78 ausgewählte Seiten (insb. Fotos und Grafiken, das Vorwort sowie die Seiten 184 - 236) können Sie als pdf (ca. 61 MB) hier abrufen.

Literaturzitat:
Lampert, Friedrich: Ludwig II., König von Bayern. Ein Lebens-Bild, G. Franz'scher Verlag München, Mai 1890, 236 S. + 66 Tafeln, Format 22 x 30 cm

Der Prachband verügt über einen floralgemusterten Leineneinband mit goldgeprägtem Vorder- und Rückentitel sowie Schmuckpapier-Vorsätzen sowie Schmuckschuber, die vielen Lichtdruck-Beilagen und Textillustrationen sind i.d.R. hemdchengeschützt.

Bei bavarikon.de heißt es zu diesem Werk:
1890 legte der fränkische Pfarrer und Landtagsabgeordnete Friedrich Lampert (1829-1902) die wahrscheinlich erste größere Biographie Ludwig II. vor. Lampert, der sich bereits vorher als Regionalschriftsteller einen gewissen Namen gemacht hatte, betrachtet darin das Leben des Königs aus einem dezidiert kleindeutsch-protestantisch ausgerichteten Standpunkt heraus. Hinter dem menschlichen und politischen Scheitern des Königs vermutet er den schädlichen Einfluß Richard Wagners; zeitgebunden mutet sein negatives Urteil über die Konversion von Ludwigs Mutter Königin Marie (1825-1889) zum katholischen Glauben (1874) an.

Bei den Fotos und Abbiildungen waren im Wesentlichen zwei Fotografen beteiligt: der Hoffotograf Georg Böttger (1821 - 1901; seit 1852 München)
sowie Joseph Albert (1825-1886); bei der technischen Umsetzung war die „Chemigraphische Kunstanstalt Oscar Consée, München“ einbezogen.
Neben der Qualität der Fotos fällt auch das hochwertige Schriftbild auf. Gleichwohl musste eine gute Woche an der digitalen Restaurierung gearbeitet werden. Hier abgebildet sich etlich der Fotos und Grafiken sowie insb. das Kapitel Neuschwanstein bis zum tragischen Ende des Monarchen.
Falls Sie das gesamte Buch lesen wollen: Es ist bei der Bayer. Staatsbibliothek abrufbar.

Abgerundet wird die Bilderfolge durch die „Künstlerpostkarte No. 1146“ aus der Kunstanstalt von Ottmar Zieher, München, mit einer von Fritz Bergen (1857 - 1941) geschaffenen Darstellung einer nächtlichen Fahrt des „Mondkönigs“ in einem goldenen Schlitten nach Schloss Linderhof. Lakaien reiten auf den sechs weißen Schimmeln, die den Schlitten ziehen.
Die vorliegende Karte ist nicht gelaufen, im Internet findet sich ein Exemplar vom 20.06.1899; auf einer weiteren Karte hat Bergen eine Datierung angegeben: 1898!

Zusammenstellung, Scans, Recherche und digitale Restaurierung: Helmut Scharpf, 04/2020