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01.05.2020 – Ottobeurer „Maischerze“


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Maischerze haben in Ottobeuren eine lange Tradition. Neben vielen kreativen Aktionen, die aktuelle kommunalpolitische Themen aufgreifen, finden sich „Scherze“, die keine sind: verschleppte Mülltonnen, Rasierschaum und Klopapier“. Kinder waren 2020 keine unterwegs, Klopapier im Zeichen der Corona-Krise offensichtlich zu wertvoll, um damit Autos einzuwickeln. Es blieb daher bei der kreativen Seite:

Das Thema der Corona-Pandemie wurde aufgegriffen, die 1996 von Diether Kunerth geschaffene Kneipp-Büste mit einem Mundschutz versehen, dem eine deutliche Botschaft aufgemalt war: „Wir lassen uns den Mund nicht verbieten! #Grundrechte“ Damit kommt die größer werdende Unzufriedenheit mit den von der Bayer. Staatsregierung und dem Bund verfügten Einschränkungen zum Tragen. An verschiedenen Orten im Allgäu haben - meist unangemeldet - Demonstrationen stattgefunden, am 08.05.2020 meldete Bayern5 aktuell, die Zahl der Eilanträge gegen die Einschränkungen der Grundrechte läge schon bei über 1000.
Kneipp dürfte nicht ganz zufällig ausgewählt worden sein: Er steht zum einen für das Thema Gesundheit, zum anderen war er jemand, der kein Blatt vor den Mund genommen hat und selbst Angehörige des europäischen Hochadels duzte.

Die Tradition des Maibaum-Aufstellens konnte heuer nicht umgesetzt werden, das wäre weder „systemrelevant“ gewesen, noch ein triftiger Grund“, das Haus zu verlassen. Weil das überall so der Fall war, gibt es deshalb auch keine Maibaum-Kommission, die den schönste Maibaum prämiert. Nichtsdestotrotz haben Unbekannte an der sonst üblichen Stelle auf der „Maibaumwiese“ neben dem Basilika-Parkplatz einen „Wunsch-Maibaum“ aufgestellt: eine kleine Birke, die man – statt der üblichen Zunftausleger – selbst dekorieren durfte und sollte. Ein Hinweisschild klärte zur Handhabung auf:
1. Farbiges Band aus der Kiste nehmen
2. Band beschriften (Wunsch, Freude ...)
3. Band an Kranz binden
4. Kleine Spende in die Kiste geben, bei Lust. Diese geht an eine wohltätige Einrichtung
5. Man darf gerne andere Sachen an den Kranz hängen.
Bleibt gesund!
Viele Bänder hingen gegen 12 Uhr Mittag schon, auch eine Bierflasche und ein Mundschutz.

Wer den dritten Scherz sehen wollte, musste früh aufstehen, denn die drei Wegweiser „Zum Bannwald-Vernichtungsamt“ wurden schon bald wieder entfernt. G. F. hat einen davon gegen 6 Uhr früh mit dem Handy fotografiert. Insgesamt waren drei solche Wegweiser aufgestellt worden.
Dass der Klimawandel die Bewirtschaftungspläne des Forstbetriebs Ottobeuren durch Borkenkäfer und Stürme regelmäßig zur Makulatur werden lässt, wissen die unbekannten Scherzbolde nicht, noch scheinen sie die Pressemitteilungen zu diesem Thema gelesen zu haben. Mit den Auswirkungen des Klimawandels zeichnet sich bereits die nächste Krise ab, die es zu bewältigen gilt!

Wer in den früheren Jahren Mai-Scherze fotografisch festgehalten hat, bitte melden!