Marktgemeinde Ottobeuren
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26.08.1937 – Ottobeuren in der „Celleschen Zeitung“


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Um Gäste nach Ottobeuren zu locken, bedarf es der Werbung. Im virtuellen Museum findet sich eine (einigermaßen ausführliche) erste Ortsbeschreibung bei Matthæus Merian im Jahre 1643. Der erste Klosterführer – von Pater Magnus Bernhard – erschien 1864.
Nach Ottobeuren zu kommen, war im 19. Jahrhundert und davor reichlich beschwerlich und zweitaufwändig. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz im Oktober 1900 führte sicherlich zu einem ersten Boom an Touristen und Pilgern. Unbedingt lesenswert ist übrigens die Beschreibung der Basilika von Josef Hofmiller von 1927.

1937 waren in einer achtseitigen Zeitungsbeilage („Die Woche im Bild. Beilage der Celleschen Zeitung und Anzeigen“) im 634 km entfernten Celle (nördl. von Hannover; Niedersachsen) auf Seite 2 fünf große Fotos von Ottobeuren abgedruckt. Da brauchte es kaum Text, bei den Lesern wurde vermutlich auch so das Bedürfnis geweckt, sich Ottobeuren einmal live anzusehen. Überschrift: „Ottobeuren – eine Hochburg des deutschen Barock“.
Neben drei Fotos aus dem Inneren der Abteikirche finden sich auch zwei vom Ort selbst (Marktplatz sowie ein Blick vorbei am 2019 bebauten Gottesackererget).

Das übrige Magazin – hier als Gesamtdownload (ca. 60 MB; pdf) – ist ganz im Stile eines Boulevard-Blatts aufgezogen:
Auf Seite 1 sieht man eine junge Frau, die in der Nähe von Oberstdorf* auf die Bergkulisse schaut. Neben ihr ein Opel Kadett (vgl. Opel Olympia, mit dem 1938 die Mayers aus Ottobeuren in die „Ostmark“ fuhren).
Seite 3 („Zwischen den Aufnahmen. Pause im Filmatelier“) zeigt Filmgrößen – darunter Hans Albers –, aus Holywood und deutschen FIlmstudios. Fast schon ein Blick backstage!
Eine Doppelseite mit Kunstwerken (u.a. Pieter Bruegel), eine Rätselseite, eine Seite mit Mode – ähnlich dem Angebot vom Ottobeurer Modehaus Karl Specht) mit „schönen Frauen in schönen Kleidern“, darunter Zarah Leander und die amerikanische Filmschauspielerin Eleanor Powell. Man gab sich kosmopolitisch.

Parteipolitisch wird es nur auf der letzten Seite: Bei der Weltmeisterschaft der Sportjugend in Paris ist auch eine Hakenkreuzfahne zu sehen; Benito Mussolini hält „die große Friedensrede“, eine „bedeutungsvolle Rede, die er anschließend an die großen Manöver in Sizilien hielt“.

Bei der Beilage dürfte es sich – wie es auch heute aus Effizienzgründen üblich ist – um eine fürs ganze Deutsche Reich erstellte Zeitschrift handeln, die dann lediglich mit einem lokalen Schriftzug ergänzt wurde. Mit Celle hat der Inhalt rein gar nichts zu tun, die Schriftleitung saß in Berlin-Friedenau, der „Weltkreis-Verlag“ in Berlin (später PRV), wo die Beilage – auf sehr dünnem Papier – auch gedruckt wurde.

*Mit Hilfe von Moritz Zobel – Leiter der „Stabstelle Alpin“ der „Tourismus Oberstdorf“ – gelang am 8.6.2020 die Zuordnung des Coverbildes. Beim linken Berg handelt es sich um den Breitenberg (als Teil der Daumengruppe), der Berg rechts daneben ist die Rotspitz; ansatzweise sieht man am äußersten rechten Bildrand noch den Aufstieg zum Entschenkopf. Der Ort im Talgrund ist nicht Oberstdorf, sondern Bad Oberdorf im Ostrachtal – heute eine Teil von Bad Hindelang. Zum Vergleich hier die Ansicht der Szenerie von „Flordur63“ auf Wikimedia vom 25.10.2012. Der Kopf der Frau markiert die Talteilung: rechts geht es ins Retterschwanger Tal, links ins Hintersteiner Tal (südl Ostrachtal).

Ein Erscheinungsdatum der Beilage ist nicht angegeben, lediglich die Angabe „35/1937“, was den 26.08.1937 als Beginn der 35. Woche bedeuten könnte.
Das schon reichlich angegilbte und eingerissene Papier wurde digital restauriert. Sammlung Helmut Scharpf, 05/2020

Hinweis zur Seite 8: Die Abbildungen erfolgen als zeitgeschichtliches Dokument! Sie sind zwar vermutlich gemeinfrei, eine missbräuchliche Nutzung ist dennoch untersagt! Die zeitgeschichtlichen Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus werden nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungs- feindlicher Bestrebungen, der wissenschaftlichen und kunsthistorischen Forschung, der Aufklärung oder der Berichterstattung über die Vorgänge des Zeitgeschehens gezeigt und sind in keiner Weise propagandistisch, insbesondere im Sinne des § 86 86a StGB zu benutzen.