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21.03.1982 – Die Städtepartnerschaft mit Norcia wird endgültig besiegelt


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Im Oktober 1980 wurde die Städtepartnerschaft mit Norcia in Ottobeuren besiegelt, im Mai 1981 gründete sich der deutsche Partnerschaftsverein, im März 1982 tauschten die Bürgermeister Alberto Novelli und Georg Frehner im südöstlich von Rom gelegenen Norcia die Urkunden aus.
Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft hat Reinald Scheule – damals selbst als Zeitzeuge beteiligt – im „Ottobeuren Life“ (Ausgabe Oktober 2020, S. 8) die nachfolgende Chronologie veröffentlicht:

Von Nursia und Ottobeuren bis Europa
In Ottobeuren waren es nach dem Zweiten Weltkrieg zuerst die Internationalen Begegnungen, die ein Gemeinschaftsgefühl für ein neues Europa wachsen ließen. Das hat mit der Geschichte des Ortes zu tun, an dem seit mehr als 1200 Jahren Benediktinermönche unter dem Leitgedanken ora et labora – bete und arbeite – wirken dürfen. Als Frucht des Kulturschaffens der Mönche über 1000 Jahre stehen hier mit Basilika und Klosteranlage Bauwerke von europäischem Rang. Diese „Rahmenbedingungen“ waren die Voraussetzung für die Gründung der Ottobeurer Konzerte im Jahre 1949. Bei allen Internationalen Begegnungen spielt die Musik als „internationale Sprache“ eine wichtige Rolle: Musik verbindet die Völker. Zunehmend spürte man in Ottobeuren, dass der „Europa-Gedanke“ mit einer Städtepartnerschaft weiter gestärkt werden solle. Menschen verschiedener Länder, Sprachen und Kulturen finden zusammen und lassen im überschaubaren Lebensraum einer Gemeinde die Vielfalt und die Gemeinsamkeit Europas erleben.
Es waren Abt Vitalis Maier OSB, seit 1966 Ehrenbürger von Norcia, Bischof Dr. Josef Stimpfle und der Europaabgeordnete Hans August Lücker, die den Geburtsort des Hl. Benedikt ins Spiel brachten. Ihr Vorschlag bekam Rückenwind dadurch, dass offiziell der Hl. Benedikt 1964 auf Montecassino von Papst Paul VI. zum Patron Europas erklärt wurde und dass bei der katholischen Kirche bereits Vorbereitungen liefen für das Benediktusjahr 1980 – 1500 Jahre nach Benedikts Geburt in Nursia, heute Norcia. So reisten 1978 auf Einladung der Stadt Norcia Abt Vitalis Maier, Bürgermeister Martin Frehner mit Frau, Sigrid Frankenberger, Hans August Lücker und stellvertretender Landrat Reinald Scheule zum Benediktusfest. Ein Glücksfall für die sich anbahnende Partnerschaft war, dass seit Kriegsende dort aus Prag geflohene Benediktinermönche lebten und dass Pater Cyrill Stavel perfekt Deutsch sprach und souverän als Dolmetscher fungierte. 1980 wurde das große Benedikt-Jubiläum mit Papst Johannes Paul II. gefeiert. An der Hl. Messe auf der Piazza nahmen aus Ottobeuren Abt Vitalis, Zweiter Bürgermeister Kuno Plersch, Sigrid Frankenberger und das Ehepaar Scheule teil.

Gründung der Städtepartnerschaft und des Vereins Freunde der Partnerschaft
Besiegelt wurde sie in zwei Schritten: In Ottobeuren am 17. und 18. Oktober 1980 und in Norcia am 21. März 1982. Die in Deutsch und Italienisch abgefasste Urkunde lautet: „Norcia und Ottobeuren durch den Heiligen Benedikt – Patron Europas – eng verbunden, erklären in herzlichem Einvernehmen die Partnerschaft zwischen den beiden Kommunen, den Verwaltungen und den Bürgern. Möge dies zum Verständnis, zur Gemeinsamkeit, zu Friede und Wohlfahrt in Europa und in der Welt beitragen.“ Schon in der Gemeinderatssitzung mit dem Beschluss für diese Städteverbindung war man sich einig, diese auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Am 7. Mai 1981 wurde der Verein der Freunde der Partnerschaft aus der Taufe gehoben und bei der ersten Mitgliederversammlung am 22. Juni 1981 eine Vorstandschaft gewählt: 1. Vorsitzender Dr. Hans Huber, Notar; 2. Vorsitzender Dr. Klaus Göppner, Richter; Schriftführer Paul Leins, Lehrer, und Kassier Hans-Volker Strauß, Steuerberater. In Norcia waren die „Männer der ersten Stunde“ Domenico Coccia und Giampaolo Stefanelli, die schon vor Gründung der Partnerschaft auf Einladung des Klosters in Ottobeuren waren. Besonders ist zu erwähnen, dass auch die Frauen der engagierten Männer von Anfang an einen großen Anteil nahmen. Der Vorsitzende Dr. Hans Huber initiierte zusammen mit seinem Team mit großem Erfolg Sprachkurse, Jugendaustausche, kulturelle, sportliche und gesellige Begegnungen. Partnerschaftsschilder an den Ortseingängen wurden angebracht.
Unvergessen bleibt eine Woche der Partnerschaft – Settima Nursina 1986 – mit dem großen Partnerschaftsabend in der Aula des Schulzentrums, bei dem die gute Organisation und der hohe Einsatz von Küchenchef Richard Kaulitz hervorzuheben ist. Ottobeurer reisten zu den jährlichen Benediktusfesten nach Norcia, 1987 erstmal vertreten durch Bürgermeister Peter Heil, der in kurzer Zeit viele freundschaftliche Verbindungen schaffen konnte. 1988 wurden Abt Vitalis Altthaler die Ehrenbürgerrechte der Stadt Norcia verliehen. 1989 gab es eine große „Ottobeurer Woche“ in Norcia mit Kunstausstellung, Fotowettbewerb, Baumpflanzung, Blasmusik, Männergesangverein, Trachtenverein und vieles mehr. Das zehnjährige Jubiläum wurde vom 5. bis 8. Oktober 1990 in Ottobeuren mit etwa 100 Gästen aus Norcia begangen, begleitet von Bürgermeister Giampietro Angelini.

Die Partnerschaft wächst und gedeiht
In der Mitgliederversammlung am 7. Dezember 1990 wurde Edeltraud Winkler zur Vorsitzenden gewählt, die bereits beim Festakt im Oktober mit einer Rede auf Italienisch hatte aufhorchen lassen. Dr. Hans Huber übernahm das Amt des Kassiers, Herbert Bartenschlager wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, Schriftführer Paul Leins. Bei der Feier des Zehnjährigen im Juni 1992 in Norcia ernannte Bürgermeister Angelini eine Reihe von Ottobeurer Frauen und Männern zu Europabürgern. 1994 wurde dem Markt Ottobeuren die Ehrenfahne des Europarates übergeben. Bruno Stefanelli wurde 1997 die Ottobeurer Bürgermedaille verliehen. Gegenseitige Besuche der Musikkapellen und von Chören im Lauf der Jahre vertieften die Beziehungen, wie auch die jährliche Trüffelmesse, 1996 eine deutsch-italienische Woche der Kochkunst, ein Deutschintensivkurs mit 15 jungen Italienern, eine Schlemmerwoche 1998 mit Carlo Bianconi im Gasthof Mohren mit umbrischen Spezialitäten.
Leider ist es nicht möglich, auf die große Zahl der Begegnungen ausführlicher einzugehen. Viele menschliche Kontakte sind über die Vereine entstanden und führten zu Freundschaften von Familie zu Familie. Auch sind es wiederkehrende Feste wie das Benediktusfest am 21. März, die in der Partnerschaftsbeziehung einen besonderen Akzent setzten. Beispielsweise 2003 eine 40-köpfige Delegation mit Abt Paulus Weigele OSB und Bürgermeister Bernd Schäfer. Festgäste in Norcia waren Kardinal Josef Ratzinger und Erzbischof Ricardo Fontana.

Nach dem Erdbebenjahr 2016
Das Jahr 2016 geht in Norcia traurig in die Geschichte ein. Am 24. August um 4.33 Uhr bebte die Erde mit Stärke 6,1. Die Menschen verließen fluchtartig ihre Häuser, historische Gebäude wie die Basilika San Benedetto wurden stark beschädigt. Es gab zwar keine Toten in Norcia, aber unweit starben 292 Menschen. Hier zeigte sich, was eine lebendige Partnerschaft ist. In Ottobeuren wurde zu Spenden aufgerufen und ein Hilfsprogramm erstellt. Beim „Schwäbischen Europatag“ in Ottobeuren am 16. Juli 2017 stand die Würdigung von Städtepartnerschaften für ein lebendiges Europabewusstsein im Mittelpunkt. In dem Rahmen zeichnete der Europaabgeordnete Markus Ferber die Vorsitzende und seit 2012 Ehrenbürgerin von Norcia, Edeltraud Winkler mit der Europamedaille aus. 2020 wurde ihr die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Landrat Hans-Joachim Weirather erinnerte an die Erdbebenhilfe mit Spenden in Höhe von rund 300.000 Euro.

Diese Partnerschaft bereichert unser Leben. Dabei wollen wir den Segen des Heiligen Benedikt nicht vergessen. Eine kleine Abordnung aus Norcia kommt im Oktober 2020 mit dem Bus, um wenigstens im privaten Rahmen an die Besiegelung der Partnerschaft vor 40 Jahren zu erinnern.

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Das Foto zeigt die Bürgermeister (sindaco) Alberto Novelli und Georg Frehner bei der Übergabe der Partnerschaftsurkunden in Norcia am 21.03.1982.